Homo naledi - Ein weiterer Verwandter des modernen Menschen entdeckt

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

Fossilienfunde in einer Höhle in Südafrika enthüllen die vormalige Existenz einer bisher unbekannten zwergenhaften Menschenart

Abb. 1 Rekonstruktion des Kopfes eines Homo naledi. Der Paläo-Künstler John Gurche benötigte rund 700 Arbeitsstunden, um den Kopf aus den in der 'Rising Star'-Höhle entdeckten Knochen zu rekonstruieren (aus der Oktober-Ausgabe von National Geographic; Foto: © Mark Thiessen / National Geographic)

(red, 10. September 2015) Wie die Max-Planck-Gesellschaft meldet [1], haben die University of the Witwatersrand in Südafrika, die National Geographic Society und das South African Department of Science and Technology / National Research Foundation (DST/NRF) heute offiziell die Entdeckung einer zuvor unbekannten prähistorischen Menschenart bekanntgegeben, die zu neuen Erkenntnissen über den Ursprung und die Diversität unserer Gattung beitragen wird. An der nun vorliegenden Studie [2] zum so genannten Homo naledi waren auch Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie, Leipzig, beteiligt.

Die ersten Stücke der dieser Studie zugrunde liegenden, inzwischen aus mehr als 1.550 inventarisierten Spezimen bestehenden Fossilien-Sammlung - dem bisher größten zusammengehörigen Fund fossiler Überreste von Hominini auf dem afrikanischen Kontinent - wurden bereits 2013 von den beiden Höhlenforschern Rick Hunter and Steven Tucker bei ihren Untersuchungen der Höhle 'Rising Star' ("Aufgehender Stern") im Nordwesten von Johannesburg. [3] entdeckt. Die Überreste befanden sich in einer etwa 90 Meter vom Höhleneingang entfernten Kammer, die nur über eine schmale Rinne zugänglich ist. An den nachfolgenden Forschungen unter Federführung von Lee Rogers Berger und seinem Team der University of the Witwatersrand waren auch Wissenschaftler aus den USA, Kanada, Spanien Deutschland, Australien und China beteiligt.

Das Forscherteam konnte bisher die Überreste von mindestens 15 Individuen des Homo naledi bergen, doch dabei handelt es sich vermutlich nur um einen Bruchteil aller Fossilien dieser Menschenart, die sich in der Kammer befinden. „Fast alle Knochen des Körpers liegen uns mehrfach vor, sodass Homo naledi uns bereits jetzt schon besser bekannt ist, als alle anderen fossilen Vertreter unserer Abstammungslinie", bemerkt dazu Teamleiter Berger, Professor an der Universität Witwatersrand und Forscher für National Geographic, der die beiden bisher erfolgten Expeditionen zur Bergung der Fossilien - die so genannten "Rising Star Expeditions" im November 2013 und im März 2014 - leitete.

Homo naledi - Fossilien.jpg
Abb. 2 Eine Kollektion von Knochen des Homo naledi, die bisher in der
Rising Star-Höhle gefunden wurden. (Foto: University of the Witwatersrand)

Bei dem Homo naledi handelte es sich offenbar um eine eher 'zwergenhafte' Frühmenschenart. Seine Angehörigen wurden im Durchschnitt nur etwa 1,50 Meter groß und wogen etwa 45 Kilogramm. Sie hatten "ein winziges Gehirn von der Größe einer Orange und einen sehr grazilen Körperbau", bemerkt der Anthropologe John Hawks von der University of Wisconsin in Madison, USA.

"Homo naledi ähnelt den frühesten Vertretern unserer Gattung, zeigt aber auch einige überraschend menschenähnliche Eigenschaften, die ihm seinen Platz innerhalb der Gattung Homo sichern", erklärt John Hawks weiter. Menschlich erscheint z.B., dass die Körper der Verstorbenen - vom Säugling bishin zu betagten Individuen - offenbar bewusst in jenem abgelegenen Höhlenraum beigesetzt wurden, was auf eine planvolle Bestattung hindeutet. Bestattungen von Toten hatten Fachwissenschaftler bisher aber nur dem modernen Menschen zugeschrieben.

Was einen möglichen Zusammenhang zwischen Homo naledi und dem ebenfalls zwergenhaften Homo floresiensis betrifft, äußern die Autoren der aktuellen Studie sich sehr vorsichtig: "Auch wenn wir gegenwärtig nicht über irgendeine evolutionäre Verbindung mit H. floresiensis nachsinnen können, [...] demonstriert H. naledi, dass tatsächlich in der Vergangenheit andere Spezies von kleinhirnigen, primitiv aussehenden Menschen existierten, die gleichwohl einige ziemlich menschenähnliche Merkmale teilten. Nicht zuletzt sticht H. floresiensis nicht länger als solch eine Anomalie hervor." [4]

Auch in Hinsicht auf die Datierung der Knochenfunde - und damit der Ära, in welcher der Homo naledi existierte - zeigen sich die beteiligten Fachwissenschaftler zurückhaltend, da die Fundsituation keine Datierung in direktem Zusammenhang mit organischen Beifunden oder in Hinsicht auf die Stratigraphie zulässt. Alle naturwissenschaftlichen Versuche zur Altersbestimmung sind bisher mehr oder weniger erfolglos verlaufen. Bei den Grabungen von 2014 wurden die Fossilien aus der Rising Star-Höhle immerhin unter Vorbehalt sehr vorsichig auf ein geschätztes Alter von 1,5 bis 2 Millionen Jahren datiert. [5]


Externa:


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: SJ, AS/HR, "Homo naledi – ein neuer Verwandter des modernen Menschen", 10. September 2015, Max-Planck-Gesellschaft
  2. Siehe: L. R. Berger et al., "Homo naledi, a new species of the genus Homo from the Dinaledi Chamber, South Africa", 10. September 2015
  3. Anmerkung: Homo naledi erhielt seinen Namen nach der Rising Star-Höhle, in der die Überreste dieser frühen Menschenart gefunden wurden. Auf Sesotho, einer in der Region gesprochenen Bantu-Sprache, bedeutet "naledi" nämlich "Stern".
  4. Quelle: o.A., Homo naledi - FACT SHEET QUESTIONS AND ANSWERS, 10. September 2015, University of the Witwatersrand (online als PDF-Datei, Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  5. Quelle: Michael Stang, "Nächste Etappe der "Rising Star"-Expedition", deutschlandfunk.de, 2. April 2014 (abgerufen: 10. September 2015)

Bild-Quellen:

1) Mark Thiessen / National Geographic; nach: SJ, AS/HR, "Homo naledi – ein neuer Verwandter des modernen Menschen", 10. September 2015, Max-Planck-Gesellschaft
2) University of the Witwatersrand; nach: o.A. "Government congratulates Wits on discovery of new hominin species", 10. September 2015, South African Department of Science and Technology