Der Boden des Atlantiks

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von Dr. Immanuel Velikovsky

Im Herbst 1949 veröffentlichte Professor M. Ewing von der Columbia Universität einen Bericht über eine Atlantikexpedition. Insbesondere wurden Forschungen im Bereich des Atlantischen Rückens (Abb. 1) durchgeführt, der Gebirgskette, die ungefähr den Konturen des Ozeans folgend von Norden nach Süden verläuft.

Abb. 1 Atlantis auf dem Mittelatlantischen Rücken? Die Atlantik-Expedition von Prof. M. Ewing erbrachte 1949 unerwartete Ergebnisse, die diese Hypothese ungewollt stützen.

Sowohl der Rücken wie auch der Meeresboden westlich und östlich davon enthüllten der Expedition eine Anzahl von Tatsachen, die "neue wissenschaftliche Rätsel" [1] stellten. "Eine war die Entdeckung von vorgeschichtlichem Sandstrand, der in einem Fall aus einer Tiefe von zwei, im anderen von fast dreieinhalb Meilen [3,2 und 5,6 km] von Stellen heraufgebracht wurde, die weit weg von heutigen Stränden liegen." Eine dieser Sandablagerungen wurde 2000 km vom Land entfernt gefunden.

Sand ist das Ergebnis der erodierenden Wirkung der Meereswellen auf das Küstengestein und der Einwirkung von Regen und Wind sowie der Wechselwirkung von Hitze und Kälte. Auf dem Boden des Ozeans bleibt die Temperatur konstant; es gibt dort keine Strömungen; es ist eine Region bewegungsloser Stille. Der Schlick mittelozeanischer Böden besteht aus so feinem Treibsand, daß dessen Teilchenlange Zeit im Meerwasser schweben können, bevor sie auf den Boden sinken und dort die Sedimente bilden.

Der Schlick enthält die Skelette winziger Tiere, der Foraminiferen (Wurzelfüßer), die in den oberen Wasserschichten des Ozeans in riesigen Mengen vorkommen. Aber auf dem Boden des Ozeans sollte es keinen grobkörnigen Sand geben, weil Sand zum Festland und den Kontinentalsockeln gehört, zu den Küsten des Ozeans und seiner Meere. Diese Erwägungen versetzten Professor Ewing in ein Dilemma: "Entweder muss das Land zwei bis drei Meilen abgesunken sein oder der Meeresspiegel muss einst zwei bis drei Meilen niedriger als heute gewesen sein. Beide Schlußfolgerungen sind bestürzend. Wenn das Meer einst zwei Meilen tiefer war, wo könnte all das zusätzliche Wasser gewesen sein?"

In der Geologie gilt der Satz als absolut wahr, daß die Weltmeere ihre Betten nie verändert haben, mit Ausnahme ihres Übergriffs als Flachwasser auf abgesunkene Kontinentalgebiete. So war es schwierig, die bestürzende Schlußfolgerung zu akzeptieren, der Boden des Ozeans sei einst trockenes Land gewesen. Doch der Expedition stand noch eine weitere Überraschung bevor. Mit der gut entwickelten Echomethode wurde die Mächtigkeit der Sedimente auf dem Meeresboden gemessen.

Abb. 2 Der Schlick mittelozeanischer Böden enthält erstaunlicher Weise die Skelette winziger Tiere, der Foraminiferen (Wurzelfüßer), die in den oberen Wasserschichten des Ozeans in riesigen Mengen vorkommen.

Eine Explosion wird ausgelöst und der Zeitunterschied zwischen zwei Echos gemessen, die einerseits von der Sedimentoberfläche, andrerseits von dessen Auflage, d.h. vom Grundgestein, z.B. Basalt oder Granit zurückgeworfen werden. "Diese Messungen zeigen deutlich Tausende von Fuß mächtige Sedimente auf den Ausläufern des Rückens. Indessen haben wir überraschenderweise entdeckt, daß dieses Sediment in den großen flachen Becken beiderseits des Rückens weniger als 100 Fuß [30 Meter] dick zu sein scheint, eine geradezu alarmierende Tatsache..." Tatsächlich trafen die Echos fast gleichzeitig ein, und der größte Wert, den man unter diesen Umständen dem Sediment zuschreiben konnte, war 30 Meter Mächtigkeit, d.h. der Wert der Meßungenauigkeit.

"Immer war angenommen worden, das Sediment müsse extrem dick sein, da es sich seit undenkbaren Zeiten abgesetzt habe... Aber von den flachen Becken, welche den mittelatlantischen Rücken flankieren, kamen unsere vom Bodenschlamm und vom Granitgestein zurückgeworfenen Signale zu eng beieinanderliegend zurück, um die Zeit dazwischen messen zu können... Das bedeutet, daß das Sediment in den Becken weniger als 100 Fuß dick ist." Das Fehlen mächtiger Sedimente auf Bodenhöhe bedeutet "ein weiteres von vielen wissenschaftlichen Rätseln, die unsere Expedition aufgebracht hat." Es verrät, daß der Boden des Atlantischen Ozeans auf beiden Seiten des Rückens erst vor sehr kurzer Zeit geformt worden ist. Zugleich sind an einigen Orten an den Flanken des Rückens die Sedimentschichten "Tausende von Fuß mächtig, wie erwartet wurde."

Abb. 3 Spätere Ergebnisse bestätigten Ewings Aussage von 1949: "Wahrscheinlich ist der ganze Rücken höchst vulkanisch, mit vielleicht Tausenden von Lavaergüssen und tätigen und erloschenen Kratern auf seiner ganzen Länge."

"Diese Bodensedimente im Ozean, die wir gemessen haben, bestehen aus den Schalen und Skeletten zahlloser kleiner Meereskreaturen" und "aus vulkanischem Staub und aus vom Wind auf die See hinausgetriebener Erde; sowie aus der Asche verbrannter Meteoriten und aus kosmischem Staub, der aus dem All immerfort zu Erde rieselt." Verbrannte Meteoriten und kosmischer Staub lösen die Frage aus: Wie konnte die Asche ausgebrannter Meteoriten und kosmischer Staub einen wesentlichen Teil der Ozeansedimente bilden, wenn Meteoritenstaub in unserer Zeit so spärlich ist, daß er sogar auf dem Schnee hoher Berge kaum nachweisbar ist? Und wie konnte es sein, daß alle anderen Quellen, einschließlich des von den Flüssen herangeschafften Schutts, in allen Zeitaltern seit dem Beginn ein Sediment von nur sehr mäßiger Mächtigkeit zusammengebracht haben?

"Wir holten Eruptivgestein, d.h. >durch Feuer gebildetes< Gestein, von den Seiten und Höhen des Mittelatlantischen Rückens herauf, das darauf hinwies, daß dort Unterseevulkane und Lavaströme aktiv waren. Wahrscheinlich ist der ganze Rücken höchst vulkanisch, mit vielleicht Tausenden von Lavaergüssen und tätigen und erloschenen Kratern auf seiner ganzen Länge." Und nicht nur der Atlantische Rücken ist vulkanisch. "Überall im Atlantischen Becken gibt es Gipfel vulkanischen Ursprungs." In Richtung der Azoren fand die Expedition einen noch auf keiner Karte verzeichneten Unterwasserberg. 2500 Meter hoch, mit "vielen Schichten vulkanischer Asche"; und etwas weiter davon eine große Senke, 3309 Meter tief, "wie wenn dort zu irgendeiner Zeit in der Vergangenheit ein Vulkan in sich zusammengestürzt wäre." Lava floß im Wasser des Ozeans, und das Wasser muß gesiedet haben; Meteoriten, Asche und kosmischer Staub fielen vom Himmel; Land wurde Tausende von Metern tief untergetaucht, und Küsten versanken fünf Kilometer in die Tiefe.

Aus den Abgründen des Ozeans wurde von der Expedition Gestein mit tiefen Kratzspuren heraufgeholt. "In einer Tiefe von 3600 Fuß [1100 m] stießen wir auf Gestein, das über die Vergangenheit des Atlantischen Ozeans eine interessante Geschichte erzählt... Granit und Sedimentgesteine einer Art, die ursprünglich Teil eines Kontinents gewesen sein müssen. Die meisten der hier heraufgeholten Steine trugen tiefe Kratzspuren, d.h. Furchen." Derartige Furchen im Stein werden regelmäßig der Wirkung von Gletschern zugeschrieben, welche die Steine in festem Griff über die Oberfläche von anderem Gestein schoben. "Wir fanden aber auch einige lose verdichtete Schlammsteine, so weich und schwach, daß sie im eisernen Griff eines Gletschers nicht erhalten geblieben wären. Wie sie hier hinauskamen, ist ein weiteres, von der zukünftigen Forschung zu lösendes Rätsel."

Und schließlich entdeckte man sogar, daß der Hudson, der Eingang zum New Yorker Hafen, nicht nur 190 Kilometer weit bis zum Rand des Kontinentalsockels reichte, sondern sich in einem 160 Kilometer weit in den Ozean hinausreichenden Canyon fortsetzte. "Wenn dieses ganze Tal ursprünglich vom Fluß auf dem Festland ausgeschürft wurde, wie es den Anschein hat, so bedeutet das entweder, daß der Meeresboden der Ostküste Nordamerikas einst ungefähr zwei Meilen [3,2 km] über seiner heutigen Höhe lag und seither untergetaucht sein muß, oder daß der Meeresspiegel einmal zwei Meilen oder mehr tiefer als heute lag."[2] Jede dieser Möglichkeiten ist ein Kennzeichen für einen Umsturz.

Alles in allem zeigen die Ergebnisse der Expedition im Sommer 1949 in bemerkenswerter Weise, daß in einer nicht so lange zurückliegenden Vergangenheit zahlreiche Stellen, die heute im Atlantischen Ozean liegen, Festland und Küsten waren, und daß in Kataklysmen riesigen Ausmaßes Festland zu Tausende von Metern tiefliegendem Meeresboden wurde. Der Leiter der Atlantis-Expedition, den wir hier zitiert haben, hat den Begriff "Kataklysmus" nicht verwendet, aber er ist angesichts der Entdeckungen der Expedition unvermeidlich. Um nicht als Verfechter einer Häresie hingestellt zu werden äußerte sich Ewing nur mit einer negativen Aussage: "Es gibt keinen Grund [sic!; d. Red.] daran zu glauben, daß diese mächtige Unterwasserformation von Gebirgen in irgendeiner Weise mit dem legendären verlorenen Atlantis verbunden ist, das laut Plato in den Wellen versunken ist."


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Immanuel Velikovsky wurde seinem Buch "Erde im Aufruhr - Die erdgeschichtlichen Zeugnisse zu >Welten im Zusammenstoß<" entnommen (S. 121-125), das in der Übersetzung aus dem Englischen von Christoph Marx 1980 im UMSCHAU Verlag ©, Wien, erschienen ist. Orginalausgabe 1956 unter dem Titel "Earth in Upheavel" bei Doubleday & Company, Inc. Garden City, New York.

  1. Quelle: M. Ewing, "New Discoveries on the Mid-Atlantic Ridge", National Geographic Magazine, Vol. XCVI, No. 5 (November 1949)
  2. Quelle: ebd.


Bild-Quellen

(1) http://www.atlantisquest.com/Ridge.gif

(2) http://www.uni-tuebingen.de/uni/qvo/pd/pd2004/gifs/pd2004-03-04gr.jpg

(3) http://oceanusmag.whoi.edu/images/v41n1-smith1en.jpg