Ural - Das rätselhafte Zwergenvolk der Chud
- von unserem Gastautor Wilfried Stevens
Seit Urzeiten gibt es russische Sagen über „große Steinmenschen“, die in den tiefen Bergen des Urals, aber auch an anderen Orten lebten, und die auch Menschen jagten, wenn sie sich bedrängt fühlten. Ebenso soll dort aber auch „ein Volk von kleinen Wesen leben“, die von den Bewohnern kleine Steinmenschen genannt wurden, weil sie immer ungepflegt voller Steinstaub waren, so dass ihre Haut grau aussah. Einer der ersten bekannten Forscher, der den alten Sagen nachging, war Iwan Iwanowitsch Lepjochin. Der russische Gelehrte Iwan Iwanowitsch Lepjochin (1740-1802) war ein angesehener Arzt, Botaniker und Forschungsreisender seiner Zeit. Er soll auf seinen Reisen, um die Lebensverhältnisse der Bevölkerung sowie die Tier- und Pflanzenwelt zu erkunden, als erster vom sagenhaften kleinen Volk gehört haben.
Er wusste, dass in den großen Weiten der Tundra und Wälder viele Volkssagen von Generation zu Generation weitergegeben werden, und dass der Aberglaube und Schamanismus in der Bevölkerung noch weit verbreitet waren. Als er aber das Vertrauen der älteren Bewohner erhalten hatte, wurde er zu einem Schamanen geführt, mit dem Hinweis, dass dieser ihm mehr über die kleinen Menschen sagen konnte. Dieser Schamane trug einen Anhänger mit einer Abbildung eines dieser kleinen Wesen. Er erzählte dem Forschungsreisenden, das sie von den Bewohnern meistens als Chud bezeichnet werden. Andere gaben ihnen den Spitznamen Chuschka oder Chuchek, was so viel wie schmuddelig oder unansehnlich bedeutet.
Sie waren von kleiner Statur, erzählte er weiter, hatten einen anderen Kopf und größere Augen als die von Menschen. Dabei zeigte er auf seinen Anhänger. Sie kommen ab und zu aus Höhlen und Tunnelgängen, um Metalle und Kristalle gegen Fleisch und andere Dinge zu tauschen. Dabei schienen sie direkt von der Arbeit zu kommen, denn immer war ihr Hosenanzug, ihre Kopfbedeckung und ihr Gesicht voller Dreck und Staub, daher der Spitzname. Wenn sie kamen, um Handel zu treiben, bauten sie kleine und einfache Unterstände mit vier Pfosten und einem Holzdach. Dabei waren sie immer in einer Gruppe und mit spitzen, langen Dolchen bewaffnet, weil sie den Menschen misstrauten. Weil sie das Tageslicht nicht vertrugen, kamen sie immer zur Dämmerung, um ihre Kristalle, Silber, Blei und Kupfer zu tauschen. Zum Schluss soll der Schamane ihm einen Tunneleingang gezeigt haben, wo eigentlich nur ein sehr kleines Kind durchpassen könnte, und ergänzte, dass sie im ganzen Land leben würden und sich unterirdisch sehr schnell bewegen könnten, obwohl ihre Beine so klein waren.
Es verging einige Zeit, bis man im 19. Jahrhundert mehrere geologische Expeditionen in der Region um die heutige Stadt Perm und an den südlichen Flussabschnitten des Flusses Sylva entsandte, um neue Bodenschätze zu finden und ergiebige Areale zu vermessen. In diesen kalten und lebensfeindlichen Gebieten lebten damals nur wenige Menschen resp. Nomaden, weshalb ein mögliches Rohstoffvorkommen bedeuten könnte, dass dann dort eine Industrie und damit auch Orte für die Arbeiterfamilien entstehen können. Zu ihrer großen Überraschung fanden die Geologen bereits ausgebeutete Rohstoffvorkommen in Form von sonderbaren kleinen Minen, Gruben und Höhlenzugängen. In erster Linie wurden Blei, Kupfer und Silber abgebaut. Niemand konnte sich das erklären. Weil sie so klein und eng waren, konnten sie nicht näher untersucht werden, aber weil einige Stellen weiter Abbaumöglichkeiten versprachen, vergrößerte man einige dieser zwergenhaften Tunnel. Dabei stellte man fest, dass die kleinen Minen bis zu 200 Meter in die waagerechte und senkrechte Tiefe gingen, und es eine Art Labyrinth gab, was jedoch viel zu aufwendig gewesen wäre, dieses näher zu untersuchen. Diese Fundorte wurden jahrelang untersucht, und das, was sie entdeckten, war derart ungewöhnlich, dass es kaum bekannt gemacht wurde, weil man der Ansicht war, dass es niemand glauben würde.
Dr. Alexander Koltypin, Direktor des Naturwissenschaftlichen Forschungszentrums am naturwissenschaftlichen Forschungszentrums an der Internationalen Unabhängigen Ökologischen Politischen Universität Moskaus und bekannter Buchautor in Russland, beschäftigte sich schon länger mit den Sagen über das kleine Volk der Chud und stellte fest, das vom Ural bis hin nach Sibirien, diese rätselhafte kleine Volk aus alten Sagen bekannt sei. Einige Kilometer von Perm entfernt bis hin zur südlichen Stadt Suksun stieß man auf solche kleine Minen und Tunneleingänge, und die Sagen behaupteten, dass alle Orte der Chud unterirdisch verbunden waren.
Sein Team fand komplexe Tunnelsysteme, die normale erwachsene Menschen aufrecht oder gebückt nicht passieren konnten. Sie waren so klein, dass nach ihren Berechnungen, von der Körpergröße her, dort nur Kinder im Alter von 2-3 Jahren durchgehen konnten. Ältere Bewohner behaupteten, dass ihre Vorfahren noch vor 100 Jahren Kontakt mit ihnen hatten. Es gab einen heftigen Streit wegen eines Tauschhandels, und nach einem Kampf verfolgten die Menschen die Chud, bis zu einer unterirdischen Höhle an einem See. Aber die kleinen Wesen verschwanden plötzlich im Höhlen-See und tauchten nicht mehr auf. Daraufhin räucherten die Menschen alle Eingänge aus und schütteten viele mit Erde zu, und man sah die Chud nie wieder.
Die größte Überraschung für das Team von Dr. Koltypin waren die Überreste einer kleinen Siedlung in der Nähe der Minen, und die Funde von seltsamen kleinen Dolchen, Schwertern und Werkzeugen, die eigentlich nur für Zwergen- oder Kinderhände gemacht worden sein konnten. Dr. Koltypin ist überzeugt, dass die alten Legenden stimmen könnten und dieses rätselhafte kleine Volk in einem Clan-Verband nicht nur eine unbekannte Menschenspezies sein könnte, sondern tatsächlich große Regionen vom Ural bis nach Sibirien bevölkerte. Hier haben die Forschungen eigentlich erst begonnen. Wenn man die künstlichere Abbildung des Anhängers betrachtet (siehe Bild), sehen sie schon recht seltsam aus.