V. Auf Fawcetts Spuren

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Colonel P.H. Fawcett, "Manoa" und Atlanter in Brasilien, Teil V

Abb. 14 Seit seinem Verschwinden im Jahr 1925 haben mindestens sechzehn Such-Expeditionen vergeblich in den Tiefen des brasilianischen Regenwalds nach Fawcetts Verbleib geforscht.

(bb) Neben solch 'übersinnlichen' - bisweilen sogar 'übersinnlosen' - Versuchen, Fawcetts Verbleib zu erklären, gab es aber auch ganz bodenständige Anstrengungen, durch Such-Expeditionen Klarheit über das Schicksal der verschwundenen Forscher zu erhalten: "George M. Dyott suchte nach Fawcett und schrieb einen Artikel 'Man Hunting in the Jungle: Being the Story of a Search for Three Explorers Lost in the Brazilian Wilds' (The Bobbs-Merrill Company, 1930).

Der schelmische Reiseschriftsteller Peter Fleming schrieb über seine Suche nach Fawcett - und seine Kritik an Dyott - in 'Brazilian Adventure' (Scribner's, 1933). Robert Churchward [nicht zu verwechseln mit James Churchward; d. Red.] sammelte seine Beobachtungen all dieses Brimboriums in 'Wilderness of Fools: An account of the Adventures in Search of Lieut-Colonel P. H. Fawcett' (Routledge, 1936), und später auch in einem Kinderbuch, 'Explorer' (Thomas Nelson, 1957)." [1]

Wesentliche Akzente bei der Suche nach seinen verschwundenen Angehörigen setzte auch Brian Fawcett, der persönlich zwei Brasilien-Reisen unternahm, um das mysteriöse Schicksal der letzten Expedition seines Vaters aufzuklären. In seinem Buch "Ruins in the Sky" (Hutchinson Ltd., London, 1957), beschrieb er seine zwei Besuche in Brasilien, deren Auslöser zunächst die vermeintliche Entdeckung der Gebeine Colonel Fawcetts im Gebiet zwischen den Flüssen Kuluene und Tanguro war. Entdeckt hatte das Skelett angeblich ein gewisser Orlando Vilas Boas, nach dessen Angaben der britische Forscher von den Kalapalo-Indianern ermordet worden war.

1952 reiste Brian Fawcett in das Stammesgebiet der Kalapalo, wo er unter anderem auch Vilas Boas traf, der ihm jedoch außer "dubiosen Geschichten" nichts Neues zum Verschwinden seines Vaters berichten konnte. Die von dem Brasilianer präsentierten "Knochen wurden sowohl von Brian Fawcett als auch vom Royal Anthropological Institute untersucht, die darin übereinstimmten, dass es sich bei ihnen nicht um die Überreste des Colonels handeln könne." [2] Das Rätsel um die Verschollenen blieb weiter ungelöst.

Fawcett Jr. hatte für seine Brasilien-Fahrten aber noch einen zweiten Grund. Er hatte sich nämlich entschlossen, den Spuren seines Vaters auch als Forscher zu folgen und das zu Ende zu bringen, was dieser in den 20er Jahren begonnen hatte: Er wollte die Legenden um "Z" und die "'Sete Cidades" ("Sieben Städte") enträtseln, die bereits die Phantasie - und Goldgier - der portugiesischen Eroberer des heutigen Brasilien angeregt hatten. Im Gegensatz zum Colonel war sein jüngerer Sohn jedoch ein eher sachlich veranlagter Empiriker, der wenig von okkulten Praktiken, und umso mehr von handfesten Evidenzen hielt.

Abb. 15 Anfang der 1950er, dreißig Jahre nach dem Verschwinden des Colonels, begab sich sein jüngerer Sohn Brian auf Spurensuche. (Zeichnung: Brian Fawcett)

Mit Hilfe der Briefe und Dokumente seines Vaters gelang es Brian Fawcett schließlich, die 'Sieben Städte' tatsächlich im Dschungel ausfindig zu machen - allerdings nicht mit dem erwarteten (und zumindest vom Colonel erhofften) Ergebnis: Die Ruinen existierten tatsächlich, aber es handelte sich bei ihnen in Wirklichkeit um Geofakte. Sandsteinformationen waren es, deren Erosionsprozesse ein Ergebnis geschaffen hatten, das den Überresten alter Befestigungs- und Wohnanlagen äußerst ähnlich war. B. Fawcett schrieb dazu:

"Lag ich mit dieser Schlussfolgerung richtig? War es nicht möglich, dass [dies] hier die Überbleibsel einer uralten Siedlungsstätte waren - der riesigen Metropole einer vergessenen Zivilisation? Nein, wir hatten deutlich genug gesehen, wie die dünne obere Bodenschicht graduell weggefallen war, um einen Konglomerat-Gürtel freizulegen, und wir hatten seine fortschreitende Erosion gesehen, bis hin zu ihrer Kulmination in sieben Pseudo-'Städte'. Die anscheinend deltaförmige Formation weist diesen überzeugenden Verlauf der Steinformung auf. Wind und Regen hatten sie langsam abgeschliffen, bis sie den Anschein von Menschen geschaffener Gebäude hatte. 'Sete Cidades', die Stadt, welche Brasilien mit Atlantis in Verbindung brachte, war eine Illusion." [3]

Das Gleiche galt auch für 'Z' oder 'Manoa', wie B. Fawcett feststellen musste: "Ja, es war alles hier, genau wie beschrieben - von den strategisch platzierten Forts am Fluss bis zu den kammförmigen Gipfeln der Klippen war alles hier - aber unser Aussichtspunkt zeigte uns deutlich genug, dass der Mensch keinen Anteil an seiner Entstehung hatte ... Dreißig Jahre sind eine lange Zeit. Wären nicht seit dem Verschwinden meines Vaters so viele Jahre vergangen, wäre es mir womöglich noch bitterer zumute gewesen, als es mir ob der Sinnlosigkeit seines und der anderen Schicksale war - drei Leben, verloren oder ruiniert auf der Suche nach einem Gegenstand, der tatsächlich niemals existiert hat... Der eine Teil meiner Mission war erfüllt, ich kenne nun das Geheimnis der 'Verlorenen Städte' Brasiliens." [4]

Während Brian Fawcett zu Beginn der Fünfziger Jahre immerhin gelungen war, diesem Geheimnis auf die Spur zu kommen, blieb das Schicksal seines Vaters weiter ungeklärt. Fast ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis endlich weitere Indizien im 'Fall Fawcett' ans Tageslicht kamen. Schlagzeilen machte zunächst das Scheitern einer Expedition, die 1996 von dem brasilianischen Geschäftsmann René Delmotte und dem New Yorker Bankier James Lynch organisiert wurde. Zwölf der sechzehn Teilnehmer wurden von den Kalapalo als Geiseln genommen und kamen erst im Austausch gegen Boote und Jeeps wieder frei. Außerdem ging Ausrüstung im Wert von $30 000 verloren. [5]

Abb. 16 Brian Fawcett (links mit zwei Indianern auf einer der Suchexpeditionen nach seinem Vater und rechts 'hoch zu Ross') löste das Rätsel um die "Sete Cidades" und fand "Z".

Im Jahr 1999 sendete die [ BBC] dann ein Special unter dem Titel "The Bones of Colonel Fawcett". Die Sendung berichtete über die Reisen von Benedict Allen, nach eigener Definition ein "Einzelgänger-Abenteurer", der [ Fawcetts] Schritte mit einem Camcorder nachverfolgte: "Allen schaffte dieses Meisterstück, indem er mit den Kalapalo-Indianern einen 'Yamaha 80'-Außenbordmotor gegen die benötigten Informationen eintauschte.

Die Kalapalo, deren Erinnerungen 70 Jahre zurückreichten, informierten ihn, dass Fawcett in der Nähe ihres Dorfes kampiert hatte und dann am nächsten Tag, trotz ihrer Warnung vor den Gefahren, aufgebrochen sei, um seine Reise fortzusetzen. Fünf Tage später machten sie Rauch im Dschungel aus. >Sie folgten der Spur, fanden [den Platz], wo sie kampiert hatten - und sonst nichts, der Wald war unberührt< sagte Allen. >Und das ist alles, was sie über Fawcett wussten. Weitere Spekulationen machten sie nicht.

Die Schlussfolgerung ist, dass sie von anderen Indianern umgebracht wurden. Zu dieser Zeit war dort eine Gruppe namens Iaruna, von der ein Jagdkommando das Gebiet unsicher machte<. Der Kalapalo-Häuptling, Vajuvi, zeigte Allen den Platz des Grabes, aus dem Fawcetts angebliche Knochen genommen wurden. Die Knochen, sagte er, seien in Wirklichkeit die seines Großvaters. Vajuvi erläuerte, dass Villas Boas 1951 an den Stamm herangetreten sei, und sie gebeten habe, die Knochen des größten Indianers auszugraben, von denen sie wüssten, mit der Absicht, sie als Fawcetts Überreste auszugeben." [6]

Mehr über das Schicksal Colonel Fawcetts und seiner Begleiter werden wir vermutlich nie erfahren, eine letzte Gewissheit über ihren Verbleib wird es nicht geben, sofern ihre sterblichen Überreste nicht doch noch irgendwann entdeckt und identifiziert werden sollten; eine höchst unwahrscheinliche Möglichkeit, mit der kaum zu rechnen ist. Vielleicht ist das auch ganz gut so. Immerhin ist dem mythifizierten Fawcett gelungen, was dem Menschen aus Fleisch und Blut versagt geblieben ist: Man nahm ihn und seine Ideen wahr, diskutierte sie, und er avancierte sogar zu einem kulturellen Phänomen, das seine Spuren in Literatur und Film hinterließ.

So wurde beispielsweise Sir Arthur Conan Doyle durch einen Vortrag von Fawcett zu seinem berühmten Werk “The Lost World” inpiriert, für das er Fawcetts Entdeckungen als Grundlage verwendete. Selbst für die populäre Film-Figur des Kinohelden "Indiana Jones" musste der Colonel herhalten, aber immerhin fand dieser dann auch - zumindest auf der Leinwand - eindeutige Spuren von Atlantis.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Larry Orcutt, "The Continuing Chronicles of Colonel Fawcett - Factual and Fabulous", online unter: http://home.earthlink.net/~larryorcutt/fawcett.html
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: Brian Fawcett, "Ruins in the Sky", Hutchinson Ltd., London, 1957, S. 295; zitiert nach: Larry Orcutt, "The Continuing Chronicles of Colonel Fawcett - Factual and Fabulous", online unter: http://home.earthlink.net/~larryorcutt/fawcett.html
  4. Quelle: ebd., Seiten 300-301
  5. Quellen: Jane Hughes, "Lost City of Gold - Explorer's Remains Found", London Sunday Independent, 28. Februar 1999; zitiert nach: Ancient Mysteries, unter http://www.100megsfree4.com/farshores/fawcett.htm sowie: Lee Krystek, "Colonel Percy Fawcett", Viirtual Exploration Society, online unter: http://www.unmuseum.org/fawcett.htm
  6. Quelle: Larry Orcutt, "The Continuing Chronicles of Colonel Fawcett - Factual and Fabulous", online unter: http://home.earthlink.net/~larryorcutt/fawcett.html

Bild-Quellen:

14) http://kilby.stanford.edu/~rvg/fotos/Brazil/jungle.jpg
15) http://home.earthlink.net/~larryorcutt/fawcett.html
16) Links: http://www.spidercanyon.com/backiss/books4.html
16) Rechts: http://www.phfawcettsweb.org/play.htm