Die Akropolis von Atlantis?

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US-Forscher will die sagenumwobene Inselstadt am Meeresgrund östlich von Zypern entdeckt haben

von Norbert Lossau (DIE WELT)

Abb. 1 Robert Sarmasts Atlantis-Lokalisierung bei der heutigen Insel Zypern lässt einige Fragen offen und erscheint alles andere als 'wasserdicht'.

Limassol - Wie schon oft glaubten Forscher das legendäre Atlantis entdeckt zu haben, jene angeblich nach einer Naturkatastrophe vor rund 11 000 Jahren im Meer versunkene Inselstadt. Im Atlantik, in der Nordsee, im Schwarzen Meer oder gar in Asien sollte dieses mythologische Eiland gelegen haben. Wissenschaftliche Beweise gab es für diese auf den griechischen Philosophen Plato zurückgehende Legende indes in keinem der Fälle.

Nun behauptet ein 28jähriger Architekt aus Los Angeles, endlich das wahre Atlantis entdeckt zu haben. Der selbsternannte Forscher Robert Sarmast hat von einem Schiff aus den Boden des östlichen Mittelmeeres mit Sonarwellen abgetastet. Östlich von Zypern stieß er in 1600 Meter Tiefe auf ein rechteckiges Plateau. Auf den Sonarbildern sollen "zahlreiche Überreste von Straßen, einer Kanalisation und gewaltigen Mauern" zu erkennen sein. Auf einer Pressekonferenz im zypriotischen Limassol verkündete Sarmast stolz: "Wir haben definitiv die Akropolis von Atlantis gefunden!"

Tatsächlich hatte Plato in seinen Schriften von einer "mächtigen Burg auf der Atlantischen Akropolis" berichtet. [sic! d. Red.] Die Fachwelt gibt sich indes bislang sehr zurückhaltend. Für die meisten ist und bleibt Atlantis ein Mythos. "Es sind mehr Beweise erforderlich", kommentiert der Chef der Archäologiebehörde Zyperns. Doch Sarmast gibt sich unbeirrt: "Wenn das nicht Atlantis ist, was ist es dann?" Immerhin, so gibt Sarmast zu bedenken, hätte man Troja auch für eine Legende gehalten, bis diese Stadt dann tatsächlich von Heinrich Schliemann entdeckt worden sei.

Allerdings gesteht er ein, daß er bislang keine greifbaren Beweise vorlegen kann. Die seien unter einer meterdicken Schicht von Ablagerungen verborgen. Doch die Lage und Länge der auf dem Meeresgrund entdeckten Strukturen entspräche genau den von Platon gemachten Angaben über die Akropolis von Atlantis.

Die Expedition hat den amerikanischen Atlantisforscher rund 200 000 Dollar gekostet. Um nun wirklich wissenschaftliche Beweise aus den Tiefen des Mittelmeeres bergen zu können, sieht Sarmast einen Finanzierungsbedarf von weiteren 250 000 Dollar. Vielleicht kann der eifrige Atlantissucher ja dieses Geld durch die Honorare für sein vor wenigen Monaten erschienenes Atlantisbuch einspielen, indem er bereits von Atlantis zwischen Zypern und Syrien berichtet. Kritiker sehen in der spektakulären Präsentation der angeblichen Forschungsresultate denn auch eher eine PR-Maßnahme für das Buch.


Externa:

Axel Bojanowski: "Umjubelter Schlammhaufen", Süddeutsche Zeitung, 17.11.2004

Markus Becker: "Atlantis ist nur ein Schlammvulkan", Spiegel Online, 17.11.2004

Dr. Greg Little: "2006 Hi-Tech Expedition At "Cyprus Atlantis" Concluded: Alleged "Stone Walls and Manmade Structures" Are A Huge Mud Pile—But It's Still Atlantis (Or Maybe Eden)", Alternate Perceptions Magazine, No.107, Dez. 2006


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Norbert Lossau wurde erstmalig unter dem Titel "Die Akropolis von Atlantis - US-Forscher will die sagenumwobene Inselstadt am Meeresgrund östlich von Zypern entdeckt haben" in der Zeitschrift DIE WELT © (Dienstag, 16. November 2004, Rubrik AUS ALLER WELT, S. 32) veröffentlicht. Bei Atlantisforschung.de erscheint er als Dokumentation in einer redaktionell bearbeiteten und illustrierten Fassung.


Bild-Quelle

(1) http://www.originpress.com/atlantis/