Neues zur urzeitlichen Doggerland-Katastrophe

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Prähistorisches nordisches „Atlantis“ von fünf Meter hohem Tsunami getroffen

(rmh) Dem Wissenschaftsredakteur Paul Rincon zufolge verschwand ein prähistorisches „Atlantis“ in der Nordsee, nachdem es vor 8.200 Jahren von einem fünf Meter hohen Tsunami getroffen wurde. Nach seinem Bericht vom 1. Mai 2014 sagte Rincon auf „BBC News –Science & Environment“, dass die Welle während eines katastrophalen unterseeischen Landrutsches nahe der Küste von Norwegen erzeugt wurde.

Abb. 1 Das Gebiet der so genannten 'Doggerbank' in der Nordsee war einst ein höher liegender Teil des gewaltigen Doggerlands (siehe Abb. 2), der erst relativ spät überflutet wurde. [1] Dies geschah, wie Wissenschaftler shon länger vermutet haben, unter katastrophischen Umständen.

Analysen legten nahe, dass der gewaltige Tsunami über Doggerland (Abb. 1), ein niedrig gelegenes Landgebiet hereinbrach, das seinerzeit von den Wellen verschlungen wurde. „Es war [bereits] von mesolithischen Stämmen vor etwa 8.000 Jahren verlassen worden, als der Storegga-Rutsch geschah“, sagte Dr. Jon Hill vom Imperial College London. Die Welle könne die letzten Einwohner der Insel ausgelöscht haben.

Die Untersuchung wurde dem Magazin Ocean Modelling bekanntgegeben und bereits kurz vor der dieser Meldung auf der European Geoscience Union General Assembly in Wien präsentiert. [2] Dr. Hill und seine Kollegen Gareth Collins, Alexandros Avdis, Stefan Kramer und Mathew Piggot untersuchten wahrscheinliche Effekte des norwegischen Rutsches mittels Computer.

Hill äußerte BBC-News gegenüber: „Wir waren die erste Gruppe überhaupt, die den Storegga-Rutsch mit Doggerland an der Stelle modellierten. Vorherige Studien haben moderne Tiefseemessung verwendet.“ Die Studie stelle den detailliertesten Einblick in die wahrscheinlichsten Auswirkungen auf der großen Erdrutsch und den mit ihm einhergehenden Tsunami auf dieser verschwundenen Landmasse dar.

Während des letzten Eiszeitalters hätten die Meeresspiegel um einiges tiefer gelegen, und der maximale Umfang von Doggerland habe die Küsten Englands mit dem Kernland Europas verbunden. (Abb. 2) So sei es für menschliche Jäger möglich gewesen, sich trockenen Fußes vom heutigen Norddeutschland nach Ost-England zu bewegen. Doch vor 20.000 Jahren hätten die Meeresspiegel anzuwachsen begonnen, und Stück für Stück große Landschaften überflutet. Vor ungefähr 10.000 Jahren sei die Gegend aber noch immer eines der ertragreichsten Landgebiete für Jagd, Fischen und Vogelfang gewesen.

Abb. 2 Vor ca. 20.000 Jahren bildete der gesamte Nordwesten Europas noch einen kleinen 'Subkontinent' Damals war es nicht nur möglich, sich trockenen Fußes vom heutigen Norddeutschland nach Ost-England zu bewegen, sondern auch große Gebiete im Süden der heutigen Nordsee stellten eine zusammenhängende Landmasse dar.

Ein großes Frischwasser-Becken habe das Zentrum von Doggerland eingenommen, das im Osten von der Themse und im Westen vom Rhein gespeist wurde. (Abb. 3) Seine Lagunen, Sümpfe und sein Schlickwatt seien ein Paradies für Wildtiere gewesen, sagt Bernhard Weninger von der Universität zu Köln, der an der aktuellen Studie mitwirkte.

Doch 200 Jahre später sei aus Doggerland eine niedrig liegende sumpfige Insel geworden, die so groß wie Wales war. Die Fangnetze der Fischerboote in der Nordsee habe eine Fülle von prähistorischen Knochen ans Licht gebracht, die von den Tieren stammten, die einst dieses Gebiet bevölkert hatten. Doch die Wasser hätten auch ein kleines Lager aus alten Überresten und Artefakten preisgegeben, die Wissenschaftler mittels der Radiokarbonmethode datieren konnten. Und die sollen tatsächlich gezeigt haben, dass keines dieser Überreste aus dem Mesolithikum auf Doggerland jünger ist als der Tsunami. Die Storegga-Rutschung habe den Zusammenbruch von einigen Kubikkilometern Sediment bewirkt. „Wenn wir das Sediment nähmen und es über Schottland legten, würde es dies bis zu acht Meter hoch bedecken“, sagte Dr. Hill.

Abb. 3 Das einstmalige Fluss-System von Doggerland nach Clement Reid (1913). Die damaligen Verläufe von Themse und Rhein wurden von uns rot markiert.

Davon ausgehend, dass der Hauptteil von Doggerland in jener Zeit fünf Kilometer Tiefe gelegen habe, muss das Gebiet eine umfassende Überflutung erlebt haben. „Deswegen ist es plausibel, dass der Storegga-Rutsch tatsächlich der Grund für den Verlust von Doggerland im Mesolithikum war“, schreibt das Team in seinem Ocean-Modelling-Papier. Und Hill sagte gegenüber den BBC News: Die Auswirkung auf jemanden, der in jener Zeit auf Doggerland lebte, wäre massiv gewesen – vergleichbar mit dem japanischen Tsunami von 2011. Allerdings nehme Weninger an, dass Doggerland während dieses Tsunamis bereits menschenleer war. „Es könnte dort ein paar Menschen gegeben haben, die per Boot zum Fischen gekommen sind, doch ich bezweifle, dass es dauerhaft besiedelt war“, sagte er und fügte hinzu: „Ich denke, es war so feucht zu dieser Zeit, dass die besten Tage von Doggerland bereits vorüber waren.

Prof. Vince Gaffney, ein Archäologe an der Universität von Birmingham sagte, er denke, dass die Untersucher wahrscheinlich Recht hätten, weil der Tsunami ein vernichtendes Ereignis gewesen sei. Er habe jedoch betont, dass der archäologische Bericht dürftig war und dass zwei Äxte aus dem Neolithikum (nach dem Storegga-Ereignis) in dem Gebiet der braunen Bänke der Nordsee aufgefunden wurden. Es sei möglich, dass diese von einem Boot herunterfielen, doch es sei unklar, wann genau Doggerland schließlich unter den Wellen verschwand. Gaffney sagte: „Selbst nach größeren Vulkanausbrüchen kommen die Menschen manchmal zurück, nicht, weil [sie] es nicht ermöglichen können [woanders zu leben], sondern weil dort Ressourcen sind.

Gaffney ist Autor des Buches „Europe’s last World: The Rediscovery of Doggerland“. Der Tsunami habe sich auch die heutige Küste Schottlands und die heutige äußerste Küste Englands und auch auf die Nordküste von Kontinentaleuropa ausgewirkt. Die große Welle, die auf der Nordost-Küste Englands niederging, sei über fünf Meter hoch gewesen, und es gebe stichhaltige Belege dafür, dass vor 8.000 Jahren Menschen dort lebten.

Ein großer Teil dieser Region habe tief gelegen, was nahelegt, dass die Auswirkung auf die Menschen, die im Mesolithikum dort lebten und die abhängig waren von den Ressourcen, die die Küste hergab, wie z. B. Mollusken, signifikant waren.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe zu der diesbezüglichen Entwicklung einführend das Video: Doggerland - als die Nordsee noch Festland war (3:42 Min.), marum TV (abgerufen: 13. Dez. 2014)
  2. Siehe: Jon Hill, Gareth Collins, Rebecca Smith, Matthew Piggott, Numerical modelling of the Storegga tsunami: consequences to the UK., Geophysical Research Abstracts, Vol. 16, EGU2014-4052, 2014, EGU General Assembly 2014 (PDF-Datei; abgerufen: 13. Dez. 2014)

Bild-Quellen:

1) Alureiter bei Wikimedia Commons, unter: File:Doggerbank.jpg
2) University of St Andrews / Mail Online, unter: 'Britain's Atlantis' found at bottom of North sea - a huge undersea world swallowed by the sea in 6500BC (Rob Waugh), 2./3. Juli 2012; nach: NATURAL HISTORIAN, "Doggerland: The Ice Age, Sea Level Rise, and Human Migration", 8. Juli 2012
3) Tom Meijer bei Wikimedia Commons, unter: File:Clement Reid - Map Doggerbank.jpg