Wenn die Sphinx reden könnte…

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Rezension

Dr. Horst Jungnickel:
Wenn die Sphinx reden könnte...
Ancient Mail Verlag, Groß-Gerau 2005
ISBN: 3-935910-20-7
Preis: EUR 10,70
109 Seiten, Softcover, 33 s/w-Fotos, 1 Abb, Register

(rmh) Dr. Jungnickel bereiste mehrmals Ägypten. Dabei stieß er auf Rätsel, vor die uns die Geschichte jenes Landes stellt. So begann er zu recherchieren und stellt im vorliegenden Buch seine Lösungsvorschläge vor.

Jungnickel beschäftigt sich mit dem Bau der großen Giseh-Pyramiden – insbesondere der Cheops-Pyramide – und zweifelt allgemein anerkannte Baumodelle, wie bspw. die Schlittentheorie – an. Auch mit der Bauzeit von 20 Jahren kann er sich nicht anfreunden. Er verweist hier auf fehlerhafte Rechnungen. Weiter weist er auf die willkürlichen Zuschnitte, Ausklinkungen und Lückenfüllungen hin. Derartige Zuschnitte könnten nur von Bauleuten gemacht worden sein, die die das Schneiden von bis zu 50 cm dicken Steinen beherrschen. "Wie wurde es wohl gemacht?", fragt er sich. Zahlreiche Fotos belegen die Präzision dieser Arbeiten. Jungnickel belegt auch, dass die Ägypter ein großes astronomisches Wissen gehabt haben müssen.

Der Höhepunkt seiner Ausführungen sind seine Analysen zum "Pyramidenkapitel im Hitat", einer Materialsammlung des arabischen Geschichtsschreibers Taki ad-Din Abu I-Abbas Ahmed al-Makrizi, der im 14. – 15. Jahrhundert lebte. In dieser Materialsammlung wird von manchen Autoren ein vorsintflutlicher König namens Saurid als Baumeister der Großen Pyramide genannt. Weiter ist von Kammern die Rede, in denen beispielsweise "faltbares Glas" aufbewahrt würde. Erst in den letzten Jahrzehnten kann man dies mit "Plastikfolie" assoziieren, aber woher sollte al-Makrizi in seiner Zeit das gewusst haben? Jungnickel ist davon überzeugt, dass es tatsächlich eine Sintflut gab und beruft sich auf die These von Alexander und Edith Tollmann. Für diese Geologen war ein Impakt der Auslöser der Sintflut, und tatsächlich scheint im Hitat der Einschlag eines Kometen oder Asteroiden beschrieben zu werden, wie der Rezensent aus eigenen Studien weiß.

Genauso interessant ist ein Kapitel über eine Analyse altägyptischer Pyramidentexte.

Jungnickel macht Außerirdische für den Bau der Pyramiden und anderen Bauwerken verantwortlich.

Leider enthält das ansonsten empfehlenswerte Buch auch einige Fehler, die in der Paläoseti-Literatur ständig von Autor zu Autor weiterwandern. So gibt Jungnickel an, dass das "Sigui-Fest" des Dogon-Stammes in Mali alle 50 Jahre – analog zur Umlaufbahn des Sirius B um Sirius A – gefeiert würde. In Wirklichkeit sind es 60 Jahre. Auch der kaum haltbaren Fälschungshypothese bezüglich der in einigen Entlastungskammern der Großen Pyramide gefundenen Chufu-Inschriften ist er teilweise aufgesessen. Seine Behauptung, dass die hieratische Schrift, in der die aufgefundenen Schriftzeichen geschrieben wurden, zur Zeit des Cheops noch keine Verwendung fand, ist nicht ganz korrekt. Zeitweise wurde sie tatsächlich schon zu jener Zeit genutzt. Allerdings hat er Recht, wenn er die Inschriften, die immerhin ihrem König gewidmet sind (wenn es sich auch nur um Steinmetzmarkierungen handelt) als "Graffiti-Schmierereien" bezeichnet. Für die Verehrung eines Königs sehen diese Schriftzeichen – die immerhin als Beweis für die von der klassischen Ägyptologie gelehrten Auffassung, dass Cheops die Pyramide gebaut haben soll, herhalten müssen – tatsächlich wie "hingeschmiert" aus. Leider hat Jungnickel auch eine Mär übernommen, die seit einigen Jahren ihre Runde macht: nämlich die Falschbehauptung, dass rund um das Giseh-Plateau eine Mauer gebaut würde.

Ansonsten sind kleinere Ungenauigkeiten enthalten: beispielsweise schreibt die traditionelle Ägyptologie den Bau des Sphinx nicht Cheops, sondern Chephren zu. Einzig Stadelmann vertritt die These, dass der Sphinx von Cheops gebaut wurde. Allerdings hat Dr. Jungnickel Recht, wenn er schreibt, dass es gute Gründe für die Annahme gibt, dass der Sphinx wesentlich älter ist.

An manchen Stellen hätte ich mir mehr Ausführlichkeit gewünscht. So hätte mich interessiert, woher der Autor die Information nimmt, dass sowohl die Sumerer, als auch die Ägypter Sirius B verschiedenen Göttern zuordneten.