Gernot L. Geise: Ungelöste Rätsel der Pyramiden (Rezension)

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Eine Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich

Abb. 1 Gernot. L. Geise: Ungelöste Rätsel der Pyramiden - Keine Antworten auf viele Fragen!, Hohenpreißenberg, 2012, EFODON ISBN 978-3-932539-40-4

Im Verlauf ausführlicher Gespräche mit dem Buch-Autor über dessen inzwischen zahlreiche Ägyptenreisen konnte sich der Rezensent davon überzeugen, daß Geise - obwohl "nur ein Privatgelehrten-Ägyptologe" inzwischen in der Tat eine erstaunliche Kompetenz hinsichtlich der baulichen Hinterlassenschaften der Alt-Ägypter vorweisen kann. Es wäre sehr zu wünschen - ja sollte genaugenommen eine Selbstverständlichkeit sein! -, daß ein Exemplar dieses verdienstvollen Werkes zukünftig in jeder ägyptologischen Institutsbibliothek präsent wäre.

Allzu vieles erscheint Geise, und da kann ihm der Rezensent nur zustimmen, an den derzeitigen ägyptologischen Lehrmeinungs-Komplexen allzu voreilig und fragwürdig. Geise nimmt da besonders die angeblichen Entstehungsumstände und den Entstehungszeitpunkt der ersten altägyptischen Hochkultur aufs Korn. Er neigt speziell zu der Vermutung, daß das allerälteste Alt-Ägypten (Cheops-Pyramide etc.) nur durch das Eingreifen einer außer-altägyptischen Hochkultur möglich wurde. Dem Rezensenten erscheint diese Vermutung sehr vernünftig, er denkt da beispielsweise an die allerälteste Hochkultur Indiens. [1]

Im Kapitel "Das Rätsel Alt-Ägyptens" (S. 265-272) geht Geise dann noch auf ein Thema ein, das er bereits in seinem Vorgänger-Opus [2] behandelt hatte: nämlich auf die seines Erachtens sehr reale Möglichkeit, daß die Landschaft Ägyptens, einschließlich der dortigen Baudenkmäler, zwischenzeitlich durch eine "Superflut"-Naturkatastrophe (am ehesten wohl ein Impakt ins Meer) verwüstet worden sein könnte. Der Rezensent hält es für wissenschaftlich durchaus legitim, auch über eine solche Möglichkeit nachzudenken. Es paßt einfach nicht mehr in unsere Zeit, dergleichen Fragenkomplexe aus der Diskussion auszuklammern. Allzuoft fühlt man sich (aber dazu muß man in Wissenschaftsgeschichte kompetent sein!), wenn man das Gehabe unserer heutigen Mainstream-Ägyptologie beobachtet, an die 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Vor-Weltkriegszeit des 20. Jahrhunderts erinnert, mit dem seinerzeitigen "Wissenschafts"-Getue und vermeintlicher "Wissenschaftlichkeit".

In einer wirklichen und wahren Wissenschaft muss es stets wissenschaftlichen Fortschritt geben, und zwar nicht nur in Details. Sonst wird aus einer Wissenschaft Scholastik! Und damit das nicht geschieht, müssen nicht nur relativ nebensächliche Details des Lehrgebäudes immer wieder aufs Neue hinterfragt werden, sondern auch die übergreifenden General-Dogmen. Daran hat es die Mainstream-Ägyptologie schon viel zu lange fehlen lassen. Um so anerkennenswerter muß es dann erscheinen, wenn extra-esteblishmentäre Außenseiter wie Geise die Mühe auf sich nehmen, sich kompetent zu machen und Alternativvorschläge auf den Tisch zu legen.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Horst Friedrich (©), datiert auf den 4. Oktober 2015, wurde von ihm für Atlantisforschung.de verfasst.

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Etwa im Sinne des Werkes "In Search of the Cradle of Civilization: New Light on Ancient India" (Quest Books, 1995) von Georg Feuerstein, Subhash Kak und David Frawley.
  2. Siehe: Gernot L. Geise, "Superflut über Ägypten", Peiting (Michaels-Verlag), 2008 (ISBN 978-3-89539-626-7)

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