Leuchtflecke und Lichtblitze auf dem Mars

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von Gernot L. Geise (2005)

Abb. 1 Ein beobachteter Lichtpunkt auf dem Mars (die buckelförmige Erhebung am rechten Marsrand). Hier eine Darstellung von der Sternwarte Flaggstaff (Erber, S. 75)

Seit es eine regelmäßige Beobachtung des Mars durch irdische Observatorien gibt, hat man nicht nur umstrittene gradlinige Strukturen beobachtet, sondern auch andere merkwürdige Beobachtungen gemacht. So wurden - bis in unsere heutige Zeit - immer wieder geheimnisvolle Blinklichter und andere Leuchterscheinungen beobachtet und auch fotografiert [1]. Hier eine kleine Auswahl der Sichtungen [2]

  • Am 11.12.1896 hat der britische Astronom Illing einen Lichtblitz auf dem Mars beobachtet.
  • Im August 1924 sah der russische Marsforscher Prof. Baraschow einen hellen weißen Streifen, der für einige Minuten sichtbar blieb.
  • Am 04.06.1937 sah der Japaner Sidsue Mayeda in der Mars-Region Sithonius Lacus einen hell leuchtenden, pulsierenden Lichtfleck, der nach fünf Minuten verschwand.
  • 1951 berichtete der Japaner T. Saheki von einem pulsierenden “Flare” mit fünfminütiger Leuchtphase, aus dem sich eine graue Wolke von etwa 300 Kilometer Durchmesser entwickelt habe, die vierzig Minuten lang sichtbar geblieben sei.
  • Am 01.07.1954 sah T. Saheki im Süden des Mars einen sehr hell leuchtenden Lichtpunkt, dessen Farbe von weiß zu gelb wechselte und der fünf Sekunden sichtbar war.
  • Auch am 24.07.1956 wurde eine Minute lang ein helles Leuchten auf dem Mars beobachtet.
  • Im September 1956 beobachteten Astronomen aus Alma Ata (Hauptstadt von Kasachstan) einen hellen, bläulichweißen Punkt auf der Marsoberfläche.
  • 1958 wurden zwei Leuchtflecke beobachtet, die weißblau schimmerten.
  • Am 06.11.1958 beobachtete S. Tanabe am Südende von Tithonius Lacus eine Leuchterscheinung, die vier Minuten lang heller leuchtete als die Polarkappe.
  • Am 21. November 1958 beobachteten S. Sayeki und I. Tasaba im Nordbereich der Marsregionen Hellas und Edom Promontorium fünf Minuten lang zwei helle, leicht pulsierende Flecken.
  • S. Miyamoto beobachtete am 20.03.1967 in der Region Arcadia, Neith Regio zwei kurzfristige weiße Flecken.
  • Am 05.05.1967 beobachtete S. Miyamoto drei weiße, kurzlebige Flecken in der Region Nix Olympica.
  • Zwischen 1937 und 1967 wurden von verschiedenen Beobachtern insgesamt dreizehn hell leuchtende Flecke auf dem Mars entdeckt.
Abb. 2 Diese Aufnahme eines 'Mars-Blitzes' wurde im April 2014 vom Rover Curiosity gemacht. (Foto: NASA)

Die rätselhaften Lichtblitze von der Oberfläche des Planeten Mars verunsichern die Forscher. Amerikanische Hobby-Astronomen beobachteten im Juni 2001 erneut rätselhafte Lichtblitze von der Oberfläche des Planeten Mars und hatten sie sogar auf Video aufzeichnen können. Zwar konnten die Wissenschaftler die Existenz dieser seltsamen Lichtphänomene nicht bestreiten, eine Erklärung für das Phänomen konnten sie allerdings genauso wenig vorlegen.

Im Jahre 2000 hatte der Amateurastronom Thomas Dobbins, Mitglied der Association of Lunar and Planetary Observers (ALPO), einer angesehenen Gruppe von Planeten- und Mondbeobachtern, berechnet, wann sich die exakte Stellung von Sonne, Mars und Erde während der vermeintlichen Blitze aus dem Jahre 1958 wiederholen würde. Sein rechnerisches Ergebnis: Anfang Juni 2001. Zum vorhergesagten Zeitpunkt rief Dobbins eine Gruppe von Planetenbeobachtern der ALPO und des Fachmagazins „Sky and Telescope” zusammen, die im vorausberechneten Zeitraum von Florida aus den Mars ins Visier nahmen. Ganz den Berechnungen entsprechend konnten Dobbins und Kollegen dann tatsächlich am 7. und 8. Juni aus der Region Edom Promontorium helle Lichtblitze wahrnehmen und auf Video aufzeichnen. Die Wissenschaftler stehen nun vor einem Rätsel. Die einzig sinnvolle Erklärung, die es bislang für die Beobachtungen von 1958 gab, waren Spiegelungen an einer Wolke von Eiskristallen in der Mars-Atmosphäre. [3]

Wenn es sich um eine solche Wolke handelt, dann müssen die Beobachter entweder extremes Glück gehabt haben - oder die Wolken kehren regelmäßig wieder”, erklärte Tim Parker vom Jet Propulsion Laboratory in Pasadena. Die Daten der NASA-Marssonden zeigen, dass der Mars geologisch ein toter Planet ist, dessen Vulkanismus bereits vor Jahrmillionen erloschen ist. Vulkanismus scheidet also als Erklärung für die Lichtblitze aus. Und die zweite Erklärung, es handele sich um Atmosphären-Phänomene, eventuell um Gewitterblitze, ist ebenso wachsweich wie die Annahme, Wolken würden nach einem festen Fahrplan erscheinen. Die VIKING-Lander sahen jedenfalls keine einzige solcher „Atmosphären-Phänomene”. Auch die PATHFINDER-Daten sagen hierzu nichts aus. Eine stichhaltige Erklärung [4] für die Blinklichter und Lichtblitze gibt es also bisher nicht. Bezeichnenderweise wurde bisher von keiner NASA-Marssonde ein Lichtblitz aufgenommen. [5]

Allerdings könnten eventuell vorhandene diesbezügliche Fotos auch von der NASA vertuscht worden sein, weil sie nicht ins vorgegebene Konzept passen. Vielleicht sollte ich darauf hinweisen, dass verschiedene Forscher in den sechziger Jahren - nach damaligen Zeitungsmeldungen - die Meinung vertraten, diese Lichtblitze hätten aufgrund ihrer Helligkeit eine frappierende Ähnlichkeit mit Lichtblitzen von Atombomben-Explosionen...



Anmerkungen und Quellen

Planet Mars - Cover.jpg
Dieser Beitrag von Gernot L. Geise (©) wurde der Neuauflage von 2005 (Abb. 3) seines, im Jahr 1997 erstveröffentlichten - und inzwischen vergriffenen - Buches "Planet Mars - voller Rätsel und Widersprüche" entnommen. Er entspricht dem Abschnitt "Leuchtflecke und Lichtblitze auf dem Mars" (S. 96-99) im dortigen Kapitel "Phänomene". Die Veröffentlichung der Online-Version des Textes bei Atlantisforschung.de im August 2014 erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verfassers.

Fußnoten:

  1. Siehe: Felix Erber, „Illustrierte Himmelskunde”, Berlin 1912, S. 75
  2. Quelle: Wolfgang Schröder, „Leuchtflecke auf Mars”, in: ASTRO Nr. 6/1988; sowie: Ders., „Lichter auf dem Mars”, in: Erich von Däniken (Hrsg.): „Neue kosmische Spuren”, München 1992
  3. Red. Anmerkung: Die Story von den Mars-Lichtblitzen als "Spiegelungen des Sonnenlichts an Eiskristallen" wurde von der NASA noch im Jahr 2002 unter Bezugnahme auf Messdaten der Raumsonde 2001 Mars Odyssey in die Welt hinausposaunt. Siehe dazu z.B.: Rainer Kayser, "Herkunft der rätselhaften Lichtblitze geklärt?", 13. Mai 2002, bei: astronews.com
  4. Red. Anmerkung: Als Anhänger des wissenschaftlichen Prinzips der Vielfalt und angesichts der augenscheinlichen Komplexität des Mysteriums der 'Mars-Blitze' wagen wir zu bezweifeln, dass es nur EINE stichhaltige Erklärung für die beobachteten Erscheinungen gibt, bzw. dass es sich bei ihnen um Resultate eines einheitlichen Phänomens handelt.
  5. Red. Anmerkung: Tatsachlich gelang es schließlich dem Mars-Rover Curiosity der NASA, am 2. und 3. April 2014 Aufnahmen von 'Mars-Blitzen' zu machen - freilich ohne dass das Rätsel damit zufriedenstellend gelöst wäre. Siehe dazu z.B.: Andreas von Rétyi, "Aktuelle NASA-Aufnahmen: Mysteriöse Lichter auf dem Mars", 11.04.2014, bei: KOPP ONLINE

Bild-Quellen:

1) Felix Erber, „Illustrierte Himmelskunde”, Berlin 1912, S. 75 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) NASA, nach: Andreas von Rétyi, "Aktuelle NASA-Aufnahmen: Mysteriöse Lichter auf dem Mars", 11.04.2014, bei: KOPP ONLINE
3) Bild-Archiv Atlantisforschung.de