Lixus – Eine Reise durch 3000 Jahre Geschichte

(dg) Die Besichtigung der archäologischen Stätte von Lixus gehört zu jenen Momenten, in denen Landschaft und Geschichte unmittelbar ineinandergreifen. Heute liegt der Ort auf einer Anhöhe über dem Loukos-Tal nahe Larache – doch in der Antike befand sich Lixus auf einer Halbinsel. Vor rund 3000 Jahren lag der Meeresspiegel deutlich höher. Erst mit dem allmählichen Absinken des Meeresspiegels verlor die Stadt ihre maritime Insellage und wurde Teil des Festlands.

Bis heute sind nur etwa zehn Prozent der Anlage archäologisch freigelegt. Was bereits sichtbar ist, lässt jedoch die außergewöhnliche Bedeutung dieses Ortes erkennen. Die ältesten bislang bekannten Siedlungsschichten gehen auf phönizische Niederlassungen zurück, die noch im späten 2. Jahrtausend v. Chr. entstanden. Ihre massiven, beinahe megalithisch wirkenden Mauern unterscheiden sich deutlich von späteren Bauphasen. Die phönizische Architektur wirkt kompakt und funktional – ein klarer Kontrast zu den nachfolgenden hellenistischen und römischen Strukturen.

Mit der römischen Epoche erreichte Lixus seine größte Ausdehnung. Besonders eindrucksvoll ist die exponierte Lage eines monumentalen Palastkomplexes, der mit den numidisch-mauretanischen Königen Juba I. und Juba II. in Verbindung gebracht wird. Von hier aus überblickte man einst den Hafen und pflegte Kontakt mit dem westlichen Mittelmeer. Als letzte Kulturphase hinterließen muslimische Gemeinschaften ihre Spuren. Doch mit den veränderten Küstenlinien und dem weiteren Rückgang des Meeresspiegels verlagerte sich das wirtschaftliche Zentrum allmählich an den heutigen Standort von Larache.

Die heutige Ruinenlandschaft ist deshalb mehr als ein archäologischer Ort – sie ist ein geologisches und kulturhistorisches Archiv. Kaum ein anderer Platz in Marokko zeigt so anschaulich, wie eng der Verlauf der Geschichte mit Veränderungen von Klima, Küstenlinien und Handelswegen verbunden ist. Da der überwiegende Teil der Stadt noch im Boden ruht, bleibt Lixus zugleich ein Versprechen an die zukünftige Forschung.

Lixus – A Journey Through 3,000 Years of History

A visit to the archaeological site of Lixus is one of those moments where landscape and history intertwine. Today, the site sits on a hill overlooking the Loukos Valley near Larache – but in antiquity, Lixus was located on a peninsula. Around 3,000 years ago, the sea level was significantly higher. Only with the gradual drop in sea level did the city lose its island location and become part of the mainland.

To date, only about ten percent of the site has been archaeologically excavated. However, what is already visible reveals the extraordinary significance of this place. The oldest-known settlement layers date back to Phoenician settlements, which emerged as late as the 2nd millennium BC. Their massive, almost megalithic-looking walls differ markedly from later construction phases. Phoenician architecture appears compact and functional—a clear contrast to the subsequent Hellenistic and Roman structures.

Lixus reached its greatest extent during the Roman era. Particularly impressive is the prominent location of a monumental palace complex associated with the Numidian-Mauretan kings Juba I and Juba II. From here, one once overlooked the harbor and the trade routes of the western Mediterranean. Muslim communities left their mark as the last cultural phase. However, with changing coastlines and the further decline of sea levels, the economic center gradually shifted to the present-day location of Larache.

The present-day ruins are therefore more than just an archaeological site—they are a geological and cultural-historical archive. Hardly any other place in Morocco illustrates so vividly how closely the course of history is intertwined with changes in climate, coastlines, and trade routes. Since the majority of the city still lies buried, Lixus also remains a promise for future research.