Vlaceslav Jurikov

Aus Atlantisforschung
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Atlantis bei den Liparischen Inseln?

Abb. 1 Die Liprischen bzw. Äolischen Inseln vor der Nordküste Siziliens. Der russische Wissenschaftler Vlaceslav Jurikov vermutet dort die einstige Lage von Atlantis.

(red) 1994 erklärte Vlaceslav Jurikov, seines Zeichens Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften, Atlantis habe in der Nähe der Liparischen Inseln (auch: Aeolische Inseln) (Abb. 1) gelegen, einer zu Italien gehörenden Gruppe von sieben Inseln vor der nordöstlichen Küste von Sizilien. Genauer gesagt sollen sich die Überreste der Atlanter-Metropole ca. 15 Kilometer entfernt vom Kap Peloro (Punta del Faro) in einer Tiefe von etwa 177 Meter unter der heutigen Oberfläche des Mittelmeers befinden. [1]

Die dort existierende Anhöhe habe einstmals noch oberhalb des Meeresspiegels gelegen und ein achtes Eiland der Inselgruppe dargestellt. Satellitenaufnahmen sollen anzeigen, dass alle diese Inseln - mit Ausnahme von Alicudi und Stromboli - auf einer gemeinsamen geologischen 'Unterwasserplattform' liegen, die den angrenzenden Meeresboden überragt. Etwa 70 Kilometer nördlich der Liparischen Inseln liegt der Marsili, der größte Unterwasservulkan Europas. Könnte ein gewaltiger Ausbruch dieses noch immer aktiven Vulkans die Ursache für das Ende des äolischen Atlantis gewesen sein? [2]

Jedenfalls stellt Jurikov Platons Angaben im Dialog Timaios infrage, dass Atlantis innerhalb nur eines Tages und einer Nacht vom Meer verschlungen und "den Blicken der Menschen entzogen" worden sei. Vielmehr geht er davon aus, es habe sich bei dieser Katastrophe um einen langsamer voranschreitenden Prozess gehandelt, was es seinen Bewohnern ermöglicht habe, sich in Sicherheit zu bringen und zu emigrieren. Wie Jurikov weiter annimmt, seien Flüchtlinge von Atlantis auch ins Gebiet der heutigen Ukraine gelangt, wohin sie auch das Symbol des Meeresgottes Poseidon, den Dreizack, mitbrachten, der heute das Landeswappen der Ukraine ziert. [3]

Was Lipari betrifft, die Hauptinsel des äolischen Archipels, so bleibt noch anzumerken, dass sie in der Vergangenheit auch mit dem sagenumwobenen Ogygia in Verbindung gebracht wurde, einer legendären Insel der griechischen Mythologie, die bisweilen mit Atlantis gleichgesetzt wird. [4] Zudem deutet sich auch ein Zusammenhang zwischen diesen Inseln und der geheimnisvollen Kultur von Caria in Kalabrien an. Unter den dort entdeckten, weiblichen Statuetten mit eigentümlichen Schriftzügen sollen sich auch einige Exemplare befinden, die aus Obsidian gefertigt wurden, der von den Liparischen Inseln stammt. [5]


Update, 21. Januar 2015

Atlantis bei den Liparischen Inseln - womöglich ein Hoax?

Abb. 2 Handelt es sich bei der oben beschriebenen Atlantis-Lokalisierung des >Vlaceslav Jurikov< womöglich um eine so genannte 'Internet-Ente'? Inzwischen liegen uns Erkenntnisse vor, die eine solche Annahme durchaus möglich erscheinen lassen.

(bb) Kurz nach der Veröffentlichung des obigen Beitrags erreichte uns eine Mitteilung unseres GUS-Korrespondenten und Redaktionsmitglieds Anatoliy Sauschkin aus der Ukraine, der weitere Recherchen zu Vlaceslav Jurikov und seiner gemeldeten Atlantis-Lokalisierung von 1994 angestellt hat. Sein bisheriges Fazit: Ein Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften namens Vlaceslav Jurikov scheint es nie gegeben zu haben. [6]

Zudem ist dort auch nichts über die 'liparische' Atlantis-Lokalisierung bekannt, die besagtem V. Jurikov zugeschrieben wird, und die eigentlich im russischen Sprachraum besser und umfassender dokumentiert sein sollte als im italienischen. Da bisher jedoch ausschließlich italienische Quellen mit den oben zusammengefassten, fragmentarischen Informationen festzustellen sind [7], auf die offenbar auch das Lemma Jurikov, Vlaceslav bei Atlantipedia Bezug nimmt, und zumal augenscheinlich auch der italienische Archäologe und Journalist Mauro Longo im Jahr 2011 vergeblich versucht hat, Vlaceslav Jurikov zu identifizieren [8], müssen wir nunmehr feststellen: Die Authenizität der oben dargestellten Atlantis-Lokalisierung ist durchaus in Frage zu stellen!

Zur definitiven Klärung der Frage, ob diese Story auf Fakten beruht, oder ob auch wir in diesem Fall zunächst auf einen unverfänglich gestalteten Internet-Hoax hereingefallen sind, werden wir nun weitere Recherchen anstellen. Auch unsere Leserinnen und Leser - unter ihnen gerade diejenigen mit Fremdsprachen-Kenntnissen - bitten wir dazu um Mithilfe. Sollten es die Ergebnisse dieser Nachforschungen notwendig machen, werden wir den voraus gegangenen Artikel entspechend umgestalten.


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Quellen: Tony O’Connell, Jurikov, Vlaceslav, 8. Juni 2010, bei: Atlantipedia.ie; sowie: Atlantide?? in Ucraina ;) (UNA RAGAZZA RUSSA IN ITALIA - la voglia di occidentale di noi ragazze russe), bei: blog exibart (beide abgerufen: 20. Jan. 2015)
  2. Quelle: o.A., "Veleggiando nel mare di Atlantide", bei: Sultan Yachting (abgerufen: 20. Jan. 2015)
  3. Quellen: Tony O’Connell, Jurikov, Vlaceslav, 8. Juni 2010, bei: Atlantipedia.ie; sowie: Atlantide?? in Ucraina ;) (UNA RAGAZZA RUSSA IN ITALIA - la voglia di occidentale di noi ragazze russe), bei: blog exibart (beide abgerufen: 20. Jan. 2015)
  4. Siehe dazu z.B. bei Atlantisforschung.de: Ferdinand Speidel, Plutarchs Ogygia - Aus Plutarchs „Moralia“ der Dialog „Von dem Gesicht auf der Scheibe des Mondes“
  5. Quelle: Domenico Canino, "IL MISTERO DEL SAURO DI GIRIFALCO", bei: EdicolaWeb.net (derzeit offline)
  6. Anmerkung: Am nächsten kommt diesem Namen nach A. Sauschkins Recherchen Vilen Andreevich Jarikov (Вилен Андреевич Жариков) (1926—2006). Jarikov war Mineraloge, Petrologe und Geochemiker, Staatspreisträger der UdSSR (1975), Mitglied der Akademie der Wissenschaften der UdSSR (1987, korrespondierendes Mitglied seit 1972), Doktor der geologisch-mineralogischen Wissenschaften (1966) und Direktor des Institut für Experimental Mineralogie der AW der UdSSR (Chernoglovka, Bezirk Noginsk, Gebiet Moskau). Bekannt wurde er durch seine Veröffentlichungen zur physisch-chemischen Theorie der Prozesse der Ausbildung von Mineralen, Gebirgsgesteinen und Erzen. Über irgendwelche atlantologischen Interessen oder Publikationen von Dr. Jarikov ist dagegen nicht bekannt.
  7. Anmerkung: Fast alle diese Quellen, die offenbar erst ab 2007 ins Web gestellt wurden, kolportieren lediglich das selbe Set von 'Basisinformationen'.
  8. Siehe: Mauro Longo, "L’Atlantide", 06. 06 2011, bei caponatameccanica.com

Bild-Quellen:

1) NormanEinstein bei Wikimedia Commons, unter: File:Aeolian Islands map.png (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Bild-Archiv Atlantisforschung.de