Jürgen Spanuth - eine atlantologie-historische Betrachtung

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Vorwort

Abb. 1 Waren Jürgen Spanuths Vortellungen von einer bronzezeitlichen Hochkultur in Nordwesteuropa und einem 'Atlantis des Nordens' lediglich ein Ausfluss ideologischer Germanentümelei, oder liefern sie der modernen Alternativ-Historik wichtige Erkenntnisse oder Impulse? (Bild: der 'Sonnenwagen' von Trondheim).

(bb) Als ich vor mehr als zehn Jahren begann, mich mit dem Werk Jürgen Spanuths (1907-1998) zu beschäftigen, geschah dies keineswegs aus dem Bedürfnis heraus, die Theorien des steirisch/holsteinischen 'Atlantis-Pastors' argumentativ zu stützen oder zu widerlegen. Vielmehr interessierte mich zunächst das atlantologie-historische 'Phänomen Spanuth'. Was hat diesen Mann zu einer derart bekannten und mehr als kontrovers diskutierten Persönlichkeit der Atlantisforschung des 20. Jahrhunderts gemacht? Wieso und von wem wurde der Streit um ihn und seine Theorien zu einem regelrechten Wissenschafts-Krieg eskaliert? Wie kommt Spanuth unter den Generalverdacht, 'rechtes Gedankengut' verbreitet zu haben – und warum polarisiert er noch heute?

All dies sind Fragen, die sich mit einem schnellen Blick auf sein Hauptwerk und/oder ins Internet beim besten Willen nicht klären lassen, sondern weit umfassenderer Studien und eine Herangehensweise erfordern, die über das hinausgeht, was üblicherweise im Rahmen einer atlantologischen Betrachtung zu leisten ist. Daher stellt die vorliegenden Arbeit auch keine, im allgemeinen Sinne, atlantologische Dekonstruktion, Kritik und Diskussion seiner alternativ-historischen Aussagen dar, sondern befasst sich mit den Diskrepanzen zwischen seinem 'Image' und den Fakten, die sich aus seinem Leben und Werk erheben lassen.

Mein Ansatzpunkt ist dabei zunächst Spanuths allgemeine Wahrmehmung als 'rechter' oder 'ariertümelnder' Atlantist, bzw. die Überprüfung, ob er tatsächlich 'rechtes Gedankengut' verbreitet hat, oder typologisch dem Ario-Atlantismus zuzuordnen ist, also einer Richtung, Variante oder Spielart des weltanschaulichen Atlantismus, die sich dadurch charakterisieren lässt, dass in ihrem Kontext das Thema Atlantis (Atlantisbericht, -Motiv, -Problem, -Mythos, usw.) sowie die Beschäftigung damit (Rezeption, Forschung) im Sinne einer ariozentrischen Ideologie adaptiert und instrumentalisiert wird. [1]

Ich beschäftige mich also mit der grundsätzlichen Frage, welcher der beiden typologischen Hauptrichtungen oder 'Traditionslinien' der Beschäftigung mit dem Atlantis-Thema Spanuth zuzurechnen ist: Handelte es sich bei ihm um einen Atlantologen (Atlantisforscher), der sich auf rationaler, 'wissenschaftlicher' Ebene mit dem Atlantis-Problem auseinander setzte, oder ist er im Bereich des vulgären bzw. ideologischen sowie esoterischen Atlantismus zu "verorten", wie es im 'Fachchinesisch' der Soziologen heißt. Gibt es Indikatoren, die eine eindeutige Zuordnung in eines dieser beiden Lager ermöglichen bzw. notwendig machen?

Neben der Suche nach solchen Indikatoren versuche ich den Gründen auf die Spur zu kommen, die zu seinem, weitgehend negativen, Renommee in 'schul-' und auch 'alternativ'-wissenschaftlichen Kreisen beigetragen haben. War Spanuth tatsächlich ein "Phantast" oder "Pseudowissenschaftler", wie häufig behauptet wird? Liegen die Gründe für diese Einschätzung tatsächlich in formalen Mängeln seiner Arbeit und in der Falsifizierbarkeit seiner Aussagen begründet, wie nicht wenige Kritiker meinen, oder sind sie vielmehr einem höchst subjektiven und tendenziösen Charakter seiner Rezeption in Kreisen des 'wissenschaftlichen Establishment' geschuldet? Konnte er auf archäologischem Gebiet 'harte Evidenzen' für die Existenz einer versunkenen Metropolis in der Nordsee erbringen - und wie wurden seine Funde diskutiert?

Dazu möchte ich an dieser Stelle noch einmal betonen, dass die nachfolgenden Betrachtungen keineswegs ein abgeschlossenes Werk, sondern eher eine 'Zwischenbilanz' meiner Suche nach einem differenzierten Bild zu einer kritischen Würdigung von Jürgen Spanuths Leben und Werk darstellen, die künftig nach und nach erweitert und ergänzt werden soll. Dazu möchte ich auch andere Forscher- und Autoren-KollegInnen herzlich einladen. All diejenigen, die über sachdienliches Material zur weiteren Aufarbeitung des 'Phänomens Spanuth' verfügen, werden gebeten, es der Redaktion Atlantisforschung.de zur Veröffentlichung und Diskussion im Internet zur Verfügung zu stellen!

Krefeld, im Juni 2009



Anmerkungen und Quellen

  1. Vergl. dazu auch: J. Spanuth, das SS-Ahnenerbe und die Atlantisforschung vor Helgoland - Vermeintliche Zusammenhänge unter die Lupe genommen (bb)


Bild-Quelle

(1) Bildarchiv Atlantisforschung.de