Atlantismus oder Atlantisforschung?

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Rudolf Steiner und seine Nachfolger

Abb. 1 Dr Rudolf Steiner (1861 - 1925) in jungen Jahren.

Es hat in den vergangenen Jahren eine anhaltende Diskussion um die Frage gegeben, ob und inwieweit das auf den esoterischen Ideen Dr. Rudolf Steiners (Abb.1) beruhende, antroposophische Gedankengut einen rassistischen Charakter habe - eine Diskussion, an die hier mit Sicherheit nicht in der damaligen Form angeknüpft werden soll. [1]

Wir wollen uns hier vielmehr auf die Steiner´sche Atlantisbetrachtung und -beschreibung konzentrieren. Was ist aus Sicht empirischer und nonkonformistischer Atlantisforschung zu seinen Aussagen bezüglich Atlantis und Menschheitsgeschichte festzustellen? Natürlich können solche Überlegungen nicht abgekoppelt von einer Beschau seiner gesamten Ideologie, bzw. Religion erfolgen. Bei einer Betrachtung der Entstehungsgeschichte des Steinerschen Ideengebäudes als ideologischem Fundament seiner Atlantida lässt sich schließlich nicht die Tatsache ignorieren, dass seine häretische Version der theosophischen Wurzelrassen-Lehre dem Original a la Blavatsky und Scott-Elliot frappierend ähnelt. Als Basisisinformation zur Entstehungsgeschichte der Anthroposophie und ihrem historischen wie ideologischen Hintergrund dokumentieren wir daher zunächst das Stichwort: Anthroposophie aus Hans Otto Wiebus´ "Lexikon Jugendkulte". [2]

Was uns aus empirisch-atlantologischem Blickwinkel hier wichtig erscheint, ist die Klärung der wissenschaftlichen Frage, in wieweit Steiners "geisteswissenschaftliche" Aussagen zur Menschheitsentwicklung, welche die Rahmenhandlung seiner Atlantis-Version bilden, empirisch und naturwissenschaftlich haltbar sind. Was ist beispielsweise aus biologischer, anthropologischer und medizinischer Sicht von den prähominiden, intelligenten "Quallenwesen" zu halten, die Steiner uns präsentiert? Sind rein analogisch denkende Humanoide, wie er sie uns in Gestalt der Früh-Atlanter mit ihrer "Inspirationsgesellschaft" vorstellt, überhaupt handlungs- und damit lebensfähig?

Zu einer objektiven Analyse und Bewertung des Steinerschen Atlantis-Komplexes ist es jedenfalls notwendig zu wissen, worüber man eigentlich redet. Daher wollen wir ihn hier auch im 'Originalton' zu Wort kommen lassen. Dazu geben wir (in einer illustrierten Fassung) eine bemerkenswerte Zusammenstellung vermutlich aller atlantisbezogenen Aussagen aus seinem anthroposophischen Gesamtwerk wieder, die wir auf der ebenfalls anthroposophisch ausgerichteten Website Die Egoisten.de gefunden haben.

Abb. 2 Schon vor seinem Bruch mit der Führungsriege der theosphischen Gesellschaft verfasste Rudolf Steiner okkult/esoterische Atlantis-Literatur.

Leider ist uns das Steiner´sche Frühwerk aus seiner theosophischen Zeit, das in seinem Buch "The Submerged Continents of Atlantis and Lemuria - their History and Civilizations" (London, 1911) (Abb. 2) dokumentiert wurde, bisher nicht zugängig. Lediglich eine Zusammenfassung einiger Aussagen daraus findet sich bei Lyon Sprague de Camp. Somit können wir derzeit noch nicht anhand eines direkten Vergleichs zwischen der "frühen" und der "späten" Atlantisbetrachtung langfristige Entwicklungen oder Modifikationen in der Steiner-Atlantida untersuchen. Wir müssen uns vielmehr darauf beschränken, anhand vergleichender Betrachtungen von Material aus dem Bereich des theosophischen Atlantismus die oben erwähnten Gemeinsamkeiten in der Atlantisbetrachtung der beiden, direkt verwandten, esoterischen Richtungen grundsätzlich festzustellen.

Neben Texten mit sowie Hintergrundinformationen über Rudolf Steiner´s Atlantis-Version wollen wir in dieser Sektion unserer Webseiten auch noch Atlantis-Autoren aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorstellen, die im Bereich der Anthroposophie oder ihrem Umfeld anzusiedeln sind. In Charakter und Qualität bieten die Arbeiten solcher Vertreter einer von Steiner´schem Gedankengut geprägten oder beeinflussten Atlantis-Suche ein durchaus uneinheitliches Bild - auch wenn gerade diese "charakterlichen" Unterschiede dem Betrachter nicht unbedingt auf den ersten Blick ins Auge fallen mögen.

Anhand zweier konkreter Fallbeispiele versuchen wir deutlich zu machen, wie unterschiedlich auch im weitläufig 'anthroposophischen Lager' der Umgang mit der Atlantis-Thematik ist. Die Bandbreite reicht hier tatsächlich von einem religiös/ideologischen Atlantismus mit messianischem Selbstverständnis bis hin zu nonkonformistisch/empirischer Atlantologie mit anthroposophischem Hintergrund. Exemplarisch für letzere Richtung erscheint uns der Atlantisforscher und Privatgelehrte Manfred Hocke (1913 -1995). In seinen zwei zentralen Atlantis-Essays [3] wird methodisch klar zwischen empirischer und esoterischer Atlantis-Suche differenziert. Dabei sind die beiden Stränge, Ebenen oder Ansätze seiner Betrachtungen natürlich nicht antithetisch angelegt, sondern verlaufen parallel und sollen einander ergänzen. Seine systematisch durchgeführten Betrachtungen laden durchaus zum ernsthaften Nachdenken über das Gelesene und zu einer kritischen Auseinandersetzung damit ein, da der Leser nicht genötigt wird, sich einem bestimmten Glaubenskonzept anzuschließen oder einer "allein seeligmachenden" Lehre zu folgen.

Abb. 3 Prof. Heinz Kaminski (1921 - 2002) gehörte zu den religiös-ideologisch motivierten 'Atlantis-Suchern' mit einem in weiten Teilen anthroposophischen Hintergrund.

Als Beispiel für einen ideologisch ausgerichteten Atlantismus werden uns dagegen die Arbeiten von Heinz Kaminski (1921 - 2002) (Abb. 3) beschäftigen. Der bekannte Astronom, Begründer und langjährige Leiter der Sternwarte Bochum vertrat einen Ansatz, der demjenigen M. Hockes geradezu diametral entgegengesetzt ist. Im Gegensatz zum 'Laien' Hocke war der 'Akademiker' Kaminski weniger ein Forscher, denn der Verkünder und Prediger einer selbst geschaffenen Lehre, die - wie alle Formen des esoterischen Atlantismus - auf Glaubenssätzen beruht.

Die Ergebnisse der Lehre Kaminskis bleiben nämlich - trotz gegenteiliger Beteuerungen ihres Schöpfers - in der Regel empirisch nicht überprüfbar, es werden häufig nicht einmal nachvollziehbare Argumente angeboten. Bezeichnenderweise betitelte er sein 1997 erschienenes Hauptwerk trotzdem ebenso anmaßend wie unrichtig: "Atlantis - Die Realität". Tatsächlich dürfte sich Kaminskis esoterisches Atlantis-Potpourri weitab von eben dieser Realität bewegen, obwohl sich natürlich auch bei ihm viele inhaltliche Übereinstimmungen mit empirisch-nonkonformistischen Modellen und Überlegungen zur Menschheitsgeschichte finden lassen.

Abgesehen von höchst beachtenswerten Ausnahmen, etwa M. Hocke oder Doris Manner, beziehen esoterisch oder spirituell orientierte Autoren wie Steiner, Kaminski, aber auch dezidiert christlich-religöse Atlantis-Sucher (siehe: Dimitri Sergejewitsch Merezhkovsky und Rolf B. Röttges) ihr "Wissen" nur selten aus Quellen, die einer objektiven Verifizierung zugänglich wären. Anleihen bei der nonkonformistischen Atlantisforschung oder den Erkenntnissen der Mainstream-Wissenschaft erfolgen zumeist nur rudimentär und aus einem Gesamtzusammenhang gerissen, wobei stets solche Aspekte ausgeklammert werden, die mit der jeweiligen Ideologie unvereinbar erscheinen.

Kennzeichnend für den "klassischen" esoterischen Atlantismus theosophisch/anthroposophischer Prägung ist zudem sein tendentiell okkulter Charakter als eine Art 'Geheim-Lehre für Eingeweihte". Somit stellt er durchaus eine Herausforderung an die empirisch-nonkonformistische Atlantologie dar, die angeteten ist, um die Geheimnisse der Menschheitsgeschichte zu entschleiern und zu entmythologisieren. Machen wir uns daher auf, um herauszufinden was Rudolf Steiner und seine 'Jünger' zum Thema Atlantis zu sagen haben - und ob es sich hier um Fakten oder Fiktion handelt.

Team Atlantisforschung.de


Beiträge zum Thema 'Anthroposophie und Atlantis':

Stichwort: Anthroposophie (Hans-Otto Wiebus)

Atlantis - nach Rudolf Steiner ("Die Egoisten")

Die Atlantida des Rudolf Steiner (Lyon Sprague de Camp)

Die "ganzheitliche Atlantisforschung" des Prof. Heinz Kaminski (bb)

Der Bewusstseinszustand des Atlantiers (Fred Poeppig)


Anmerkungen und Quellen


Bild-Quellen

(1) http://cipres.cec.uchile.cl/~mvalenci/stein23.jpg

(2) http://www.ddg.com/LIS/InfoDesignF97/car/Lemuria.JPG

(3) http://www.transfer-ruhr.de/transfer12002/portrait.html