Ludwik Zajdler

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Abb. 1 Das Frontcover von Ludvik Zajdlers Werk Atlantyda, welches im Jahr 1963 zum ersten Mal veröffentlicht wurde

(red) Ludwik Zajdler (*27. April 1905 in Warschau - †3. März 1985 ebenda) war ein polnischer Astronom und Buchautor, sowie der wohl bedeutendste Vertreter der Atlantisforschung in Polen während der frühen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Lebenslauf

Direkt im Anschluss an seine Schulzeit am Warschauer Gymnasium Kazimierza Kulwiecia studierte Ludwik Zajdler von 1925 bis ca. 1930 Astronomie an der Universität Warschau. Nachdem er seinen Wehrdienst beim 45. Infanterie-Regiment Rifle Kresowi in Rivne abgeleistet hatte, arbeitete er als Assistent an der Sternwarte der Universität Warschau. Im Jahr 1938 nahm er einen Job im Bereich der Konstruktion von Flugzeug-Instrumenten an und wurde zudem Leiter der Navigationsabteilung des Instituts für Luftfahrttechnische Forschung. Des Weiteren betätigte er sich als Co-Autor eines Handbuchs für aeronautische Offiziere. [1]

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Zajdler als Assistent an der Sternwarte der Universität Lemberg. Ab 1942 war er als Mathematiker für eine Versicherungsgesellschaft tätig. Nach 1945 ließ er sich zunächst in Częstochowa nieder, wo er als Leiter des städtischen Sternwarte und Direktor der meteorologischen Station des Nationalen Instituts für Hydrologie und Meteorologie tätig wurde. 1948 kehrte er nach Warschau zurück, wo er in der Zentrale des Amtes für Statistik arbeitete. [2]

Als großer Liebhaber und Förderer der Astronomie war Zajdler bis ins hohe Alter engagiert. Bereits ab 1927 war er Mitglied der Polnischen Gesellschaft für Amateur-Astronomen (Polskie Towarzystwo Miłośników Astronomii, PTMA), deren Vorstand er von 1964 bis 1979 angehörte. In den Jahren 1979 bis 1983 war er Mitglied des wissenschaftlichen Zentralrats der PTMA, und von 1966 bis 1976 als Präsident der Warschauer Niederlassung der PTMA aktiv.

Nach seinem Ableben im Jahr 1985 fand Ludwik Zajdler Seine letzte Ruhestätte auf dem Evangelisch-Augsburgischen Friedhof in Warschau. [3]

Atlantisforschung

Abb. 2 Als Ursache für den Untergang von Atlantis setzte L. Zajdler eine Kollision zwischen dem Halleyschen Kometen (Bild) und der Erde voraus.

Im Jahr 1963 veröffentlichte Ludwik Zajdler in Warschau sein Buch "Atlantyda" (Abb. 1), in dem er die Klassische Atlantistheorie (Atlantis im Atlantik) vertrat. "Zajdler untergliederte", wie Tony O’Connell festhält, "sein Buch in drei Abschnitte, Atlantis im Mythos, Atlantis in der Geschichte sowie Datum und Ursache seiner Zerstörung. Der Autor nahm an, dass es Belege für eine Kollision der Erde mit dem Halleyschen Kometen (Abb. 2) im Jahr 9570 v.Chr. gebe." [4]

Zajdlers Atlantisbuch war in seinem Heimatland offenbar ungemein erfolgreich, wozu Tony O’Connell allerdings relativierend feststellt: "Es wird im Internet häufig zitiert, dass die die 3. polnische Ausgabe 1972 eine Auflage von 30.000 Exemplaren erreichte, was unglaublich spektakulär ist. Allerdings wird in diesem Bericht auch behauptet, jene Zahl entspreche der Gesamtzahl aller Bücher über Atlantis, die während der letzten 20 Jahre in den USA und Großbritannien veröffentlicht wurden, was auch fraglich erscheint." [5]

Jedenfalls wäre "Atlantyda" vermutlich außerhalb des polnischen Sprachraums nie sonderlich bekannt geworden, hätte nicht Nikolai Feodosjewitsch Zhirov (1903-1970), einer der führenden Atlantisforscher in der damaligen UdSSR, das Buch ins Russische übersetzt und als Herausgeber dieser Übersetzung fungiert, die 1966 in der Sowjetunion erschien. [6] Damit fand das Werk nicht nur bei Atlantologen im damaligen 'Ostblock' Beachtung, sondern wurde vereinzelt auch von Atlantisforschern in der 'Westlichen Welt' mit Interesse zur Kenntnis genommen, wie z.B. bei Andrew Tomas, der 1972 in "Atlantis: from legend to discovery" auf Ludwik Zajdlers Arbeit Bezug nahm.

Zhirov erwähnte Zajdlers Buch auch mehrfach in seinem zum atlantologischen Standardwerk avancierten Klassiker "Atlantis: Atlantology: Basic Problems", wo er - um noch einmal Tony O’Connell zu zitieren - u.a. (auf S. 378) festhielt, dass Zajdler "einige bemerkenswerte Gemeinsamkeiten zwischen den Kalendern der alten Ägypter und Maya identifiziert habe, welche ihn zu der Schlussfolgerung führten, sie müssten einen gemeinsamen Ursprung haben, von dem er annahm, es habe sich dabei um Atlantis gehandelt." [7]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Wolna encyklopedia, unter: Ludwik Zajdler (abgerufen: 03. Okt. 2014)
  2. Quelle: ebd.
  3. Quelle: ebd.
  4. Quelle: Tony O’Connell, "Zajdler, Ludwik", 10. Februar 2011, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 03. Okt. 2014; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de) --- Red. Anmerkung: Es ist gerade in Hinsicht auf seine Hypothese einer Kollision von Erde und Halleyschem Kometen bedauerlich, dass L. Zajdlers "Atlantyda" nie in deutscher oder englischer Sprache erschienen ist. Angesichts der Tatsache, dass er ein professioneller Astronom war, dürfte seine diesbezügliche Argumentation sicherlich von besonderem Interesse sein.
  5. Quelle: Tony O’Connell, "Zajdler, Ludwik", 10. Februar 2011, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 03. Okt. 2014; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Siehe: Dr. Nikolai Zhirov, "Atlantis - Atlantology: Basic Problems", University Press of the Pacific, 2001, S. 407. Anmerkung: Zhirov gibt dort an, das Nachwort zu dieser russischen Ausgabe von Zajdlers Buch habe Prof. O.K. Leontyev (offenbar ein sowjetischer Geologe, wie Literatur-Verweise im Internet anzeigen) beigesteuert.
  7. Quelle: Tony O’Connell, "Zajdler, Ludwik", 10. Februar 2011, bei Atlantipedia.ie (abgerufen: 03. Okt. 2014; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) antykwariat waw.pl, unter: LUDWIK ZAJDLER - ATLANTYDA (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Soerfm bei Wikimedia Commons, unter: File:Lspn comet halley.jpg (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)