Eine theoretische und historische Betrachtung von Hörbigers Glazialkosmologie (I)

Aus Atlantisforschung
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von Louis Pauwels und Jaques Bergier

Abb. 1 Hanns Hörbiger (1860-1931), der Schöpfer der WEL. Seine Drohbrief-Aktion aus dem Jahr 1925 dürfte in der deutschen Wissenschafts-Geschichte wohl einmalig sein.

Eines Morgens im Sommer 1925 brachte die Post allen deutschen und österreichischen Gelehrten einen Brief. Sein Inhalt entfesselte einen Sturm der Empörung in allen Laboratorien und Bibliotheken, denn dieses Schreiben war ein Ultimatum, das die Idee des vorurteilsfreien Wissenschaft mit dem Tod bedrohte: "Es gilt jetzt zu wählen, ob man für oder gegen uns sein will. Zur gleichen Zeit, da Hitler die Politik säubern wird, wird Hanns Hörbiger die falschen Wissenschaften hinwegfegen. Die Welteislehre wird das Signal zur Erneuerung des deutschen Volkes sein. Nehmt euch in acht! Bekennt euch zu uns, bevor es zu spät ist!"

Hanns Hörbiger, der Mann, der es wagte, in solcher Weise die Gelehrten zu bedrohen, war damals 65 Jahre alt. Er war eine Art wütender Prophet. Er trug einen langen weißen Bart und hatte eine Handschrift, die den besten Graphologen zur Verzweiflung gebracht hätte. Seine Doktrin, die sogenannte "WEL" (Welteislehre), begann zu jener Zeit unter einem weiteren Publikum Verbreitung zu finden. Sie war eine Weltdeutung, die in absolutem Widerspruch zu den offiziell anerkannten Grundsätzen der Astronomie und der Mathematik stand, jedoch den Inhalt gewisser alter Mythen bestätigte.

Hörbiger betrachtete sich selbst als einen Gelehrten, doch forderte er von der Wissenschaft eine radikale Umstellung. "Die objektive Wissenschaft ist eine verderbliche Erfindung, ein Totem der Dekadenz." Er dachte wie Hitler, daß "die vordringlichste Aufgabe der Wissenschaft darin besteht, zu wissen, wer wissen will." Allein der Prophet darf Anspruch auf die Wissenschaft erheben, denn er ist Kraft seiner Erleuchtung auf eine höhere Bewußtseinsstufe gehoben. Genau das wollte auch der weise Rabelais sagen, als er schrieb: "Wissen ohne Gewissen ist der Ruin der Seele."

Er verstand darunter: Wissenschaft ohne höheres Bewußtsein. Man hatte jedoch seine Botschaft zugunsten eines kleinlichen und primitiven humanistischen Bewußtseins verfälscht. Nur wenn der Prophet zu wissen verlangt, erhebt sich in Wahrheit die Frage nach der Wissenschaft. - Dabei geht es um etwas anderes als um das, was man gemeinhin Wissenschaft nennt. Darum konnte Hanns Hörbiger auch nicht den geringsten Zweifel, die leiseste Andeutung eines Widerspruchs ertragen. Ein heiliger Eifer brannte in ihm: "Ihr habt Vertrauen zu den mathematischen Gleichungen, aber nicht zu mir!" wütete er. "Wieviel Zeit braucht ihr, um endlich zu verstehen, daß die Mathematik eine wertlose Lüge ist?"

Im wissenschaftlichen und technisierten Deutschland bahnte Hanns Hörbiger mit Geschrei und Ellenbogenstößen der Erleuchtung, dem irrationalen Wissen und den Visionen einen Weg. Er stand nicht allein; er war nur einer der Vorkämpfer einer mächtigen Bewegung. Hitler und Himmler hatten sich einem Astrologen anvertraut, obgleich sie sich zunächst hüteten, diese Tatsache an die Öffentlichkeit dringen zu lassen. Der Name dieses Astrologen lautete Fuhrer. Später, nach der Machtergreifung, wagten sie es jedoch, die Gelehrten herauszufordern; es war, als wollten sie nicht allein ihren Herrscherwillen bekunden, sondern auch ihre Absicht, "das Leben zu ändern". Sie ernannten Fuhrer zum "Reichsbevollmächtigten für Mathematik, Astronomie und Physik".

Abb. 2 Das Sonnensystem mit "Eisschleiertrichter" nach den Vorstellungen von Hanns Hörbiger (Bild: Signatur HA, S/476/122, Technisches Museum Wien)

Fürs erste begann Hanns Hörbiger in den Kreisen der Intelligenz mit einer systematischen Tätigkeit, die der eines politischen Agitators vergleichbar ist. Er schien über beträchtliche Geldmittel zu verfügen und operierte wie ein Parteiführer. Er schuf eine Bewegung mit Informationsdienst und Rekrutierungsbüro, der zahlende Mitglieder und Propagandisten angehörten sowie eine kleine Kampftruppe, deren Schläger aus der nationalsozialistischen Jugend kamen. Man beklebte alle Mauern mit Plakaten, überschwemmte die Zeitungen mit Annoncen, verteilte Stöße von Flugschriften und organisierte Massenversammlungen.

Die Zusammenkünfte und Vorträge von Astronomen wurden systematisch von Hörbigers Parteigängern gestört, die in die Säle eindrangen und schrien: "Raus mit den orthodoxen Gelehrten! Folgt Hörbiger!" Professoren wurden auf der Straße belästigt. Die Direktoren wissenschaftlicher Institute erhielten Zuschriften: "Wenn wir am Ruder sind, werdet ihr und euresgleichen auf den Straßen betteln müssen!" Geschäftsleute und Industrielle ließen Angestellte, die sie neu engagierten, eine Erklärung unterzeichnen: "Ich schwöre, daß ich die Welteislehre anerkenne." Hörbiger schrieb an große Ingenieure: "Entweder Sie lernen, an mich zu glauben, oder ich muß Sie als Feind behandeln."

Binnen weniger Jahre veröffentlichte die Bewegung drei große theoretische Werke, vierzig Bücher populären Charakters und Hunderte von Broschüren. Sie gab außerdem eine Monatsschrift heraus, die in einer hohen Auflage erschien: Der Schlüssel zum Weltgeschehen. (Abb. 2) Sie war drauf und dran, in der Geistesgeschichte wie in der politischen Geschichte eine bemerkenswerte und folgenschwere Rolle zu spielen.

Anfänglich protestierten die Gelehrten, indem sie Briefe und Artikel veröffentlichten, in welchen sie auf die Ungereimtheiten in Hörbigers System hinwiesen. Als dann die Welteislehre den Umfang einer großen Volksbewegung annahm, fühlten sie sich ernstlich bedroht. Nach der Machtergreifung Hitlers war der Widerstand nur noch gering, obgleich an den Universitäten weiterhin die orthodoxe Astronomie gelehrt wurde. Namhafte Ingenieure und Wissenschaftler bekannten sich zu der Lehre vom ewigen Eis, wie etwa Lenard, der zusammen mit Röntgen die Röntgenstrahlung entdeckt hatte, der Physiker Oberth und Stark, dessen Untersuchungen über die Spektroskopie weltberühmt waren. Hitler glaubte an Hörbiger und unterstützte ihn öffentlich.

In einer Broschüre der Bewegung hieß es: "Unsere nordischen Vorfahren sind in Schnee und Eis stark geworden und darum ist der Glaube an das Welteis das natürliche Erbe des nordischen Menschen. Ein Österreicher, Hitler, hat die jüdischen Politiker vertrieben. Ein zweiter Österreicher, Hörbiger, wird die jüdischen Wissenschaftler vertreiben. Durch das Beispiel seines eigenen Lebens hat der Führer gezeigt, daß ein Amateur einem ausgebildeten Fachmann überlegen ist. Ein anderer Amateur mußte kommen, um uns eine vollständige Welterkenntnis zu schenken."

Abb. 3 Die Relativitäts-Theorie Albert Einsteins (Foto) betrachtete Hörbiger, ebenso wie Psychoanalyse und Serologie als Angriffe "auf den Geist Parsivals".

Hitler und Hörbiger, die "beiden größten Österreicher", trafen mehrere Male zusammen. Der Führer der nationalsozialistischen Partei lauschte bei diesen Gelegenheiten ehrfürchtig den Worten dieses visionären Gelehrten. Hörbiger konnte es nicht ertragen, wenn man ihn beim Reden unterbrach, und wies Hitler in solchen Fällen schroff zurecht. Er teilte die Überzeugungen des Führers und trieb sie noch auf die Spitze: Das deutsche Volk, so erklärte er, das doch eine so hohe Aufgabe zu erfüllen habe, sei vergiftet von der kleinlichen, körper- und seelenlosen abendländischen Wissenschaft.

Erfindungen der letzten Jahrzehnte wie die Psychoanalyse, die Serologie oder die Relativitätstheorie seien gegen den Geist Parsivals gerichtete Waffen. Die Welteislehre werde das nötige Gegengift liefern, die Grundlage der Astronomie erschüttern, und damit werde das ganze übrige Gebäude von selbst in sich zusammenfallen. Das aber sei erforderlich, damit die Magie, der einzige dynamische Wert, wieder zum Leben erwachen könne. Auf Konferenzen trafen sich die Theoretiker des Nationalsozialismus und der Welteislehre, Rosenberg und Hörbiger, im Kreise ihrer besten Schüler.

Die Geschichte der Menschheit, wie Hörbiger sie darstellte, mit ihren großen Sintfluten und den aufeinanderfolgenden Völkerwanderungen, mit ihren Riesen und Sklaven, ihren Opfern und Heldengedichten, entsprach der arischen Rassentheorie. Die Ideenverwandtschaft Hörbigers mit den orientalischen Sagen über die vorsintflutlichen Zeitalter, die von Perioden des Heils und Perioden der Strafe für die menschliche Rasse sprechen, begeisterten Himmler. Je klarer Hörbiger seine Gedanken formulierte, um so deutlichere Parallelen zu den Visionen Nietzsches und der Wagnerschen Mythologie zeichneten sich ab.

Nach diesen Theorien war die arische Rasse einst aus den von den Übermenschen eines anderen Zeitalters bewohnten Bergen herabgestiegen und berufen, über die Erde und die Gestirne zu herrschen. Hörbigers Doktrin lehnte sich eng an den Gedanken des magischen Sozialismus und die mystischen Riten des Nationalsozialismus an. Sie bedeutete eine tatkräftige Unterstützung dessen, was Jung später als die "Libido der Unvernunft" bezeichnen sollte. Sie enthielt einige der in den alten Sagen enthaltenen "Vitamine der Seele". Im Jahre 1913 veröffentlichte Philipp Fauth [1], ein Amateur-Astronom, gemeinsam mit einigen Freunden ein Buch im Umfang von 800 Seiten mit dem Titel 'Hörbigers Glazialkosmologie'. Der größte Teil dieser Arbeit stammt aus Hörbigers eigener Feder.

Abb. 4 Das Bild des Sonnensystems, das Hanns Hörbiger propagierte, hatte mit den herkömmlichen Vorstellungen von Astronomie nicht mehr viel zu tun: "Die über die Marsbahn hinaus erweitert und der Ekliptik angeschmiegt zu denkende Sonnenkorona in ihrer wechselnden solifugalen Feineisströmungsdichte"

Hörbiger war 1860 geboren und entstammte einer seit Jahrhunderten in Südtirol ansässigen Familie. Nachdem er an der Technischen Hochschule in Wien studiert hatte, folgte eine Zeit der praktischen Arbeit in Bukarest. Er war bei dem Dampfmaschinen-Konstrukteur Alfred Collmann als Zeichner beschäftigt und trat dann als Spezialist für Kompressoren bei der Firma Land in Budapest ein. Hier erfand er 1894 ein neues Hahnsystem für Pumpen und Kompressoren. Er verkaufte sein Patent an große deutsche und amerikanische Gesellschaften und kam so in den Besitz eines großen Vermögens, das aber der Krieg und die Inflation ihm bald wieder nehmen sollten.

Hörbiger interessierte sich lebhaft für die Zustandsveränderungen des Wassers (gasförmig, flüssig, eisförmig), die er in seinem Beruf zu untersuchen Gelegenheit hatte. Er behauptete, von hier aus die gesamte Kosmographie und Astrophysik erklären zu können. Plötzliche Erleuchtungen und blitzartige Intuitionen hatten ihm, wie er sagte, die Tore zu einer neuen Wissenschaft geöffnet, die alle anderen Wissenschaften in sich begriff. Er sollte einer der großen messianischen Propheten Deutschlands werden und, wie man ihn nach seinem Tod nannte, ein "gottgesegnetes Entdeckergenie".

Die Lehre Hörbigers zieht ihre Kraft aus der Totalschau der Geschichte und der Entwicklung des Kosmos. Sie erklärt die Bildung des Sonnensystems, die Geburt der Erde, des Lebens und des Geistes. Sie beschreibt die ganze Vergangenheit der Welt und sagt ihre künftigen Umwandlungen voraus. Sie gibt Antwort auf die drei wesentlichen Fragen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Und sie erteilt diese Antworten in erregender Form. Alles beruht auf der Idee des in unendlichen Räumen ewig andauernden Kampfes zwischen dem Eis und dem Feuer, zwischen der Anziehungs- und der Abstoßungskraft. Dieser Kampf, diese ständig wechselnde Spannung zwischen einander entgegengesetzten Prinzipien, dieser ewige Krieg im Himmel, der das Gesetz der Planeten ist, gilt auch für die Erde, die lebende Materie und die Menschheitsgeschichte.

Hörbiger behauptet, er könne die fernste Vergangenheit unseres Planeten ebenso wie seine fernste Zukunft enthüllen, und er wartet mit den phantastischsten Begriffen über die Entwicklungstheorie der Lebewesen auf. Er wirft alle bestehenden Theorien über die Geschichte der Kulturen, das Auftauchen und die Entwicklung des Menschen und seiner Gemeinschaften über den Haufen. Er nimmt in dieser Hinsicht nicht eine beständige Aufwärtsbewegung, sondern eine Folge von Aufstiegen und Abstürzen an. Vor Hunderttausenden, ja vielleicht vor Millionen von Jahren hat es seiner Ansicht nach bereits Gottmenschen, Riesen und hochentwickelte Kulturen gegeben.

Das, was diese Ahnherren unserer Rasse waren, werden auch wir vielleicht eines Tages werden können, nachdem wir im Verlauf einer Geschichte, die sich auf der Erde wie im ganzen Universum in Zyklen bewegt, außerordentliche Umstürze und Mutationen erfahren haben. Denn die Gesetze des Himmels gelten auch für die Erde, das gesamte Universum macht eine einheitliche Entwicklung durch; es ist ein lebendiger Organismus, bei dem jeder Teil auf die anderen einwirkt. Das Abenteuer des Menschen ist mit dem Abenteuer der Gestirne verknüpft; das, was im Kosmos geschieht, ereignet sich auch auf der Erde und umgekehrt.

Wie man sieht, verleiht diese Lehre von den Zyklen und den fast magischen Beziehungen zwischen Mensch und Universum den ältesten Überlieferungen wieder eine gewisse Geltung. Uralte Prophezeiungen klingen hier wieder auf, Sagen und Legenden, die alten Themen von der Sintflut, den Riesen und den Göttern.

Abb. 5 Höbiger glaubte sich mit der WEL im Besitz einer "endgültigen Formel" zur Entstehung des Kosmos - und Hörbigers Anhänger glaubten an ihn.

Diese Lehre steht natürlich im Widerspruch zu allen Grundsätzen der offiziellen Wissenschaft. Aber, so sagte Hitler, "es gibt eine nordische und nationalsozialistische Wissenschaft, die der jüdisch-liberalen Wissenschaft entgegensteht." Die im Abendland geltende Wissenschaft, wie übrigens auch die jüdisch-christliche Religion, die in ihr Unterstützung findet, ist eine Verschwörung, die es zu sprengen gilt; ein Anschlag auf den Geist des Heldengedichts und der Magie, der im Herzen des kraftvollen Mannes lebt, ein weltweites Komplott, das der Menschheit die Pforten zur Vergangenheit und zur Zukunft verschließen möchte, sie auf den engen Raum der bekannten Kulturen beschränken und uns von unserem Ursprung und unserem großen Schicksal abschneiden will.

Die Wissenschaftler nehmen allgemein an, daß unser Universum vor etwa drei oder vier Milliarden Jahren infolge einer Explosion entstanden ist. Was war es, das da explodierte? Vielleicht war am Nullpunkt der Schöpfung der ganze Kosmos in einem einzigen Atom enthalten. Dieses Atom kann geplatzt sein und sich seitdem in einem Zustand immerwährender Ausbreitung befinden. In ihm wären die gesamte Materie und alle heute zur Wirkung gelangenden Kräfte enthalten gewesen.

Diese Hypothese ist zwar umstritten, doch läßt sich nicht sagen, daß sie einen absoluten Anfang der Welt setze. Die Theoretiker der Weltenentstehung aus einem einzigen Atom haben noch immer nicht die Frage beantwortet, woraus nun dieses Atom selbst hervorgegangen ist. Genau besehen, drückt die Wissenschaft sich hierüber keineswegs präziser aus als die indische Dichtung: "Während der Zeit zwischen Auflösung und Schöpfung ruhte Vishnu-Cesha in seiner eigenen Substanz, leuchtend vor schlummernder Energie, zwischen den Keimen des zukünftigen Lebens."

Was nun die Geburt unseres Sonnensystems betrifft, so sind die Hypothesen ebenso schwankend. Man hat sich vorgestellt, daß die Planeten bei einer partiellen Explosion der Sonne entstanden seien. Ein großer Astralkörper, der zu diesem Zeitpunkt in der Nähe der Sonne vorübergezogen ist, hat, so meint man, Teile der Sonnensubstanz abgesplittert, die sich dann im Raum verteilten und zu Planeten erstarrten. Daraufhin hat der riesige Körper, dieser unbekannte Superstern, seine Bahn fortgesetzt und ist in der Unendlichkeit eingetaucht. Andererseits denkt man auch an die Explosion eines Zwillingsgestirns unserer Sonne. Professor H.-N. Roussel schreibt bei der Behandlung dieser Frage ironisch: "Solange wir nicht wissen, wie die Sache vor sich gegangen ist, kann man nur eins als relativ sicher hinstellen: daß unser Sonnensystem auf irgendeine Weise entstanden ist."

Hörbiger hingegen behauptet zu wissen, wie "die Sache vor sich gegangen ist". Er ist im Besitz der endgültigen Formel. In einem Brief an den Ingenieur Willy Ley versichert er, daß diese Erklärung ihm schon in seiner Jugend in die Augen gesprungen sei: "Mir kam die Erleuchtung, als ich als junger Ingenieur eines Tages einen Strom geschmolzenen Stahls beobachtete, der über die feuchte, mit Schnee bedeckte Erde rann: nach einer gewissen Zeitspanne explodierte die Erde mit großer Heftigkeit."

Abb. 6 Nach Hörbiger handelt es sich bei der "so genannten Milchstraße" (oben) de facto um einen mächtigen Eisring, der sich von unserem Planeten aus in dreifacher Entfernung der Erde vom Neptun befindet (siehe unten). Eine abenteuerliche Idee, wie wir heute wissen.

Das ist alles. Von diesem Phänomen aus, das dem fallenden Apfel Newtons vergleichbar ist, sollte sich die Lehre Hörbigers aufbauen und entwickeln: Es gab einst im Himmel einen gewaltigen, sehr heißen Körper, millionenmal größer als unsere gegenwärtige Sonne. Diese Masse geriet in Kollision mit einem Riesenplaneten, der sich durch Ansammlung kosmischen Eises gebildet hatte. Das Eis drang tief in die Super-Sonne ein. Hunderte von Jahrmillionen geschah nichts. Dann aber brachte der Wasserdampf alles zur Explosion. Einzelne Teile wurden so weit fortgeschleudert, daß sie sich im Raum verloren. Andere fielen auf die Zentralmasse zurück, von der die Explosion ausgegangen war.

Wieder andere Teile schließlich wurden in eine mittlere Zone geschleudert: sie sind die Planeten unseres Systems. Ursprünglich gab es ihrer dreißig. Es sind Blöcke, die sich nach und nach mit Eis bedeckt haben. Der Mond, der Jupiter und der Saturn bestehen aus Eis, und die sogenannten Marskanäle sind Risse im Eis. Einzig die Erde ist noch nicht ganz von der Kälte erfaßt: hier spielt sich weiterhin der Kampf zwischen Eis und Feuer ab.

In einer Entfernung, die dem dreifachen Abstand zwischen Erde und Neptun entspricht, befand sich zum Zeitpunkt dieser Explosion ein mächtiger Eisring. Er befindet sich auch heute noch dort. Er ist das, was die Astronomen hartnäckig noch immer als "Milchstraße" bezeichnen, weil im unendlichen Raum einige unserer Sonne ähnliche Sterne durch diesen Ring hindurchschimmern. (Abb. 6) Was die Photographien von Einzelsternen betrifft, deren Gesamtheit eine Art Milchstraße ergeben würde, so beruhen sie auf Schwindel.

Die Flecken, die man auf der Sonne beobachtet hat und die alle elf Jahre ihre Form und ihren Platz verändern, bleiben den orthodoxen Wissenschaftlern unerklärlich. Sie werden jedoch durch den Aufprall von Eisblöcken hervorgerufen, welche sich vom Jupiter ablösen. Denn vollendet nicht Jupiter seinen Weg um die Sonne alle elf Jahre?

In der mittleren Explosionszone gehorchen die Planeten des Systems, zu dem auch die Erde gehört, zwei Kräften: dem Schwung der ursprünglichen Explosion, der sie immer noch voneinander entfernt, und der Gravitationskraft, die sie zu der stärksten in ihrer Nähe befindlichen Masse hinzieht. Diese beiden Kräfte sind nicht gleichartig. Die ursprüngliche Explosionsenergie vermindert sich allmählich, da der Raum ja nicht leer ist, sondern erfüllt von einer sehr feinen, aus Wasserstoff und Wasserdampf bestehenden Materie.

Außerdem streut das Wasser, das die Sonne erreicht, Eiskristalle in den Raum. So ergibt es sich, daß die anfängliche Kraft der Abstoßung sich immer mehr vermindert. Die Gravitation dagegen ist konstant. Darum wird jeder Planet von dem ihm am nächsten stehenden Planeten angezogen. Er nähert sich ihm, indem er ihn umkreist oder vielmehr eine Spirale um ihn beschreibt, die sich allmählich verengt. Auf diese Weise wird früher oder später jeder Planet auf einen anderen stürzen, und zum Schluß wird das ganze Planetensystem, zu Eis erstarrt, in die Sonne zurückstürzen. Dann wird eine neue Explosion erfolgen und ein neuer Beginn sich vollziehen.

Eis und Feuer, Abstoßung und Anziehung liegen im Universum in einem immerwährenden Kampf. Dieser Kampf bestimmt das Leben, den Tod und die ewige Wiedergeburt des Kosmos. Ein deutscher Schriftsteller, Elmar Brugg [2], verfaßte im Jahr 1952 eine Abhandlung zu Ehren Hörbigers, in der er schrieb: "Alle bisherigen Weltbildungslehren ließen das Gesetz des Gegensatzes außer acht. Hörbigers unvergängliches Verdienst ist es, die urferne Weisheit unserer Vorväter vom ewigen Widerstreit des Feuers und Eises, wie ihn die Edda besingt, wieder aufgedeckt und wissenschaftlich in dem großartigen Weltbilde der Welteislehre neu begründet zu haben. Der Dualismus des Stoffes (Glut und Eis) und der Kraft (sammelnde Anziehung und zerstreuende Abstoßung) schafft stets neue Spannungen und bedingt in seiner Wirkung, zusammen mit der Masseträgheit, die Erhaltung des Weltgeschehens." [3]

Abb. 7 Den ewigen Gegensatz von Eis und Feuer, von Abstoßung und Anziehung, betrachtete Hörbiger als Motor universeller Entwicklung. (Bild: © H.-G. Olszynski)

Es ist also unvermeidlich: der Mond wird eines Tages auf die Erde herabfallen. Während einigen zehntausend Jahren erschien der Abstand von einem Planeten zum anderen unveränderlich. Aber wir werden uns davon überzeugen können, daß die Spirale sich verengt. Ganz allmählich wird der Mond sich uns im Verlauf der Zeitalter nähern. Die Gravitationskraft, die er auf die Erde ausübt, wird zunehmen. Dann werden die Wasser unserer Ozeane sich zu einer ständigen Flut erheben: sie werden steigen, weite Landstriche bedecken, die Wendekreise überfluten und die höchsten Berge umspülen.

Die Lebewesen werden immer mehr befreit von dem Gewicht, das auf sie drückt. Sie werden wachsen. Die kosmischen Strahlen werden immer stärker. Sie wirken auf die Gene und Chromosomen ein und veranlassen Mutationen. Neue Rassen werden entstehen: Riesenpflanzen, Riesentiere und Riesenmenschen. Dann, wenn der Mond der Erde noch näher kommt, wird er, da er nun mit rasender Geschwindigkeit rotiert, auseinanderbersten und sich zu einem ungeheuren, aus Felsen Eis, Wasser und Gas bestehenden Ring ausdehnen, der immer schneller um uns kreist. Endlich aber wird dieser Ring auf die Erde niedergehen, und das wird der Weltuntergang, die angekündigte Apokalypse, sein. Sollten aber die stärksten, besten und auserlesensten Menschen diese Katastrophe überstehen, so ist es ihnen vorbehalten, sonderbare und ungeheuerliche Schauspiele zu erleben - vielleicht sogar das definitive Endspiel.

Nach einem Jahrtausende währenden Dasein ohne Satelliten, indem unser Gestirn die außerordentlichsten Überlagerungen alter und neuer Rassen gekannt haben wird, von Riesen hervorgebrachte Kulturen, Neubeginne nach Sintfluten und Erderschütterungen größten Stils, wird sich uns schließlich der Mars anschließen, der ja kleiner ist als unser Globus. Er wird in die Planetenbahn der Erde geraten. Aber er ist zu groß, um eingefangen zu werden, um zu einem Satelliten zu werden wie der Mond. Er wird ganz nah an der Erde vorbeiziehen und wird sie streifen, wenn er, vom Feuer angesogen, der Sonne entgegenrast und schließlich in sie hineinstürzt.

Dann wird unsere Atmosphäre mit einem Schlag von der Gravitationskraft des Mars mitgerissen werden und sich im Raum verlieren. Wieder werden sich die Ozeane wirbelnd und wallend über die Erdoberfläche ergießen, alles hinwegspülen, und die Erdküste wird auseinanderplatzen. Unser toter Globus wird weiterhin seine Spiralbahn ziehen, wird von vereisten Planetoiden, die durch den Raum verstreut sind, eingefangen werden und sich in eine riesige Eiskugel verwandeln, die dann ihrerseits in die Sonne rast.

Nach dieser Kollision wird das große Schweigen, die große Reglosigkeit eintreten, während sich im Verlauf von Jahrmillionen der Wasserdampf im Inneren der flammenden Masse sammelt. Schließlich aber kommt es zu einer neuen Explosion, und in der Ewigkeit der brennenden Kräfte des Kosmos werden neue Welten entstehen.

Dies ist das Schicksal unseres Sonnensystems in der Sicht des österreichischen Ingenieurs, den die höchsten Würdenträger des Nationalsozialismus als den "Kopernikus des 20. Jahrhunderts" bezeichneten. [4] Wir wollen jetzt beschreiben, wie diese Schau sich auf die vergangene, gegenwärtige und zukünftige Geschichte der Erde und der Menschen anwenden läßt. Es ist eine Geschichte, die, mit den "Sturm- und Kampfaugen" des Propheten Hörbiger gesehen, einer Sage voll sonderbarer Offenbarungen und Seltsamkeiten gleicht. [...]


Fortsetzung:

Eine theoretische und historische Betrachtung von Hörbigers Glazialkosmologie (II) (L. Pauwels u. J. Bergier)


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Louis Pauwels und Jaques Bergier wurde ihrem Buch "Aufbruch ins dritte Jahrtausend - Von der Zukunft der phantastischen Vernunft" (S. 311-321) entnommen, das 1965 in der Deutschen Buch-Gemeinschaft (Berlin, Darmstadt, Wien) erschienen ist.

Leider war es uns trotz langwieriger und umfassender Recherchen nicht möglich, den derzeitigen Inhaber der Rechte an diesem Werk von Pauwels & Bergier in deutscher Sprache zu ermitteln. Daher erscheint dieser Beitrag bei Atlantisforschung.de vorläufig, in einer redaktionell bearbeiteten Fassung, als wissenschafts- und atlantologie-geschichtliche Dokumentation zu Lehr- und Studienzwecken.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Anmerkung der Autoren: Philipp Fauth wurde am 19. März 1867 geboren und starb am 4. Januar 1941. Seinem eigentlichen Beruf nach war er Ingenieur und Maschinen-Konstrukteur, doch gelangte er vor allem durch seine Untersuchungen über den Mond zu einer gewissen Berühmtheit. Er hatte zwei Karten des Mondes gezeichnet, und ein Doppelkrater im Süden des Kopernikus-Kraters erhielt durch den Beschluß der Internationalen Union von 1935 den Namen Fauths. Im Jahre 1939 wurde er durch eine Sonderverfügung der nationalsozialistischen Bewegung zum Professor ernannt.
  2. Red. Anmerkung: Hinter dem Pseudonym Elmar Brugg verbarg sich der Bauingenieur und Schriftsteller Rudolf Elmayer-Vestenbrugg, geb. am 3.4.1888 in Pola, gest. am 23.12.1970 in Graz.
  3. Siehe: Elmar Brugg, "Spießbürger gegen Genie", Baden (Schweiz), 1952
  4. Anmerkung d. Red.: Der Journalist und Atlantologie-Kritiker Arn Strohmeyer schreibt dazu: "Hitler wollte - das ist mehrfach bezeugt - auf dem Donauufer in Linz ein Gebäude errichten lassen, >das insbesondere der katholischen Pseudowissenschaft zum Trotz die drei Weltbilder des Ptolemäus, des Kopernikus und der Welteislehre (Hörbigers) enthalten solle<. Auch eine Marmorbüste des Welteispropheten sollte aufgestellt werden, des Mannes, den Hitler für den >Kopernikus des 20. Jahrhunderts< hielt." Quelle: Arn Strohmeyer, "Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos", Donat-Verlag, Bremen, 1997, S. 117-118

Bild-Quellen:

1) Smithsonian Libraries / Scientific Identity, unter: Scientist: Hoerbiger, Hanns (1860 - 1931)
2) FWF Der Wissenschaftsfonds, unter: Wissenschaft auf Abwegen: Die Welteislehre
3) NASA, unter: http://imagine.gsfc.nasa.gov/Images/people/Einstein.gif
4) http://images.google.de/imgresimgurl=http://www.wissenschaftskalender.at/kalender/0319/dhoe4.jpg&imgrefurl=http://www.wissenschaftskalender.at/kalender/0319/augen0319d.html&h=400&w=325&sz=57&tbnid=7IM4QfP7jrwJ:&tbnh=120&tbnw=97&hl=de&start=5&prev=/images%3Fq%3DHanns%2BHoerbiger%26svnum%3D10%26hl%3Dde%26lr%3D%26client%3Dfirefox-a%26rls%3Dorg.mozilla:de-DE:official_s%26sa%3DN (nicht mehr online)
5) http://www.burznazg-shop.de/webshop/A38.jpg (nicht mehr online)
6) Oben: -Strogoff- bei Wikimedia Commons, unter: File:4 Milky Way (ELitU)-blank.png. Unten: Alpenfestung.com, unter: PSEUDOSCIENCE IN NAZILAND BY WILLY LEY (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
7) Rostseite / Rustpage, unter: http://www.rostseite.de/bilder/feuer_eis_fire_ice.jpg