Wenn der Berg zum Propheten kommt: Die Berlitz-Pyramide

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

(bb) In die Abteilung "Pleiten, Pech und Pannen" gehört auch die angebliche Unterwasserpyramide bei den Bimini-Inseln, deren Existenz Charles Berlitz 1978 in "Without a Trace" [deutscher Titel: Spurlos; Anm. der Red.] nachweisen wollte. "Entdeckt" wurde sie m Jahre 1977 auf einer Fischfangexpedition unter dem Kommando von Kapitän Don Henry in den Gewässern der Cay Sal Bank, südlich von Florida Keys. "Während die Expedition Echolotmessungen durchführte, zeichnete das Gerät in 200 Metern Tiefe eine klar erkennbare Pyramide auf. Das seltsame Objekt hat eine Höhe von rund 140 und eine Kantenlänge von 150 Metern." [1]

Abb. 1 Die Sonar-Aufnahme, mit der Berlitz die Existenz einer Pyramide bei Bimini nachweisen wollte.

Der Autor präsentierte dazu eine Sonaraufnahme (Abb. 1), welche den Scan eines gewaltigen, pyramidalen Objekts zeigen soll, das den Meeresboden um 470 Fuß überragt und eine Länge von jeweils 520 Fuß an jeder ihrer vier Seiten aufweise. Diese Ausmaße entsprächen in etwa der Großen Pyramide von Gizeh - wenn dort am Meeresboden tatsächlich solch ein Bauwerk stünde.

Ebenso bissig wie zutreffend bemerkt ein namentlich ungenannter Kritiker dazu auf seinen Webseiten: "Die Sonar-Karte, die von Captain Don Henry besorgt und >von Dr. J. Manson Valentine vom Miami Museum of Science authentifiziert< wurde, erscheint in der Tat als beeindruckender Beweis ... zumindest, bis man weiß, wie sie richtig zu lesen ist. Die Aufnahme zeigt den Querschnitt einer deutlichen, symmetrischen Pyramidenform, die sich über die ansonsten flache Oberfläche [des Meeresbodens] erhebt. Aber Sonar-Ortung desjenigen Typs, den Henry verwendete, produziert eine Darstellung mit stark übertriebener vertikaler Axe, um es leichter zu machen, horizontale Veränderungen der Oberfläche aufzuspüren. Somit ist, was als hoch emporragende Pyramidenflanken erscheint, die steil in einem 45° Winkel ansteigen, in Wirklichkeit ein flacher Hang von nicht mehr als zwei oder drei Grad. Weit entfernt von 470 Fuß, ist die Spitze dieser "Pyramide" in Wirrklichkeit nur ein paar Fuß hoch." [2]

Auch auf eine zweite Möglichkeit, wie diese Aufnahme entstanden sein könnte, wird dort hingewiesen: "Auch ist ist es möglich, dass Henry seine Sonar-Aufnahme machte, indem er das aufnehmende Boot zunächst geradeaus laufen und dann abrupt die Richtung ändern ließ. Auf diese Weise würde er eine symmetrische, pyramidenförmige Sonardarstellung von praktisch jedem Teil des Meeresbodens produzieren (auch wenn dabei die Pyramide manchmal auf dem Kopf stehend erscheinen würde, was vom Hang und der Richtung des Bootes abhängen würde)". [3]

Abb. 2 Charles Berlitz kolportierte - neben diversen durchaus ernst zu nehmenden Funden - auch eine ganze Reihe von "Beweisen" für angebliche Atlantis-Relikte, die sich später als wertlos erwiesen.

Der Autor der genannten Webseite spricht zudem den Verdacht aus, dass Berlitz sogar noch etwas 'nachgeholfen' habe, um den gewünschten Gesamteindruck seiner Darstellung zu verstärken: "Als Zugabe zu dieser Täuschung hob Berlitz hervor, die Linie am unteren Rand der Karte stelle den Meeresboden dar. Tatsächlich war das lediglich eine willkürliche Linie, wo die Karte abriß." [4] Die Linie, die auf solchen Sonar-Karten den Meeresboden darstelle, erscheine tatsächlich OBEN auf der Darstellung. "Der Kontrast der steilen Hänge mit diesem falschen Meeresboden ließ den Gegenstand der Karte viel pyramidenähnlicher erscheinen." [5]

Wir werden vermutlich nie erfahren, ob Kapitän Don Henry ein Spaßvogel war, der kräftig Seemannsgarn für den Atlantis-begeisterten Valentine gesponnen hat, auf das dieser dann - ebenso wie später Charles Berlitz - prompt hereinfiel. Spekulationen, ob Berlitz hier gezielt an einer Chimäre gebastelt hat, sind letztlich ebenso müßig wie unangebracht und fruchtlos. Berlitz´ journalistische Integrität wurde in der Vergangenheit schon so häufig in Zweifel gezogen, dass sich vor einigen Jahren D. Robson, ein junger Journalist aus den USA dazu entschloss, den Erfolgsautor in dieser Beziehung einmal etwas eingehender 'unter die Lupe' zu nehmen. In einer umfangreichen Untersuchung von Berlitz´ Quellenmaterial und seinem Umgang damit konnte Robson schlüssig aufzeigen, dass Charles Berlitz journalistisches Niveau weitaus höher war, als ihm seine Kritiker zugestehen wollen: Die von Berlitz zitierten Quellen waren stets authentisch, und in KEINEM Fall konnte ihm eine inhaltliche Manipulation des verwendeten Materials nachgewiesen werden. [6]

Berlitz mag im vorliegenden Fall, einmal mehr, einem Trugschluss erlegen sein; eine derart plumpe Manipulation seines "Beweismaterials" erscheint jedoch im Licht von Robsons Untersuchung mehr als unwahrscheinlich. Übrig bleibt die Tatsache, dass es sich bei der Berlitz-Pyramide - die auch auf Satellitenaufnahmen des Gebiets erkennbar sein müßte, wenn es sie denn gäbe - weder um ein prähistorisches Relikt, noch um eine Spur von Atlantis, sondern vielmehr um eine tradierte Fehlinterpretation par exellence handelt.


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: http://www.geocities.com/CapitolHill/3721/pyram.htm (Seite nicht mehr online)
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: ebd.
  5. Quelle: ebd.
  6. Siehe: D. Robson, "Charles Berlitz, An Inquiry into Journalistic Credibility", in: Pursuit, Vol. 19/No. 1, 1986


Bild-Quellen

(1) http://www.geocities.com/CapitolHill/3721/pyram.htm (nicht mehr online)

(2) Unbekannte Bildquelle; Hinweise an die Redaktion erbeten!