Einleitung zu "Der verlorene Kontinent"

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von unserem Gastautor William Lauritzen


Einleitung

Die Geschichte von Atlantis ist eine der seltsamsten, mysteriösesten und bizarrsten Erzählungen in der Geschichte der Zivilisation. Platon, ein berühmter griechischer Philosoph, ein Schüler des Sokrates, schrieb auf lediglich etwa zwanzig Seiten über einen Kontinent, den er Atlantis nannte. Platon war vielleicht einer der brilliantesten Geister der Geschichte. Er half mit, den Grundstein euro-amerikanischer Philosophie-Gedanken zu legen, und seine Werke werden noch heute, 2300 Jahre später, studiert.

Abb. 1 Der heutige Meeresboden der Sunda-Ebene. Der Vulkan Krakatau befindet sich zwischen den beiden Land-Strukturen unten in der Mitte. (Karte: National Geographic Society.)

Platon, der seine Geschichte augenscheinlich von den Ägyptern herleitete, beschrieb eine wunderbare Zivilisation, die an einem einzigen Tag zerstört wurde. Diese Zivilisation hatte eine Hauptstadt mit einem Königspalast aus Elfenbein, Gold und Silber. In dieser Stadt gab es Brücken, Kanäle, Häfen, Schiffe, Quellen, viele Tempel, Bäder und einen Kurs für Pferderennen. Nach Platons Angaben kam dieses Volk in den Mittelmeer-Raum und bekriegte die Ägypter. Nach den Ägyptern - Platons Quellen - halfen die Griechen, es in einer Schlacht zu besiegen und aus dem Gebiet des Mittelmeers zu vertreiben.

Jedenfalls sagt Platon, dass “nachher zerstörerische Erdbeben und Fluten auftraten; und in einem einzigen Tag und in einer unglückseligen Nacht verschwand ... die Insel Atlantis ... in den Tiefen des Meeres.” Ob Platons Erzählung ein Faktum oder Fiktion darstellte, oder irgendeine Kombination von beidem, war stets ein intensiver Streitpunkt, seit Platon diese Geschichte niederschrieb. Seine Schriften sind die einzige Informationsquelle über “Atlantis.” Daher handelt es sich, streng genommen, bei Atlantis nicht um Folklore. [...]

Viele Leute haben durch TV-Dokumentationen irgendwelche Vorstellungen über Atlantis entwickelt. In diesen Shows ist häufig die Rede von befremdlichen Ideen, wie z.B. außerirdische Besucher, Atomkraft, die Levitation von Felsen, Gen-Technik und frühere Leben. Unglücklicher Weise unterstützen TV-Produzenten diese bizarren oder okkulten Ideen, um zeitweise höhere Einschaltquoten zu erzielen.

Wo immer sichere Evidenzen oder gesichertes Wissen fehlen, liegt der Mutterboden, auf dem unsubstantielle und bizarre Anschauungen gedeihen. Mit anderen Worten, da niemand zu wissen scheint, wo Atlantis wirklich lag: warum nicht einfach die Information von einer außerirdischen Quelle “channeln”? Wer kann dich widerlegen? Oder: warum nicht in einen “Trance-Zustand” fallen, und in Kontakt mit deinem früheren Leben in Atlantis treten? Noch einmal: wer soll dich Lügen strafen? Viele okkulte Bücher habe ich durchgearbeitet, um etwas von Wert zu finden. Ich fand eine Menge Wunschdenken und reichlich Tam-Tam, aber keine gesicherten Evidenzen.

Das Okkulte kann verführerisch, betörend und berauschend sein. Die Realtität ist dies jedoch häufig nicht. [...] Vielleicht stellt das Okkulte in irgendeiner Weise eine Art Brainstorming-Funktion der Gesellschaft dar. Alles und Jedes an Ideen wird als gültig akzeptiert. Dann ist es an den Wissenschaftlern, das Reale und Gute aus den reinen Phantasie-Flügen herauszufiltern. Dieses Brainstorming mag eine wertvolle und notwendige Funktion darstellen. Unglücklicher Weise schauen manche Leute dann jedoch niemals nach Evidenzen, die es ihnen erlauben würden, die schiere Spekulation hinter sich zu lassen.

Abb. 2 Vor mehr als 10000 Jahren sollen die Sunda-Ebene und weite Teile des Indischen Ozeans noch nicht von den steigenden Meeresfluten verschlungen worden sein. In dieser gewaltigen Landmasse sieht William Lauritzen das historische Vorbild für Platons versunkenen Kontinent.

Ich erkenne, dass die Wissenschaft ebenfalls nicht vollkommen ist. Sie kann überheblich oder unbeweglich sein. Sie funktioniert, wie alles bei uns, in einem politischen Kontext. Sie befördert eine Zersplitterung des Wissens, sodass in der Regel niemand auf das große Ganze achtet, oder verschiedene Disziplinen miteinander verbindet. Graduierende Studenten geben üblicherweise mittelmäßige Dissertationen ab, die bestenfalls auf einem Feld herumlümmeln, das schon lange zuvor von einem innovativen Denker geschaffen wurde. Um dem zu entsprechen, muss man wohl gegen jeden Wandel resistent sein, sonst könnte ja jede neue, halbgare Idee Akzeptanz finden. [...]

Mehrere tausend Bücher zum Thema Atlantis sind schon verfasst worden [1] und keines davon hat eine wirklich zufriedenstellende Antwort auf die Fragen gegeben, "wo war es?", “was war es?” oder “hat es existiert”? Darüber hinaus haben ozeanographische und geologische Forschung während der vergangenen Jahrzehnte essentiell die Möglichkeit ausgeschlossen, dass ein verlorener Kontinent im heutigen Atlantischen Ozean existiert haben könnte. In diesem Artikel rege ich an, dass Platon seine Legende von Atlantis nicht von einem Kontinent im heutigen Atlantik, sondern in einem Gebiet des antiken Atlantischen Ozeans erhielt. Dies werde ich kurz erklären. Ich werde mich auf dabei auf Evidenzen beschränken, die sich auf wichtige Aspekte des verlorenen Kontinents beziehen, der in Platons Timaeus und Kritias, der Quelle dieser Erzählung, gefunden werden können. Ich werde in diesem Artikel nicht die aktuellen Annahmen diskutieren, Atlantis habe am Südpol oder in Peru gelegen.


Fortsetzung:

Der Welt-Ozean


Quellen und Anmerkungen

  1. Anmerkung d. A.: Martin Gardner (1952) sagt, eine konservative Schätzung laute “mehrere tausend”. L. Sprague de Camp (1954) sagt “zweitausend”. Charles Berlitz (1969) sagt 5 000 “Bücher und Schriften”. C. W. Cernan (1951) sagt “zwanzigtausend Bände”.


Bild-Quellen

(1) W. Lauritzen, http://earth360.com/lost1.html#_edn3 (nicht mehr online)

(2) http://www.wist.uni-linz.ac.at/~ernest/atlantis/paper1e-print.htm (nicht mehr on line)