Neue Erkenntnisse zum endeiszeitlichen Impakt-Ereignis

Aus Atlantisforschung.de
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Der globale Klimasturz des Jüngeren Dryas wurde von einem Feuersturm ausgelöst, der mit jenem nach dem Endkreide-Einschlag vergleichbar ist, welcher das Aussterben der Saurier verursachte. Aktuelle Befunde stützen die Annahme eines gravierenden Impakt-Vorgangs vor ca. 12800 Jahren.

Abb. 1 Vor rund 12.800 Jahren tobte auf unserem Planeten eine Mega-Feuersrunst, welche die Biomasse von etwa zehn Prozent der Erdoberfläche einäscherte. Ursache dieses Höllenfeuers war aller Wahrscheinlichkeit ein Streu-Impakt von Fragmenten eines zerbostenen Kometen.

(red) Wie u.a. das Online-Wissenschaftsmagazin sciencealert.com vor einigen Tagen meldete [1], hat ein international besetztes Team von Wissenschaftlern jetzt im Journal of Geology - aufgrund der Komplexität der gewonnenen Daten - in gleich zwei Artikeln eine neue Studie mit brisanten Ergebnissen vorgestellt. [2] [3] In ihren umfassenden und sehr detaillierten Papieren weisen die beteiligten Forscher nach, dass vor etwa 12.800 Jahren plötzlich rund ein Zehntel der Erdoberfläche von einem tobenden Mega- Feuersturm überzogen wurde, der durchaus mit jenem zu vergleichen ist, welcher auf den 'Saurierkiller'-Impakt vor ca. 65 Millionen Jahren folgte. Als Ursache dieser kaum vorstellbaren planetaren Feuersbrunst machen die Wissenschaftler einen Streu-Impakt von Fragmenten eines Kometen von beträchtlicher Größe aus, wie Adrian Melott (Abb. 2) [4] von der University of Kansas, einer der Autoren der Studie, laut sciencealert.com erklärte. Andere Teile dieses Kometen, der vermutlich schon bei seiner 'Odyssee im Weltraum' zerborsten war, dürften wahrscheinlich noch heute, 13.000 Jahre später, durch unser Sonnensystems driften.

Abb. 2 Prof. Adrian Melott von der University of Kansas

Dieser Feuersturm, aber auch sein monströses Ausmaß dürften kaum infrage zu stellen sein: "Eine Anzahl verschiedener chemischer Signaturen - Kohlendioxid, Nitrat, Ammoniak und andere - scheinen", so die Wissenschaftler, "darauf hinzudeuten, dass erstaunliche 10 Prozent der Landoberfläche der Erde, oder etwa 10 Millionen Quadratkilometer, von Bränden verzehrt wurden." [5] Zudem wurde von dem aus insgesamt 24 Forschern bestehenden Team eine große Anzahl geochemischer und isotopischer Marker in Proben von mehr als 170 Orten weltweit analysiert. [6] Schließlich zeigten Untersuchungen auch Muster im Pollenspiegel, die nahelegen, dass damals plötzlich ganze Kiefernwälder abbrannten, die danach durch Pappeln ersetzt wurden - eine Spezies, die darauf spezialisiert ist, auch auf (zeitweise) unfruchtbar gewordenen Böden Fuß zu fassen.

Zusammen mit den bei den anzunehmenden Einzelimpakten z.T. bis in die Stratosphäre hochgeschleuderten Partikeln schirmten die durch diese Brände gebildeten, ungeheuren Aschemassen den Einfall des Sonnenlichts soweit ab, dass eine weitere, ca. 1000 Jahre dauernde 'Mini-Eiszeit' begann, das so genannte 'Jüngere Dryas'. Viele Pflanzen starben ab, Nahrungsquellen für Tiere aller Art wurden knapp, und die zuvor zurückgehenden Gletscher begannen wieder zu wachsen. Auch die menschliche Kultur musste sich, wie die Forscher hinzufügen, an die härteren Bedingungen anpassen, wobei die Bevölkerungszahlen gesunken sein dürften. Ergänzend weist Melott zudem auch auf einen weiteren möglichen, durch den Impakt bedingten Risikofaktor für die damalige Menschheit hin: "Berechnungen deuten darauf hin, dass die Ozonschicht durch die Auswirkungen geschwächt worden sein könnte, was zu einer Zunahme von Hautkrebs und anderen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit geführt hätte". [7]

Mit ihren 'brandheißen' Untersuchungsergebnissen flankieren die Wissenschaftler des Teams faktisch die Resultate, welche bereits im Jahr 2013 von einer anderen Forschergruppe (Ted E. Bunch, Robert E. Hermes, Andrew M.T. Moore et al.) vorgelegt wurden [8]. Damit dürften Sie sprichwörtliches 'Öl ins Feuer' des seit langem hitzig geführten Wissenschafts-Streits um die "Younger Dryas Impact Hypothesis (YDIH)" gießen, gegen deren längst überfällige Anerkennung große Teile der - nach wie vor von einem überholten Aktualismus geprägten - Fachwelt noch immer hinhaltenden Widerstand leisten. Melott äußert sich sich diesbezüglich jedenfalls vorsichtig-optimistisch: "Die Impakt-Hypothese ist immer noch eine Hypothese, aber diese Studie liefert eine riesige Menge an Evidenzen, von denen wir behaupten, dass sie nur durch einen großen kosmischen Einschlag erklärt werden können". [9]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: David Nield, "A Recent Ice Age Was Triggered by a Firestorm Bigger Than The One That Killed The Dinosaurs", 04. Februar 2018, bei sciencealert.com (abgerufen: 09. Februar 2018)
  2. Siehe: Wendy S. Wolbach, Joanne P. Ballard, Paul A. Mayewski et al., "Extraordinary Biomass-Burning Episode and Impact Winter Triggered by the Younger Dryas Cosmic Impact ∼12,800 Years Ago. - 1. Ice Cores and Glaciers", in: The Journal of Geology (RECEIVED: Sept 11, 2017 / ACCEPTED: Sept 14, 2017 / ONLINE: Feb 01, 2018)
  3. Siehe: Dieselben, "Extraordinary Biomass-Burning Episode and Impact Winter Triggered by the Younger Dryas Cosmic Impact ∼12,800 Years Ago. - 2. Lake, Marine, and Terrestrial Sediments", in: The Journal of Geology (RECEIVED: Feb 02, 2017 / ACCEPTED: Sept 14, 2017 / ONLINE: Feb 01, 2018)
  4. Anmerkung: Unter denjenigen, die sich für neo-katastrophistische Theorien, Modelle sowie Szenarien zur Erd- und Menschheits-Geschichte interessieren, hat Prof. Adrian Melott sich auch durch seine Überlegungen zu sonnennahen Supernovae als Auslöser für irdische Kataklysmen bzw. Massenaussterben von Pflanzen und Tieren auf der Erde einen Namen gemacht. Siehe dazu z.B. online: "2017 03 09 Adrian Melott Terrstrian Effects of Nearby Supernaovae", Video-Aufzeichnung eines Vortrags in englischer Sprache (45:26 Min.)
  5. Quelle: David Nield, op. cit. (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  6. Anmerkung: Wie es bei David Nield zudem heißt, wurden von den Wissenschaftlern in besagten Proben auch hohe Platinkonzentrationen festgestellt, wie sie häufig in Asteroiden und Kometen zu finden sind.
  7. Quelle: Quelle: David Nield, op. cit. (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de).
  8. Siehe dazu: "Neue Beweise für einen gravierenden Impakt vor ca. 12.800 Jahren - Umfassende Analyse von Mikro-Sphärulen untermauert die Theorie eines Impaktereignisses als Auslöser des Klimasturzes zu Beginn des Jüngeren Dryas" (red)
  9. Quelle: David Nield, op. cit. (Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)

Bild-Quellen:

1) MONGO (Uploader) bei Wikimedia Commons, unter: File:Firestorm Mirror Plateu.jpg
2) KU University Relations / University of Kansas (Faculty of Cosmology), unter: Adrian L. Melott