Prähistorische Pygmäen in Schlesien

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von David MacRitchie (1902)

Abb. 1 Prof. Dr. Georg Thilenius (1868-1937)

Unter der oben genannten Überschrift hat Prof. G. Thilenius (Abb. 1) von der Universität Breslau kürzlich (Globus, Bd. lxxxi. No. 17) einen wichtigen Beitrag zur europäischen Ethnologie geleistet.

Seine Schlussfolgerungen resultieren aus der Untersuchung einer Anzahl von Knochen-Überresten, die im Museum schlesischer Altertümer in Breslau aufbewahrt werden, und welche aus vier Gruppen bestehen, die aus verschiedenen Fundstätten in der Region zwischen Breslau und dem Zobten geborgen wurden. Unglücklicherweise sind sie sehr bruchstückhaft, doch es wurde festgestellt, dass es sich bei ihnen um die Überreste etlicher Personen beiderlei Geschlechts handelt, alle adult, und alle von sehr kleiner Statur.

Die Durchschnittsgröße in einer der Gruppen liegt bei etwa 4 Fuß 8 Zoll (1,429 m), die in zwei anderen bei etwa 4 Fuß 11 Zoll (1,496 m; 1,506 m), und jene in der vierten bei etwa 5 Fuß (1,523 m). Mit diesen vergleicht Prof. Thilenius die Überreste der Schweizer Pygmäen, welche von Prof. Kollmann aus Basel beschrieben werden, der ihre Größe auf zwischen 4 Fuß 5-1/2 Zoll (1,355 m) und 4 Fuß 11 Zoll (1,499 m) liegend veranschlagt. Ein Vergleich ist auch mit gleichartigen Überresten erfolgt, die bei Egisheim (im Niederelsass, nahe Colmar) gefunden wurden. Herrn Gutmann zufolge gehörten sie zu Menschen, deren Statur zwischen etwa 3 Fuß 11 Zoll (1,200 m) und etwas weniger als 5 Fuß (1,520 m) rangierte. Überdies trägt das Museum in Worms die Überreste eines Individuums mit einer geschätzten Größe von 4 Fuß 9 Zoll (1,445 m) bei. In all diesen Fällen weisen die Knochen keine Anzeichen irgendeiner pathologischen Degeneration auf, und die daraus resultierende Schlussfolgerung ist, dass sie eine besondere Rasse von kleinwüchsigen Menschen oder Zwergen repräsentieren.

Die Professoren Kollmann und Thilenius scheinen dem Begriff "Pygmäen" als am geeignetsten für die Bezeichnung einer speziellen Rasse den Vorzug zu geben, während "Zwerge" als angebracht für anomale Spezimen einer Rasse von gewohnlicher Größe betrachtet wird. Die meisten Autoren treffen jedenfalls keine solche Unterscheidung [...] Prof. Windle erklärt, dass man ein Volk als "pygmäisch" beschreiben kann, bei welchem die durchschnittliche Größe von Männern 1,450 m (4 Fuß 9 Zoll) nicht überschreitet.

Prof. Thilenius gibt ene weitreichende Spanne für die Periode an, in welcher diese kleinen Menschen lebten. Während jene aus dem Rhein-Tal der fernen Vergangenheit zugeordnet werden, nimmt man an, dass einige der schlesischen Zwerge Zeitgenossen der Römer und Slawen waren, wobei die jüngsten [in die Zeit] vor etwa 1000 Jahren eingeordnet werden. Doch bevor so etwas wie eine finale Schlussfolgerung zu irgendwelchen Fragen hinsichtlich der mitteleuropäischen Pygmäen zu ziehen ist, wünscht sich Prof. Thilenius eine weitaus größere Sammlung von Evidenzen in Gestalt von skelettalen Überbleibseln, und es gibt guten Grund zur Hoffnung, dass dies zu gegebener Zeit eintreten wird. Die meisten unserer Informationen zu dieem Thema wurden in jüngeren Jarhren gewonnen, und neue Evidenzen werden den Forschern künftig wohl kaum vorenthalten bleiben.


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Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von David MacRitchie wurde mit der Überschrift "PREHISTORIC PYGMIES IN SILESIA" erstveröfentlicht im Journal Nature (66:151) vom 12. Juni 1902. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de nach: William R. Corliss, "Sourcebook M1 - Strange Artifacts", online bei Scribd.com.

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