Tall tale

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Definition

Abb, 1 Rabelais’ Riese Pantagruel im Schlaf; neugierige Menschen bestaunen die von ihm besiegte Seeschlange (Holzschnitt von Gustave Doré, ca. 1873)

(red) Als 'tall tale' (im Englischen wörtlich: "große Geschichte"; umgangssprachlich jedoch: "Lügengeschichte") bezeichnet man im angelsächsischen Sprachraum "eine Geschichte mit unglaubwürdigen Elementen, die so erzählt werden, als seien sie wahr und faktisch. Einige solche Geschichten sind Übertreibungen tatsächlicher Ereignissen, zum Beispiel [beim] 'Anglerlatein', wie >Dieser Fisch war so groß, ich sag's Dir, dass er fast das Boot versenkt hätte, als ich ihn hereingezogen habe!< Andere tall tales sind völlig erfundene Erzählungen, die in einer [mehr oder weniger!; d.Red.] vertrauten Umgebung angesiedelt sind, wie einer ländlichen Gegend Europas, dem amerikanischen Grenzgebiet, dem kanadischen Nordwesten oder [in historischer Hinsicht; d.Ü.] dem Beginn der industriellen Revolution." [1]

Tall tales finden sich z.B. in Bereichen direkter zwischenmenschlicher Kommunikation (siehe wie oben das 'Anglerlatein' bzw. 'Jägerlatein', aber auch das 'Seemansgarn'), in der Folklore vieler Völker und in der Literatur [2], aber nicht zuletzt auch im Bereich von Presseerzeugnissen und insbesondere bei zweifelhaften Veröffentlichungen im Internet. Derartige Übertreibungen sind wohl auch in alte Sagen und Legenden eingeflossen, die aber trotzdem von modernen tall tales zu unterscheiden sind: "Die Grenze zwischen Legenden und tall tales wird vor allem durch ihr Alter bestimmt; viele Legenden übertreiben die Heldentaten ihrer Helden, aber in tall tales spielt die Übertreibung eine so große Rolle, dass sie [selbst] zur Geschichte wird." [3]

Abb. 2 'Photoshop-Riesen' wie dieser stellen als Illustrationen vermeintlicher archäologischer Funde eine besonders häufige Variante visueller 'tall tales' des 21. Jahrhunderts dar.

Gerade im Bereich grenzwissenschaftlicher Forschung - vor allem im Bereich der Gigantologie (Riesenforschung) - stellen tall tales im Internet ein echtes Problem dar:

  • Einerseits perpetuieren erfundene oder in gutem Glauben weiterverbreitete Stories über angebliche Funde der Überreste mehr als fünf, zehn oder zwanzig usw. Meter großer Riesen die unhaltbare Annahme, es habe tatsächlich derartige 'menschliche Wolkenkratzer' gegeben. Insbesondere gilt dies für die visualisierte Variante der tall tales über Riesen in Form von 'Photoshop-Giganten' (Abb. 2). [4]
Diese digitalen 'Hoaxes' oder 'Fakes' setzen übrigens eine Tradition fort, die bereits vor gut einhundert Jahren begründet wurde: "Postkarten aus dem frühen 20. Jahrhundert wurden in den USA zu einem Vehikel für das Erzählen von tall tales. [5] [6] Die Schöpfer dieser Karten, wie der produktive Alfred Stanley Johnson, Jr. [7] und William H. 'Dad' Martin, verwendeten in der Regel Trick-Fotografie, einschließlich erzwungener Perspektive, während andere ihre merkwürdigen Tableaus malten [8], oder eine Kombination von Malerei und Fotografie zu frühen Beispielen der Fotoretusche nutzten. [9] Das gemeinsame Thema war Gigantismus: Angeln nach Leviathanen [10], das Jagen nach [11] oder Reiten auf [12] übergroßen Tieren sowie das Einbringen von unmöglich riesigen Garben." [13] [14]
  • Zum anderen tragen tall tales und Photoshop-Kreationen zur fortlaufenden Diskreditierung der Riesenforschung und derjenigen bei, die sie betreiben. Sowohl Fachwissenschaftler als auch Skeptiker sowie Pseudoskeptiker können unter Verweis auf sie den vermeintlichen Unsinn der These vor- und frühgeschichtlicher Populationen riesenhafter Menschen behaupten.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, unter: "Tall tale" (abgerufen: 30. März 2018; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  2. Siehe z.B. unter Bezugnahme auf Riesen: François Rabelais, "Gargantua und Pantagruel" (Abb. 1); mehrbändige Erzählung aus dem 16. Jahrhundert über das Leben zweier Riesen (Vater und Sohn)
  3. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, op. cit.
  4. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: "Die gefälschten Riesen - Teil II - 'Photoshop-Riesen' unter die Lupe genommen" (red)
  5. Siehe: Wisconsin Historical Society, unter: "Larger Than Life: Tall-Tale Postcards" (abgerufen: 30. März 2018)
  6. Siehe: Michigan History Online, unter: "Storytelling Through the Mail: Tall Tale Postcards in Michigan"; bei WAYBACK MACHINE archivierte Version des Original -Artikel (abgerufen: 30. März 2018)
  7. Siehe: Wisconsin Historical Society, unter: "Wisconsin historical images, Keywords: "tall tale", Alfred Stanley Johnson, Jr" (abgerufen: 30. März 2018)
  8. Siehe: Fußnote 6
  9. Siehe: Wisconsin Historical Society, unter: "Tall-tale Postcard: Mammoth Strawberries" (abgerufen: 30. März 2018)
  10. Siehe: Fußnote 6; sowie: Wisconsin Historical Society, unter: "Wisconsin historical images, Keywords: 'tall tale', 'fishing'" (abgerufen: 30. März 2018)
  11. Siehe: Wisconsin Historical Society, unter: "Wisconsin historical images, Keyword 'hunting'" (abgerufen: 30. März 2018)
  12. Siehe: Wisconsin Historical Society, unter: "Tall-tale Postcard: Homeward Bound"; sowie: Dieselbe, "Man Riding Sheep (1916)" (beide abgerufen: 30. März 2018)
  13. Siehe: Fußnote 6; sowie: Wisconsin Historical Society, "Wisconsin historical images, Keyword 'hunting'" (abgerufen: 30. März 2018)
  14. Quelle: Wikipedia - The Free Encyclopedia, op. cit., Abschnitt: "In visual media" (abgerufen: 30. März 2018; Übersetzung ins Deutsche und Hervorhebungen durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Gustave Doré, Illustration im vierten Buch der Reihe 'Pantagruel and Gargantua' von François Rabelais, in: Oeuvres de Rabelais (Paris: Garnier Freres, 1873), Vol. 2, Buch IV, Kap. XXXV; nach Wikimedia Commons, unter: File:Pantagruel01.jpg
2) Charlie Hintz, "Smithsonian Giant Skeleton Conspiracy", 2. August 2013, bei: Cult of Weird - Museum of Oddities and Obscurities