Presseerklärung vom 14.9.1953

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Ein Dokument zum 'Wissenschafts'-Streit um den 'Atlantis-Pastor'

Redaktionelle Vorbemerkung

Mit der nachfolgend dokumentierten Presseerklärung reagierte Jürgen Spanuth auf ein am 10. September 1953 in vielen Zeitschriften erschienenes 'Gutachten' [1], das die Kieler Professoren Dr. Karl Gripp (Spanuths 'Intimfeind') und Dr. W. Wetzel (damals Gripps Assistent und Adlatus) in den Medien lanciert hatten - vermutlich um einem, von Spanuth auch ihnen gegenüber angekündigten, Gutachten des Hamburger Mineralogen und Geologen Professor Dr. H. Rose zuvor zu kommen. Gegenstand der Untersuchung war Fundgut, das eine im Juni 1953 von J. Spanuth initiierte und organisierte Exkursion mit dem Sport-Taucher Eberhard Fries am 'Steingrund' vor der Insel Helgoland erbracht hatte. [2]

Jürgen Spanuths Presseerklärung ging, wie er selber erklärte, "in 300 Exemplaren an die verschiedensten Zeitungen, von denen die meisten die Erklärung brachten. Von einem mir befreundeten Professor an der Universität Kiel erfuhr ich, dass meine Erklärung an der Universität >ausserordentliches Aufsehen< erregt hat." [3]

In der Tat stellte dieser - in und mit Hilfe der Presse ausgetragene - 'Schlagabtausch' den ersten Höhepunkt im 'Atlantis-Streit' des Jahres 1953 zwischen Gripp et al. auf der einen und Spanuth auf der anderen 'Seite der Barrikade' dar - eine Auseinandersetzung, die bis heute nachwirkt [4], und die nach wie vor weder wissenschaftlich noch wissenschafts-geschichtlich aufgearbeitet wurde. Mit unseren Artikeln und Dokumentationen zur Spanuth-Forschung möchten wir dazu beitragen, dass diese längst überfällige Aufarbeitung endlich doch noch - ergebnisoffen, gründlich und umfassend - erfolgt.


Bernhard Beier
Redaktion Atlantisforschung.de
16.02.2013

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Das Dokument

Pastor Jürgen Spanuth
24b West-Bordelum
14.09.1953

Abb. 1 Jürgen Spanuth

Sie brachten am ... Nr. ... eine Meldung, dass Herr Prof. Gripp, Kiel, auf der Tagung des Wasserwirtschaftsverbandes E.V. in Flensburg meine durch umfangreiches Beweismaterial erhärtete These, Atlantis sei bei Helgoland versunken, widerlegt haben soll.

Diese Meldung entspricht nicht den Tatsachen. Richtig ist, dass die Ausführungen des Herrn Professor Gripp sofort von Herrn Dr.Ing. Ramshorn widerlegt wurden, der erklärte, er habe mein Buch "Das enträtselte Atlantis" gelesen und betone, dass es sich bei diesen 'sorgfältigen Untersuchungen' n i c h t um 'Hirngespinste' handele. Als erfahrener Fachmann betone er, dass die aufgefundenen quadratischen Platten und würfelförmig behauenen Steine n i c h t durch "Brandungseinwirkung", entstanden sein können, da überall, wo bewegtes Wasser auf Steine einwirkt, nicht scharfkantige Platten, sondern rollige Gebilde entstehen.

Zu den Ausführungen des Herrn Professor Gripp, die in letzter Zeit in der Presse erschienen, stelle ich folgendes fest:

1. Herr Professor Gripp hat mich schon im Jahre 1949 als "Phantasten" bezeichnet, weil ich gesagt hatte, dass es auf Helgoland Kupfererze und gediegen Kupfer gebe. Das tatsächliche Vorkommen von Kupfererzen und Gediegen Kupfer auf Helgoland und die reichhaltige Literatur über dieses Vorkommen waren Herrn Professor Gripp, dem Leiter des Geologischen Instituts der Universität Kiel, damals n i c h t bekannt.

2. Herr Professor Gripp hat vor Zeugen erklärt, dass er mein buch nicht gelesen habe und es auch ablehne, dieses Buch zu lesen. Trotzdem glaubt er, ein Urteil über dieses Buch fällen zu können.

3. Herr Professor Gripp hat vor Zeugen erklärt, dass er es ablehne, mit mir über historische Probleme zu diskutieren: "Theologen seien Leute, die von aussen her etwas in den Menschen hineinreden, bis er es glaubt". "Von der Theologie gibt es keinen Weg zur Wissenschaft, sondern nur zur Phantasie". Eine ernsthafte Diskussion über historische Probleme - und das Atlantisproblem ist in erster Linie ein historisches Problem - ist also mit Herrn Professor Gripp n i c h t möglich.

4. Bei den Expeditionen in den Jahren 1952 und 1953 haben die Taucher Beelte, Fries und Bender unabhängig voneinander menschliche Siedlungsspuren auf dem "Steingrund" einwandfrei festgestellt. Die Taucher fanden u.a. "künstlich geschichtete Steinwälle", "fein säuberlich aneinandergelegte, quadratische Platten, die grössere Flächen bedeckten", "völlig horizontal liegende gepflasterte Flächen, die aus gleichstarken (5-6 cm Stärke) Platten bestehen und in ihren Ausschnitten genau ineinander gepasst sind", "gepflasterte Strassen, die aussehen, wie die Kopfsteinpflaster einer Dorfstrasse" usw usw. Herr Professor Gripp lehnt es ab, den Angaben der Taucher Glauben zu schenken, er behauptet, alle menschlichen Besiedlungsspuren als "Brandungserscheinungen" erklären zu können. Herr Prof. Gripp spricht von der Strurmbrandung bei Helgoland, von der Gewalt des Meeres, die die Uferschutzmauern auf Sylt oder Norderney zerstört habe, bedenkt aber nicht, dass er mit diesen Worten seine eigene Ansicht widerlegt. Sturmbrandung kann wohl zerstören, aber nicht "fein säuberlich aneinandergelegte" Plattenflächen" oder "künstlich geschichtete Steinwälle" schaffen. Herr Professor Gripp wurde eingeladen, sich an Ort und Stelle von diesen Siedlungsspuren zu überzeugen. Unsere Tauchgeräte und erfahrene Taucher sollen ihm behilflich sein, aber auch das lehnt Herr Professor Gripp ab.

5. Das Argument des Herrn Prof. Gripp, die von uns geborgenen quadratischen Platten zeigten auch auf der Unterseite alledings sehr geringfügige Spuren von Bewuchs kleinster Meerestierchen (Kalkalgen, Moostierchen usw.), was beweise, dass diese Platten durch eine "sehr starke Brandung" hin und her gerollt worden seien, ist n i c h t stichhaltig. Diese Platten wurden aus einer Tiefe von 14 m geborgen, sie lagen also unter einem Druck von 2,4 Atü. Es ist auch heute noch nicht möglich, Steinplatten bei normalem Druck wasserdicht zu verlegen. Durch die Fugen sickert immer, zumal bei starkem Wasserdruck, Wasser u n t e r den Plattenbelag. Das mit diesem Wasser einsickernde Meereswasser enthält in grossen Mengen die mikroskopisch kleinen Keime dieser Meerestierchen, die sich demnach auch an der Unterseite der Platten in geringfügigen Spuren ansetzen können.

Dass die geborstenen Platten in sehr starker Brandung hin und her geschleudert worden seien, wie Herr Prof. Gripp annimmt, ist ebenfalls falsch. Die Platten sind sehr empfindlich gegen Schlag und Stoss. Sie wären von einer starken Brandung n i c h t "fein säuberlich aneinandergelegt" worden, sondern zerschlagen und in Brandungsgeröll verwandelt worden.

6. Herr Professor Gripp hat mich persönlich gebeten, bei der nächsten Expedition Bodenproben mitbringen und einen geologischen Fragebogen, den er aufstellen wollte, ausfüllen zu wollen. Herr Prof. Gripp weiss zudem, dass z.Zt. eine Karte über die Vermessungsarbeiten der Forschungsschiffe des Deutschen Hydrographischen Institutes in Arbeit ist. Es ist erstaunlich, dass Herr Professor Gripp der Ansicht ist, dass er ohne diese von ihm selbst angeforderten Forschungsunterlagen sich schon jetzt ein Urteil erlauben darf.

7. Eine Reihe namhafter Fachgelehrter aller betroffenen Forschungsgebiete, darunter auch bekannte Geologen und wirkliche Kenner meeresgeologischer Probleme haben meine Arbeiten seit Jahren unterstützt oder meinen Forschungsergebnissen höchste Anerkennung gezollt. Die Zuschriften dieser Fachleute können jederzeit bei mir im Original eingesehen werden. Herr Professor Gripp glaubt, diese Mithilfe oder Zustimmung erfahrener Fachleute ignorieren zu können und meine Arbeiten als "Hirngespinst" beurteilen zu können. Auf seinem eigenen Fachgebiet, der Geologie, hat er erstaunliche Unkenntnisse gezeigt (Unkenntnis des Kupfervorkommens auf Helgoland, der inneren Struktur und des Vorkommens des Plattenflintes), die von ihm selbst erbetenen Frorschungsgrundlagen wartet er nicht ab, die Taucherprotokolle weist er als unwahr zurück, einer wissenschaftlichen Diskussion geht er aus dem Weg, trotzdem glaubt er, für das "Ansehen echter Forschung" eintreten zu können.


Ich selber weiß mich von dieser Art "wissenschaftlicher Forschung" durch einen Abgrund getrennt. Ich glaube nicht, dass wissenschaftliche Probleme durch völlige Ignoranz aller Forschungsunterlagen gelöst werden können. An der Tatsache, dass bei Helgoland vorgeschichtliche Siedungsspuren festgestellt wurden, besteht nicht der geringste Zweifel. Die Identität dieser Siedlungsspuren mit Atlantis habe ich in meinem Buch unwiderlegbar nachgewiesen.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag stellt die Transkription eines Auszugs (S. 7-10) aus einer, mit Schreibmaschine erstellten und in unbekannter Auflage für einen ausgewählten Kreis von Adressaten hektographierten Dokumentation mit dem Titel "Die Geschichte der Aktion >Gripp contra Atlantis<" dar, die auf den 4.10.1964 datiert ist. Bei Atlantisforschung.de wird dieser Auszug als wissenschaftgeschichliches und atlatologie-historisches Dokument zu Studien- und Forschungszwecken veröffentlicht. Unserer Transkription zugrunde liegt ein Exemplar der Spanuth´schen Dokumentation aus dem Archiv von Günter Bischoff.

Einzelverweise:

  1. Anmerkung: Zur Enstehungsgeschichte dieses 'Gutachtens' siehe Atlantisforschung.de mehr unter: "Jürgen Spanuth versus Karl Gripp - Bisher unveröffentlichte Materialien zum 'Atlantis-Streit' im Jahr 1953 (bb)"
  2. Anmerkung: Zu J. Spanuths 'Steingrund'-Expeditionen und deren Ergebnissen siehe bei Atlantisforschung.de auch:: Bernhard Beier, "Jürgen Spanuth - eine atlantologie-historische Betrachtung", Teil VII, "Spanuths 'Steingrund'-Expeditionen und die Diskussion ihrer Ergebnisse"
  3. Quelle: Jürgen Spanuth, "Die Geschichte der Aktion >Gripp contra Atlantis<" (unveröffentlichtes Papier), 4.10.1964, S. 10
  4. Anmerkung: ...vor allem, weil sie die hartnäckige Fehleinschätzung bzw. den Trugschluss hervorgerufen hat, es habe damals eine im engeren Sinne wissenschaftliche Auseinandersetzung - also ein akademischer Diskurs - um Spanuths Funde und Thesen stattgefunden; ein hehrer Anspruch, dem die 'Argumente' und Methoden der Herren Gripp, Wetzel & Co. offenbar alles andere als gerecht wurden.

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