Assurbanipals Weltbücherei

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von Kurt Bilau (1935)

Abb. 1 Ein altes assyrisches Fries, das König Assurbanipal im Handgemenge mit einem Löwen zeigt. Der von ihm ab etwa 660 v. Chr. betriebene Aufbau einer gewaltigen Tontafel-Bibliothek gehört zu den größten Kultur-Taten der bekannten Zivilisationsgeschichte.

Der Atlantisbericht und auch Solons Uraufzeichnungen sind verloren gegangen, vielleicht beim Brande der Riesenibliothek von Alexandria. Trotzdem verdanken wir die Kenntnis ihres Inhaltes der ganz einzigartigen Kulturtat Assurbanipals (Abb. 1), des griechischen Sardanapal. Obgleich die damaligen Priester den König und den Adel nicht in ihr Wissen einweihen wollten, denn Wissen ist Macht und diese Macht wollten die Priester für sich allein besitzen, so befaßte sich Assurbanipal doch mit den Wissenschaften, wenn auch die Priester solches Tun in geschickter Abschreckungsmanier höchst unköniglich nannten.

Dieser stumme aber vielsagende Kampf der Priester gegen König und Adel hat sich glücklich bis ins Mittelalter durchgefressen. Es galt für unritterlich, Lesen und Schreiben zu können, und so mußte selbst ein Walther von der Vogelweide seine Dichtungen diktieren. Erst der neuerdings als Sachsenschlächter und Zerstörer nordischer Kultur zugunsten römischer Kultur gerandmarkte Karl der Große lernte als Ausnahme seiner Zeit Lesen und Schreiben. Das wird dem Klerus sicher nicht sehr lieb gewesen sein. Betrachteten doch die damaligen Klöster und Kirchen sich als alleinige Hüter aller Kultur, aller Wissenschaft und Kunst. War es doch viel später noch ganz unerhört, daß die Holländer es wagten, zum ersten Male profane Bilder und nicht Darstellungen aus der biblischen Geschichte, lediglich für kirchliche Zwecke bestimmt, zu malen.

War es nicht unerhört, daß Galilei ohne päpstliche Genehmigung den Kosmos im Sinne des Kopernikus umkrempeln wollte, daß er die Erde rotierend um die Sonne kreisen lassen wollte! Man weiß, wie der Papst darob ergrimmt war und den Ketzer Galilei durch die Inquisition zum Widerruf zwang. Trotzdem ließ sich die Wissenschaft nicht mehr länger in den Schoß der Kirche einsperren, genau so, wie es heute an der Zeit ist, daß die Wissenschaft nur für die Wissenschaft da ist. Auch der gebildete Laie darf mithelfen bei Aufhellung neuer Hypothesen, zumal wenn diese so allumfassend sind, wie Hörbigers Deutungen des Kosmos.

Doch zu Assurbanipal zurück, der, etwa ab 660 v. Chr., alles, was er an Schriftlichem bekommen konnte, von 4000 Jahre alten sumerischen Zaubersprüchen und Formeln an ins Neuassyrische übersetzen und auf Tontafeln aufschreiben ließ, um es in seiner Bibliothek zu Ninive zu sammeln. 1847-1850 grub Layard diese Biliothek im SW des Palastes zu Kujundschik wieder aus. Die Decken der Räume waren durchgebrochen und die Tontafeln bedeckten 1 Fuß hoch den Boden. Einer dieser Säle war 10 X 80 m groß, so daß man allein dort schon 200 cbm Tontäfelchen fand, von denen die größten nur 22 X 16 cm groß waren.

Die neuassyrische Keilschrift wurde von anscheinend kurzsichtigen Gelehrten, die sich daran die Augen verdorben hatten, außerordentlich klein [1] geschrieben. Noch ist man mit der Sichtung und Übersetzung sehr im Rückstand. Eine der ersten Tafeln, die der englische Maler Smith bei den Ausgrabungen aufhob, enthielt zunächst nichts anderes als die babylonische Weltanschauung, die wir als biblische Sintflutsage kennen. Daß diese babylonischen Ursprunges war und erst nach dem Exil nach Palästina kam, ist ja bekannt. Der Noah heißt zwar Utnapischtim, er baut sich auch eine Arche und tut genau dasselbe, wie sein Noah genannter Geistesvetter.

Assurbanipal hatte Ägypten unterworfen und hatte somit auch Zugang zu dem Tempel in Saïs, ganz gleich, ob die Priester das wollten oder nicht wollten. Es besteht zwar keine geschichtlich Selbst hundert Jahre später besaß ja Saïs noch die atlantischen Urtexte. Eines aber ist als unumstößlich sicher anzunehmen, nämlich, daß der bibliophile Assurbanipal die saïtischen Schätze gleichfalls übersetzen und seiner Bibliothek einverleiben ließ.


Fortsetzung:

Der Mondeinfangsbericht nach Daniel und Johannes


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Kurt Bilau (1872-1941) wurde seinem Buch "("Die Offenbarungen des Johannis - Ein Mondniederbruch vor 11 400 Jahren" entnommen (S. 55-56), das 1935 in Berlin veröffentlicht wurde. Bei Atlantisforschung.de erscheint er (2009) in einer redaktionell bearbeiteten Online-Fassung.

  1. Anmerkung des Verfassers: Damals schon wurde eine Leselupe aus Bergkristall erfunden!


Bild-Quelle

(1) http://cdli.ucla.edu/staff/englund/Images/NeoAssyrian/ReliefAssurbanipal_Amiet.jpg