Das minoische Atlantis des Dr. Angelos Galanopulos (Teil I)

Aus Atlantisforschung
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von James W. Mavor Jr.

Abb. 1 Der Hauptalast von Knossos auf Kreta in einem Rekonstruktions-Versuch. Nach A. Galanopulos eines der beiden Machtzentren des Atlanter-Reiches.

Galanopulos identifiziert Atlantis mit der minoischen Kultur, also der Kultur der Bewohner von Kreta und der Ägäis im zweiten Jahrtausend v. Chr. Seit der große englische Archäologe Sir Arthur Evans auf Kreta den Palast von Knossos (Abb. 1) nahe von Heraklion ausgegraben und teilweise rekonstruiert hat, hat man die Minoer als eines der großen Völker der antiken Welt erkannt. Aber obwohl es manche Parallelen zu den Beschreibungen Platons gibt, so haben vor Galanopulos doch nur ein paar heute fast vergessene Theoretiker diese Verwandtschaft vermerkt, und das auch nur höchst oberflächlich. [1]

Man pflegte die Minoer ausschließlich mit Kreta zu identifizieren; Galanopulos aber betonte, daß sich das Inselreich über die ganze Ägäis erstreckte und auch die Inselgruppe der Kykladen sowie Teile des griechischen Festlandes eingeschlossen habe. Eine der Kykladeninseln, nämlich Thera (Abb.2), auch bekannt unter dem Namen Santorin, wäre nach Meinung von Dr. Galanopulos für die Minoer ebenso bedeutend gewesen wie das rund hundert Kilometer südlich liegende Kreta. Dieses Thera, eine vulkanische Insel mit einer langen Geschichte von Eruptionen - die jüngste ereignete sich erst 1950 -, hält er für den Überrest des untergegangenen Atlantis.

Als Seismologe wußte Galanopulos sehr wohl, daß der Vulkan von Thera die Geologen seit langem interessiert hat. Berichte über Ausbrüche sind in den Schriften der klassischen griechischen Historiker zu finden. Einer davon kann auf das Jahr 197 v. Chr. datiert werden, weitere haben sich seit jener Zeit relativ häufig ereignet, und zwar ungefähr alle fünfzig Jahre, in unserem Jahrhundert sogar weit öfter. Die beiden gewaltigsten Ausbrüche aber fanden statt, lange bevor es irgendwelche griechischen Historiker gab, die davon hätten berichten können: der erste vor etwa 25 000 Jahren, der zweite zwischen 1500 und 1400 v. Chr.

Galanopulos interpretiert den Bericht Platons als Beschreibung zweier Inseln, wobei die größere der von Platon "Königsgut" ["Basileia"; d. Red.] genannte Bereich gewesen sei, die kleinere die "Metropolis", Hauptstadt und religiöses Zentrum. [2] Er glaubt, die Beschreibung Platons lasse sich derart deuten, daß Thera der Mittelpunkt des minoischen Lebens und Kreta eine Art Pflanzkolonie gewesen sei. Dies widerspricht allerdings den bisherigen archäologischen Funden und auch den historischen Tatsachen, soweit wir sie kennen: nach diesen wäre Thera ein minoischer Außenposten gewesen, freilich von religiöser, wirtschaftlicher und militärischer Bedeutung. Kreta hingegen mit seinen berühmten Palästen war das politische und kulturelle Zentrum; dort soll natürlich auch die Hauptmasse der Bevölkerung gelebt haben.

Abb. 2 Die Insel Thera war nach Dr. Galanopulos nicht nur ein 'besserer Stützpunkt', sondern die eigentliche Hauptstadt ("Metropolis") der Minoer.

Galanopulos hat für diese Umkehrung eine Erklärung. Er meint, daß Platon, der an die tausend Jahre nach den Ereignissen lebte, weit eher in Berührung mit Erinnerungen an die katastrophale Explosion auf Thera gekommen sei als mit Erinnerungen an die tatsächliche geographische Lage des minoischen Reiches. man muß vor allem bedenken, daß Platon keinerlei historische Kenntnisse der minoischen Kultur besaß.

Galanopulos betont, daß Platons Beschreibung der "Metropolis" eindeutig auf eine kleine vulkanische Insel hinweise, auf der sich seit Tausenden von Jahren keine größeren Eruptionen ereignet hätten. Aus der Beschreibung der Umrisse und des Planes der Metropolis sei es offenkundig, daß diese Insel eben Thera gewesen sei, den Geologen bekannt als Stronghyli oder Runde Insel, und zwar noch in dem unbeschädigten Zustand vor der Eruption.

Im Mittelpunkt der Theorie des Dr. Galanopulos und seiner Deutung des Untergangs von Atlantis steht die gewaltige Katastrophe, die diese Kultur innerhalb von vierundzwanzig Stunden zerstört hat. Die Meinung, daß eine solche Katastrophe unmöglich sei, ist verantwortlich dafür, das Atlantis jahrhundertelang als Sage, nicht aber als Tatsache betrachtet wurde. Tatsächlich jedoch war, laut Galanopulos, die von Platon beschriebene Katastrophe mit der Eruption oder einer Serie von Eruptionen des Vulkans auf der Insel Thera im 15. Jahrhundert v. Chr. Identisch.

Diese Ausbrüche wurden begleitet von einem massiven Einbruch des hoch gelegenen Mittelteils der Insel, etwa sechzehn bis achtzehn Kilometer im Durchmesser, und zwar so, daß sich ein vierhundert Meter tiefer Trog (Caldera) bildete, den nun das Meer ausfüllt. Galanopulos meinte ferner, daß dieser Teil der Insel, der ins Meer eingebrochen ist, dicht besiedelt war. An den Hängen Thera-Atlantis´ hätten weiße Marmorpaläste und Tempel im Glanz der ägäischen Sommersonne geleuchtet.

Die Akropolis ist, so glaubt er, auf einem kleinen Hügel auf dem zentralen Vulkankegel entstanden, der der größte unter mehreren Satellitenkegeln gewesen sei. Vielleicht könnten noch Spuren der Häfen oder des Kanals (Abb. 2), die Platon beschreibt, in den Tiefen des Einbruchskraters von Thera gefunden werden. Welch ein Gegenstand für Untersuchungen durch "Alvin" [3], fiel mir ein. Jedes Beweisstück, ob nun durch das U-Boot oder mit anderen Hilfsmitteln entdeckt, würde die Theorie von Dr. Galanopulos entscheidend untermauern.

Abb. 3 Das minoische Kreta. Die Hauptinsel des legendären Reiches von Atlantis?

Am wichtigsten schien ihm die Suche nach den Überresten des von Platon beschriebenen kreisförmigen Hafenbeckens. Untersuchungen des Untergrundes könnten geologische Formationen zum Vorschein bringen, die dem Hafen der "Metropolis" entsprechen. Ferner würden Unterwasseruntersuchungen des Einbruchskraters die Mächtigkeit der Eruption von Thera beweisen, ebenso auch ihre Auswirkungen auf das ganze östliche Mittelmeergebiet. Natürlich war er äußerst interessiert daran, daß eine archäologische Expedition Ausgrabungen auf der Insel selbst vornahm, denn die Entdeckung größerer minoischer Ruinen würde seiner Theorie weitere Unterstützung geben.

Von der Metropolis wandte er seine Aufmerksamkeit nun dem Königsgut und dessen äußerer Form zu. Galanopulos meint, daß es genau die Eigenschaften der Neogenformation in Mittelkreta habe: die große Messaraebene (Abb. 3) ist ihr südlicher Teil. Im Norden dieses Raumes stehen heute noch Überreste der eleganten minoischen Paläste von Knossos und Mallia, im Süden jene von Phaistos und Hagia Triada. Die von Platon beschriebene Ebene lag "an der Seeküste gegen die Mitte der ganzen Insel". Sie soll schöner und fruchtbarer als andere Ebenen gewesen sein. Bei ihrer Beschreibung gibt Platon Einzelheiten und Maße an. Diese Zahlen und Maße führten Galanopulos zum genialsten Teil seiner Theorie.

"Dieses Gebiet", sagt Platon, "war sehr flach und langgestreckt, nach der einen Seite 3000 Stadien lang, landeinwärts aber, in der Mitte, 2000 Stadien breit." Das ergibt ungefähr 544 und 368 Kilometer. Das griechische Stadion entspricht der Länge einer Rennbahn, also 600 griechische Fuß. Mit griechischen Fuß maß man auch im minoischen Kreta. Umgerechnet auf unser metrisches System entspricht er einer Länge von zirka einunddreißig Zentimeter.

Die Fläche der im 'Kritias' beschriebenen Ebene entspricht aber keineswegs der Messaraebene auf Kreta, ja sie ist sogar viel größer als ganz Griechenland. Um diese Diskrepanz zu erklären, fand Galanopulos eine überraschend originelle Lösung. Er berichtete mir, er habe versucht, er habe versucht, Atlantis in den Rahmen der einigermaßen feststehenden minoischen Geschichte einzufügen. Dabei habe er herausgefunden, daß alle Zahlenbezüge im Tausenderbereich völlig unwahrscheinlich wirken.

Angaben unter diesem Bereich schienen ihm dagegen durchaus einleuchtend. So stellte er etwa fest, daß zwar die Durchmesser der Metropolis und von Thera übereinstimmten, das heißt, ungefähr 17,5 Kilometer betrugen. Die Maße des Königsgutes dagegen schienen ihm um einen Multiplikator von zehn zu groß zu sein. Hier dürfte eine gewisse Konsequenz herrschen. Galanopulos meint, daß sich dieser Irrtum im Laufe der tausend Jahre - in denen die Legende immer mehr ausgeschmückt und erweitert wiedergegeben wurde, bevor Platon sie niederschrieb - eingenistet habe.

Abb. 4 Einer der Flügel des Palasts von Knossos auf Kreta.

Die Kultur von Atlantis, meint Galanopulos, müsse der Bronzezeit zugeordnet werden. In Europa und im Nahen Osten wird diese zwischen 3000 und 1000 v. Chr. angesetzt. Nun aber datiert Platon die Zerstörung von Atlantis 9000 Jahre vor Solon. Das entspräche jedoch der neolithischen Zeit, was völlig auszuschließen ist. Der Irrtum muß also in den Jahreszahlen liegen. Nehmen wir an, daß nicht nur in den Entfernungen, sondern auch in den Zeitangaben ein Irrtum um das Zehnfache vorliegt, so würde der Zeitpunkt der Zerstörung nur 900 Jahre vor Solon liegen. Das Jahr 1490 v. Chr. aber liegt genau in jener Periode, in der die Vulkanausbrüche auf Thera begonnen haben. Darauf verweisen auch die besten Schätzungen des Datums der Elementarkatastrophe.

Kann ein Irrtum wie dieser - um das Zehnfache - wirklich vorgekommen sein? Ein Einzelfall macht diese These nicht beweiskräftig. Man müßte nachweisen, daß im Bericht Platons überall der gleiche Irrtum auftritt. Galanopulos versicherte mir schon in Athen, daß dem so sei. Nach meiner Heimkehr prüfte ich diese Behauptung nach und wies ihre Richtigkeit nach. Im platonischen Bericht wird zum Beispiel von einem Wassergürtel oder Graben gesprochen, der die Ebene des Königsgutes in einer Länge von 10 000 Stadien umgibt, das sind rund 1750 Kilometer. Setzt man an die Stelle der atlantischen Königsgüter aber Zentralkreta, das heißt jenes Gebiet, das offenbar das zentrale Siedlungsgebiet der Minoer war und wo sich rund achtzig Prozent aller bedeutenden minoischen Bauwerke befinden, so kommt man auf eine Fläche, deren Umfang etwa 180 Kilometer beträgt. Das entspricht etwa 1000 Stadien, also einem Zehntel der Zahlenangaben bei Platon.

Es wird ferner berichtet, daß das Königsgut in 60 000 Landlose aufgeteilt gewesen sei. Jeder dieser Bezirke habe eine Fläche von zehn mal zehn Stadien (3,35 Quadratkilometer) umfaßt. An der Spitze dieser Bezirke sei jeweils ein Feldhauptmann gestanden, dem auch die Bewohner der umliegenden Landstriche und Berge unterstellt gewesen wären. Jeder Feldhauptmann habe den sechsten Teil eines Streitwagens, zwei berittene Krieger, zwei Pferde, einen leicht gerüsteten Krieger und einen Pferdelenker stellen müssen, außerdem zwei Leichtgerüstete, zwei Bogenschützen, zwei Schleuderer, drei Steinwerfer [4] und drei Speerschleuderer. Ferner vier Seesoldaten zur Bemannung der insgesamt 1200 Schiffe.

Abb. 5 Wasserleitungen aus Terrakotta im Palast von Knossos

Die Gesamtzahl der Streitwagen gibt Platon mit 10 000 an. Wäre die Zahl von 60 000 Landlosen richtig, müßte dieser gewaltige Militärapparat nicht weniger als 1,2 Millionen Mann umfaßt haben. Aber weder das minoische Kreta noch jeder andere Staat oder Staatenbund jener Zeit verfügte über diese Truppenstärke. Kreta hatte im 16. und 15. Jahrhundert v. Chr. Vielleicht eine Bevölkerung von 500 000 bis 800 000 Menschen (1961 besaß Kreta 483 280 Einwohner), aber manche Gelehrte vertreten die Meinung, es seien zur Zeit der minoischen Kultur eine Million gewesen.

Auch hier scheint sich also der Irrtum um das Zehnfache zu wiederholen, und zwar bei allen Zahlen über tausend. Galanopulos meint, daß die reduzierten Angaben - 6000 Landbezirke, 120 Schiffe, 120 000 Mann und 1000 Streitwagen - realistischer und wahrscheinlicher sein dürften. Diesen Irrtum erklärt der Wissenschaftler folgendermaßen: Bei der Übersetzung der ägyptischen Schriften durch Solon dürfte dieser offenbar das Symbol für "hundert" mit jenem für "tausend" verwechselt haben. Zu ähnlichen Verwirrungen kommt es auch heute beim Begriff der amerikanischen "Billion" in der übrigen Welt: Die Amerikaner verstehen unter einer Billion 1000 Millionen, die übrige Welt nennt dies eine Milliarde, während unter Billion von ihr eine Million Millionen verstanden wird.

Der Irrtum wurde mit der atlantischen Legende bis zu Platon weitergegeben. Platon selbst erklärt, daß es zwei schriftliche Versionen gegeben habe: die eine in den Hieroglyphen der ägyptischen Priester, die andere - von Solon - in griechischen Lettern (Platon, "Kritias", 6. Kapitel): "Damit es Euch nicht Wunder nehme, wenn Barbaren hellenische Namen führen, sollt ihr den Grund davon vernehmen. Da nämlich Solon die Absicht hatte, diese Erzählung bei seinen Dichtungen zu benutzen, forschte er genau der Bedeutung der Eigennamen nach und fand, daß jene Ägypter, die sie zuerst aufzeichneten, dieselben in ihre Sprache übertragen hatten; dann nahm er selbst den Sinn jedes Eigennamens wieder vor und schrieb sie, indem er sie in unsere Sprache zurückführte, nieder."

So gab es also eine schriftliche griechische Version zumindest eines Teiles der Atlantisgeschichte, die Platon gesehen haben mag. Den Kritias jedenfalls läßt Platon erzählen, er habe diese Schriften von seinem Großvater geerbt und sie noch als Knabe eifrig studiert. Möglich ist auch, daß Solon die erwähnten Dichtungen verfaßt hat und Platon vielleicht diese gekannt hat. Heute sind diese Aufzeichnungen - wenn es sie überhaupt je gegeben hat - verloren. Wenn wir aber bereit sind, Solons Behauptung zu glauben, daß die Könige von Atlantis ursprünglich griechische Namen trugen [5], so sollte dadurch doch eine in der Nähe Griechenlands liegende Lokalisierung angezeigt werden.

Abb. 6 "Die blauen Damen". Fresko auf blauem Untergrund aus dem Palast zu Knossos. Die abgebildeten Frauen hatten offenbar eine gehobene Stellung in der minoischen Gesellschaft inne. Ihr Selbstbewusstsein spiegelt sich in den Gesichtszügen wider.

Galanopulos meint nun, der Irrtum sei entstanden, als Solon von den Ägyptern die Geschichte erfahren habe. Sie soll in den heiligen Schriften aufgezeichnet gewesen sein, die in Hieroglyphen entweder auf Stein oder auf Papyrus geschrieben waren. Vergleicht man jedoch das Zeichen für 100 in der Hieroglyphen- bzw. in der hieratischen Schrift mit dem für 1000, so erkennt man, daß eine Verwechslung kaum möglich ist. Der Irrtum lag also gewiß nicht bei den Ägyptern. Lag er vielleicht bei Solon? Auch in der attischen Schrift sind die Zahlenzeichen für 100 und für 1000 kaum zu verwechseln. Ist also der Irrtum schon entstanden, bevor die Ägypter ihren Bericht niederschrieben?

Möglicherweise haben sie die Atlantisgeschichte von einem Flüchtling aus Kreta gehört. War dieser ein gebildeter Mann, so müßte er die minoische Schrift dieser Zeit beherrscht haben, also entweder die Linear A oder die Linear B. Die minoischen Zeichen für 1000 und 10 000, vielleicht auch für 100, könnte man tatsächlich verwechseln! Natürlich wissen wir nicht, welche Wege die Geschichte von Atlantis ging, bis sie den Ägyptern überliefert wurde. Vielleicht hatte sie auch den Umweg über die benachbarten asiatischen Länder genommen.

Zur Zeit Solons schrieb man die griechischen Zahlenzeichen vielfach ungenau; sie konnten daher leicht miteinander verwechselt werden. Wie der Irrtum wirklich entstanden ist, können wir dennoch nicht nachweisen. Nach intensiver Auseinandersetzung mit diesem Problemkreis häufen sich aber die Indizien, daß ein solcher Irrtum tatsächlich geschehen ist. Galanopulos meint nun weiter, daß Platon, irregeführt durch die Zahlenangaben, Atlantis in den Atlantischen Ozean (also jenseits der Säulen des Herkules) versetzte, weil eine Insel von solchen Ausmaßen sonst nirgends hingepaßt hätte.

Platon wußte ja nichts von dem Vulkanausbruch auf Thera; und von der vorgeschichtlichen Zeit wußte er nur, was die griechischen Mythen überlieferten. Der Katastrophen-Aspekt der Geschichte fesselte ihn vor allem. Galanopulos behauptet, es sei klar, daß in den ägyptischen Schriften die Säulen des Herakles nicht erwähnt wurden und das Atlantis sich - für die Ägypter - in der Ägäis befand. Er verweist dabei auf den 'Timaios', in dem die Priester sagen: "Dieses Meer ... erscheint nur wie ein Hafen mit einer engen Einfahrt. Das andere aber ist das wirkliche Meer, und das es umgebende Land ist wahrhaftig ein grenzenloser Kontinent zu nennen."

Er fügt hinzu, daß die meisten Taten des Herakles auf dem Peloponnes vollbracht wurden und keinerlei Verbindung mit Gibraltar hätten. Er glaubt auch, daß die Säulen des Herakles in Wirklichkeit das Kap Malea und das Kap Tainaron (Matapan) auf dem Peloponnes wären, und keineswegs Gibraltar. Die Erwähnung der "Säulen" durch Platon dürfte eine Wiederholung einer falschen Auslegung sein, die schon durch Solon entstanden war. Denn an einer anderen Stelle sagen die ägyptischen Priester bei Platon: "... denn vor dem Eingang des Meeres, der - wie ihr sagt - die Säulen des Herakles heißt, befand sich eine Insel." ... Dies könnte bedeuten, daß die "Säulen" erst durch Solon in die Geschichte eingeführt wurden und keineswegs im ursprünglichen Bericht enthalten waren.

Fortsetzung:

Das minoische Atlantis des Dr. Angelos Galanopulos (Teil II) (James W. Mavor Jr.)


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von James Watt Mavor Jr. wurde der deutschsprachigen Ausgabe seines Buches Voyage to Atlantis (1969) entnommen, die 1973 unter dem Titel "Reise nach Atlantis" im Deutschen Taschenbuch Verlag erschienen ist. Da trotz intensiver Recherchen kein aktueller Inhaber der Rechte an der deutschsprachigen Fassung von Mavors Werk zu ermitteln war, erscheint dieser Text hier vorläufig als wissenschaftsgeschichtliche und atlantologie-historische Dokumentation zu Studien- und Forschungszwecken.

  1. Red. Anmerkung: Diese Angabe Mavors muss erstaunen, da er auch Prof. Spyridon Marinatos und dessen Arbeit persönlich kannte. Aus anderen Textstellen des Buches lässt sich allerdings schließen, dass Mavor Prof. Galanopulos persönlich sehr schätzte, während ihm Marinatos, von dem er sich zudem im Streit trennte, schlichtweg unsympathisch war (siehe etwa S. 178), auch wenn er ihm fachlich offenbar großen Respekt entgegenbrachte.
  2. Red. Anmrkung: Platons Angaben folgend, ist diese Aussage völlig unhaltbar. Vergl. dazu das Stichwort: "Metropolis"!
  3. Red. Anmerkung: James W. Mavor Jr. (Jahrgang 1923) war U-Boot Ingenieur, und "Alvin" war eines der Unterwasser-Fahrzeuge, an deren Bau er entscheidend beteiligt war.
  4. Red. Anmerkung: Im Originaltext ist von "drei Scheinwerfer[n]" die Rede; offenbar ein Schreib- oder Satz-Fehler.
  5. Red. Anmerkung: Das ist - mit Verlaub gesagt - 'blühender Unsinn'! Bei Platon findet sich keine derartige Angabe. Vielmehr wird im Kritias, wie es oben richtig zitiert wird, nur die Feststellung getroffen, dass die Ägypter die Eigennamen offenbar aus einer anderen Sprache - dem 'Atlantischen'? - in ihre Sprache übertragen hätten. Von Griechisch als Ursprache ist dort keine Rede! Logischer erscheint, dass Solon auch eine ägyptische Bezeichnung für den westlichen Ausgang des Mittelmeers graecisiert hat.

Bild-Quellen

(1) Antikefan.de, unter: http://www.antikefan.de/Bilder/Knossos/Knossos_palast.jpg

(2) Unbekannte Bildquelle

(3) Antikefan.de, unter: http://www.antikefan.de/kulturen/Minoisch.html

(4) Antikefan.de, unter: http://www.antikefan.de/Bilder/Knossos/Knossos_palast.jpg

(5) ebd.

(6) http://de.geocities.com/schulnetz/griechenland/kreta.html (Bild nicht mehr online)