Charta der Atlantis-Forschung - Alternativer Entwurf zur Diskussion und Kompromiss-Findung

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Das Atlantis-Problem - eine offene Frage

Auch wenn die Indizien-Lage aus unserer Sicht für eine Historizität der Atlantis-Überlieferung spricht, betrachten wir die Frage nach Platons Atlantis nach wie vor als offen. Bis heute konnte weder der definitive Nachweis eines historischen Vorbildes für Atlantis erbracht werden, noch konnte schlüssig bewiesen werden, dass es sich dabei um eine Erfindung oder um ein Missverständnis handelt. Wir fordern daher Offenheit für Forschungen in beiden Richtungen, und lehnen eine allzu schnelle Festlegung auf die eine oder andere Position ebenso ab, wie die daraus erfolgende Dialogverweigerung und Anfeindung der jeweiligen Gegenposition.


Für Wissenschaftlichkeit in der Atlantis-Forschung

Das Atlantis-Problem betrachten wir als explizit wissenschaftlichen Forschungs-Gegenstand. Rationalität, Objektivität, Überprüfbarkeit und Belegbarkeit von Aussagen sowie methodische Stringenz stellen für uns wesentliche Grundlagen jeder ernsthaften Atlantisforschung dar. Spezialistentum und Generalismus betrachten wir nicht als antagonistisch, sondern als komplimentäre, einander ergänzende Herangehensweisen an unsere Forschung. Fachzentristisches Denken und Forschen lehnen wir ab, und betonen stattdessen den multidisziplinären, interdisziplinären oder transdiziplinären Charakter der Atlantologie.

Bei aller notwendigen und gerechtfertigten Kritik am Real existierenden Wissenschaftsbetrieb begreifen wir die etablierte Wissenschaft nicht als 'Gegner', sondern teilen als Atlantologen ihre Grundlagen und Werte sowie die wesentlichen Regeln wissenschaftlicher Arbeit, unabhängig davon, ob wir uns als Angehörige der so genannten scientific community begreifen oder auch nicht.

Die Lektüre von zwei oder drei Büchern zum Thema Atlantis hat noch niemand zum 'Fachmann' auf diesem Gebiet gemacht - eine Feststellung, die gleichermaßen für Privatforscher wie für universitäre Wissenschaftler gilt. Wie jedes wissenschaftliche Forschungs-Gebiet erfordert auch die Atlantologie sowohl die Bereitschaft zum systematischen Erwerb von Wissen durch gründliche, spezifische und umfassende Studien als auch die Fähigkeit des Forschenden, Wissenslücken und offene Fragen wahrzunehmen und als solche zu benennen. Wir stehen für einen fortschreitenden Prozess der Erkenntnisgewinnung, sowohl für den einzelnen Forscher als auch für die Atlantologie insgesamt.

Für diesen Erkenntnis-Prozess ist nicht nur die Bereitschaft notwendig, sich sine ira et studio mit Positionen auseinanderzusetzen, die von den eigenen abweichen; sie erfordert auch Toleranz gegenüber Beiträgen von unterschiedlichem wissenschaftlichen Niveau, solange deren Autoren ihr eigenes Niveau zutreffend einschätzen und Entwicklungsfähigkeit erkennen lassen. Eine lebendige Wissenschaft besteht niemals nur aus ihren Koryphäen, und es ist völlig legitim, als Laie spielerisch und von Neugier getragen in das Thema Atlantis einzusteigen.


Zum Verständnis des Atlantisberichts

Wir lehnen es ab, Platons Atlantis-Dialoge wortwörtlich für wahr zu halten. Wie alle antiken Texte bedürfen sie der Interpretation im Kontext von Entstehung und Überlieferung. Wir bedauern die vielfach zu spürende Unwissenheit und Orientierungslosigkeit in Bezug auf alte Zeiten und Texte, die nicht selten zu allzu kurzen Schlüssen und oberflächlichen Interpretationen geführt hat. Irrationalität lehnen wir bei der Atlantida-Exegese und in der Atlantisforschung ebenso ab wie mangelnde Belegbarkeit und Unklarheit in Struktur und Aussage von Beiträgen dazu.

Zur Lösung des Atlantis-Problems ist zudem keine Annahme eines deus ex machina nötig. Wir betrachten alle Gliederungen und Variationen des Menschen als befähigt, bei entsprechenden Rahmenbedingungen aus eigenem Antrieb und mit den ihnen eigenen Fähigkeiten entwickelte und komplexe Gesellschaften aufzubauen. Zur Entwicklung der vermuteten Kultur von Atlantis besteht daher im Grundsatz weder die Notwendigkeit 'überirdischer' noch 'außerirdischer Kultur-Bringer'. Um es mit den Worten des britischen Atlantologen Egerton Sykes (1894-1983) zu sagen: "Es muss akzeptiert werden, dass Atlantis kein wundersames Ereignis darstellte, sondern dass es schlicht und einfach Teil unserer frühen Geschichte war".


Gegen Dogmatismus in der Atlantisforschung und im Umgang mit ihr

Wir lehnen es ab, Platons Atlantis-Dialoge gegen jede Vernunft nicht interpretieren zu dürfen, sondern streben einen wissenschaftlichen Umgang mit ihnen an, wie er mit jedem anderen antiken Text akzeptiert und praktiziert wird. Wir verwerfen die Auffassung als unhaltbar, jede Interpretation von Platons Atlantis-Dialogen sei a priori eine unzulässige Verfälschung des Originals.

Wir lehnen es ab, das Thema Atlantis als irrelevant abzutun. Inhalt und Kontext von Platons Atlantis-Dialogen berühren wesentliche Aspekte unserer Vorgeschichte. Wir bedauern eine zu weit gehende Spezialisierung der Wissenschaften, die größere Zusammenhänge aus dem Blick geraten lässt.

Wir lehnen es ab, eine bestimmte Auffassung über Atlantis aus Gefälligkeit gegenüber Forscher-Kollegen oder aus Treue gegenüber einem uniformen Korps-Geist einzunehmen. Wir bedauern, dass auch Angst vor finanziellen und sozialen Nachteilen eine Motivation für eine bestimmte Auffassung über Atlantis sein kann.

Wir lehnen es ab, nicht zuerst in der Sache, sondern vor allem gegen Personen zu argumentieren, oder Autorität, Bekanntheit und Ansehen zur Durchsetzung von Hypothesen zu missbrauchen. Es ist unzulässig, den Hypothesen Andersdenkender nicht nur ihren Wahrheitsgehalt, sondern auch ihre Existenzberechtigung in einer freien Welt abzustreiten.


Gegen Missbrauch der Atlantida und der Atlantologie

Wir wenden uns gegen jeden Missbrauch wissenschaftlicher Forschung im allgemeinen und der Atlantologie im besonderen, und wir lehnen es ab, sie - aus welchen Gründen auch immer - mit Sensationshascherei und Geldmacherei zu verbinden. Den politisch-weltanschaulichen Missbrauch von Platons Atlantisbericht, dem Atlantis-Thema oder der Atlantologie als Forschungsgebiet weisen wir ebenso entschieden zurück wie ihre Vereinnahmung durch Religion und Esoterik.

Team Atlantisforschung.de