Die Taubenfänger-Mounds auf Tonga

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von William R. Corliss (1998)

Abb. 1: Eine 1893 entstandene Zeichnung eines Taubenfänger-Mounds auf Tongatapu.

In Nordamerika hoben die arbeitsamen Mound-Bauer unzählige Millionen Körbe voll Erde aus, die sie zu beeindruckenden Mounds auftürmten. Der an der Oberseite abgeflachte Monk's Mound bei Cahokia, Illinois, macht von seinem Volumen her der Großen Pyramide Konkurrenz. Ein zufälliger Beobachter dieser gewaltigen Erd-Struktur könnte nur schlussfolgern, dass solch immense Arbeit aus irgendwelchen gesellschaftlichen Zwängen heraus unternommen wurde, wie religiöse Anbetung oder Opferungen. Vielleicht war das in Nordamerika der Fall, aber tief im Südpazifik, ein wenig östlich von Fiji, auf den Tonga-Inseln, kratzten die einheimischen Völker anscheinend große Erd-Mounds zu einem frivoleren Zweck zusammen: Taubenfang!

Man vergesse jedoch nicht, dass es auf dieser romantischen Insel schwierig war, Fleisch zu essen zu bekommen, da es dort keine großen Wildtiere gab. Gefangene Feinde halfen, dieses Protein-Problem zu lösen, Tauben aber waren viel verbreiteter, und einige Arten waren hübsch groß und wohlschmeckend. So wohlschmeckend, dass letztendlich nur das Königshaus der Insel sie fangen und essen durfte. Tauben-Wilderer wurden ausgepeitscht und hingerichtet (und vielleicht auch gegessen?). Taubenfangen wurde in der Tat ein königlicher Sport, und vor mindestens tausend Jahren begannen des Königs loyale Untertanen damit, den feinen Inselsand umzugraben und ihn zu hohen Mounds aufzuschütten.

Größenmäßig halten Tongas Taubenfänger-Mounds mit ihrem Durchmesser von bis zu 115 Fuß und vielleicht 15 Fuß Höhe keinen Vergleich mit dem Monk's Mound aus. Das ist aber immer noch eine ganze Menge Erde. Auf der Oberseite dieser Mounds waren kleinere, wie ein Bienenkorb geformte Hügel mit vertikalen Scharten darin, groß genug um einen Menschen zu verbergen. Aus diesem Sichtschutz heraus konnten der König und die Prinzen ihre Netze an den Enden von 12 Fuß langen Stangen schwingen, um die Tauben zu fangen.

Natürlich würde keine Wildtaube, die etwas auf sich hält, jemals ohne irgendeinen Anreiz über solch einen verdächtigen Hügel fliegen. So wurden gefangene Tauben, die man in Käfigen auf dem Mound hielt, wurden zum Gurren gebracht und andere Tauben, die an lange Schnüre gefesselt waren, wurden losgelassen. Mit einiger Sicherheit wurden so Wildtauben nahe genug herangelockt, um gefangen zu werden.[1] [...]


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von William R. Corliss (© 1998-2000) erschien erstmalig unter dem Titel "THE PIGEON-SNARING MOUNDS OF TONGA" bei Science Frontiers, Nr. 120, Nov. / Dez. 1998; Übersetzung ins Deutsche nach http://www.science-frontiers.com/sf120/sf120p14.htm durch atlantisforschung.de

  1. Quelle: Burley, David V.; "Sport, Status, and Field Monuments in the Polynesian Chiefdom of Tonga: The Pigeon Snaring Mounds of Ha'apai," Journal of Field Archaeology, 25:421, 1996.)


Bild-Quelle

(1) http://www.science-frontiers.com/sf120/sf120p14.htm