Gustav Eberlein, der Tango und Atlantis

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Ein Beitrag aus unserer Reihe 'Kuriositäten der Atlantologie-Geschichte'

Abb. 1 Der Bildhauer, Maler und Schriftsteller Gustav Eberlein (1847-1926) Foto aus: Berliner Leben, Heft 10 (1903)

(red) bei unseren Recherchen stoßen wir bisweilen auf Anekdoten und Kuriosa, die zwar nichts mit atlantologischer Forschung im engeren Sinne zu tun haben, aber in zeit- und kulturgeschichtlicher Hinsicht durchaus interessant - oder auch ganz einfach amüsant sind.

In die zweite Kategorie gehört wohl die nachfolgend vorgestellte Zeitungsmeldung (Abb. 2) der Washington Times aus dem Jahr 1901, deren Redakteur einen Blick 'über den Großen Teich' nach Deutschland warf, um dem Publikum in den USA über ein "Forschungsergebnis" in Sachen 'Atlantis' des damals international bekannten Bildhauers, Malers und Schriftstellers Gustav Eberlein (Abb. 1) (1847-1926) zu berichten. Der leicht ironische Unterton dieser Meldung mit der Überschrift "NOTHING NEW UNDER THE SUN" (Nichts Neues unter der Sonne) ist kaum zu übersehen:

Abb. 2 Die 'Tango-Meldung' aus der Washington Times vom 3. Januar 1901

"Einmal mehr hat sich erwiesen, dass es nichts Neues unter der Sonne gibt. Prof. Gustav Eberlein, der Berliner Bildhauer, hat die Geschichte des Tangos durchgeackert. Er kommt zu dem Ergebnis, >dieser sei einer der prähistorischen Tänze, die das verschollene Atlantis überdauerten<, und er fügt hinzu, er sei ein Opfer-Tanz der Alten Griechen gewesen.

Weil die Überrreste des untergegangenen Atlantis seit eh und je vollständig verschwunden sind, wird Prof. Eberlein unter den Verdacht fallen, dass er seine Phantasie spielen lässt. Dennoch ist es ihm gelungen, den Tango in einen Mantel der Antiquität zu hüllen, der es seinen Gegnern umso schwerer machen wird, ihn loszuwerden. [1] Natürlich besteht die Möglichkeit, dass Atlantis nicht untergegangen wäre, hätte man dem Tango dort nicht so viel Aufmerksamkeit geschenkt." [2]

Es bleibt anzumerken, dass auch ansonsten sehr ernsthafte Atlantisforscher bisweilen zu ähnlich erstaunlichen Feststellungen kamen, wie Prof. Eberlein im Jahr 1901. So konstatierte etwa Egerton Sykes, der Grand Old Man der britischen Atlantologie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die afro-karibische Calypso-Musik habe ihren Ursprung auf Atlantis gehabt. [3]


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Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Red. Anmerkung: Der Tango war damals höchst umstritten. Er galt in bürgerlichen Kreisen als skandalös und wurde von klerikalen Kräften in Europa und Nordamerika als verderbt und obszön bekämpft. "1914 wurde der Tango von Papst Pius X. als sündhaft und unmoralisch verboten, erst 2008 wurde er offiziell rehabilitiert, nachdem der jetzige Papst Franziskus eine Tango-Messe zelebrieren ließ." (Quelle)
  2. Quelle: o.A., "NOTHING NEW UNDER THE SUN", 3. Januar 1911; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach: CHRONICLING AMERICA - American Historic Newspapers
  3. Quelle: Martin Ebon, "Atlantis - Neue Beweise", Heyne Verlag, 1978, Kapitel 7: Was traf Atlantis?; sowie online bei Atlantisforschung.de: "Egerton Sykes´ postatlantische Inselwelt" (bb)

Bild-Quellen:

1) Friedrich Röhrs und Axel Mauruszat bei Wipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Datei:Gustav Eberlein (BerlLeben 1903-10)-var.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) The Washington Times, 3. Jan. 1901; nach: CHRONICLING AMERICA - American Historic Newspapers, unter: The Washington times., January 03, 1914, LAST AND HOME EDITION, Page 6, Image 6 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)