Die 'Weiße Stadt des Affengottes' – in Honduras gefunden

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Abb. 1 Der Kopf einer ansonsten noch nicht ausgegrabenen Steinskulptur, die offenbar einn 'Wer-Jaguar' abbildet (Foto: © Dave Yoder für National Geographic)

(rmh) Am 09. März 2015 berichtete grenz|wissenschaft-aktuell, dass eine Forschungs-Expedition die verschollene, so genannte 'Weiße Stadt' gefunden habe. Bereits im Sommer 2012 hätten US-Archäologen unter der Anwendung von Laservermessungen aus der Luft im bisher unerforschten Urwald von Honduras möglicherweise die legendäre weiße Stadt „Ciudat Blanca“ entdeckt. [1] Bei dem Fund handelt es sich um vollkommen überwucherten Reste einer bis dahin unbekannten archäologischen Stätte. Eine Expedition hat jetzt vor Ort die Existenz dieser Stadtanlage bestätigt, doch es ist vollkommen unklar, welche Kultur sie erbaut hat. Diese Expedition bestand, wie „National Geographic“ berichtete, aus einem Forscherteam um Chris Fisher und Stephen Leisz von der University of Colorado.

Dem Bericht bei grenz|wissenschaft-aktuell zufolge wurde bereits 2012 im Rahmen der ersten Laservermessung unter Verwendung der „Light Detection And Ranging“-Methode (LiDAR) an der besagten Stätte zahlreiche Strukturen, Steinskulpturen und Gebäude, also quasi die Überreste einer ganzen Stadtanlage, entdeckt.

Die LiDAR-Methode funktioniert folgendermaßen: Das Gebiet, das vermessen werden soll, wird von der Luft aus mit jeweils 25 – 50 Laserpulsen pro Quadratmeter gescannt. Los Mosquitia (Miskito), die Karibikküste Nicaraguas, die im Norden bis nach Honduras reicht, wurde so insgesamt mit mehr als vier Millionen Laserpunkten vermessen. Anhand der auf diese Weise erhaltenen Daten wurde der Bewuchs herausgerechnet, und dadurch kam das Geländeprofil darunter in Form geodätischer Aufnahmen hochauflösend zum Vorschein. So waren die Forscher in der Lage, nicht nur die geomorphischen Eigenschaften der Landschaft, sondern auch archäologische Strukturen und mehr herauszulesen.

Abb. 2 Hernán Cortés war der erste Europäer, der über die sagenhafte 'Weiße Stadt' berichtete.

Vor Ort wurden jetzt ausgedehnte Plätze, Erdwerke sowie eine Erdpyramide mit einem geschätzten Alter von 1.000 bis 1.4000 Jahren gefunden, und vor den Pyramiden fanden die Wissenschaftler 52 kostbare Steinskulpturen, die nach Meinung der Forscher Opfergaben sind. Bei diesen Objekten handelt es sich um sogenannten Metates (Opfersitze) und Schalen- sowie Tierdarstellungen: von Schlangen, mythischen Wesen und Geiern. Am meisten interessieren sich die Forscher für den „helmartig eingefassten“ steinernen Kopf eines zoomorphen Wesens (Abb. 1), das die Forscher für einen „Wer-Jaguar“, also einen Menschen, der sich in einen Jaguar verwandeln kann und somit ein Äquivalent zum Werwolf ist, handelt. Die Archäologen leiten aus diesen Fund ab, dass in der Stätte schamanische Rituale durchgeführt wurden.

Weitere archäologische Grabungen an der Fundstätte sollen folgen. Die Forscher planen derzeit zusammen mit der honduranischen Regierung entsprechende Unternehmungen.

grenz|wissenschaft-aktuell informierte auch über den historischen Hintergrund der Legende von der 'Weißen Stadt'. Hernán Cortés, der wohl bekannteste spanische Konquistador, war offenbar der erste, der in seinen Aufteichnungen diese sagenhafte Stadt erwähnte. 1521 unterwarf er die Azteken mit äußerster Brutalität, und fünf Jahre später suchte er von der Kolonialstadt Trujillo an der Nordküste von Honduras aus nach der Sagenstadt Hueitapalan, wo seiner Meinung nach das sagenhafte El Dorado liegen sollte. 'Hueitapalan' ist jedenfalls der indigene Name der „Weißen Stadt“.

Abb. 3 Eine künstlerische Darstellung der Tempelanlage in der 'Weißen Stadt des Affengottes' von Virgil Finlay aus dem Jahr 1940

Die nächste Person, die die Weiße Stadt erwähnte, war 1544, Cristobal de Pedraza der Bischof von Honduras. Er schrieb einen Brief an den spanischen König und berichtete darin von einer anstrengenden Reise zum Rand des Dschungels an der Miskitoküste, an deren Hügel er aus großer Entfernung in einem der Flusstäler eine große Stadt gesehen haben will. Von seinen einheimischen Führern wurde ihm mitgeteilt, dass die Adligen dort von Goldenen Tellern speisen würden.

Nun kam es wie es kommen musste, und die Legenden um die Ciudad Blanca wurde immer mehr ausgeschmückt. Es gibt sogar Quellen, die die 'Weiße Stadt' mit mit altamerikanischen Mythen in Verbindung brachten, z.B. als Geburtsstätte des Aztekengottes Quetzalcoatl.

Aber auch Forscher und Piloten berichteten immer wieder davon, dass sie im Urwald jener Region eine große Stadt gesehen hätten, und einige dieser Personen sprachen von Goldenen Statuen sowie blendend weißen Gebäuden. Diese Beschreibungen führten nicht nur zur Legendenbildung, sondern gaben der Stätte auch ihre Namen. Einige Einheimische behaupten, dass ehemalige Götter in der Weißen Stadt Asyl gesucht hätten. 'Normalsterblichen' war der Zutritt nach deren Angaben strikt verwehrt.

Seit 1920 wurde fieberhaft nach dieser sagenhaften Stadt gesucht, ohne dass irgendjemandem Erfolg beschieden war. 1940 aber versuchte sich der als exzentrisch geltende Forscher Theodore Morde an der Aufgabe, Ciudad Blanca zu finden. Er arbeitete für das Museum of the American Indian, das zur Smithonian Institution gehört, und brachte tatsächlich tausende Artefakte mit. Er gab an, dass er die Weiße Stadt gefunden und betreten habe. Die Ureinwohner hätten ihm berichtet, dass dort die gewaltige Statue eines Affengottes vergraben sein soll. Die Sache hat nur einen Haken: Er gab zeitlebens nie die genaue Position seines Fundes bekannt, vorgeblich weil er Angst hatte, sie würde geplündert werden. Angeblich nahm er sich auf einer späteren Expedition zu seiner Entdeckung sich das Leben.


Anmerkungen und Quellen

Vorwiegend verwendetes Material:

Fußnote:

Bild-Quellen:

1) grenz|wissenschaft-aktuell, unter: "Ciudad Blanca: Expedition findet verschollene 'Weiße Stadt des Affengottes' im Regenwald von Honduras"
2) Mcapdevila bei Wikimedia Commons, unter: File:Hernan Fernando Cortes.jpg
3) Virgil Finlay, "Lost City of the Monkey God", in: The American Weekly, 22. September 1940; nach: ThaddeusB bei Wikimedia Commons, unter: File:Lost City of the Monkey God.png