Die Einstein-Hapgood-Papiere

von Rand und Rose Flem-Ath

Abb. 1 Albert Einstein (1879-1955) war von Hapgoods Theorie geradezu fasziniert.

Charles Hapgood erlangte erstmals Mitte der 1950er Jahre öffentliche Aufmerksamkeit mit seiner Theorie der Erdkrusten-Verschiebung [orig.: "earth crust displacement"; d.Ü.], einer radikalen geologischen Idee, welche die Neugier und die Unterstützung Albert Einsteins (Abb. 1) auf sich zog. Die Korrespondenz zwischen Einstein und Hapgood ist eine vergessene Seite im Buch der Wissenschaftsgeschichte. Wir erhielten diese Briefe (zehn von Einstein an Hapgood) im Herbst 1995 von den Albert Einstein Archiven. Zunächst einmal zeigen sie, wie umfassend Albert Einstein in die Unterstützung von Charles Hapgood bei der Entwicklung der Theorie der Erdkrusten-Verschiebung einbezogen war.

In seinem zweiten Antwortbrief (24. November 1952) an Hapgood schrieb Einstein, dass die Vorstellung der Erdkrusten-Verschiebung nicht nur deshalb "a priori" ausgeschlossen werden dürfe, weil sie nicht mit dem übereinstimme, was man über die Vergangenheit der Erde zu glauben wünsche. Von Nöten seien, wie Einstein geltend machte, solide "geologische und paläontologische Fakten."

Sechs Monate lang sammelte Hapgood geologische Evidenzen zur Stützung seines Konzepts der Erdkrusten-Verschiebung. Am 3. Mai 1953 übermittelte er achtunddreißig Seiten zu diesen Evidenzen an Einstein. Im Zentrum seiner Argumentation stand Hapgoods Beweisführung, dass das westliche Antarktika zur selben Zeit eisfrei war, in der Nordamerika völlig vom Eis bedeckt wurde. Einstein antwortete (8. Mai 1953):

"Ich finde Ihre Argumente sehr imponierend und habe den Eindruck, dass Ihre Hypothese korrekt ist. Man kann schwerlich bezweifeln, dass signifikante Verschiebungen der Kruste wiederholt und innerhalb kurzer Zeit stattgefunden haben."

Er drängte Hapgood Evidenzen für Erdfrakturen [orig: "earth fractures"; d.Ü.] nachzureichen. Einen Monat später (11. Juni 1953) übersandte Hapgood Einstein zweiundvierzig Seiten mit Beweisen für solche Erdfrakturen und die Entwicklung von Eisdecken.

Einstein schrieb (17. Dezember 1953) an Hapgood, er solle sich dringend mit dem "Zentrifugalkraft"-Problem befassen. Hapgood antwortete mit vier Seiten zu diesem Problem und siebenunddreißig Seiten zu "paläontologischen Evidenzen" einschließlich Material über die eingefrorenen Mammuts im arktischen Sibirien. Einstein war nun überzeugt. Am 18. Mai 1954 verfasste er ein sehr positives Vorwort für Hapgoods Buch EARTH'S SHIFTING CRUST: A KEY TO SOME BASIC PROBLEMS OF EARTH SCIENCE (1958 von Pantheon Books, New York, veröffentlicht). Das Vorwort beginnt:

"Ich bekomme häufig Mitteilungen von Leuten, die mich bezüglich ihrer unveröffentlichten Ideen zu konsultieren wünschen. Es versteht sich von selbst, dass diese Ideen nur sehr selten wissenschaftliche Validität besitzen. Die allererste Nachricht jedoch, die ich von Mr. Hapgood erhielt, elektrisierte mich..."

Hapgood und Einstein setzten ihre Korrespondenz fort und trafen sich schließlich im Januar 1955. Einsteins letzter Brief ist datiert auf den 9. März 1955, nur Wochen bevor der große Physiker am 18. April 1955 starb. Einsteins Archive werden in Jerusalem aufbewahrt (mit Kopien in Princeton) wo man die Aufzeichnungen dieser einzigartigen, doch kaum bekannten Zusammenarbeit an der Theorie der Erdkrusten-Verschiebung hütet.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Rand und Rose Flem-Ath © 1996 erschien erstmalig unter dem Titel The Einstein-Hapgood Papers auf ihren Webseiten WHEN THE SKY FELL - In Search of Atlantis. Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de.


Bild-Quelle

Wikimedia Commons, unter: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Albert_Einstein_1947.jpg