Der Riese von Castelnau – Atlantisforschung

Der Riese von Castelnau

Abb. 1 Eine künstlerische Rekonstruktion des Riesen von Castelnau im Vergleich mit einem modernen Menschen normaler Größe (Graphik: Micah Ewers)
Abb. 1 Eine künstlerische Rekonstruktion des Riesen von Castelnau im Vergleich mit einem modernen Menschen normaler Größe (Graphik: Micah Ewers)

(red) Der so genannte Riese von Castelnau (Abb. 1) war ein Bewohner des prähistorischen Frankreich, dessen fossile Knochen ihn als einen der größten urtümlichen Menschen ausweisen, deren Existenz bisher nachgewiesen wurde. Die wenigen erhaltenen gebliebenen Knochen dieses Giganten, die 1890 im mediterranen Südfrankreich entdeckt wurden, stammen vermutlich aus der Jungsteinzeit und bestanden aus Humerus, Tibia, und dem Teil eines Femurs des Körpers. Aus den Maßen dieser Knochen wurde gefolgert, dass der betreffende Mann mehr als drei Meter groß gewesen sein muss. Aus Sicht grenzwissenschaftlicher Gigantologie stellt dieser Fund ein besonders wichtiges archäologisches Indiz für die Existenz prähistorischer Riesen dar.

Entdeckt wurden die Skelettreste im Winter 1890 von dem französischen Anthropologen Georges Vacher de Lapouge (Abb. 2) auf einem bronzezeitlichen Gräberfeld bei Castelnau-le-Lez. Seine Entdeckung wurde im Wissenschafts-Journal La Nature (Vol. 18, 1890, Issue 888) veröffentlicht. [1] Die Größe des Individuums wurde, de Lapouge zufolge, auf etwa 3,5 m angesetzt, und die Knochen wurden als der neolithischen Periode zugehörig datiert, da sie ganz unten am Fuß eines bronzezeitlichen Tumulus aufgefunden wurden. Das Journal präsentierte auch ein Foto (Abb. 3) von Humerus, Tibia und dem Mittelstück des Femurs. Zum Vergleich ist darauf in der Mitte des Bildes auch ein normalgroßer Oberschenkelknochen abgebildet.

Abb. 2 Georges Vacher de Lapouge (1854-1936)
Abb. 2 Georges Vacher de Lapouge (1854-1936)

In seinem Beitrag im Journal La Nature beschreibt de Lapouge die Knochen im Detail: "Ich meine, dass es nicht notwendig ist, besonders zu erwähnen, dass diese Knochen trotz ihrer enormen Größe unbestreitbar menschlich sind [...] Der erste ist das Mittelstück des Schaftes eines Femurs, 14 cm lang, von annähernd zylindrischer Form, und der Umfang des Knochens beträgt 16 cm [...] Das zweite Stück ist der mittlere und obere Teil der Diaphyse einer Tibia [...] Ihr Umfang ist 13 cm am Foramen nutricium [...] die Länge des Fragments beträgt 26 cm [...] Der dritte, sehr eigentümliche, wurde von guten Anatomen als unterer Teil eines Humerus erachtet [...] Die Volumina der Knochen waren mehr als doppelt so groß wie jene normaler Stücke, mit welchen sie korrespondieren. Den ungewöhnlichen Intervallen anatomischer Merkpunkte nach zu schließen, involvieren sie auch fast doppelte Längen [...] Das Subjekt würde eine anzunehmende Größe von 3,50 m aufgewiesen haben." [2]

Die Knochen des Riesen von Castelnau wurden an der Universität Montpellier studiert. Die Examinierung wurde von M. Sabatier durchgeführt, der dort Professor für Zoologie war, sowie von M. Delage, dem doertigen Professor für Paläontologie, und von mehreren Anatomen. Im Jahr 1892 wurden sie dann erneut sorgfältig von Dr. Paul Louis André Kiener untersucht, Professor für pathologische Anatomie an der Schule der Medizin in Montpellier, der einerseits feststellte, ihr einstiger Besitzer sei Repräsentant einer "sehr großen Rasse" gewesen, sie aber nichtsdestotrotz als abnorm in ihren Ausmaßen und augenscheinlich von "morbidem Wachstum" bezeichnete. [3]

Abb. 3 Foto der erhalten gebliebenen Knochen des 'Riesen von Castelnau'; in der Bildmitte ein Femur von normaler Größe zum Vergleich (aus: La Nature)
Abb. 3 Foto der erhalten gebliebenen Knochen des 'Riesen von Castelnau'; in der Bildmitte ein Femur von normaler Größe zum Vergleich (aus: La Nature)

Interessanter Weise erwähnen Presseberichte aus dem Jahr 1894 eine weitere Enrdeckung von Knochen menschlicher Giganten in Frankreich, die auf einem prähistorischen Gräberfeld bei Montpellier (5 km südwestlich von Castelnau) von Arbeitern freigelegt wurden, die mit Ausschachtungen für das Reservoir eeines Wasserwerks beschäftigt waren. Den Berichten zufolge wurden Schädel von "28, 31 und 32 Zoll im Umfang" sowie andere Knochen von gigantischen Proportionen gefunden, welche nahelegten, dass sie zu einem Typus von Menschen gehörten, die "zwischen 10 und 15 Fuß [ca. 3,05 und 4,57 m; d.Ü.] groß" waren. Diese Knochen sollen, wie es damals hieß, der Pariser Akademie für weitere Studien zugesandt worden sein. [4]

Bemerkenswert sind in diesem Zusammenhang auch die im frühen 20. Jahrhundert gemachten Entdeckungen zahlreicher riesenhafter Steinwerkzeuge aus dem oberen Paläolithikum im westlichen Nordafrika und in der Levante, deren Benutzer ebenfalls eine solche Körpergröße aufgewiesen haben müssen. [5] Zudem liegen auch aus Nordamerika diverse historische - aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert stammende - Meldungen über Funde der Relikte von gigantischen Menschen dieser Größenordnung (über 3 Meter) vor, u.a. zu einer wissenschaftlich dokumentierten Entdeckung in Florida durch Elias Howard Sellards und Oliver Perry Hay im Jahr 1916. [6]

Was die Knochen des Riesen von Castelnau betrifft, deren Entdeckung seinerzeit einiges Aufsehen erregte, so sind sie offenbar - ebenso wie die meisten anderen derartigen Spezimen, die physische Evidenzen für de Existenz prähistorischer Riesen darstellten - später auf mysteriöse Weise 'verloren gegangen'. Der Fund geriet - und auch dies stellt eine Parallele zu anderen entsprechenden Entdeckungen dar - in der scientific community bzw. in fachwissenschaftlichen Kreisen, in denen man noch nie viel Sympathie für die Annahme vorzeitlicher Populationen riesenhafter Menschenwesen gezeigt hat, bald wieder in Vergessenheit, und heutigen (Paläo-)Anthropologen dürfte er allenfalls in Ausnahmefällen bekannt sein.


Addendum

Abb. 4 Der Fundbericht in Freeman's Journal vom 3. Jan. 1891
Abb. 4 Der Fundbericht in Freeman's Journal vom 3. Jan. 1891

Aus dem nachfolgend vorgestellten Artikel (Abb. 4), der am 3. Januar 1891 in der australischen Zeitschrift Freeman's Journal erschien, geht hervor, dass Georges Vacher de Lapouge seinerzeit bei Castelnau-le-Lez auch auf das Skelett eines '7-Fuß-Riesen' stieß. Hier die Übersetzung dieses Kurzberichts:

"Riesen spielen in unseren ältesten Überlieferungen eine so große Rolle, dass es eine[n] ernsthafte[n] Forschung[sgegenstand] darstellt, ob einst eine Rasse sehr großer Menschen auf der Erde existiert hat und ausgestorben ist, oder ob nicht. Einen Beitrag zu diesem Gegenstand hat kürzlich M. Laponge [richtig: G. Vacher de Lapouge; d.Ü.] erbracht, ein französischer Archäologe, der auf dem prähistorischen Friedhof von Castelnau bei Montpellier Teile der Skelelette zweier veritabler Riesen entdeckt hat.

Eines davon war ein Schädel, der einem Jugendlichen gehörte, der ungefähr sieben Fuß [ca. 2,13 m; d.Ü.] groß und etwa achtzehn Jahre alt war. Der Schädeltypus entsprach dem, der bei den Dolmen oder Stein-Gräbern von Lozère gefunden wurde.

In einem Tumulus aus Erde, der Steinkisten aus der Bronzezeit enthielt, entdeckte M. de Laponge [s.o.; d.Ü.] Teile von drei menschlichen Knochen, Tibia, Femur und Humerus, die von einem Mann stammen müssen, der nicht weniger als elf Fuß [ca. 3,35 m; d.Ü.] groß war. Dieser Riese muss zu Beginn der gegenwärtigen geologischen Periode gelebt haben, und merkwürdigerweise platziert eine alte Überlieferung die Höhle eines Riesen in das Tal von Castelnau." [7]


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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag beruht auf dem Lemma Giant of Castelnau bei Wikipedia - The Free Encyclopedia (abgerufen: 16.06.2014). Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung (Ausbau und Illustration) durch Atlantisforschung.de

Fußnoten:

Abb. 5 Die Meldung der New York Times vom 03. Oktober 1892 (für eine Vergrößerung bitte einfach das Bild anklicken!)
Abb. 5 Die Meldung der New York Times vom 03. Oktober 1892 (für eine Vergrößerung bitte einfach das Bild anklicken!)
  1. Quelle: Georges Vacher de Lapouge, "Le Gėant Fossile de Castelnau", in: La Nature 888: 11–12 (1890); Zitat: "Le sujet aurait une taille probable de 3m, 50." --- Siehe auch: "A Prehistoric Giant", in: The Popular Science News and Boston Journal of Chemistry and Pharmacy 24 (8): 113. August 1890 (Links abgerufen: 16. Juni 2014)
  2. Quelle: Georges Vacher de Lapouge, op. cit. (1890)
  3. Quellen: o.A., "A Race of Giants in Old Gaul", in: The New York Times, 3. Oktober 1892 (Abb. 5); sowie: "Le géant de Castelnau", in: La Nature 20 (992): 142. June 4, 1892 (Links abgerufen: 16.06.2014)
  4. Quellen: "The Princeton Union" (Princeton, Minnesota), 11. Oktober 1894, S. 2 --- sowie: "The McCook Tribune" (McCook, Nebraska), 8. März 1895, S. 3 (Links abgerufen: 16.06.2014)
  5. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: Louis Burkhalter, "Die Riesen des Acheuléen - Über die Funde gigantischer altsteinzeitlicher Werkzeuge und ihre Konsequenzen" (1955)
  6. Siehe dazu bei Atlantisforschung.de: "Riesenfunde - in Florida" (bb)
  7. Quelle: o.A., "A FOSSIL GIANT 11 FT. HIGH", 3. Jan. 1891, in: Freeman's Journal; nach: Trove - Digitised newspapers and more (abgerufen: 11. Jan. 2015; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Micah Ewers, UPDATE! Prehistoric Giants of France and Spain Part 2.0, bei: rephaim23 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) ebd. (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) ebd. (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
4) ebd. (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)