Azteken

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Wer waren die Azteken?

Abb. 1 Darstellung aztekischer Krieger, Edelleute und Priester des 15. Jahrhunderts

(red) Als Azteken wird heute verallgemeinernd die polyethnische und durchaus heterogene, größtenteils Nahuatl sprechende und in weiten Teilen kulturell hochstehende Bevölkerung des Tals von Mexiko bezeichnet, auf welche die spanischen Conquistadoren bei ihren Eroberungszügen in Mittelamerika stießen. Im engeren Sinne sind unter diesem Namen die Angehörigen des sogenannten „Aztekischen Dreibundes“, der Städte Tenochtitlán, Texcoco und Tlacopán, sowie des späteren Aztekenreiches zu verstehen, die zwischen dem 14. und dem frühen 16. Jahrhundert existierten und insbesondere im 15. Jahrhundert einen, wenn nicht den wesentlichen Machtfaktor im späten präkolumbischen Mesoamerika darstellten. Zur Zeit seiner Eroberung durch die spanischen Invasoren unter Hernán Cortés (zwischen 1519 und 1521) hatte das Aztekenreich den Zenit seiner Macht bereits überschritten.

Abb. 2 Die gewaltige Azteken-Metropole Tenochtitlan hatte zur Zeit der spanischen Conquista ca. 300.000 Einwohner.

Die Ursprünge der Azteken liegen nach wie vor weitgehend im Dunklen, und ihr heute gebräuchlicher Name ist ebenso irreführend wie aufschlussreich, was die Suche nach ihnen betrifft: Eingeführt wurde die Bezeichnung 'Azteken', die bei diesem Volk offenbar nur im Zusammenhang mit seinem mythischen Herkunftsort Aztlán verwendet wurde - das Nahuatl-Wort aztecatl bedeutet zu Deutsch etwa "jemand, der aus Aztlán kommt" - erst im 18. Jahrhundert durch den Jesuiten-Mönch Francisco Javier Clavijero, popularisiert wurde er dann im 19. Jahrhundert durch Alexander von Humboldt. Sie selber bezeichneten sich offenbar zumeist als Mexica, Mehica bzw. Meshica, oder nach ihren bedeutenden Stätten Tlatelolco und Tenochtitlán, auch als Tlatelolca und Tenochca. Es sollte festgehalten werden, dass der erste postkolumbische Chronist der Aztekengeschichte, Fernando de Alva Ixtlilxóchitl, ein mestizischer Historiker mit aztekischen Vorfahren, erklärte, die Olmeken - also die ersten bekannten Träger einer Hochkultur Mittelamerikas - seien von den Antillen kommend via Florida ins östliche Mexiko gelangt. [1]

Die Azteken und Atlantis

Abb. 3 Eine Darstellung des Exodus der Azteken von der Insel Aztlán im Codex Borturini

Schon während der Zeit der Eroberung Mittelamerikas durch die Spanier kamen - z.B. 1552 bei Francisco López de Gómara - vage Vermutungen auf, die alten Mexikaner könnten ein Bindeglied zu Atlantis darstellen [2], und im 17. Jahrhundert mutmaßte der neuspanische Intellektuelle Carlos de Sigüenza y Góngora, die Vorfahren der präkolumbischen Bevölkerung Mexikos stammten aus Atlantis. Spätestens im 19. Jahrhundert wurden dazu auch komplexere Überlegungen angestellt. So etwa von Ignatius Donnelly (1831-1901), der, auf den zum Teil nicht sehr zuverlässigen Aussagen des berühmten amerikanischen Ethnologen Hubert Howe Bancroft (1832-1918) zu diesem Thema aufbauend, recht ausführlich auf die Azteken und die Insel Aztlán aus ihren Unrsprungsmythen einging. [3]

Abb. 4 Der mexikanische Gelehrte Eustaquio Buelna und das Titelblatt seiner Abhandlung "La Atlántida y la Ultima Tule", deren Inhalt er im Jahr 1895 auf dem 11. Internationalen Kongress der Amerikanisten in Mexico City vorstellte

Donnellys Ansichten wurden dann, wie der Atlantologie-Enzyklopädist Tony O’Connell bemerkt, "häufig in den Arbeiten von Autoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts widergespiegelt." [4] Einer dieser Autoren war, um ein Beispiel zu nennen, der mexikanische Jurist und Philologe Eustaquio Buelna (Abb. 4) (1839-1907). Buelna war der Ansicht, es habe sich bei den Tolteken und Azteken um späte Nachfahren von Überlebenden der Atlantis-Katastrophe im Atlantik gehandelt, die sich schließlich im Tal von Mexiko ansiedelten. [5]

Dass die Azteken oder auch Aztlán in einer unmittelbaren Beziehung mit Atlantis gestanden haben könnten (d.h. direkte Nachfahren der vermuteten Atlanter und ihrer Kultur waren), erscheint allerdings selbst im Kontext rezentester Atlantis-Modelle aufgrund der chronologischen Distanz zwischen ihnen unmöglich. Trotzdem sollte man sich der Frage eventueller weitläufiger Zusammenhänge nicht verschließen. Auch ihr muss unvoreingenommen sowie ergebnisoffen nachgegangen werden, und man sollte sich tunlichst vor schulwissenschaftlicher Neo-Scholastik oder 'Paradigmenreiterei' hüten.

In diesem Sinne bemerkt etwa der Autor Frederick Dodson: "Die Azteken sagen, dass sie viel von ihrer Kultur von der toltekischen Zivilisation übernommen haben. Moderne Gelehrte behaupten, dass die Geschichte der Tolteken, wie sie von den Azteken wiedergegeben wurde, >zum Teil faktisch, zum Teil mythologisch< sei. Anders gesagt wird das, was mit dem modernen akademischen Dogma übereinstimmt, als >faktisch< betrachtet, und alles, was sich zu weit hergeholt anhört, wird als >mythologisch< erachtet." [6]

In der Tat haben Atlantisforscher und -autoren der Gegenwart, wie Andrew Collins [7], R. Cedric Leonard [8] und Gene D. Matlock [9] den Komplex 'Die Azteken, Aztlán und Atlantis' keineswegs unkritisch, aber ohne dogmatische 'Scheuklappen' behandelt. Auch wenn der Forschungs- bzw. Diskussionsschwerpunkt in Hinblick auf Mittelamerika und das Atlantis-Problem - wie schon immer - wohl auch weiterhin auf den Maya und (in jüngerer Zeit) den Olmeken liegen wird, so bieten die kulturellen Hinterlassenschaften der Azteken, insbesondere ihre Mythen, Sagen und Legenden über vergangene Zeitalter der Menschheit und die Große Flut zu Beginn der jetzigen Epoche, der alternativen Ur- und Frühgeschichtsforschung ebenfalls höchst interessante Ansatzpunkte für weitere Studien.


Siehe zu diesem Thema auch:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quellen: Tony O’Connell, "Aztecs (I)", 3. Juni 2010, bei Atlantipedia.ie; sowie: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Fernando de Alva Ixtlilxóchitl (beide abgerufen: 20. Okt. 2015)
  2. Siehe: Jason Colavito, unter: GÓMARA ON ATLANTIS - 1552 (abgerufen: 19. Okt. 2015)
  3. Siehe: Ignatius Donnelly, "Atlantis, the Antediluvian World" (1882), "PART V. THE COLONIES OF ATLANTIS. CHAPTER I. - THE CENTRAL AMERICAN AND MEXICAN COLONIES."
  4. Quelle: Tony O’Connell, "Aztecs (I)", 3. Juni 2010, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 19. Okt. 2015; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Siehe: Eustaquio Buelna, "La Atlántida y la Ultima Tule" (11th International Congress of Americanists, 1895, Mexico City), México, 1895 (online bei Internet Archive.org)
  6. Quelle: Frederick Dodson, "Mesoamerican traces of Atlantis", bei Ancient Atlantis (abgerufen: 19. Okt. 2015; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  7. Siehe: Andrew Collins, "Neue Beweise für Atlantis", Scherz Verlag, 2001
  8. Siehe bei Atlantisforschung.de: R. Cedric Leonard, "Das aztekische Aztlán - Platons Atlantis?
  9. Siehe z.B.: |Gene D. Matlock, B.A, M.A, "Why Not Look for A-Tlan-Tis in Mexico?", bei viewzone.com (abgerufn: 20. Okt. 2015); sowie in Buchform: Derselbe, "The Last Atlantis Book You'll Ever Have to Read!, "Dandelion Books, 2001

Bild-Quellen:

1) Ultimate_Destiny bei Wikimedia Commons, unter: File:1500, Mexican. - 075 - Costumes of All Nations (1882).JPG (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Mariana277 bei Wikimedia Commons, unter: File:Tenochtitlan1.jpg (Lizenz: Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported)
3) Tony O’Connell, "Aztecs (I)", 3. Juni 2010, bei Atlantipedia.ie
4) Bild-Archive Tony O’Connell (Atlantipedia) und Atlantisforschung.de sowie Internet Archive.org (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)