Darwin in Südamerika

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von Immanuel Velikovsky

Abb. 1 Das britische Forschungsschiff H.M.S. Beagle, auf dem Charles Darwin 1831 zu seiner ersten und einzigen großen Forschungsreise aufbrach.

Charles Darwin, der zunächst sein Medizinstudium in Edinburgh aufgegeben und dann vom Christ College in Cambridge seinen Doktortitel der Theologie [sic!; d. Red.] erworben hatte, begab sich im Dezember 1831 als Naturforscher auf das Schiff Beagle (Abb. 1), welches auf einer fünfjährigen Forschungsexpedition um die Welt segeln sollte. Darwin trug mit sich Lyells gerade veröffentlichten Band Grundsätze der Geologie, der zu seiner Bibel wurde. Auf dieser Reise schrieb er sein Tagebuch, dessen zweite Auflage er Lyell widmete.

Diese Rund-um-die-Welt-Reise war Darwins einzige Erfahrung an praktischer wissenschaftlicher Arbeit in Geologie und Paläontologie, und er verwertete diese sein ganzes Leben lang. Später schrieb er, daß ihm diese Beobachtungen als "Ursprung aller seiner Ansichten" dienten. Seine Beobachtungen stammten von der Südhalbkugel, und vor allem aus Südamerika], einem Kontinent, der seit den Expeditionen Alexander von Humboldts (1799-1804) die Aufmerksamkeit der Naturforscher auf sich gelenkt hatte.

Darwin war beeindruckt von den zahllosen Ansammlungen fossiler und ausgestorbener Tiere, die zumeist von größerer Statur als die heute lebenden Arten waren; diese Fossilien sprachen von einer blühenden Fauna, die in einem jüngeren geologischen Zeitalter plötzlich ihr Ende fand. Unter dem 9. Januar 1834 schrieb er in sein Reisetagebuch: "Es ist unmöglich, über den veränderten Zustand des americanischen Continents ohne das tiefste Erstaunen nachzudenken. Früher muß er von großen Ungeheuern gewimmelt haben. Jetzt finden wir bloße Zwerge im Vergleich mit den vorausgegangenen verwandten Rassen."

Und so fuhr er weiter: "Die größere Zahl, wenn nicht sämtliche dieser ausgestorbenen Säugethiere haben in einer späteren Periode gelebt und waren Zeitgenossen der meisten jetzt lebenden Meermuscheln. Seit der Zeit, wo sie lebten, kann keine sehr große Veränderung in der Bildung des Landes stattgefunden haben. Was hat denn nun so viele Species und ganze Gattungen vertilgt? Zunächst wird man unwiderstehlich zu der Annahme einer großen Katastrophe getrieben; aber um hierdurch Thiere und zwar sowohl große als kleine im südlichen Patagonien, in Brasilien, auf der Cordillera, in Peru, in Nord-America bis hinauf in der Beringstraße zerstören zu lassen, MÜSSTEN WIR DAS GANZE GERÜST DER ERDE ERSCHÜTTERN."

Kein kleineres physikalisches Ereignis hätte diese Massenvernichtung herbeiführen können, die nicht nur die amerikanischen Kontinente, sondern die gesamte Welt umfaßte. Und da ein solcher Vorgang keineswegs zur Debatte stand, wußte Darwin keine Antwort darauf: "Es kann kaum eine Veränderung der Temperatur gewesen sein, welche in ungefähr derselben Zeit die Bewohner tropischer, gemäßigter und arctischer Breiten auf beiden Seiten der Erdkugel zerstörte." Sicher war auch dem Menschen die Rolle des Zerstörers nicht zuzuschreiben; und würde er alle Großtiere angreifen, wäre er auch die Ursache der Vertilgung "der vielen fossilen Mäuse und anderen kleinen Säugethiere?", fragte Darwin.

"Niemand wird sich vorstellen, daß eine Dürre ... alle Individuen aller Species vom südlichen Patagonien bis zur Beringstraße zerstören könnte. Was sollen wir vom Aussterben des Pferdes gagen; gaben jene Ebenen keine Weide, welche jetzt von Tausenden und Hunderten von Tausenden der Nachkommen jenes von den Spaniern eingeführten Stammes überschwärmt werden?" Darwin kam zu dem Schluss: "Gewiß ist keine Thatsache in der langen Geschichte der Erde so verwirrend, als das ausgedehnte und wiederholt vorkommende Vertilgen ihrer Bewohner." [1] Aus Darwins Verwirrung entstanden die Ideen der Auslöschung der Arten als ein Vorspiel zur natürlichen Zuchtwahl.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Immanuel Velikovsky wurde seinem Buch "Erde im Aufruhr - Die erdgeschichtlichen Zeugnisse zu >Welten im Zusammenstoß<" entnommen, das in der Übersetzung aus dem Englischen von Christoph Marx 1980 im UMSCHAU Verlag, Wien, erschienen ist. Orginalausgabe 1956 unter dem Titel "Earth in Upheavel" bei Doubleday & Company, Inc. Garden City, New York. Veröffentlichung bei Atlantisforschung.de mit freundlicher Genehmigung von Julia White Publishing, der jetzigen Lizenzhalterin.

Fußnote:

  1. Quelle: Charles Darwin, Reise eines Naturforschers um die Welt, Stuttgart 1875, unter dem 9. Januar 1834, S. 199, 200

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