Curt Gagel

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Historisches Forscherportrait

Abb. 1 Curt Gagel (1865-1927) leistete 1910 mit seiner Studie "Die mittelatlantischen Vulkaninseln" einen - wenn auch unbeabsichtigten - Beitrag zur zeittgenössischen Atlantis-Debatte.

(red) Curt Friedrich August Wilhelm Gagel (Abb. 1, links) (* 7. Feb. 1865 in Heiligenbeil, Ostpreußen; † 22. Jan. 1927 in Lüneburg) [1] war ein deutscher Geologe, der mit seiner im Jahr 1910 veröffentlichten Abhandlung "Die mittelatlantischen Vulkaninseln" [2] Argumente für die vormalige Existenz während erdgeschichtlich rezenter Perioden versunkener Landstrecken im östlichen Atlantik lieferte.

Gagel, der Sohn eines Kaufmanns, absolvierte sein Studium an der Universität Königsberg, wo er 1890 zum Thema "Die Brachiopoden der cambrischen und silurischen Geschiebe im Diluvium der Provinzen Ost- und Westpreußen" promovierte. Anschließend wurde er - zunächst als Bezirksgeologe und dann als Landesgeologe - in der Bodenkundlichen Abteilung der Preußischen Geologischen Landesanstalt in Berlin tätig. Von 1903 bis 1907 führte Gagel geologische Studien durch, unter anderem auch über Madeira und andere Inseln Makaronesiens. Während des Ersten Weltkriegs diente er als Kriegsgeologe an der Ostfront. 1924 wurde er Abteilungsdirektor der Sammlungen der Preußischen Geologischen Landesanstalt, und in den folgenden Jahren erarbeitete er über 50 Kartierungen auf Messtischblättern. 1925 folgte noch eine Studie über La Gomera. Später erbte Curt Gagel die Kalkwerke in Lüneburg, deren Leitung er übernahm. [3]

Abb. 2 Eine Karte der Kapverdischen Inseln aus C. Gagels Abhandlung von 1910. Der Geologe stellte fest, dass sowohl diese Inselgruppe als auch die Kanaren abgesprengte Reste des europäisch-afrikanischen Kontinents sind.

Zur eigentlichen Bedeutung von Curt Gagels Forschungsergebnissen in Hinsicht auf die Geologie der Makaronesischen Inseln für den atlantologischen Diskurs bemerkte 1911 der US-amerikanische Wissenschafts-Journalist Garrett P. Serviss, die "Geschichte des verlorenen Kontinents Atlantis" sei "Gegenstand neuer Untersuchungen" geworden, "durchgeführt mittels der Gründlichkeit deutscher Wissenschaft durch Herrn C. Gagel." [4]

Serviss führte dazu weiter aus: "Die Fakten, die von Herrn Gagel gesammelt wurden, reichen, zusammen mit einer Entdeckung, die erst im vergangenen Jahr von Monsieur Pitard gemacht wurde, aus, die Atlantis-Legende zu rehabilitieren, indem sie die Wahrscheinlichkeit anzeigen, dass einst wirklich ein großer Kontinent in der östlichen Hälfte des Atlantischen Ozeans existierte, und dass die vulkanischen Inseln der Azoren, Kanaren und Kapverden (Abb. 2) heute alles darstellen, was davon oberhalb des Meeresspiegels übrig geblieben ist.

Herr Gagel zeigt, dass die vulkanischen Gesteine dieser Inseln unterlegt sind mit älteren Strata, wie sie die Basis eines Kontinents ausmachen würden. Unter den rezenteren vulkanischen Schichten in den Kanaren und Kapverdischen Inseln sind andere Vulkangesteine älteren Ursprungs und auch metamorphes Gestein sowie sedimentäre Strata identifiziert worden, und Monsieur Pitard hat auf den Kanaren unzweifelhaft kreidezeitliche Ablagerungen gefunden.

Abb. 3 Übersichtskarte der Kanarischen Inseln und der Madeiragruppe aus "Die Mittelatlantischen Vulkaninseln", 1910

Dies scheint darauf hinzudeuten, dass der verschwundene Kontinent schon während jener Periode existierte, als ein großes Meeresgebiet noch die Region der Rocky Mountains von der östlichen Hälfte Nordamerikas trennte, und als gewaltige Dinosaurier in einem Großteil der heutigen Vereinigten Staaten gediehen. [...] Es ist möglich, dass das vermutliche Versinken von Atlantis sich erst beträchtlich später als die Kreidezeit ereignete, da auf den Atlantik-Inseln Typen von tierischem und pflanzlichem Leben gefunden werden, welche die Charakteristika solchen Lebens in Europa während der Periode des Pliozäns aufweisen, dem jüngsten Bereich des Tertiärs, und datierungsmäßig dem bekannten Auftreten des Menschen relativ nahe." [5]

Es bleibt anzumerken, dass Curt Gagel selber seine Forschungsergebnisse keineswegs mit dem Atlantis-Problem verknüpfte [6] und augenscheinlich auch nicht von der Existenz einer vormaligen eigenständigen 'kontinentalen' Landmasse inmitten des Atlantiks ausging. Interessant genug, postulierte er offenbar das Absinken von Teilen ehemaliger atlantischer Randgebiete Afrikas und Europas. Dazu stellte er in der Schlussbemerkung seiner Abhandlung fest:

"Auf fünf der Kap Verden und drei der Kanaren sind die unverkennbarsten Reste eines alten kontinentalen Grundgebirges, uralter vulkanischer, archäischer und alter sedimentärer Gesteine vorhanden; auf Madeira und den Kanarischen Inseln sind unter der Flora zahlreiche europäische Typen mediterranem pliocänem Charakter, ferner Landmollusken und Insekten von europäisch-tertiärem Charakter vorhanden. Auf beiden Inselgruppen finden sich in größerer Verbreitung nicht nur europäisch-mediterrane Land- und Süßwasserschnecken, sondern auch Erdmollusken (Plutonia), Erdkruster (Platyarthrus) und die womöglich noch weniger transportfähigen terricolen Oligochäten, die mit kontinentalen Formen übereinstimmen. Die Ameisenfauna ist ebenso kontinental. Alle diese Argumente scheinen dafür zu sprechen, daß diese Inseln abgesprengte Reste des europäisch-afrikanischen Kontinents sind, von dem sie erst in verhältnismäßig junger Zeit getrennt wurden; das als Gegenargument angeführte Fehlen einheimischer Landsäugetiere will bei der Kleinheit der jetzigen Inseln, die stets dicht besiedelt gewesen sind, nicht viel besagen." [7]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Curt Gagel (abgerufen: 08. August 2015)
  2. Siehe: Curt Gagel, "Die mittelatlantischen Vulkaninseln, "Heidelberg (C. Winter's Universitätsbuchhandlung), 1910
  3. Quelle: Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Curt Gagel (abgerufen: 08. August 2015)
  4. Quelle: Garrett P. Serviss, "THE LOST CONTINENT", 20. Juni 1911, in: El Paso Herald; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach: CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: El Paso herald., June 20, 1911, Page 4, Image 4
  5. Quelle: ebd.
  6. Anmerkung: ... was offenbar nichts daran änderte, dass seine Resultate allgemein als Stützung der Annahme eines 'Atlantis im Atlantik' betrachtet wurden. Siehe z.B.: o.A. (Youth's Companion), "The Lost Atlantis", 6. August 1911, in The Evening Star (Washington, D.C.)
  7. Quelle: Curt Gagel, op. cit. (1910), S. 31

Bildquellen:

1) Links: www.pgla.de, unter: Direktoren und Geologen (Biographisches und Nachrufe); Mitte und rechts: Curt Gagel, op. cit. (1910); nach Internet Archive (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Curt Gagel, op. cit. (1910), S. 2
3) Curt Gagel, op. cit. (1910), S. 1