Spanuth, Helgoland-Atlantis und der 'Ario-Atlantismus'

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Abb. 1 Platons Atlantis auf Helgoland? Mit seinem Szenario einer bronzezeit- lichen, germanischen Hochkultur im Nordwesten Europas griff Jürgen Spanuth Mitte des 20. Jahrhunderts das überkommene Paradigma der Historiker vom 'ex oriente lux' ("das Licht der Kultur kam aus dem Osten") an.

(bb) Zu den umstrittensten Atlantisforschern des 20. Jahrhunderts ist im deutschsprachigen Raum sicherlich der schleswig-holsteinische Pastor Jürgen Spanuth (1907-1998) zu zählen, der Platons Atlantis an der Küste der bronzezeitlichen Insel Helgoland lokalisierte. (Abb. 1) Schulwissenschaftliche Kritiker wie der Historiker Franz Wegener - die freilich zu einer fachlichen (atlantologischen) Kritik der spanuthschen Theorie zumeist außerstande scheinen-, bewerten seine Arbeit heute vor allem unter dem Eindruck seiner politisch-ideologischen Instrumentalisierung durch 'Alte' und 'Neue Rechte' und vor dem Hintergrund früherer "Atlantis-Lokalisierungen" bei Helgoland durch ario-atlantistische Autoren.

Natürlich hat Wegener im Grundsatz recht, wenn er vermerkt, dass die Helgoland-Lokalisierung der Atlanter-Metropolis "... schon bei Pudor 1936 [1] [auftaucht], der Atlantis-Helgoland als das >arisch-germanische Rassehochzucht- und Kolonisations-Mutterland< ansah". [2] Pudors Atlantis-Bild skizziert Wegener folgendermaßen: "Die Atlantis [3] deren Überrest Helgoland sei, habe sich von Schottland bis Südnorwegen erstreckt und >möglicherweise bis nahe an den Polarkeis ausgedehnt.< Die Osterinsel sei eine >Tochterkultstätte von Atlantis< gewesen, dies gelte auch für die Kanarischen Inseln." Bei Pudor, einem typischen Propagandisten blonder und blauäugiger Atlantier, "findet sich ersmalig die Gleichsetzung Helgolands mit der Insel Atlantis. Helgoland avanciert für ihn zur >Heimat der Hellenen - und auch der Römer<." [4]

Der explizit atlantistische Charakter von Pudors Schriften wird bereits angesichts der von ihm verwendeten Literatur deutlich: "In seinen Ausführungen greift er auf Scott-Elliot, Steiner, Wirth, Hörbiger und Zschaetsch" [5] zurück. Damit präsentiert Pudors Ideengebäude sich als Konglomerat aus Elementen des gesamten Spektrums quasi-religiöser (Theosophie, Anthroposophie), quasi-wissenschaftlicher (WEL) und politisch-ideologischer Atlantismen. Ein weiterer zentraler Protagonist der Idee eines 'Helgoland-Atlantis' im Dritten Reich war, neben Pudor, Herman Wirth, zeitweilig der Leitung des 'SS-Ahnenerbe' angehörig, und sogar Heinrich Himmler, der 'Reichsführer SS', (zunächst ein Förderer Wirths, den er später 'fallen ließ') war an dieser Vorstellung über einen längeren Zeitraum hinweg interessiert.

Das Interesse hochrangiger 'Größen' des NS-Regimes und ario-atlantistischer Autoren an der Helgoländer Prähristorie dürfe also evident sein, und fast alle hier genannten Autoren mögen die Nordseeinsel mit dem platonischen Atlantis in Verbindung gebracht haben; trotzdem erscheint es unbillig, wenn Wegener versucht, weitergehende Gemeinsamkeiten zwischen Spanuth und seiner Forschung auf der einen, sowie Himmler, Pudor et. al. und ihren Wunschvorstellungen auf der anderen Seite, nahezulegen, um seine Annahme einer "bislang unbekannte[n] Verbindungslinie zwischen Theosophen, Ariosophen, Anthroposophen, Vertretern der der Konservativen Revolution, Welteislehre-Anhängern, Nationalszialisten und Neuer Rechten" zu stützen, nämlich die "Suche nach Atlantis im hohen Norden, Heimat, einer rassisch reinen Elite: Die Atlantier." [6]

Wegener skizziert hier zwar in etwa jenes Spektrum, das von uns als 'ario-atlantistisch' definiert wird, wobei er in seiner Aufzählung allerdings recht großzügig und - atlantologie-historisch gesehen - höchst undifferenziert Strömungen und Richtungen des Atlantismus (theosophische und anthroposophische Atlantisten) miteinbezieht, die sich nicht - oder zumindest nicht einheitlich - als 'ariozentrisch' begreifen lassen, und die weder nach unserem Verständnis von Ario-Atlantismus noch auf Grundlage der oben zitierten Zielsetzung entsprechend einzuordnen sind. Auch was die Anhänger der 'Welteislehre' angeht (vergl.: Hanns Hörbiger: Ein Universum aus Feuer und Eis?, ff.) erscheint seine Einordnung erschreckend oberflächlich. Noch viel mehr muss unsere Feststellung, wie wir mit der vorliegenden Betrachtung zeigen wollen, für seine Einordnung J. Spanuths und dessen Werks gelten.

Abb. 2 Selbst, wenn man Jürgen Spanuths Atlantis-Lokalisierung bei Helgo- land (Bild) nicht akzeptiert, muss man ihm als Forscher Respekt zollen: Jahrzehnte vor der Entdeckung der 'Scheibe von Nebra' erkannte er bereits den hohen kulturellen Entwicklungsstand im bronzezeitlichen Nordwesteuropa.

Sicherlich dürfte außer Frage stehen, dass der Pastor Jürgen Spanuth ein Mensch mit einem autoritären Weltbild war, das auch seine atlantologischen Forschungen zumindest indirekt beeinflussen musste. Solche Einflüsse müssen jedoch, wenn man damit argumentieren will, schlüssig und im Einzelfall nachgewiesen werden. Keinesfalls erscheint es uns jedoch legitim, Spanuth mit seinem 'Helgoland-Atlantis' letztlich nur wegen einer vermuteten, in seinen Arbeiten nicht näher greifbaren oder zu bestimmenden, 'rechten Gesinnung' in einen Topf mit NS-Protagonisten wie Himmler, okkultistischen Atlantisten wie Scott-Elliot und Steiner, oder Ario-Atlantisten wie Zschaetsch, Herrmann, Pudor usw. zu werfen.

Offenbar ist dies jedoch genau die weit verbreitete Vorgehensweise der meisten Spanuth-Kritiker, die ihn bereits aufgrund seiner 'politisch unkorrekten', ideologisch vorbelasteten Helgoland-Lokalisierung von Atlantis, oder wegen seiner unzweifelhaften Germanophilie faktisch in die ideologische Traditionslinie des Ario-Atlantismus eingeordnet haben. Und schon dadurch, dass er - mit atlantologischen Mitteln und auf dem Weg empirischer und naturwissenschaftlicher Forschung! - die Königsinsel der Atlanter ausgerechnet dort ausmacht, "wo Herrman Wirth, die Ariosophen und Heinrich Himmler Atlantis auch schon vermutet hatten", hat sich "der norddeutsche Gottesmann", wie Arn Strohmeyer es 1997 ausgedrückt hat, in den Augen der Öffentlichkeit "um jeden Anspruch gebracht, wissenschaftlich ernst genommen zu werden." [7]

Doch "die Sache ist", wie Strohmeyer es so schön formulierte, durchaus "komplizierter. Spanuth ist so leicht nicht zu fassen." [8] Räumen wir also zunächst mit der Mär´ auf, es habe Kontinuitäten zwischen den ario-atlantistischen Ambitionen und Aktivitäten in Bezug auf Helgoland und den Forschungen Spanuths gegeben, oder er habe - auch nach 1945 - mit dem Nationalsozialismus 'geliebäugelt', wobei wir uns mit seinen politischen Aktivitäten während des Dritten Reichs an anderer Stelle zu beschäftigen haben. Bei Wikipedia heißt es dazu übrigens, leider unzutreffend: "Spanuth erlebte Hitlerdeutschland zwischen seinem 26. und 38. Lebensjahr. In dieser Zeit war er nicht politisch tätig. Er war als Pfarrer tätig und Kriegsteilnehmer. Für später geäußerte Verdächtigungen einer Nähe zum Nationalsozialismus gibt es für diese Zeit keine Hinweise." [9]

Bei seinen atlantologischen Studien ging Spanuth nach 1945 offenbar jeglicher Auseinandersetzung mit ario-atlantistischen Adaptionen eines 'Helgoland-Atlantis' aus dem Weg [10]. Er reflektierte sie allem Anschein nach nicht, und nutzte derartiges Material in aller Regel auch nicht argumentativ. Das einzige nachweisliche Interesse, das Spanuth für atlantisbezogene Aktivitäten während der Zeit des Nationalsozialismus aufbrachte, fokussierte sich augenscheinlich auf ozeanographische und unterwasserarchäologische Untersuchungen vor der heutigen Küste Helgolands (siehe dazu auch: J. Spanuth, das SS-Ahnenerbe und die Atlantisforschung vor Helgoland - Vermeintliche Zusammenhänge unter die Lupe genommen).

Trotzdem hat es immer wieder Versuche gegeben, Jürgen Spanuth in die Nähe nationalsozialistischer "Atlantisforschung" zu rücken. Dazu schreckten einige "Zierden" bundesrepublikanischer Vor- und Früh-Geschichtsforschung, denen er seinerzeit mit den Ergebnissen seiner Arbeit kräftig auf die Füße getreten zu sein scheint (dazu später mehr), auch vor übelster Desinformation und dreistesten Verdrehungen von Aussagen des unbequemen Pastors nicht zurück. So tönte etwa der renommierte Prähistoriker Professor Sprockhoff 1953: "Peinliche Erinnerungen an glücklicherweise überstandene Zeiten erwecken Spanuths Ausführungen über die Rasse des nordischen Kreises." [11]

Abb. 3 Jürgen Spanuths 'Germanophilie' und sein Postulat protogermanisch-bronzezeitlicher Hochkultur berechtigen keineswegs dazu, ihn mit germanentümelnden Ario-Atlantisten wie Pudor, Wirth, Herrmann oder Zschaetsch in einen Topf zu werfen.

Peinlich ist hier jedoch allenfalls Sprockhoffs Unterstellung: Tatsächlich ging es bei Spanuth nämlich keineswegs um eine "Rasse des nordischen Kreises", sondern er thematisierte vielmehr den "Nordischen Kulturkreis" der Bronzezeit, dessen soziale und militärische Organisations-Formen er mit den Angaben aus Platons Atlantisbericht verglich. [12] Auf einem ähnlichen Niveau versuchte auch der Marburger Professor Schott (zu Schott vergl. auch: Streit um Spanuth: Die so genannten 'Atlantis-Gespräche') Spanuth als späten Ario-Atlantisten zu verunglimpfen, indem er in einem 1967 veröffentlichten Artikel, so Gadow, "Spanuth >Seite an Seite< mit dem NS-Propagandisten Alfred Rosenberg stellt." [13]

Wir werden später noch ausführlicher auf den Komplex "wissenschaftlicher" Schein-Argumentation und Diffamierung von Spanuth und seiner atlantologischen Arbeit eingehen; hier bleibt zunächst die Frage relevant, ob es in Spanuths Werk konkrete Hinweise oder Evidenzen gibt, die seine Einordnung in den Bereich des nordistisch-rassistischen Ario-Atlantismus notwendig machen. Hören wir dazu noch einmal A. Strohmeyer, der angesichts seiner massiven Kritik ariozentrischer Adaptionen des Atlantis-Themas kaum in Verdacht geraten kann, Spanuth in dieser Beziehung zu schonen. [14]

Strohmeyer erklärt jedenfalls recht unzweideutig: "Es soll hier beileibe keine Ehrenrettung des umstrittenen Gottesmannes versucht werden. Die ist gar nicht möglich, weil ihm angesichts der deutschen Geschichte zwischen 1933-1945 bei einem so heiklen Thema wie Atlantis aber auch jede politische Sensibilität abging. Obwohl er nirgendwo offen rassistische Thesen vertritt oder NS-Propaganda betreibt, veröffentlicht er seine Bücher in einem rechtsextremen Verlag [15], zerstört damit seine eigene Glaubwürdigkeit und wird zur tragischen Figur der ganzen Atlantis-Forschung." [16]

Strohmeyer darf sich zugute halten, dass er, im Gegensatz zu anderen Spanuth-Kritikern, auch den 'Angeklagten' selbst gehört hat und zu Wort kommen ließ: "Im Gespräch mit dem Verfasser [Strohmeyer] bestritt er entschieden, in irgendeiner Weise rassistischen oder auch nur pangermanischen Ideen anzuhängen: >Das ist doch völliger Unsinn ... Ich setze die anderen Hochkulturen dieser Zeit ja nicht herab. Mykene, das Hethiterreich und Ägypten. Nur, die germanische Kultur der Bronzezeit war eben auch eine Hochkultur. Und wenn wir der historischen Wahrheit genüge tun wollen, dann müssen wir da einige Korrekturen anbringen: Die Germanen werden bei uns immer noch als wildes Volk dargestellt, das zumeist auf Bärenfellen saß und Met getrunken hat. Das ist natürlich Unsinn, es war ein Volk mit einer hohen Kultur." [17]

Auch Franz Wegener, der in seiner Betrachtung unter hunderten von Spanuth herangezogenen Quellen gezielt diejenigen hervorhebt, die ihm zur Stützung seiner eigenen These (s.o.) dienlich erscheinen, kann keinen Nachweis einer inhaltlichen Nähe von Spanuths Arbeit zum Ario-Atlantismus führen, sondern muss letztlich sogar zugestehen, dass Spanuth zu Wirths Thule- und Atlantis-Vorstellungen auf Distanz ging: "Die These, die in der Öffentlichkeit zu einiger Popularität gelangte, wurde damals [um 1953; bb] von wissenschaftlichen Kreisen [18] stark angegriffen. Spanuth, der sich bei seinen Forschungen u.a. auf Rudbeck [19], Pastor und Untersuchungen des SS-Ahnenerbe von 1939 [20] als Quelle beruft - Pudor aber im Literaturverzeichnis nicht erwähnt [21] -, verwirft die Thesen Wirths [22] und erkennt die Stellung des Atlantis-Problems, >das für ein neues Geschichtsbild so bedeutsam ist<." [23]

Dass das Atlantis-Problem und seine Lösung das gängige Geschichtsbild infrage stellen und für die Herausbildung eines alternativen, neuen Geschichtsbilds überaus bedeutsam sind, dürfte kaum zu bestreiten sein - es sei denn, man betrachtet den platonischen Atlantisbericht als reine Fiktion ohne jede Historizität. Über eine entwickelte Meinung zu dieser Kernfrage der Atlantisforschung, oder über die zu ihrer Beantwortung notwendige Kompetenz, verfügen die meisten Spanuth-Kritiker jedoch augenscheinlich nicht. Bestandteil des angesprochenen neuen Geschichtsbilds muss jedenfalls auch eine Revision der Vorstellungen zur nordwest-europäischen 'Bronzezeit' [24] sein, eine Neubetrachtung, die keineswegs ideologisch motiviert und 'rechtslastig' zu sein braucht, wie Wegener nahelegt.


Fortsetzung:

Ein 'rechter Historiker'? - Zur Kontroverse um Spanuths Werk (bb)


Anmerkungen und Quellen

  1. Siehe: Heinrich Pudor, "Helgoland-Heiligland", Leipzig, 1931 --- Sowie: Heinrich Pudor, "Völker aus Gottes Athem. Atlantis-Helgoland, das arisch-germanische Rassehochzucht- und Kolonisations-Mutterland", Leipzig, 1936
  2. Quelle: Franz Wegener, "Das atlantidische Weltbild - Nationalsozialismus und neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis", Gladbeck, KFVR, 2., leicht veränderte Ausgabe, 2003 (Erstveröffentl. 2001), S. 53
  3. Anmerkung: Es erscheint unklar, warum Wegener in seinem Buch durchgängig die grammatisch korrekte, aber seit Jahrzehnten esoterisch bzw. antrophosophisch konnotierte Sprachform "die Atlantis" verwendet (vielleicht besuchte er eine Walldorf-Schule???). Sein Buch steht jedenfalls ganz eindeutig nicht in einem anthroposophischen Kontext.
  4. Quelle: Franz Wegener, "Das atlantidische Weltbild - Nationalsozialismus und neue Rechte auf der Suche nach der versunkenen Atlantis", Gladbeck, KFVR, 2., leicht veränderte Ausgabe, 2003 (orig. 2001), S. 39, 40; Wegener bezieht sich auf: Heinrich Pudor, "Völker aus Gottes Atem - Atlantis-Helgoland das arisch-germanische Rassenhochzucht- und Kolonisations-Mutterland", Verlag Dr. Heinrich Pudor, Leipzig S3, Dölitzer Str. 12, 1936 --- Red. Anmerkung: Auch in diesem Punkt (Nordleute als Kulturstifter im vorgeschichtlichen Griechenland) scheint es nur bei einer höchst oberflächlichen Betrachtung eine gewisse inhaltliche Nähe zwischen Pudor und Spanuth zu geben; letztlich sind die Konzepte der beiden jedoch völlig inkongruent. (Vergl. zu Spanuths Vorstellungen: J. Spanuth, "Die Rückkehr der Herakliden", Tübingen, 1989)
  5. Quelle: F. Wegener, op. cit., S. 40
  6. Quelle: F. Wegener, op. cit., Klappentext
  7. Quelle: Arn Strohmeyer, "Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos", Donat Verlag, Bremen, 1997, S. 122
  8. Quelle: ebd.
  9. Quelle: WIKIPEDIA - Die freie Enzyklopädie, Stichwort: "Jürgen Spanuth" (Abschnitt: "Spanuths Publikationen in rechten Verlagen"), 27. März 2007 um 15:11 Uhr, online unter http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrgen_Spanuth --- Anm. des Verf.: Wie unsere Recherchen der vergangenen Jahre gezeigt haben, gibt es durchaus solche Hinweise evidenter Natur. Siehe Hauptartikel: "Jürgen Spanuth"
  10. Anmerkung: Vermutlich sind die Gründe hierfür auch nicht im Bereich der 'Political Correctness' zu suchen. Möglicherweise ignorierte Spanuth dieses Material schon deshalb, weil jede Kenntnisnahme oder Erwähnung in gewisser Weise auch seinen Anspruch als 'Entdecker von Helgoland-Atlantis' in Frage gestellt hätte. Schließlich hob er den originären Charakter seiner Theorie besonders hervor und bezeichnete die "Lösung des Atlantisrätsels", die er in seinen "Büchern vorgelegt habe", noch 1976 als "unerwartet und überraschend". (J. Spanuth, op. cit. 1976, S. 9)
  11. Quelle: Gerhard Gadow, "Der Atlantis Streit - Zur meistdiskutierten Sage des Altertums", Fischer Taschenbuch Verlag, Juli 1973, S. 55; Gadow gibt dort im Appendix als Original-Quellen an: "Sprockhoff am 26.10 und 4.11. 53 mündlich, in der Broschüre >Atlantis enträtselt?< (S. 36) ist nur noch von >peinlichen Erinnerungen ... die Rede."
  12. Siehe dazu: J. Spanuth, "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976, Abschnitt: "Organisation im Nordischen Kulturkreis und im Königreich Atlantis", S. 101 - 107
  13. Quelle: Gerhard Gadow, "Der Atlantis Streit - Zur meistdiskutierten Sage des Altertums", Fischer Taschenbuch Verlag, Juli 1973, S. 62
  14. Anmerkung: Im Appendix des Abrisses zu Jürgen Spanuths Leben und Werk bei WIKIPEDIA wird Strohmeyer (1997) unter "Zustimmende Literatur zu Spanuths Thesen" eingeordnet, was ziemlich oberflächlich erscheint. Tatsächlich ist Strohmeyers Spanuth-Betrachtung durchaus differenziert und keineswegs unkritisch, auch wenn er in 'Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos' atlantologisch MIT Spanuth GEGEN Zangger argumentiert.
  15. Anmerkung: Es stellt sich hierbei die Frage, ob der Grabert-Verlag zu dem Zeitpunkt, als Spanuth dort zu publizieren begann, bereits einen "rechtsextremen" Charakter aufwies. Dazu heißt es etwa bei Dr. Hans-Wilhelm Rathjen: Spanuth "fand keinen renommierten Verlag für sein nächstes Werk, ein allerdings wohl ungeschickt mit gelehrten Anmerkungen überfrachtetes, schwer zu verlegendes Buch von beinahe 700 Seiten. Das erschien dann 1965 bei Grabert in Tübingen. Grabert den Alten hatte empört, wie Spanuth 1953 im Atlantis-Streit herabgesetzt worden war. Dieser Altkonservative bot ihm echte Hilfe an. Dass Jürgen Spanuth sich dieser Hilfe bediente, verstärkte allerdings auf Dauer die Verdächtigung, auch er gehöre vielleicht in eine >braune Ecke<, wo doch der Verlag langsam unter dem Jungen Grabert ein suspektes Programm des Revisionismus entwickelte. Der Holsteiner war zusätzlich schlecht beraten und zu störrisch, selbst etwas zum Punkt beizutragen. Der unerhörte, nimmermehr zu lösende Bann auf seinen Ergebnissen, so scheint es, demoralisierte selbst einen Gottesmann, der sich, ganz egal ob am falschen Ort, gedruckt sehen wollte - für eine Zukunft, die kommen würde." (Quelle: Dr. Hans-Wilhelm Rathjen, "Zehn Takte Besinnung zu Atlantis", unveröffentlichtes Manuskript, Minden 2006, S. 21)
  16. Quelle: Arn Strohmeyer, "Atlantis ist nicht Troja - Über den Umgang mit einem Mythos", Donat Verlag, Bremen, S. 122, 123
  17. Quelle: J. Spanuth, zitiert nach Strohmeyer, op. cit. (1997), S. 122
  18. Anmerkung: Die Erwähnung "wissenschaftlicher Kreise" durch Wegener erscheint in diesem Zusammenhang durchaus manipulativ, da sie beim unbefangenen Leser den Eindruck erwecken muss es habe sich dabei um 'seriöse', im eigentlichen Sinne wissenschaftliche Kritik an Spanuths Theorie gehandelt. Schon Strohmeyer betonte dagegen, dass es gerade die "beamteten Lehrstuhlinhaber" waren, die "sowohl [Heinrich] Schliemann wie auch Spanuth mit ihren Herabwürdigungen übel mitgespielt haben". (Strohmeyer, op. cit. 1997, S. 100)

    Tatsächlich werden wir später (siehe den Abschnitt: Streit um Spanuth: Die so genannten 'Atlantis-Gespräche') zeigen, welch explizit ideologischen und unwissenschaftlichen Charakter diese Angriffe tatsächlich hatten. Wenn man die mangelnde Objektivität und/oder Kompetenz der meisten von Wegener als Zeugen gegen Spanuth herangezogenen Quellen bedenkt, grenzt es zudem an 'Geschichts-Klitterung', wenn der Historiker (!) im Anhang seines Buchs erklärt: "Lutzhöft [Hans-Jürgen Lutzhöft, "Der nordische Gedanke in Deutschland 1920-1940", Stuttgart, 1971] verweist auf die herbe Kritik, die Spanuth für seine Thesen einstecken musste: Weyl (Hrsg.) Atlantis enträtselt? 1953 und Grabowski, Rez. Spanuth in ZSHG, Bd. 78 (1954), 300 ff. ["Nicht eine Platonstelle, auf die sich Spanuth beruft, ist richtig gedeutet.", Grabowski, 311]
  19. Anmerkung: Siehe Spanuth [Werk?], S. 480 (nach Wegener, 2003, S. 53)
  20. Anmerkung: Siehe Spanuth [Werk?], S. 349 (nach Wegener, 2003, S. 53)
  21. Anmerkung: Ein Umstand, der - sofern Wegeners Aussage zutrifft - zunächst darauf schließen lässt, dass Spanuth keinesfalls mit Pudor 'in einen Topf' geworfen werden wollte. Da Wegener (2003, S. 53) leider nicht angibt, auf welche Publikationen Spanuths sich seine Seitenangaben beziehen (Wegener verweist in seinem Literaturverzeichnis auf: J. Spanuth, "Das enträtselte Atlantis", Stuttgart, 1953; "Atlantis. Heimat, Reich und Schicksal der Germanen", Tübingen, 1965; sowie "Die Atlanter - Volk aus dem Bernsteinland", Tübingen, 1976), und da dem Verfasser die drei infrage kommenden Bücher derzeit noch nicht alle vorliegen, lässt sich diese Tatsachenbehauptung hier nicht verifizieren. Grundsätzlich ist jedoch darauf hinzuweisen, dass eine solche 'Bezugnahme' auf einen ario-atlantistischen Autor wie Pudor völlig atypisch für Spanuth erscheint.
  22. Anmerkung: Siehe Spanuth [Werk?], S. 354 (nach Wegener, op. cit. 2003, S. 53)
  23. Quelle: Franz Wegener, op. cit., S. 53
  24. Vergleiche zu einer atlantologischen Betrachtung etwa: Die Bronzezeit - Deutschland zur Blütezeit des II. atlantischen Reiches von Jürgen Hepke


Bild-Quellen

(1) http://www.avectour.com/atlantis.htm (nicht mehr online)

(2) IDEE AUS ERDE, Geschichte

(3) Gymnasium Schloß Neuhaus, unter: http://www.gsn.pbbn.de/faecher/latein/Germanen/images/orgieklein.jpg