Steinbrüche mit rätselhaften Schraffuren

(dg) Die Forschergruppe „Waldgeist“ machte mich auf ein weiteres Bodendenkmal aufmerksam, das uns vor Rätsel stellt. Es handelt sich dabei um einen völlig überwucherten Steinbruch gegenüber der recht bekannten Fingalshöhle nahe dem fränkischen Obernzenn. Die Wände des Steinbruchs sind über und über mit merkwürdigen tiefen Rillen überzogen. Diese gehen zum Teil über mehrere Meter diagonal verlaufend vom oberen Ende bis ans Ende der Steinabbruchkante.
Wer hat, zu welchem Zweck, diese Rillen nachträglich eingemeißelt? Handelt es sich um reines Schmuckdekor oder um eine Art „kultischen Fingerabdruck“, um eine alte Steinhauergilde zu memorieren?

Die Begehung nahe Obernzenn fand letzten Freitag statt. Das Mitglied Bernd Krautloher warnte mich schon vorher, dass dieser Ort nur einer von vielen Plätzen ist, dass man, wenn man ihn einmal sah, diese Bilder nicht mehr aus dem Kopf bekommt…

Der Steinbruch liegt exakt gegenüber dem Steinbruch Fingalshöhle. Der Name Fingalshöhle ist irreführend, denn er war in Wirklichkeit ein Steinbruch, der für zahlreiche Bauwerke im Aischtal genutzt wurde. Unter anderem wurde auch die Stadtbefestigung von Bad Windsheim aus dem weichen rötlichen Sandstein errichtet. Das Bild Nr. 04 zeigt im Vergleich die Abbruchwände, so wie man sich einen „normalen Steinbruch“ vorstellt. Ganz anders jedoch der Steinbruch auf der anderen Straßenseite. Hier überziehen riesige Formationen von Rillen, wie die Fingerabdrücke von Riesen, die Steinwände. Egal, wo man hinschaut, überall befindet sich dieses Dekor, was bergbautechnisch überhaupt keinen Sinn macht.

Laut Aussage der Mitglieder der Forschergruppe „Waldgeist“ markiert Obernzenn nur den Beginn vieler solcher rätselhaften Steinbrüche, die es so eigentlich nicht geben dürfte. Der Aufwand, dieses Rillendekor auf die Felswände zu meißeln, ist außerordentlich! Gar nicht zu reden von den Gerüsten, die notwendig gewesen wären, um diese Rillen aus 5-8 m Höhe bis zur Unterkante zu meißeln. Nahe dem Ort Sternenfels beobachte ich selber einen weiteren Steinbruch, wo das Dekor weit höher bis auf 25 m eingemeißelt war. Wer macht so etwas? Und warum?

In Obernzenn konnte ich aus der Nähe sehr schön die Abbauspuren anschauen. Jedes Steinflöz war etwa 37-39 cm hoch und wurde konkav aus dem Grundgestein herausgearbeitet (Bild 06 & 07). Das ist soweit kein Hexenwerk. Doch danach wurde die gesamte abgearbeitete Oberfläche der Felswand nachträglich schraffiert. Eine Maschine oder eine andere Abbaumethode, die dieses wellenartige Dekor mit den rund 38 cm tiefen, konkaven Abbauspuren erzeugt, erscheint für mich als wenig überzeugende Argumentation.

Vielleicht habt Ihr ja eine Idee, wie diese Rillen an die Wand gekommen sind, und vor allem warum?

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Quarries with puzzling hatching

The research group “Waldgeist” (Forest Spirit) drew my attention to another ground monument that puzzles us. It is a completely overgrown quarry opposite the well-known Fingals Cave near the Franconian village Obernzenn. The walls of the quarry are covered all over with strange deep grooves. Some of these run diagonally over several meters from the upper end to the end of the stone edge.
Who subsequently chiseled these grooves in and for what purpose? Is it purely decorative or a kind of “cultic fingerprint” to memorize an old stone carving?

The inspection near Obernzenn took place last Friday. Member Bernd Krautloher warned me beforehand that this place is only one of many places, that once you get it, you can't get these pictures out of your head...

The quarry is exactly opposite the “Fingalshöhle” (Fingals cave) quarry. The name Fingalshöhle is misleading because it was actually a quarry that was used for numerous structures in the Aisch Valley. Among other things, the city fortifications of Bad Windsheim were built from the soft reddish sandstone. The picture no. 04 shows the demolition walls in comparison, just as one imagines a “normal quarry”. The quarry on the other side of the street is completely different. Here, huge formations of grooves, like the fingerprints of giants, cover the stone walls. No matter where you look, you will find this decor everywhere, which actually makes no sense in terms of mining.

According to the members of the “Waldgeist” research group, Obernzenn only marks the beginning of many such enigmatic quarries that shouldn't actually exist. The effort to chisel this groove decoration on the rock walls is extraordinary! Not to mention the scaffolding that would have been necessary to chisel these grooves down to the lower edge from a height of 5-8 m. Near the town of Sternenfels, I myself observe another quarry, where the decor was carved far higher than 25 m. Who does that? And why?

In Obernzenn I was able to see the signs of degradation up close. Each stone seam was about 37-39 cm high and was carved out of the bedrock in a concave manner (Fig. 06 & 07). This is not rocket science so far. But then the entire surface of the rock face that had been worked off was subsequently hatched. A machine or another mining method that creates this wave-like decor with the concave tracks that are around 38 cm deep seems to me to be an unconvincing argument.

Maybe you have an idea how these grooves came to be on the wall, and most importantly why?