Beringstraßen-Theorie und indianische Überlieferungen (II)

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

von Itztli Ehecatl

Abb. 7 Eine Gruppe vom Stamm der Kaibab-Paiute bei Moccasin im Jahr 1904. Die historischen Erinnerungen ihrer Nation reichen mindestens 800 Jahre in die Vergangenheit zurück. (Foto: Charles C. Heaton, Pipe Spring National Monument, Neg. 2476)

Native Americans haben "aggressiv die Beringstraßen-Migrations-Doktrin opponiert, da sie nichts von den Erinnerungen oder Überlieferungen widerspiegelt, die über viele Generationen hinweg von den Vorfahren überkommen sind." [1] Alle aufgezeichneten Überlieferungen von Native Americans sagen uns, dass ihre Vorfahren nicht von Asien aus in die Neue Welt kamen, sondern dass sie von hier stammten oder auf dem Weg über Inseln hierher kamen. Es ist bereits von vielen Archäologen bewiesen worden, dass die mündlichen Überlieferungen der Native Americans äußerst akkurat sind und historische Fakten widerspiegeln, die mittels archäologischer Fund-Stätten verifiziert werden können.

Die Kern-Frage ist: Wie weit reichen diese Erinnerungen in die Geschichte zurück? Mit den Evidenzen, über die wir gegenwärtig verfügen, ist es augenscheinlich, dass die mündlichen Überlieferungen viele tausend Jahre tief in die alte Geschichte hineinreichen. David M. Pendergast und Clement W. Meighan haben bewiesen, dass insbesondere die Erinnerungen der Paiute (Abb.7) Aufzeichnungen historischer Fakten enthalten. Sie haben dies erreicht, indem sie Angaben, die sie bei Paiute-Ältesten gesammelt hatten, mit den archäologischen Evidenzen korrelierten, welche zu dieser Zeit über die Paiute verfügbar waren. Hervorgehoben haben sie, dass "…das kollektive Wissen der Gruppe eine verkürzte aber akkurate Historie von Ereignissen und Menschen, etwa 800 Jahre in der Vergangenheit, zu beinhalten scheint." [2]

Die Informanten beschrieben ein Volk, genannt die Mukwitch, die zwischen 800 n. Chr. und 1150 n. Chr. ein Gebiet okkupierten, das an jenes der Paiute in Utah grenzte. Sie beschrieben die Verwendung von Metates durch die Mukwitch, ihre Vergleichsweise kleine Statur, die Struktur ihrer Häuser und ihre spezialisierte Ernährung mit Rotwild und Wildpflanzen. All ihre Beschreibungen wurden nach und nach durch die archäologischen Grabungen bestätigt, die von Pendergast und Meighan durchgeführt wurden. Die Informanten hatten alle kein Vorwissen in lokaler Archäologie und nur einer sprach Englisch; damit fällt die Vorstellung unter den Tisch, dass sie ihre Informationen auf anderem Wege erhalten haben könnten. Pendergast und Meighan folgern daher, dass, "… die Untersuchung solch volkstümlicher Geschichte durchaus die Beachtung von Anthropologen verdient. Insbesondere der Archäologe sollte die Möglichkeiten der Korrelierung historischer Überlieferungen mit archäologischen Daten erkunden, da die historischen Informationen substanziell sein können, und in manchen Fällen weit gestreut, wobei die Rückschlüsse ausschließlich auf archäologischen Materialien beruhen." [3]

Diese beiden Archäologen waren bei der Korrelation historischer Überlieferungen mit archäologischen Daten erfolgreich und obwohl ihre Arbeit äußerst wichtig für den Fortschritt der Archäologie sein sollte, ist ihre Methode weitgehend verworfen worden. Während Pendergast und Meighan klar bewiesen haben, dass mündliche Überlieferungen hunderte von Jahren umfassen können, hat W.D. Strong nachgewiesen, dass es auch tausende von Jahren sein können. 1934 veröffentlichte Strong einen überzeugenden Artikel, in dem der detailliert die Kenntnisse von Native Americans über das Wollhaar-Mammut beschrieb. Die Naskapi beschreiben ein Monstrum, das sie Kátcheetokúskw nennen (es kommt in vielen ihrer Mythen vor) als sehr groß, mit großem Kopf, großen Ohren und Zähnen, und mit einer langen Nase, mit der es nach Leuten schlug.

Als man ihnen Fotos moderner Elefanten zeigte, sagten die Informanten, sie stimmten mit der Beschreibung des Kátcheetokúskw überein, wie es in ihrer mündlichen Überlieferung dargestellt werde. Die Penobscot aus Maine (Abb. 8) beschreiben ein riesiges Tier mit langen Zähnen, das sich an bestimmte Bäume lehnte, um zu schlafen (wobei sie bemerkten, dass diese Tiere nicht mehr aufstehen konnten, wenn sie sich hingelegt hatten). Die Ojibwa und Irokesen verzeichnen die Existenz eines großen Tieres, das einst durch die Wälder streifte und so stark war, dass es leicht jeden Baum umwerfen konnte, der ihm im Weg stand. Diese “Elefanten-Legenden” sind in vielen anderen indigenen Kulturen häufig, wie bei den Micmac, Alabama, Koasati und Chitimacha. [4]

Abb 8 Zwei Mädchen der Penobscot-Nation, vermutlich um ca. 1900. Die alten Überlieferungen der Penobscot berichten von einem Riesentier, das verdächtig an ein Mammut erinnert.

In diesem Artikel sieht Strong die Angriffe konservativer Anthropologen voraus und reklamiert in seiner abschließenden Begründung: "Bisher haben Paläontologen mehr Bereitschaft gezeigt, dem Mammut eine Existenz in jüngerer Zeit zuzugestehen, als die Mehrheit der amerikanischen Anthropologen einem geologischen Alter des amerikanischen Indianers." [5]

Strongs Einsichten sind äußerst aufschlussreich, da es offensichtlich wird, dass die Kluft zwischen den Beringstraßen-Theoretikern und der Opposition schon zu einem so frühen Zeitpunkt wie 1934 bestand. Noch wichtiger ist jedoch, dass die Native Americans, wenn sie akkurate Beschreibungen des Mammuts bewahrt haben, eine mündliche Geschichte vorstellen müssen, die tausende von Jahren zurückreicht. 1944 bestätigte M.F. Ashley Montagu die Entdeckung Strongs mit einem Artikel, der im American Anthropologist publiziert wurde. Die Osagen in Missouri bewahrten die Aufzeichnung eines Zwischenfalls, der das Vordringen einer Herde von Megafauna-Exemplaren auf das Land der kleineren Tiere beinhaltete, die bereits dort lebten. Die Osagen schließen naturgemäß übernatürliche Wesen in ihren Bericht mit ein und schreiben die Begegnung den Handlungen des Großen Geistes zu. [...]

Die Osagen waren gezwungen, ihre Heimstätten zu verlassen und die Jagd einzustellen, weil die gigantischen Tiere eine tödliche Bedrohung darstellten. Sie blieben jedenfalls in ausreichender Entfernung, um Zeugen zu werden, wie die mutigen kleineren Tiere die eindringenden monströsen Tiere angriffen. Nach einer langen Schlacht behielten die größeren Tiere die Oberhand und setzten ihren Marsch nach Osten fort. Die Osagen verbrannten dann einige der Körper als Opfergabe an den Großen Geist, während der Rest im Pomme de Terre versenkt wurde (der später Big Bone River genannt wurde). Die Osagen hielten ihn daher für einen heiligen Ort und brachten in regelmäßigen Abständen Opfer dar, um an die Schlacht zu erinnern. 1839 rissen amerikanische Siedler den heiligen Grund zur Bestürzung der Osagen an sich und begannen mit dem Bau einer Kessel-Mühle (eine Maschine zum Korn-Mahlen). Nachdem sie gegraben hatten, entdeckten die Siedler eine Masse von Knochen, die als solche junger Mastodonten identifiziert wurden. [6]

Die Tatsache, dass die Osagen-Geschichte präzise mit den Funden übereinstimmt, die von den Siedlern gemacht wurden, ist ein adäquater Beweis dafür, dass die mündlich überlieferte Geschichte nativer Völker weit in die Vergangenheit zurückreicht. Es kann somit geschlussfolgert werden, dass die mündliche Geschichte der Native Americans tatsächlich sehr alt ist. Um die Grenzen ihrer Ausdehnung in der Zeit zu testen, sollten wir diese mündlichen Überlieferungen jedenfalls im Bezug auf geologische Formationen untersuchen.

Die Klamath haben eine mündliche Überlieferung bewahrt, die ausführlich einen heftigen Ausbruch des Mount Mazama beschreibt. Dem Klamath-Bericht zufolge wirbelten: "Rotglühende Felsen, so groß wie Hügel [...] durch den Himmel. Brennende Asche fiel wie Regen. Der Häuptling der Unterwelt spie Feuer aus seinem Mund. Wie ein Ozean aus Flammen verschlang es die Wälder auf den Bergen und in den Tälern. Weiter und weiter die rauschte die Feuer-Flut, bis sie die Heimstätten der Menschen erreichte. Entsetzt auf der Flucht vor ihr, fanden die Menschen Zuflucht im Wasser des Klamath Lake." [7]

Dr. Howel Williams von der University of California in Berkeley hat diesen Bericht mit geologischen Tests der Stätte bestätigt. Seinen Befunden zufolge, wurden dort pyroklastische Ströme ausgespien, bevor der Gipfel schließlich ins Zentrum des Vulkans kollabierte. Der Ausbruch wird auf 6500 B.P. datiert und unter der Asche wurden menschliche Artefakte wie etwa Sandalen gefunden, die eine menschliche Besiedlung vor vor der Eruption anzeigen. Es wird aus den mündlichen Überlieferungen ersichtlich, dass diese Leute die Klamath waren und dass sie die Geschichte ihres Volkes wenigstens über die vergangenen 6500 Jahre hinweg bewahrt haben. [8]

Abb. 9 Der Tripel-Vulkan Mount Multnomah, die 'Drei Schwestern', in Oregon war vor Jahrtausenden Schauplatz einer dramatischen Eruption, über die heute noch mündliche Überlieferungen existieren.

Im Fall des Mount Multnomah (Abb. 9) im mittleren Oregon (der eine Gruppe von drei beieinander liegenden Vulkanen darstellt), versorgten Informanten aus dem Warm Springs-Reservat Ella Clark mit dem folgenden Bericht über seine Entstehung: "Klah Klahnee, die Drei Schwestern, war einst der größte und höchste Berg von allen; über viele Meilen hinweg konnte man ihn sehen. Zu einer Zeit, da schüttelte sich tagelang die Erde und der Berg kochte innerlich. Er kochte über und heiße Felsen kamen aus seinem Gipfel. Flammen und Rauch wuchsen hoch in den Himmel hinauf. Rotglühende Steine wurden in alle Richtungen herausgeschleudert. Viele Dörfer und viele Indianer wurden von den Felsen begraben. Als sich der Berg wieder beruhigte, war das meiste von ihm verschwunden. Nur drei Spitzen waren übrig." [9]

Dies ist eine akkurate Beschreibung der Bildung des Mount Multnomah, die später durch einen Geologen namens Edwin T. Hodge bestätigt wurde. 1924 war Hodge mit umfangreicher Feld-Forschung an der Mount-Multnomah-Stätte beschäftigt. Er schlussfolgerte, dass die drei zusammen liegenden Vulkane einst Teil eines größeren, ehedem hoch aufragenden alten Vulkans waren. Hodge sagte, dass dieser alte Vulkan mit einer gigantischen Explosion ausbrach und danach die drei kleineren Vulkane formte, die es heute gibt. [10]

Eine Beschreibung durch Native Americans erfordert augenscheinlich, dass dieser bestimmte Stamm anwesend war, als der Ursprungs-Vulkan ausbrach und die drei Gipfel schuf. Es gibt keinen anderen Weg, um zu erklären, wie sie sonst im voraus solch akkurate Kenntnisse der Eruption haben könnten. Ein größeres Problem erwächst jedoch aus der Datierung der Eruption, die von Hodge unter Verwendung der Potassium-Argon-Datierungsmethode berechnet wurde. Der von Hodge vorgegebene Zeitraum liegt geschätzte 25 Mllionen bis 27 Millionen Jahre zurück. Auch wenn nicht bestritten werden kann, dass der Warm-Springs-Stamm während der Eruption anwesend war, so ist es doch höchst unwahrscheinlich, dass eine mündliche Überlieferung so tief in die Zeit hinein gedehnt werden kann. Das Problem liegt also nicht in der mündlichen Überlieferung sondern in der Datierungs-Methode. Cremo und Thompson zufolge ist die Potassium-Argon Datierungsmethode sehr ungenau. Sie zitieren einen Vorgang, bei welchem "… Wissenschaftler [...] für hawaiianische Lava-Ströme, die sich im Jahr 1800 ereigneten, Altersangaben von 160 Millionen bis 2.96 Milliarden Jahren erzielt [haben]." [11]

Hodge hat selber Zweifel an der Datierungs-Methode, denn er erklärt: "Die erstaunlichste Besonderheit der Region der Three Sisters ist die augenscheinliche Jugend vieler der vulkanischen [Lava-] Fluten, Vulkane und Schlacke-Felder… [und] diese schwarzen, schlackeartigen, vulkanischen Felsen sehen so jung aus, dass viele überzeugt davon sind, sie seien in historischen Zeiten erstarrt." [12]

Obwohl Hodge eingesteht, dass die vulkanischen Felsen sehr jung zu sein scheinen, handelt er gegen seine eigene Logik und behauptet, die Eruption habe sich von 25 Millionen bis 27 Millionen Jahren ereignet. Möglicherweise hätte ein blinder Rate-Versuch des Eruptions-Datums ebenso viel Sinn gemacht. Vine Deloria Jr. kommt zum Schluss, dass "die Idee, dass es vor 12 000 Jahren nur in der Westlichen Hemisphäre Menschen gegeben habe, lediglich eine Verabredung unter Gelehrten ist, die weder denken noch lesen und seit einer Generation an ein paar Clovis- und Folsom-Fundstätten festkleben." [13]

Wie grimmig dies Statement auch immer klingen mag, es ist unglücklicher Weise wahr. Die Politik der Anthropologie ist wichtiger geworden als die Erringung von objektivem Wissen und das Fachgebiet hat stark darunter gelitten. Während der vergangenen siebzig Jahre sind Anthropologen blindlings den Bering-Straßen- und Clovis-Pfeilspitzen-Theorien gefolgt, ohne selber die Validität der Doktrinen zu überprüfen. Wegen dieses blinden Vertrauens sind Anthropologen dazu gezwungen, die Prinzipien des Kulturellen Relativismus zu verlassen und haben stattdessen einen ethnozentrischen Ansatz übernommen, der die Kulturen, die angeblich bewahrt werden sollen, für den Fortschritt des Fachgebiets marginalisiert. Erst wenn die Anthropologie eine wirklich holistische [14] Disziplin wird, basierend auf Daten, die wirklich in Übereinstimmungen mit genau den Leuten stehen, die sie studieren, wird sie beginnen objektives Wissen hervorzubringen, das verifiziert werden kann.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Itztli Ehecatl © 2002 erschien im Original unter dem Titel "The Bering Strait Theory" online bei ANGELFIRE unter http://www.angelfire.com/space/itztli2 - Mit Quellenangaben ist der Original-Text auch bei MEXICA UPRISING in überarbeiteter Form (3/3/03) unter dem Titel und "Native American Oral Traditions and Archaeological Myths", unter: http://www.mexicauprising.net/beringstrait.html erschienen.

Fußnoten:

  1. Quelle: Vine Deloria Jr., Red Earth White Lies, Fulcrum Publishing, 1997, Seite 81
  2. Quelle: David M. Pendergast & Clement W. Meighan, "Folk Traditions as Historical Fact: A Paiute Example", Journal of American Folklore 72 (1959): 128-33, Seite 131
  3. Quelle: ebd., Seite 133
  4. Quelle: W.D. Strong, “North American Indian Traditions Suggesting a Knowledge of the Mammoth"; American Anthropologist 36 (1934): 81-88, Seiten 81-87
  5. Quelle: ebd., Seite 88
  6. Quelle: M.F. Ashley Montagu, “An Indian Tradition Relating to the Mastodon”, American Anthropologist 46 (1944): 568-71, Seiten 568-71
  7. Quelle: Ella E. Clark, Indian Legends of the Pacific Northwest, Berkeley: University of California Press, 1952, Seite 54
  8. Quelle: Vine Deloria Jr., op. cit., Seiten 178-79
  9. Quelle: Ella E. Clark, op. cit., Seiten 13-14
  10. Quelle: Vine Deloria Jr., op. cit., Seiten 179-80
  11. Quelle: Michael Cremo und Richard Thompson, "Forbidden Archeology", San Diego: Bhaktivedanta Institute, 1993, Seite 694
  12. Quelle: Vine Deloria Jr., op. cit., Seite 182
  13. Quelle: ebd., Seite 186
  14. Redaktionelle Anmerkung: "Der Holismus (griech. holon: >das Ganze<) bezeichnet die philosophische Position, dass man eine totale Perspektive einnehmen muss, um echtes Verständnis über ein System zu erlangen. Mit total ist gemeint, dass sämtliche Freiheitsgrade des Systems eine Rolle für seine weitere Zukunft spielen. Ebenso ist der Holismus eine philosophische Grundhaltung, die das Primat des Ganzen gegenüber seinen Teilen behauptet; das Ganze wird dabei zu einer mystischen immateriellen Erscheinung, der eine Schöpferkraft innewohnt." Quelle: ad-Lexikon, unter http://holismus.adlexikon.de/Holismus.shtml (Dort wird der Begriff noch weitaus umfangreicher abgehandelt.)

Bild-Quellen:

7) National Park Service - U.S. Department of the Interior, unter: http://www.nps.gov/pisp/adhi/adhi1g.htm
8) Old Town, Maine, unter: http://www.old-town.org/nos/Pictures/H-636.jpg (Seite nicht mehr online)
9) Oregon Secretary of State - Kate Brown, unter: http://arcweb.sos.state.or.us/county/images/scenic/ohrp/387.jpg (Seite nicht mehr online)