Jean und René-Maurice Gattefossé – Atlantisforschung

Jean und René-Maurice Gattefossé

Abb. 1 M. René-Maurice Gattefossé (1881-1950). Von seinem Bruder Jean ist derzeit leider keine fotographische Abbildung zu finden.
Abb. 1 M. René-Maurice Gattefossé (1881-1950). Von seinem Bruder Jean ist derzeit leider keine fotographische Abbildung zu finden.

(red) Zu den im deutschsprachigen Raum wenig bekannt gewordenen Persönlichkeiten der Atlantisforschung des frühen 20. Jahrhunderts gehören auch die beiden Brüder René-Maurice (Abb. 1) und Jean Gattefossé aus Frankreich.

Der 1881 bei Lyon geborene René-Maurice Gattefossé war von Beruf Chemiker - mit einem speziellen Interesse an den Wirkstoffen von Heilpflanzen - sowie Parfümeur. Allgemeine Bekanntheit erlangte er vor allem als Begründer der so genannten Aromatherapie. [1]

Zudem war R.-M. Gattefossé quasi auch einer der Pioniere der späteren Primhistorik, deren Anhänger die Möglichkeit diverser, weit prähistorischer 'Uralt-Kulturen' diskutieren. So gehörte er zu den frühen Verfechtern der Annahme, "dass in Antarktika eine sehr alte Zivilisation existiert habe, die sich anschließend nach Atlantis ausgedehnt habe, welches er als ausgedehnte Insel im Atlantik identifizierte." [2] Dazu untersuchte Gattefossé u.a. indianische Kulturen und forschte auch anthropologisch nach Nachkommen der Atlantier unter heutigen Völkern. [3]

Abb. 2 Das Original-Cover von R.-M. Gattefossés, im Jahr 1925 erschienener, Broschüre zur Entstehung der Schrift
Abb. 2 Das Original-Cover von R.-M. Gattefossés, im Jahr 1925 erschienener, Broschüre zur Entstehung der Schrift

R.-M. Gattefossés Studien zur Enstehung der Schrift führten ihn zum Ergebnis, dass deren Geschichte und Entwicklung weitaus älter ist, als allgemein zugestanden wird, und bis in die 'Steinzeit' zurückreicht. Dazu veröffentlichte er 1925 eine Broschüre (39 Seiten) mit dem Titel "Les Origines Préhistoriques de Ecriture" (Abb. 2). [4] Bereits 1923 war sein Buch "La Vérité sur l'Atlantide" ('Die Wahrheit über Atlantis') [5] erschienen, in dem er seine diesbezüglichen Ansichten und Erkenntnisse vorstellte. Neben seiner beruflichen Tätigkeit (in diesem Zusammenhang veröffentlichte er zahlreiche fach- und populärwissenschaftliche Werke) sowie seinen alternativ-prähistorischen Forschungen betätigte er sich in späteren Jahren zudem auch als Roman-Autor. [6]

René-Maurice Gattefossé verstarb 1950 während eines Besuchs bei seinem jüngeren Bruder Jean in der Nähe von Casablanca. [7]

Jean Gattefossé (1899-1960), ein Berufs-Botaniker, war ebenso wie sein Bruder René-Maurice eine atlantophile Forscherpersönlichkeit und ein fachlich arrivierter Atlantologe. Obwohl er heute zumeist als Advokat der These eines 'Atlantis in Nordafrika' wahrgenommen wird, war er im Grundsatz ein Anhänger der 'klassischen Atlantis-Theorie' eines Atlantis im Atlantik. Allerdings nahm er an, "dass sich das Zentrum der atlantidischen Zivilisation in ihren finalen Stadien von einem [entsprechenden] Insel-Kontinent nach Nordafrika hin verschob; folglich seien die Ruinen von Städten [dieser Spät-Atlantier] von der Atlantik-Küste bis hin zum Nil zu finden." [8]

Abb. 3 Atlantis im Tertiär nach R.-M. Gattefossé
Abb. 3 Atlantis im Tertiär nach R.-M. Gattefossé

Mit seiner Unterscheidung zwischen einem älteren, zentralatlantischen Atlantis und späteren, kulturell auch nach Iberien ausstrahlenden, Atlantiden Nordafrikas erweist Jean Gattefossé sich als früher Repräsentant und 'Vorreiter' der atlantologischen Schule oder Richtung der '*Synthetiker'. Diese Forscher betrachten den Atlantisbericht als Konglomerat aus verschiedenen Elementen, welche aus unterschiedlichen Quellen stammen, und Ereignisse aus chronologisch unterscheidbaren Perioden wiedergeben.

Bekannt geworden sind vor allem drei wesentliche atlantologische Publikationen von Jean Gattefossé: Sein früher Aufsatz "À propos de l’Atlantide" (1923) [9], seine, 1926 gemeinsam mit Claudius Roux veröffentliche, "Bibliographie de l’Atlantide et des questions connexes" [10], sowie seine Studie "Atlantis and the Western Tritonis" (1932). [11] 1940 veröffentlichte er zudem noch ein Buch über Hyperborea und jungsteinzeitliche Migrationen. [12]

Bezüglich der, von Platon in seinem Atlantisbericht erwähnten 'Säulen des Herakles', deren Lokalisierung in der Atlantisforschung eine gravierende Rolle einnimmt, kam Jean Gattefossé übrigens zu einem erstaunlichen Ergebnis. In einem Brief an den britischen Atlantologen Egerton Sykes schrieb er im Mai 1959: "Ich versichere, dass die Säulen des Hercules bei Tartessos lagen, und dass sie noch immer bei Sevilla existieren, wo sie eine populäre Touristen-Attraktion sind, weshalb ich jene Stadt als Tartessos identifiziere, wie ich in meinen >Archaeological Walks in Andalusia< erwähnt habe [...] Es gibt aber auch die Säulen von Cadiz, welche ebenfalls Relikte von Atlantis-Tartessos sind. Epfehlen kann ich das Buch >The Pillars of Hercules and Atlantis< von A. Rousseau Liessens, Brüssel, 1956, das alle notwendigen Details zu diesem Thema liefert." [13]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: René-Maurice Gattefossé, bei: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie (abgerufen: 12.09.2012) --- Red. Anmerkung: Eine recht ausführliche Biographie in französischer Sprache (freilich ohne jede Bezugnahme auf R.-M. Gattefossés Atlantisforschung) findet sich zudem unter René-Maurice Gattefossé bei: Wikipédia - L'encyclopédie libre; eine, sehr knapp gehaltene, Kurzbiographie in deutscher Sprache (ebenfalls ohne Erwähnung atlantologischer Aspekte) ist online unter dem Titel "René Gattefossé, der >Vater< der Aromatherapie" bei Eliane Zimmermann (AiDA) auf der Seite "Die “aromatische” Geschichte der Neuzeit" zu finden.
  2. Quelle: Tony O’Connell, Gattefossé, René-Maurice, bei: Atlantipedia.ie (abgerufen: 12.09.2012)
  3. Quelle: Thorwald C. Franke, "Kommentierte Bibliographie zu Platons Atlantis" S. 21; als PDF-Datei, 214,56 KB; bei: Atlantis-Scout.de (2005/2008)
  4. Siehe: R.-M. Gattefossé, "Les Origines Préhistoriques de Ecriture", Anciens Etablissements Legendre (Lyon), 1925
  5. Siehe: R.-M. Gattefossé, "La Vérité sur l'Atlantide", Anciens Etablissements Legendre (Lyon), 1923
  6. Siehe: R.-M. Gattefossé, "Paradise Société Anonyme", Derain et Raclet (Lyon), 1941 (ein futuristischer Roman); sowie: R.-M. Gattefossés, "Le roman de Marthe la salyenne", Derain-Raclet (Lyon), 1942
  7. Quelle: Anonymus, RENE-MAURICE GATTEFOSSE, bei: OILS AND PLANTS (abgerufen: 12.09.2012)
  8. Quelle: Dr. Julie Gerber / Seachild.net - The Official Authorized Website of Egerton Sykes' Atlantology, unter: Archaeological Evidence for Atlantis (Abschnitt: "Significant Twentieth-Century Archaeological Finds"); abgerufen: 12.09.2012
  9. Siehe: À propos de l’Atlantide, erschienen in: La Géographie, t. 40, 1923
  10. Siehe: Jean Gattefossé und Claudius Roux, "Bibliographie de l’Atlantide et des questions connexes: géographie, ethnographie et migrations anciennes, Atlantique et Méditerranée, Afrique et Amérique, fixité ou dérive des continents, déluges, traditions, etc.", Sté d’Etudes Atlantéennes (Lyon), 1926, Bosc & Riou, Lyon, 1926
  11. Siehe: Jean Gattefossé, "Atlantis and the Western Tritonis", bei: Moroccan Society for Prehistory, 1932
  12. Siehe: Jean Gattefossé, "Hyperborea and the Neolithic Migration", 1940
  13. Quelle: Atlantis and North Africa, A letter from Jean Gattefosse, Ain Sebaa, May 1959 (excerpts), bei: Atlantisite.com; archiviert durch: oocities.org (abgerufen: 12.09.2012; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Arno Lambert, bei: Wikimedia Commons, unter: File:René-Maurice Gattefossé.jpg (GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
2) Arno Lambert, bei: Wikimedia Commons, unter: File:Couv origines prehistoriques.jpg (GNU-Lizenz für freie Dokumentation)
3) Lewis Spence, "The History of Atlantis", London, 1926, S. 52 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)