Garrett P. Serviss

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Autorenportrait

Abb. 1 Der US-amerikanische Astronom, Science Fiction-Autor und Wissenschafts-Journalist Garrett Putnam Serviss (1851–1929) zeigte ein ganz besonderes Interesse am Atlantis-Problem.

(red) Garrett Putnam Serviss (Abb. 1) (* 24. März 1851; † 25. Mai 1929) war ein US-amerikanischer Selfmade-Astronom, ein Sachbuch- und früher Science Fiction-Autor sowie erfolgreicher Wissenschafts-Journalist. In letzterem Bereich trug er nicht unmaßgeblich zur Popularisierung der Astronomie und der Förderung populärwissenschaftlicher Betrachtungen zum Atlantis-Problem sowie zur Information der Öffentlichkeit über wissenschaftliche Entwicklungen mit Bezug zur Atlantisforschung bei.

Geboren wurde Garrett P. Serviss im Hinterland von New York. Nach seinem Schulabschluss studierte er zunächt Naturwissenschaft als Hauptfach an der Cornell University. Nachfolgend studerte er Rechtswissenschaften an der Law School der Columbia University, wo er auch graduierte. Allerdings entschied er sich danach sowohl gegen eine Tätigkeit als Jurist als auch gegen eine universitäre Berufslaufbahn. Vielmehr zug es ihn zum Journalismus hin, und 1876 trat er in die Redaktion der Zeitung The New York Sun ein, wo er bis 1892 für den Herausgeber Charles Dana journalistisch tätig war.

Serviss´ herausragendes Talent, selbst komplexe wissenschaftliche Sachverhalte allgemeinverständlich darzustellen, ließ den Industriellen, Multimillionär und Philanthropen Andrew Carnegie auf ihn aufmerksam werden. 1894 beauftragte Carnegie ihn mit der Durchführung einer Vortragsreihe (The Urania Lectures) über Astronomie, Kosmologie, Geologie und verwandte Themen. Carnegie sorgte mit seiner finanziellen Unterstützung dafür, dass diese Vorträge mit Laterna magica-Bildern und anderen technischen Effekten illustriert wurden, um ihre Inhalte zu visualisieren, und z.B. Sonnen- oder Mondfinsternisse, vermutete Mondlandschaften u.a. darzustellen. Serviss tourte mit dieser höchst erfolgreichen Veranstaltungs-Reihe mehr als zwanzig Jahre durch die USA, und ließ sich dann nieder, um im Gebiet von New York weiter als populärer Vortragsredner zu arbeiten.

Serviss als Kolumnist & das Thema 'Atlantis'

Abb. 2 Der Kopf eines der diversen Artikel über Atlantis, die Garrett P. Service in seiner populären Wissenschafts-Kolumne veröffentlichte

Vermutlich noch größere Bekanntheit erlangte Serviss mit seiner langjährigen, an viele führende Tageszeitungen verkauften Wissenschafts-Kolumne. Wie auch bei seinen Sachbüchern [1] war die Astronomie das Hauptthema seiner Artikel, die beim Publikum auf ganz enormes Interesse stießen. Ein anderes Themenfeld, dem er sich im Lauf der Jahre inmmer wieder widmete [2], war Platons Atlantis bzw. die Suche danach.

Das Atlantis-Problem betrachtete Serviss nicht nur mit großer Selbstverständlichkeit als wissenschaftlichen Forschungsgegenstand, sondern auch als intellektuelle Herausforderung. Obwohl seine Berichterstattung durchaus mit der notwendigen journalistischen Distanz zum Gegenstand seiner Darstellungen erfolgte, ist seine Sympathie für die Atlantisforschung an sich, und insbesondere für die Annahme eines 'Atlantis im Atlantik' unverkennbar. Als 'Aufhänger' seiner Artikel nutzte er gerne seinerzeit aktuelle wissenschaftliche Publikationen - z.B. von Curt Gagel, Pierre-Marie Termier oder Louis Germain. Auch wenn Serviss daran zweifelte, dass eine direkte Lösung des Atlantis-Problems durch archäologische Funde möglich sei, so setzte er auf einen forschreitenden Erkenntnisprozess, der sich für ihn in diesen Publikationen abzeichnete: "Die Wolke des Mysteriums, die den Gegenstand umgibt, hat sich beileibe nicht gelichtet, doch die jüngsten Entdeckungen bieten die Möglichkeit, andere zu machen." [3]

Abb. 3 Das Cover der 1. Episode von Garrett P. Serviss´ SF-Roman über eine 'zweite Sintflut'

Besonders beeindruckt war Garrett P. Serviss offenbar von der Atlantis-Katastrophe, die er fast wie ein Augenzeuge wieder heraufbeschwor: "Umso großartiger Platos Bericht über die Zivilisation der Bewohner von Atlantis, desto schrecklicher erscheint jener Dies irae, der >Tag des Zorns<, als sie den festen Boden unter ihren Füßen sich auflösen fühlten, und als die ganze Erde zu versinken schien! Hinab in eine bodenlose Grube, bis der schäumende und tosende Ozean sich über allem schloss." [4] Diese Katastrophe brachte er mit den Sintflutlegenden der alten Kulturen in Verbindung, und es kam sicher nicht von ungefähr, dass er in einem seiner utopischen Romane - The Second Deluge (Abb. 3) - ein in die Zukunft projiziertes, durch kosmische Ereignisse bedingtes Sintflut-Ereignis behandelte.

Jedenfall legte Serviss einen erstaunlich modernen Euhemerismus an den Tag, indem er feststellte: "Es ist nicht weise, die großen Überlieferungen der Menschheit zu verwerfen. Moderne Untersuchungen und Forschungen haben viele von ihnen bestätigt oder gerechtfertigt, sodass wir beginnen sollten zu verstehen, dass sie verdichtete Geschichte sind, durch die zeitliche Distanz ihrer unwichtigen Details entledigt, und umhüllt von einer dämmerigen Atmosphäre der Mythologie, so wie weit entfernte Berge von Wolken." [5]

Sonstiges

Erwähnenswert, was Garrett P. Serviss´ Schaffen betrifft, ist schließlich noch seine Mitarbeit an dem kurzen, 1923 von Max und Dave Fleischer produzierten Stummfilm "The Einstein Theory of Relativity", in dem Einsteins Relativitätstheorie allgemeinverständlich erläutert wurde. In seinem Privatleben war Serviss ein begeisterter Bergsteiger. Seine Besteigung des Matterhorns im Alter von 43 Jahren bezeichneter er als Teil seines Bestrebens "so weit wie möglich von der irdischen Schwerkraft wegzukommen." [6] Sein Sohn war der Olympia-Hochspringer Garrett Serviss.


Publikationen von Garrett P. Serviss

Artikel über oder mit Bezug zu Atlantis (alle online):

Populärwissenschaftliche Werke zur Astronomie:

Phantastische Literatur (Science Fiction):

Sonstiges:


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag basiert auf dem Lemma Garrett P. Serviss bei Wikipedia - The Free Encyclopedia (Stand: 8. August 2015). Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Ausarbeitung durch Atlantisforschung.de.

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Von den insgesamt fünfzehn Büchern, die er schrieb, sind acht der Astronomie gewidmet.
  2. Anmerkung: Zwischen 1911 und 1918 erschienen mindestens fünf Artikel von ihm zum Thema 'Atlantis', aber es ist durchaus möglich, dass dazu noch weitere, bisher unentdeckte Publikationen von ihm existieren.
  3. Quelle: Garrett P. Serviss, "THE LOST CONTINENT", 20. Juni 1911, in: El Paso Herald; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach: CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: El Paso herald., June 20, 1911, Page 4, Image 4
  4. Quelle: Garrett P. Serviss, "Sunken Continent Atlantis", 5. Nov. 1913 in: The San Francisco Call; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter The San Francisco call., November 05, 1913, Image 10
  5. Quelle: Garrett P. Serviss, "The World's Greatest Romance", 22. Oktober 1918, in: The Washington Times; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de nach: CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: The Washington times., October 22, 1918, FINAL EDITION, Magazine Page, Image 14
  6. Quelle: Garrett P. Serviss, zit. nach A. Langley Searles im Vorwort zur Neuausgabe von "A Columbus of Space" aus dem Jahr 1974. (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) Ineuw bei Wikimedia Commons, unter: File:Garrett Putnam Serviss.png (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) CHRONICLING AMERICA - Historic American Newspapers, unter: The San Francisco call., November 05, 1913, Image 10 (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
3) Rubinbot bei Wikimedia Commons, unter: File:Cavalier 1911 07.jpg