Stieropfer

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Abb. 1 Stierfang mit Netzen - fast wie in Platons Dialog Kritias - Ornament auf einem pelasgischen Goldbecher aus Vaphio.

(red) Das Stieropfer war nach Platon (Krit. 119d-120a) eine kultische Handlung, die abwechselnd alle fünf und sechs Jahre gemeinsam von den Königen von Atlantis im heiligen Tempelbezirk der Atlantier-Metropolis vorgenommen wurde. Dazu führte er aus:

Abb. 2 Der Stier als heiliges Tier wurde in der hellenischen Mythologie mit zumeist dem Gott Poseidon in Verbindung gebracht. So wie auf dieser antiken Abbildung Herakles den Stier des Meeresgottes auf Kreta lebendig überwältigen musste, hatten auch die Könige von Atlantis die Opfertiere ohne tödliche Waffen zu fangen, bevor diese Poseidon dargebracht wurden.

"Im heiligen Bezirk des Poseidon wurden einige Stiere freigelassen; die zehn Könige blieben für sich allein, und nachdem sie zum Gott gebetet hatten, er solle sie das ihm wohlgefällige Opfer fangen lassen, machten sie auf die Tiere Jagd, und zwar ohne eiserne Waffen, nur mit Knüppeln und Schlingen; den Stier, den sie fingen, führten sie zur Säule und schlachteten ihn an ihrer Spitze, gerade über jener Inschrift. Auf der Säule aber war außer den Gesetzen auch eine Schwurformel angebracht, mit schweren Verwünschungen gegen die, welche ihnen nicht gehorchten. Wenn sie nun gemäß ihren Bräuchen den Stier geopfert und alle seine Glieder geweiht hatten, füllten sie einen Mischkrug und warfen für jeden ein Klümpchen geronnenes Blut hinein. Alles übrige brachten sie ins Feuer, nachdem sie zuerst ringsum die Säule gereinigt hatten.

Dann schöpften sie mit goldenen Schalen aus dem Mischkrug, gossen eine Spende ins Feuer und legten dann einen Eid ab, dass sie gemäß den an der Säule aufgezeichneten Gesetzen Gericht halten und dass sie es bestrafen wollten, wenn sich einer zuvor eines Übergriffs schuldig gemacht hätte, und auch dass sie von jetzt an jene Inschrift in keinem Punkte absichtlich übertreten und nur so regieren und gehorchen wollten, wie es den Vorschriften des Vaters entspreche. Wenn das ein jeder für sich selbst und für sein Geschlecht gelobt hatte, trank er und stellte die Schale als Weihgeschenk im Heiligtum des Gottes auf; dann wandte er sich der Mahlzeit und seinen dringlichen Geschäften zu.

Wenn aber die Nacht kam und das Opferfeuer erkaltet war, zogen sie alle ein wunderschönes dunkelblaues Gewand an und setzten sich dort, wo das Eidopfer gebrannt hatte, auf die Erde nieder; im ganzen Umkreis des Tempels löschten sie alle Feuer aus, und so, im nächtlichen Dunkel, ließen sie sich Recht sprechen und saßen selbst zu Gericht, wenn einer unter ihnen einen anderen eines Übergriffs beschuldigte. Hatten sie dann ihren Spruch gefällt, so schrieben sie, sobald es Tag wurde, das Urteil auf eine goldene Tafel, und als Erinnerung machten sie diese samt ihren Gewändern zur Weihgabe." (Übers. nach Rudolf Rufener)


Bild-Quelle

1) Bild-Archiv Prof. Axel Hausmann (1939-2014); nach: Derselbe, "ATLANTIS WAR SIZILIEN - Vom Mythos zur Realität - Teil I", Atlantisforschung.de
2) Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Kretischer Stier