The New Atalantis

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Auf einen Blick

Abb. 1 Das Titelblatt von Delarivier Manleys Opus 'The New Atalantis' aus dem Jahr 1709

(red) The New Atalantis (Abb. 1) (der vollständige Titel lautet: Secret Memoirs and Manners of Several Persons of Quality, of both Sexes, From The New Atalantis) war eine einflussreiche politische Satire der Autorin Delarivier Manley, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts veröffentlicht wurde [1] und 1713 auch in deutscher Sprache erschien (Abb. 2). Darin wird eine Parallele zwischen Ausbeutung von Frauen und politischer Täuschung der Öffentlichkeit gezogen.

Inhalt

Abb. 2 Hier das Titelblatt der deutschsprachigen Ausgabe von 'Atalantis' aus dem Jahr 1713

The New Atalantis handelt von der Rückkehr Astreas, der Göttin der Gerechtigkeit, auf die Erde, um all jene Informationen über privates und öffentliches Verhalten zu sammeln, die für die ordnungsgemäße moralische Erziehung eines in ihrer Obhut befindlichen Prinzen erforderlich sind. Astrea trifft sich mit ihrer, in Lumpen gekleideten und wenig angesehenen Mutter Virtue (Tugend), und die beiden profitieren bei ihren gemeinsamen Nachforschungen von ihrer Unsichtbarkeit. Zusammen erleben sie eine Reihe von Szenen, die öffentliche und persönliche Korruption, den Ruin von Jungfrauen, Orgien, Verführungen und Vergewaltigungen zeigen. Dabei verwendet die Autorin für ihre Erzählung das Rahmenwerk eines Gesprächs zwischen drei allegorischen Erzählerinnen, welche auf einer abgelegenen Mittelmeerinsel, die Schauplatz ihrer Untersuchungen ist, die Muster des Lebens beobachten, darüber berichten und sie reflektieren.

Hintergrund

The New Atalantis erschien 1709, der erste Band im Mai und der zweite im Oktober. Der Roman wurde zunächst aufgrund seiner skandalösen Natur unterdrückt. Manley wurde sogar verhaftet und vor Gericht gestellt, doch das Buch war im Nu höchst populär und wurde im folgenden Jahrzehnt in sieben Ausgaben veröffentlicht. Als politische Satire auf das Verhalten prominenter Mitglieder der Whig-Partei fand es die Zustimmung der Tory-Literaturfraktion, z.B. von Lady Mary Wortley Montagu, Richard Steele und Jonathan Swift (dem Autor von Gullivers Reisen). Ein Hinweis auf die anhaltende Popularität des Werks findet sich z.B. in Alexander Popes The Rape of the Lock (Canto III.165).

Abb. 2 Sarah Churchill, Duchess of Marlborough, die als Ikone der Whig-Partei zum speziellen Ziel von Delarivier Manleya satirischen Attacken wurde

Den unmittelbaren konzeptionellen Hintergrund von The New Atalantis bildete Sir Francis Bacons Roman New Atlantis aus dem Jahr 1627, der auch die Wahl des Titels beeinflusste. Im Gegensatz zu Bacons altruistischem Utopia stellt Manley jedoch eine scheinheilige Dystopie dar. In gewisser Weise lässt sich ihre Schrift auch mit Thomas Heyricks Verssatire The New Atlantis (1687) [2] vergleichen, welche die pro-katholische Haltung der Tory-Partei während der Stuart-Nachfolgekrise in früherer Zeit angriff. In diesem Fall wurde jedoch die Tugendhaftigkeit der Whig-Gegner als Betrug entlarvt.

The New Atalantis spielte nicht zuletzt eine Rolle beim Angriff auf den damaligen politischen Favoriten der Whigs, John Churchill, 1. Duke of Marlborough, dessen Frau Sarah (Abb. 3) eine einflussreiche Bedienstete von Queen Anne war. Sarah war bereits Ziel einer früherer Satire von Manley gewesen, The Secret History of Queen Zarah and the Zarazians (1705). Mit The New Atalantis sollte die Whig-Partei nun in der bevorstehenden Parlamentssitzung in Verlegenheit gebracht werden, um dazu beizutragen, die Tories 1710 an die Macht zu bringen. [3] Die Beziehung zwischen der Königin und Sarah Churchill wurde dadurch tatsächlich beschädigt.

Die Literaturwissenschaftlerin Soňa Nováková hebt hervor, dass The New Atalantis den Aspekt der Unsichtbarkeit von Frauen in der männlichen Welt der Politik und ihre daraus resultierende Fähigkeit anspricht, Situationen durch die Macht des Klatsches zu beeinflussen. Auch impliziere Manleys Satire eine Parallele zwischen der Verführung der Hilflosen im sexuellen Bereich und der Täuschung der Öffentlichkeit im politischen Bereich. Die weibliche Marginalisierung wird zum Bild der politischen Marginalisierung der Öffentlichkeit. [4]

Übrigens scheinen auch vermutete Details der Vita von Delarivier Manley in Form der Geschichte von "Delia" (in Band zwei) in ihre Darstellung der Welt von Atalantis eingeflossen zu sein. Später folgte dann die autobiographische Schrift The Adventures of Rivella (1714) [5]. Die beiden Bände des 1710 veröffentlichten zweibändige Werkes The Memoirs of Europe [6] wurden im frühen 18. Jahrhundert oft als Teile drei und vier der Atalantis-Geschichte bezeichnet, obwohl ihre Handlung nicht in deren fiktionaler Kulisse angesiedelt ist.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Artikel "The New Atalantis" bei Wikipedia - The New Encyclopedia (Stand: 02. März 2020). Übertragung ins Deutsche und intensive redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

Bild-Quellen:

1) Awadewit (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:ManleyMemoirs.png
2) Olaf Simons (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:1713 Manley Atalantis (German).jpg
3) Charles Jervas, 1675-1739 (Urheber) bei Wikimedia Commons, unter: File:Sarah, Duchess of Marlborough by Jervas.jpg