Atlantis-Kolonie Andalusien - Das Lebenswerk der Elena Maria Whishaw

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Abb. 1 Die Archäologin und Atlantisforscherin Elena Maria Whishaw (1857-1937)

(red) Die in England geborene Elena Maria (Ellen Mary) Williams y Windsor, viuda de Whishaw (1857-1937) gehörte zu den faszinierenden und herausragenden Forscherpersönlichkeiten der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die sich der Suche nach Spuren der Kultur von Atlantis verschrieben haben. Sie verbrachte, nachdem sie einen Berufskollegen, den Diplomaten und Archäologen Bernard Whishaw geheiratet hatte, den größten Teil ihres Lebens in ihrer andalusischen Wahlheimat. Gemeinsam mit ihrem Ehemann begründete sie die Escuela Anglo-Hispano-Americana de Arqueología de Niebla, deren Leitung sie nach seinem Tod übernahm.

Im Gegensatz zu den meisten Ihrer männlichen Atlantologen-Kollegen war "Doña Elena", wie sie von ihren spanischen Freunden und Nachbarn in ihrer Wahl-Heimatstadt Niebla genannt wurde, keineswegs auf eine Suche nach der legendären Atlanterhauptstadt fixiert, die aus ihrer Sicht unsinnig gewesen wäre: E. M. Whishaw war nämlich davon überzeugt, dass die Metropole mit dem Ursprungsland Atlantis, wie von Platon beschrieben, vor mehr als 10 000 Jahren im Atlantik versunken sei. Sie war vielmehr an den Spuren interessiert, die Forscher, Handelsreisende, Prospektoren und schließlich Kolonisten von Atlantis, ihrer Überzeugung nach, an den Westküsten Europas und Afrikas hinterlassen haben müssen. Dabei konzentrierte sie sich - als eine der ersten weiblichen Archäologinnen - auf deren wissenschaftliche Erforschung im iberischen Raum.

Sie schrieb 1928: "Ich zwinge niemand, meinen Schlussfolgerungen zu folgen: alles was ich sage ist, dass wir diese und jene Beweise für eine entwickelte Zivilisation haben, die hier mindestens seit 10 000 Jahren v. Chr. verbreitet war. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass in einer Periode, die zeitlich noch von der Wissenschaft bestimmt werden muss, diese Zivilisation durch Kolonisten von Atlantis implantiert wurde." [1] Whishaw nahm an, "dass Niebla schon vor 10 000 oder 12 000 Jahren als befestigter Binnenhafen von Atlantis aus kolonisiert wurde". und "dass Platos Bericht von Anfang bis Ende durch das bestätigt wird, was wir hier finden..." [2]

Abb. 2 Im Vordergrund ist das Fragment einer römischen Wasserleitung zu sehen, das aus dem Rio Tinto geborgen wurde. Dahinter und daneben sind Steinwerkzeuge zu erkennen, die entlang einer neolithischen Wasserleitung ausgegraben wurden.

Die Ergebnisse ihrer archäologischen Arbeiten, die sie 1928 in ihrem Meisterwerk "Atlantis in Andalucia" vorstellte, sind zum Teil so spektakulär, dass sie das konformistische Bild vom neolithischen ("jung-steinzeitlichen") Westeuropa weitgehend in Frage stellen. Die Archäologin konnte beispielsweise nachweisen, dass in Iberien schon seit dem Neolithikum [3] Gold, Silber und Kupfer abgebaut wurden. Spuren solch prähistorischen Bergbaus entdeckte sie u. a. am Rio Tinto [4] und bei der Stadt Niebla, deren prähistorische Relikte sie besonders eingehend untersuchte. "Dabei zeigt die Reihenfolge der Schlackeschichten, dass zuerst Gold, dann Silber und schließlich Kupfer gewonnen wurde", bemerkt Walter Schilling dazu unter Bezugnahme auf Whishaw, und er fügt hinzu: "...und zwar mit einer Sorgfalt, Professionalität und Geschicklichkeit, die den sehr viel späteren Aktivitäten der Römer deutlich überlegen war. Untersuchungen der steinzeitlichen Schlacke haben ergeben, dass die Schmelzprozesse bis zur vollständigen Extraktion der wertvollen Metalle betrieben wurden und spezifisch auf die einzelnen Erze zugeschnitten waren. [5]

Zusammen mit der Genauigkeit, die beim Vorbringen der Grabungsstollen angewandt wurde, lässt dies auf eine hohe Organisation des Erzabbaus schließen. Die auf einem Plateau am Rio Tinto gelegene und stark befestigte Siedlung Niebla war in diesem Zusammenhang der wichtigste Umschlagplatz für den Transport der wertvollen und begehrten Metalle während der Blütezeit der Atlantischen Megalithkultur, also zwischen 3000 und 2700 v. Chr. Bis zu dieser Siedlung wurden die Lasten mit Eseln auf den Trampelpfaden entlang des Rio Tinto transportiert, dort auf Boote umgeladen und - wie es in einer bis heute in Niebla tradierten Legende heißt - den Fluß hinab zum Meer und dann nach Westen gebracht. [6] [...] Wie bedeutsam die Siedlung Niebla während der Blütezeit der Atlantischen Megalithkultur war, geht auch aus der Größe des Hafens hervor. Die Reste des 300 Meter langen und dreißig Meter breiten Hafen und der Bootsanlegestelle sind noch heute sichtbar." [7]

Abb. 3 Die Dame von Elche (Alicante), angeblich 450-400 v. Chr., im Archäologischen Nationalmuseum, Madrid. Ein Relikt der späten libysch-tartessischen Zivilisation? (Foto: M. Laguillo)

In Niebla, aber auch bei der Stadt Ronda (in der Provinz Malaga), fand Whishaw sogar die Überreste hydraulischer Pumpwerke zur Be- und Entwässerung bei Landwirtschaft und Bergbau, die ebenso als ingenieurtechnische Meisterleistungen gelten dürfen, wie die megalithischen Gebäude- und Mauerreste sowie die Überbleibsel ausgedehnter, künstlicher Kanalsysteme (u.a. eine unterirdische Wasserleitung, die von Niebla aus bis zu einer ca. 5 Kilometer entfernten Quelle reicht).

Immer wieder stieß die Archäologin auf solche Überreste einer weit prähistorischen, hispano-afrikanischen Zivilisation, die sie als "libysch-tartessische Kultur" bezeichnete. Der Atlantologie-Historiker und -Kritiker Lyon Sprague de Camp vermerkt dazu: "Sie erfuhr zum Beispiel, daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts, in einer neolithischen Grabhöhle, die in der Provinz Granada als >die Höhle von Bats< bekannt war, zwölf Skelette entdeckt wurden, in einem Kreis um das Skelett einer Frau sitzend, die mit einer Ledertunika bekleidet war. Am Eingang der Höhle waren drei weitere Skelette gefunden worden, eines davon trug eine Krone und war in eine Tunika von feingewebtem Spartogras gehüllt.

Neben den Skeletten lagen [...] Taschen, die verkohlte Nahrungsmittel enthielten. Andere Taschen waren angefüllt mit Mohnkapseln, Blumen und Amuletten. Mohnkapseln lagen auch über den ganzen Boden der Höhle verstreut. Unter einer Anzahl anderer Fundobjekte waren einige kleine Tonscheiben, die von Archäologen als Halskettenornamente identifiziert wurden. Sie hatten etwas mit dem Sonnenkult zu tun. Dieselben waren auch im Hafen von Niebla und einer Baugrube in Sevilla gefunden worden. Es wurde angenommen, daß es sich bei den aufgefundenen Skeletten um eine königliche Familie und deren Dienerschaft gehandelt hat, die aus irgendeinem Grund Massenselbstmord durch den Verzehr von Opium beging." [8]

Sprague de Camp weiter: "Mrs. Whishaw konnte noch andere Beispiele für die Wahrscheinlichkeit ihrer libysch-tartessischen Kultur anführen, wie den Fund eines neolithischen Gefäßes, das bei Sevilla entdeckt wurde und mit dem Bild einer Frau verziert war, die genauso gekleidet war wie die in der Höhle von Bats und mit zwei libyschen Kriegern kämpfte. Ferner konnte sie auf spanische Bräuche der heutigen Zeit verweisen, die auf eine alte matriarchalische Gesellschaftsstruktur wie die der Berber hindeuten. Sie argumentierte, Tartessos sei nicht, wie Schulten annahm, Atlantis gewesen, sondern eine Kolonie von Atlantis - von Platos Atlantis, einer versunkenen Insel." [9]

Im deutschen Sprachraum ist über E.M. Whishaw und ihr archäologisches sowie atlantologisches Lebenswerk bisher leider kaum etwas bekannt. Nicht zuletzt aus diesem Grund bemühen wir uns derzeit auch um redaktionelle Kontakte zu Atlantologen in Spanien. Außerdem päsentieren wir bei Atlantisforschung.de demnächst erstmals Auszüge aus ihrem Hauptwerk "Atlantis in Andalusien" in einer deutschsprachigen Übersetzung.

Team Atlantisforschung.de


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

Abb. 4 Das Frontcover des Reprints von Elena Maria Whishaws ausgesprochen bemerkenswertem Buch aus dem Jahr 1928
  1. Quelle: E. M. Whishaw, "Atlantis in Spain", Adventures Unlimited Press, USA 1997 (Reprint von: 'Atlantis in Andalusia', 1928), S. 8
  2. Quelle: ebd., S.7
  3. Anmerkung: Spätesten seit dem frühen 3. Jahrtausend vor der Zeitenwende, d.h. deutlich vor der Ankunft der ersten Indoeuropäer in dieser Region!
  4. Anmerkung: Bemerkenswert ist auch, dass Frau Whishaw am Rio Tinto massive Spuren industrieller Umweltverschmutzung (z. B. Schlackeablagerungen) aus weit prähistorischer Zeit nachweisen konnte. Offenbar war der Fluss aufgrund der enormen Bergbautätigkeit an seinen Ufern bereits zu Beginn des 3. Jahrtausend v. Chr. völlig verschmutzt und vergiftet.
  5. Anmerkung. Schilling bezieht sich hier auf: Elena M. Whishaw, a.a.O., S. 12 und 122
  6. Anmerkung: Schilling bezieht sich hier auf: Elena M. Whishaw, a.a.O., S. 21
  7. Quelle: Walter Schilling, "Atlantis - Die letzten Geheimnisse einer versunkenen Welt", Rottenburg, 2010, S. 144
  8. Quelle: L. Sprague de Camp, "Versunkene Kontinente", München 1977, S. 210
  9. Quelle: ebd., S. 210, 211

Bild-Quellen:

1) Excma Diputación Provincial de Huelva, unter: Dª Elena Whishaw, founder of the Anglo-Hispanic-American archaeology school of Niebla (Huelva) (Seite nicht mehr online)
2) E. M. Whishaw, Atlantis in Spain, S. 69
3) France Diplomatie, unter: http://www.france.diplomatie.fr/culture/culture_scientifique/archeologie/iberes/zoom/photo02.html (Seite nicht mehr online)
4) Adventure Unlimited Press / Bild-Archiv Atlantisforschung.de