Der Gott, der aus den Wäldern kam

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von Thomas Ritter

Abb. 1 Darstellung einer 'Chimäre'. Berichte über die Existenz solcher 'Mischwesen' finden sich in den Überlieferungen fast aller antiken Völker.

Mischwesen – die Berichte über ihre Existenz gehören zu den Überlieferungen der alten Völker, die von der Schulwissenschaft allzu gern verschwiegen oder einfach ins Reich der Fabel verbannt werden.

Vor allem in Ägypten, aber auch im Vorderen Orient, im alten Sumer, im nabatäischen oder im assyrischen Reich finden sich bildliche Darstellungen dieser merkwürdigen Kreuzungen aus Mensch und Tier. Menschenköpfige geflügelte Löwen etwa – die Sphingen – sind an Königshöfen der Antike einst wohl ebenso beliebte Haustiere gewesen wie heute Hund und Katze.

Aus dem antiken Indien aber gibt es Berichte über ein Volk von offenbar hochintelligenten Mischwesen, die mit den Menschen als gleichberechtigte Partner Allianzen eingingen oder sogar Freundschaften schlossen.

Die Kunde von diesem Volk der „Waldmenschen“ – in neueren Publikationen fälschlicherweise vereinfachend als „Affenvolk“ beschrieben – findet sich im indischen Nationalepos Ramayana, dessen Niederschrift aus dem 4. oder 3. vorchristlichen Jahrhundert datiert:

Der Dichter Walmiki schildert in diesem Werk die Taten des indischen Königssohnes Rama, dessen Gattin Sita von dem "Dämonen" Rawana aus Südindien nach Sri Lanka entführt wird. Rawana dürfte zu jenem Geschlecht der "Riesen" oder der "Gewaltigen in der Welt" gehört haben, welches auch in der Alten Testament der Bibel Erwähnung findet (Moses, 1.Buch, 6,4). Demnach wäre Rawana ein "Göttersohn" gewesen, wohl aber ein etwas entarteter, worauf seine Bezeichnung als "Dämon" deutet. Auf jeden Fall aber beherrschte er die Kunst des Fliegens, denn er entführte Sita in einem "Wagen der Lüfte, der der Sonne glich".

Bei der Suche nach seiner entführten Gattin traf Rama auch auf ein Wesen, dessen Fähigkeiten sich bald als sehr wertvoll im Kampf gegen die Dämonen erweisen sollte. Dieses Geschöpf war Hanuman – der heldenhafte Affenmensch, der zu Ramas treuestem Anhänger wurde.

Hanuman gilt als Sohn des vedischen Windgottes Vaju, von dem er die Kraft des Wirbelsturmes erhielt. Gleich den Rishis, den mythologischen Weisen des alten Indien, vermochte auch Hanuman verschiedene Vimanas, die „fliegenden Maschinen“, zu konstruieren und zu benutzen. Als besonders vielseitiger epischer Kriegsheld konnte er auch jede beliebige Gestalt annehmen. Dem Ramayana zufolge wurde Hanuman nach seiner göttlichen Geburt von Jahr zu Jahr stärker und klüger, besiegte örtliche Dämonen und bösartige Elefanten.

Abb. 2 Hanuman, der Affengott, der aus den Wäldern kam

Als er Rama traf, befand sich Hanuman mit seinem Meister Sugriva, dem König der Waldmenschen, im Exil. Durch den Bericht Ramas von seiner Suche nach Sita erkannte Hanuman, dass ihn das Schicksal als Diener des jungen Prinzen auserkoren hatte. Unverzüglich sammelte er die Armee der Waldmenschen zum Kampf gegen die Dämonen. Die Affenmenschen beschlossen, Rama bei der Befreiung Sitas zu helfen, da sie selbst noch so manche Rechnung mit den Dämonen offen hatten. Doch die Krieger des Affenkönigs konnten Sita und den verhaßten Dämonen Rawana nicht finden.

Da flog Hanuman selbst mit seinem Vimana hinüber nach Sri Lanka und entdeckte Rawanas Versteck. Ungesehen gelangte Hanuman in den prächtigen Palast des Dämonenherrschers. Dort fand er Sita, die betrübt im Park saß, da sie von den Dämonen wie in einem goldenen Käfig gefangen gehalten wurde. Hanuman verließ sein Versteck, um sie zu trösten. Die Prinzessin fiel beim Anblick des Wesens, dass wie ein Mensch sprach und doch einem Affen ähnelte, in Ohnmacht. Doch ein Ring Ramas, den ihr Hanuman überbrachte, gab ihr Zuversicht. Hanuman erzählte seine Geschichte und bot Sita an, sie in seinem Vimana in die Heimat zurück zu bringen. Sita jedoch lehnte dieses Ansinnen aus Achtung vor ihrem Mann ab, da er entehrt gewesen wäre, wenn ein anderer sie gerettet hätte.

Hanuman wollte nun auf dem schnellsten Wege zu Rama zurückkehren, und startete seinen Vimana erneut. Was danach geschah, berichtet das Ramayana: "Es beben die Grundfesten der Berge, Felsspitzen brechen weg, Riesenbäume werden entästet gebrochen, ein Regenschauer von Holz und Blättern geht zu Boden, die schönen Lotusteiche von (Sri) Lanka werden ausgeschwemmt, Hochbauten und Türme stürzen ein und die Lustgärten werden verwüstet". Bloße Übertreibung oder schlimme Erinnerung an den Tiefflug eines Düsenjets?

Als Vorbereitung auf den bevorstehenden Kampf zerstörte Hanuman die Stadtmauern, vernichtete Tausende Wächterdämonen und setzte mit gezielten Schüssen von „Himmelspfeilen“ viele Gebäude in Brand. Um die Dämonen endgültig zu besiegen, bedurfte es aber mehr als nur des Vimanas Hanumans.

Unter der Leitung des Rishis Agasthya bauten die Affenmenschen einen gewaltigen Damm vom Festland nach Sri Lanka. Über diese künstliche Brücke rückte das Heer Hanumans vor und vernichtete nach hartem Kampf die Dämonen. Als Rawana mit der entführten Sita an Bord eines Vimana von der Insel fliehen wollte, wurde er von Rama über dem Meer zum Luftkampf gestellt und vernichtet, während Rama seine Sita retten konnte.

Abb. 3 Nila, einer der Anführer von Hanumans 'Affenarmee', in einer Darstellung aus dem 19. Jahrhundert

Die Reste jenes gigantischen Dammes, den die Affenmenschen auf Geheiß des Rishis Agasthya erbauten, finden sich noch heute in der Nähe von Rameswaram, tief im Süden von Tamil Nadu. Obwohl Geologen heute zu der Auffassung gelangt sind, daß die Kette aus Riffen, Sandbänken und Inselchen durchaus auf natürliche Weise entstanden sein dürfte, schwören die Einheimischen, daß die Armee der Waldmenschen unter Anleitung des Rishis Agasthya diesen Damm schuf.

Nach einer großen Siegesfeier kehrte die Armee der Waldmenschen schließlich in ihre eigene Heimat zurück, die im Süden Indiens lag. Nur Hanuman blieb als treuer Diener und Freund Ramas an dessen Hof.

Als der Guru Ramananda im 14. Jahrhundert n. Chr. den Hingabekult Bhakti aus Südindien nach dem Norden brachte, wurde Hanuman zu einer wichtigen Gottheit. Die Anhänger Ramanandas huldigten Rama als oberstem Gott und Hanuman als seinem treuen Gefährten. Da Hanuman in verschiedenen Gestalten auftreten konnte, wird er von der Bhakti-Bewegung noch heute als mächtiger Magier und Siddha (Meister über Zauberkräfte) verehrt.

Der Bhakti-Kult ist ein Beispiel dafür, dass Menschen nachträglich vergöttlicht werden, denn Prinz Rama ist tatsächlich eine historische Gestalt. Wer aber war sein geheimnisvoller Gefährte Hanuman? Wer waren die „Waldmenschen“, die von den Indern heute auch als „die Rasse, die starb“ bezeichnet werden?

Der Überlieferung zufolge kamen sie aus einer anderen Welt und weilten in den alten Zeiten auf der Erde, als noch die Götter unter den Sterblichen wandelten.

Hanuman und die Seinen waren Mischwesen, Hybriden aus Tier und Mensch. Es heißt, daß sie von jenen erschaffen worden, die als „Götter“ in unsere Geschichte eingingen. Diese Götter mögen Besucher aus einem anderen Teil unseres Universums gewesen sein, so wie es in den Überlieferungen der Hopi-Indianer und in den Legenden um den versunkenen Kontinent Atlantis beschrieben wird oder Vertreter einer frühen irdischen Hochkultur. Zahlreiche Indizien für die eine oder andere Interpretationsmöglichkeit fanden sich in den letzten Jahrzehnten. Nur eines waren „Götter“ der alten Inder gewiß nicht - nämlich jene mythischen Chimären, welche die etablierte Indologie gern in ihnen sehen möchte.

Auch im alten Ägypten waren solche von „Göttern“ erschaffenen Mischwesen bekannt. Eines ihrer steinernen Abbilder bewacht noch heute die Pyramiden von Gizeh. Das rätselhafte „Lächeln der Sphinx“ ist längst sprichwörtlich geworden.

Im Angesicht der heutzutage in rücksichtslosem Machbarkeitswahn vorangetriebenen Genforschung ist es mit Sicherheit nicht verfehlt, wenn manche Forscher annehmen, daß die Berichte über Mischwesen wie Hanuman oder die Sphinx in den Überlieferungen alter Kulturen mögliche „Erinnerungen an unsere Zukunft“ sind. Als Beispiel für ein Mischwesen, das im 20. Jahrhundert bereits geschaffen wurde, möge die „Schiege“ gelten. Schon Mitte der achtziger Jahre gelang es Genforschern in Großbritannien, weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit, eine erfolgreiche Kreuzung zwischen einem Schaf und einer Ziege herbeizuführen. Das Ergebnis war die „Schiege“ von der sich die Züchter eine größere Resistenz gegen Krankheiten sowie einen höheren Woll- und Fleischertrag versprechen. Es scheint nur eine Frage der Zeit und der aufgewandten finanziellen Mittel zu sein, bis sich Wissenschaftler entschließen, auch den Menschen „zu verbessern“.

Das es sich bei Hanuman und dem Volk der Affenmenschen um Wesen mit hoher Intelligenz und hervorragender körperlicher Konstitution gehandelt hat, läßt sich unschwer im Ramajana nachlesen. Doch gegen die fortschreitende „Zivilisation“ des Menschen hatten auch sie keine Chance. Ihr Schicksal verliert sich in den Abgründen der Geschichte.

Possendorf, 2001

Thomas Ritter


Literaturverzeichnis

  • Blumrich, J. F., Kasskara und die sieben Welten, Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf., München, 1985
  • Dowson, John, A classical Directionary of Hindu Mythology and Religion, D.K. Printworld, Edition, New Delhi, 1998
  • Däniken, Erich von, Reise nach Kiribati, Ullstein Sachbuch, Düsseldorf, 1983
  • Mylius, Klaus, Älteste indische Dichtung und Prosa, Verlag Philipp Reclam jun., Leipzig, 1978
  • Ritter, Annett & Ritter, Thomas, Dem Schicksal auf der Spur - Das Geheimnis der Palmblattbibliotheken, CTT Verlag, Suhl, 1997
  • Waterstone, Richard, Living Wisdom India, Duncan Baird Publishers, London, 1995


Bildquellen

1) Michel Deschenes und Benedikt Seidl bei Wikimedia Commons, unter: File:Chimera (PSF).jpg
2) Gunduu bei Wikimedia Commons, unter: File:Hanuman painted by Pahari Painter.jpg
3) Redtigerxyz bei Wikimedia Commons, unter: File:Nila Ramayana.jpg