Der Mythos von den angeblichen »Rassen« der Menschheit

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von unserem Gastautor Dr. Horst Friedrich (1994)

Abb. 1 Die Zuordnung von Menschen oder Ethnien zu verschiedenen "Rassen" auf der Grundlage von physiognomischen Charakteristika - wie z.B. der Hautfarbe - ist letztlich nur ein ideologisches Konstrukt.

Der Verfasser möchte gleich eingangs beteuern, dass er keinerlei apriorische Aversion gegen die Vorstellung möglicherweise existierender »Rassen« der Menschheit hegt. Sollte es sie, als Faktum der Natur, geben, wäre es ihm recht. Lange Jahre hat ja auch er diese Vorstellung als vermeintliche Realität unbesehen akzeptiert. Bis ihm eines Tages - inzwischen vertraut geworden mit der »Windigkeit« zahlreicher schulwissenschaftlicher Lehrmeinungen [1] - die Notwendigkeit dämmerte, auch dieses Postulat zu hinterfragen.

Er stürzte sich daraufhin in ein intensives und zeitaufwendiges Studium aller einschlägigen Werke und gelehrten Abhandlungen, deren er nur irgend habhaft werden konnte. Das Ergebnis war niederschmetternd, nota bene für die schulwissenschaftliche Lehrmeinung von angeblich existierenden "Rassen" der Menschheit. Unglaublich liederlich war hier gearbeitet worden. Gänzlich unbewiesene, proteushafte [2] - letztlich einer apriorischen Ideologie geschuldete - Behauptungen waren hier dem Leserpublikum als gesicherte wissenschaftliche Wahrheiten »verkauft« worden. Jeder dieser dogmenbefangenen Gelehrten erzählte etwas anderes.

Endlich fand der Verfasser sich in seinem Fazit bestätigt, als er unter seinen "Bücher-Gebirgen" schließlich auch gelehrte Werke nonkonformistischer Autoren aus diesem akademischen Wissensgebiet entdeckte, die in der Tat zu dem gleichen, für die schulwissenschaftliche Lehrmeinung vernichtenden Resultat gelangt waren. [3]

Offenbar haben unsere, einer besonderen, ideologie-verhafteten Variante der zeitgenössischen Neo-Scholastik zuzurechnenden Schulwissenschaftler kategorisierende Vorstellungen aus ihrem Geist in die Außenwelt hinausprojiziert und dann als reale Dinge dort zu entdecken gemeint, die aber in Wirklichkeit dort nicht existierten. So schreibt etwa der überaus kompetente A. Montagu [4]: "Die meisten Anthropologen haben es noch bis vor kurzem für gesichert gehalten, dass >Rasse< irgendeiner körperlichen Realität der Natur entspricht", und er fährt - die anthropologischen Nebelschwaden beiseite schiebend - fort, dass aber "der Ausdruck >Rasse<, wie er gemeinhin auf den Menschen angewandt wird, wissenschaftlich unhaltbar ist, und dass so, wie er gewöhnlich benutzt wird, er keine Entsprechung in der Realität hat".

Bei Montagus Ko-Autoren sind allein schon die Kapitelüberschriften aufschlussreich genug: Livingstone und Anderson [5] schreiben »über die Nicht-Existenz von Menschenrassen« - eine exakte Parallele zum Titel eines Werkes von Pegna [6] - respektive, als höchst instruktives Beispiel, wie liederlich hier gearbeitet wurde, über "Die rassische Einordnung der Lappen als wissenschaftliche Mythen".


Die Weißen und die Schwarzen

Aber, wird der geneigte Leser vielleicht nun denken, es gibt doch unbestreitbar Weiße und Schwarze, also gibt es doch Rassen!? Ja, oberflächlich betrachtet, scheint es eine "weiße Rasse" und eine "schwarze Rasse" zu geben. Aber der Anschein trügt bekanntlich oft. Handelt es sich bei der angeblichen "weißen Rasse" und bei der angeblichen "schwarzen Rasse" wirklich um teils homogene, durch eindeutige, unveränderliche, körperliche Charakteristika voneinander - und von anderen Menschheitsteilen - klar abgrenzbare "Rassen" im Sinne der Rassen-Theoretiker? Diese Frage ist eindeutig zu verneinen.

Der Haupt-Stolperstein für unsere Rassen-Theoretiker ist jene Mehrheit der Weltbevölkerung, die sich - bei im übrigen verwirrend vielfältigen sonstigen körperlichen Charakteristika - in ihrer Hautfarbe der verschiedensten Brauntönungen erfreut. Von hier aus lässt sich ihr Fantasie-Gewebe am besten aufrollen, als unwissenschaftliche Ideologie entlarven, die in der Maskerade erstzunehmender Wissenschaft auftritt. Wie etwa sind die Araber, Berber, Inder, Chinesen, Indonesier, nord- und südamerikanischen Indianer "rassisch" einzuordnen? Fertigt man sich eine Matrix mit den widersprüchlich-verschwommenen Aussagen unserer Rassen-Theoretiker zu dergleichen Fragen an, so wird evident, dass das Ganze wertlos ist.

Die ganze Hilflosigkeit unserer Anthropologie, Völkerkundler und Sprachforscher, mit der lebendigen - überaus komplexen! - ethno-linguistischen Realität auf unserem Planeten fertig zu werden, dokumentiert sich überdeutlich in der Art und Weise, wie da - nach persönlichem Gutdünken und von keinerlei verlässlichen Kriterien geleitet - von einer "weißen Rasse", einer "kaukasischen Rasse", einer "europiden Rasse", einer "indogermanischen" oder »arischen Rasse«, einer "nordischen" und "mediterranen Rasse" fabuliert wird. Ebenso dokumentiert sie sich darin, wie die vielen »schwierigen Völker« (Basken, Berber, Polynesier, Ainu, australische Aborigines, Lappen, Hottentotten, Eskimos, die vielen "hamito-negroiden" Völker Afrikas, Zigeuner, dunkelhäutige Südinder u.v.a.m.) in die verschiedenen "Rassen" eingeordnet werden. Die angeblichen "Rassen" entpuppen sich so als lediglich mentale Konzepte, Produkte eines "barocken" Geistes individueller Gelehrter, ohne richtig greifbare Entsprechung in der Außenwelt.

Wie der Verfasser andernorts [7] dargelegt hat, machen es allein schon unvoreingenommene, ideologiefreie theoretische Betrachtungen überaus unwahrscheinlich, dass sich heute noch - sollte es dergleichen je gegeben haben - verlässlich voneinander abgrenzbare "Rassen" der Menschheit feststellen lassen sollten. Die jedem Kenner der Materie wohlvertraute, geradezu ungeheuerliche ethno-linguistische Vielfalt auf unserem Planeten lässt kaum eine andere Deutung zu, als dass wir mit einer enorm langen und oft turbulenten Vorgeschichte der Menschheit zu rechnen haben, in deren Verlauf mächtige "Quirle" (die Kataklysmen, Völkerwanderungen, interkontinentale "Transfusionen", Eroberungen, Deportationen, Kolonisierungen) den "Teig" der Menschheit immer aufs Neue verrührten.

Unter diesen Umständen kann es also kaum anders sein, als dass auch unsere vermeintliche "weiße Rasse" und unsere vermeintliche "schwarze Rasse" jeweils inhomogene Mixturen verschiedener ethnischer Bestandteile, mit Affinitäten sowohl zu benachbarten, wie auch zu durch interkontinentale Entfernungen getrennten ethno-linguistischen Konglomeraten, darstellen. Diesen ethno-linguistischen Konglomeraten scheint, sofern sie für eine gewisse Zeitdauer durch die Umstände in einer bestimmten geografischen Region (etwa Europa oder Schwarzafrika) stationär gehalten werden, auf eine von uns noch unverstandene Art und Weise eine gewisse oberflächliche Ähnlichkeit aufgeprägt zu werden. Der Verfasser hat vorgeschlagen [8], dass wir - um hier zu einem besseren Verständnis zu gelangen - auf Rupert Sheldrakes Theorie prägender "morphischer Felder" zurückgreifen.

Was unserer Rassen-Theoretiker als unveränderliche, seit Urzeiten klar voneinander abgrenzbare "Rassen" der Menschheit zu sehen meinen, wäre also in einer realistischeren Betrachtungsweise so zu definieren: als für eine gewisse Zeit (sagen wir: wenige Jahrtausende) quasi-stationäre ethno-linguistische Konglomerate von erheblicher Inhomogenität, denen jedoch von - möglicherweise an das Land oder an den Erdteil gebundene - prägenden "morphischen Feldern" eine gewisse oberflächliche, vereinheitlichende "Übertünchung" verpasst wurde. Die Wirkung dieser "morphischen Felder" scheint sich zwar auf das Körperliche wie auch auf das Geistig-Seelische zu erstrecken, eine für alle Zeiten prägende Tiefenwirkung dürfte aber eher unwahrscheinlich sein.

In Zeitbegriffen erdgeschichtlicher Epochen handelt es sich also, im hier präsentierten Szenario, bei den vermeintlichen »Rassen« der Menschheit um flüchtige, wolkengleich sich ewig verändernde und ineinander übergehende, inhomogene ethno-linguistische Phänomene, die sich den - zwar auch nicht unveränderlichen, aber stabileren - wahren Sub-Elementen der Menschheit, den Völkern oder "ethno-linguistischen Quasi-Einheiten", überlagern. Die Alten kannten bezeichnenderweise nur Völker. Die Vorstellung von angeblich existierenden »Rassen« der Menschheit wurde der westlichen Kultur erst in der Neuzeit aufoktroyiert.

Der Verfasser möchte sogar die These in den Raum stellen, dass ein- und dasselbe Volk, zu verschiedenen Epochen seiner Individualität, von unseren "Rasse"-Theoretikern mutmaßlich zu verschiedenen "Rassen" gerechnet werden könnte. Die Berber etwa werden heute gerne zur »weißen« oder zur "hamito-semitischen Rasse" gerechnet. Sollte Nordafrika noch vor wenigen Jahrtausenden an Amerika gehangen haben, würden sie sicherlich das gleiche Volk zur "indianischen Rasse" gerechnet haben. Und würde morgen, durch Veränderung der Erd-Umwelt, die Hautfarbe der Berber dunkler, würde man sie sicherlich, obwohl sonst körperlich unverändert, zur »schwarzen Rasse« rechnen.

Zum letzten Punkt möchte sich der Verfasser im übrigen einem in der Literatur schon öfter geäußerten Verdacht anschließen, dass nämlich die ursprüngliche, gewissermaßen natürliche Hautfarbe der Erde-Menschheit verschiedene Tönungen von Braun gewesen sein mag, wohingegen das Hellerwerden und Dunklerwerden der Hautfarbe äußeren, vielleicht auch kataklysmischen Umweltveränderungen geschuldet ist, möglicherweise aber auch ganz einfach ursprünglich eine Funktion der geografischen Breite, d.h. des Winkels der Sonneneinstrahlung, war. Es muss zu denken geben, dass die Völker hellerer Hautfarbe ursprünglich mehr in den höheren Breiten beheimatet gewesen zu sein scheinen, während die dunkleren Völker mehr in äquatorialen Breiten zu finden sind. Ja, es muss sogar der Verdacht aufkommen, ob nicht die Entstehung der "Weißen" und der "Schwarzen" erst den letzten Kataklysmen geschuldet ist?

Was die Völker dunklerer Hautfarbe betrifft, so waren gerade sie es, die den Verfasser zuerst an der Fundiertheit der "Rassen"-Theorien zweifeln ließ. Der geneigte Leser möge selbst - anhand von Spezialwerken, Reiseführern, oder durch Reisen in die betreffenden Länder - prüfen, was denn, außer eben einer dunkleren Hautfarbe, körperlich Gemeinsames sein soll zwischen etwa nordafrikanischen Tibbus, Nigerianern der diversesten Ethnien, Äthiopiern, Zulu, Hottentotten, australischen Aborigines, Fiji-Insulanern, Papuas oder Süd-Indern! Gerade unter letzteren, wie auch unter Äthiopiern und australischen Aborigines, findet man viele Individuen, die - von der dunkleren Hautfarbe abgesehen - gänzlich europäisch, die Süd-Inder oft mediterran, wirken. Vergessen wir nicht, dass die europäischen "Rassen"-Theoretiker ihre Thesen zu einer Zeit in die Welt setzten, als man hierzulande noch keinerlei wirkliche Kenntnisse von fernen Völkern hatte!


Siehe auch:


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Dr. Horst Friedrich (© 1994) wurde erstmals veröffentlicht in EFODON-SYNESIS Nr. 6/1994. Bei Atlantisforschung.de erscheint er im Dr. Horst Friedrich Archiv in einer redaktionell bearbeiten Fassung nach: http://efodon.de/html/archiv/sonstiges/friedrich/rassen.html

Fußnoten:

  1. Anmerkung: Etwa der Darwinismus, die Lyellsche Ideologie des geologischen "Aktualismus", die angebliche "Expansion des Weltalls". Vgl. hierzu das grundlegende Werk von Thomas S. Kuhn: "Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen", Frankfurt/Main 1967, in dem das Ewig-Provisorische der schulwissenschaftlichen Lehrmeinungen dokumentiert wird.
  2. Anmerkung: Proteus ist der - etwa in Homers "Odyssee" vorkommende – ewig seine Form ändernde Meergott der griechischen Sage.
  3. Siehe: A. Montagu: "Man's Most Dangerous Myth - The Fallacy of Race", New York 1974; ders. (Hrsg.): "The Concept of Race", New York/London 1965; M. L. Pegna: "Le razze umane non esistono", Firenze 1971.
  4. Siehe: Montagu, op.cit., 1974.
  5. Siehe: Montagu, op.cit., 1965.
  6. Siehe: Montagu, op.cit., 1971.
  7. Horst Friedrich: "Sprachstammbaum und Kataklysmen"; ders.: "Ethnien und morphische Felder", beide in: Vorzeit-Frühzeit-Gegenwart, Nr. 4-5, 1992; ders.: "Fünf Thesen zur Vorgeschichte", in: EFODON-SYNESIS Nr. 5/1994. Sowie online bei Atlantisforschung.de
  8. Siehe: Friedrich, op.cit. 1992 (Ethnien und morphische Felder).

Bild-Quelle:

Die GeoBiene - Erdkunde für Kinder, Stichwort: Rasse