Atlas

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Definition

Abb. 1 Der Titan Atlas stemmt die Erdkugel. Die- ses weit verbreitete Kli- schee ist mythologisch un- korrekt: eigentlich stützte er das Himmesgewölbe.

I. Mythologie / Atlantologie: In der hellenischen Mythologie war Atlas (gr. "Träger") eine wichtige Sagengestalt. Er galt als Sproß aus dem Geschlecht der Titanen, einem älteren Zweig der griechischen Gottheiten, welcher von Zeus und seinen Olympiern sowie ihren Hilfstruppen bei ihrer Machtergreifung überwunden wurde. Seine 'Familienverhältnisse' erscheinen kompliziert: Nach Hesiod war Atlas (Atlante) der Sohn des Titanen Iapetus, und Homer nennt die Okeanide (Meeresnymphe) Klymene seine Mutter. Nach anderen Quellen soll ihn die Titanin Themis zur Welt gebracht haben, und seine Brüder waren Menoitios, Prometheus und Epimetheus. Nach Platon (Kritias 113e-114a) war er dagegen der älteste Sohn des Gottes Poseidon und der Sterblichen Kleito sowie erster Herrscher von Atlantis.

Ähnlich unklar war offenbar auch sein Eheleben. So war er nach der hellenischen 'Mainstream-Mythologie' sowohl der Gatte der Pleione, einer Tochter des Okeanos und der Thetys, mit der er sieben Töchter - die Atlantiden oder Plejaden - zeugte, aber auch Ehemann der Hya, einer anderen Tochter des Okeanos, die ihm weitere Töchter, die Hyaden, schenkte. Zudem soll er der Vater der Hesperiden, des Hyas und des Hesperos gewesen sein, während letzterer anderen Angaben zufolge sein Bruder war. Nachkommen des Atlas sollen auch Hermes und dessen Sohn Hermaphroditus gewesen sein, die so genannten Atlantiaden. Bei Platon heißt es zu Atlas´ Nachwuchs lediglich, dass von ihm "ein zahlreiches, auch in seinen Gliedern hochangesehenes Geschlecht" abstamme. (Kritias 114d)

Atlas soll der Besitzer des 'Gartens der Hesperiden' gewesen sein. Dort, an den Hängen des Atlas-Gebirges (Abb. 2) wuchs ein Baum, der goldene, ewiges Leben schenkende, Äpfel trug. Außerdem wurde Atlas bisweilen auch als ein, im Westland herrschender, legendärer Hirten-König beschrieben, der ein Experte für die Tiefen des Ozeans war und sich als erster mit den Geheimnissen der Himmelkunde befasste. In den Gigantomachien soll Atlas seine titanischen Brüder im Kampf gegen Zeus angeführt haben und nach dessen Sieg dafür bestraft worden sein, indem er dazu verurteilt wurde, künftig das Himmelsgewölbe mit einen Schultern zu stützen. Auf diesen Mythos greift auch der Sagen- und Legendenzyklus um den Helden Herakles zurück.

Abb. 2 An den westlichen Ausläufern des Atlas-Ge- birges und den Gestaden des 'Atlantis-Meeres' (At- lantik) lag nach Meinung vieler Hellenen das 'Ende der Welt'.

Die elfte von zwölf "herkulischen" Aufgaben, die dieser für den verschlagenen König Eurystheus bewältigen musste, bestand nämlich darin, die goldenen Äpfel aus Atlas´ Garten zu stehlen, welche die Göttin Hera (die Gemahlin des Zeus) den Hesperiden anvertraut hatte. Da sie ihnen jedoch kein volles Vertrauen schenkte, ließ sie diese Pretiosen zusätzlich durch den Drachen Ladon bewachen. Herakles bat nun Atlas, für ihn die Äpfel zu holen und bot ihm an, in der Zwischenzeit statt seiner den Himmel zu tragen. Atlas, froh darüber, seine Last für eine Weile los zu werden, willigte gerne ein.

Nachdem er den Drachen getötet hatte, übernahm Herakles die Titanenlast und Atlas schaffte wirklich drei der goldenen Früchte heran, zeigte jedoch, berauscht von seiner wiedergewonnenen Freiheit, keine Neigung, dem Helden den Himmel wieder von den Schultern zu nehmen, sondern wollte sie nun selbst zu König Eurystheus bringen. Der listige Herakles gab scheinbar klein bei, erbat von Atlas jedoch den Gefallen, dieser möge die Last noch einmal für einen kurzen Moment übernehmen, damit er es sich für diese Aufgabe etwas bequemer machen könne. Der Titan ließ sich täuschen, nahm den Himmel wieder auf seine Schultern, und musste zusehen, wie Herakles triumphierend mit seiner Beute von dannen zog.

Abb. 3 Mit der Abbildung des Titanen Atlas auf dem Titelblatt seines Karten- werks von 1595 prägte Gerhard Mercator den heute geläufigen Begriff.

Auch der Held Perseus wird mit Atlas in Verbindung gebracht. Nachdem er bei seiner sagenhaften Eroberungsreise in den fernen Westen der schlafenden Gorgone Medusa das Schlangenhaupt abgeschlagen und als Trophäe mitgenommen hatte, gelangte er bei seinem Rückzug nach Süden zunächst zum Palast des Königs Atlas, wo er jedoch keine gastliche Aufnahme fand. Erzürnt hielt Perseus dem Herrscher darauf das abgeschlagene Gorgonenhaupt entgegen, worauf dieser versteinerte und in einen riesigen Felsen verwandelt wurde.

Aus euhemeristischer Sicht (vergl. Stichwort: Euhemerismus ) weisen alle diese sagenhaft-legendären Erzählungen darauf hin, dass es sich bei Atlas - und seinen Söhnen bzw. Töchtern - um Personifizierungen von geographischen sowie topographischen Gegebenheiten (Inseln und Ländern), aber auch Völkern handeln kann, die sämtlich mit dem (aus proto-hellenischem Blickwinkel) fernen, atlantischen Westen Afro-Europas zu tun haben, und bereits in protoantiker Zeit mehr und mehr mythisiert wurden. Insgesamt lassen sie auf ein später verloren gegangenes Wissen alt-mediterraner Völker zur Geographie des atlantischen Großraums schließen.


II. Geographie: Nach dem mythischen König Atlas (siehe oben) benannt sind auch das 'Atlantis-Meer' (der Atlantik) sowie die Gebirgskette im nordwestlichen Afrika, welche - frühantiker Auffassung folgend - das Ende der (bekannten) Welt und den Ort darstellte, wo der, den Himmel stützende, Titan gestanden haben soll.


III. Kartographie: Als Atlas bezeichnet man ein Kartenwerk oder eine Kartensammlung. Die Benennung kartographischer Sammlungen als Atlas erfolgte bereits im 16. Jahrhundert, und wurde zunächst für gebundene Land- und Himmelskarten verwendet; sie spielt vermutlich auf den mythischen 'Himmelsstützer' als Verbindungsglied zwischen Himmel und Erde sowie auf Atlas als 'Erfinder der Himmelskunde' an (s.o.). So findet sich etwa auf der Titelseite des bekannten, gebundenen Kartenwerks von Gerhard Mercator aus dem Jahr 1595 eine Abbildung des Titanen als Träger der Erdkugel (Abb. 3), eine mythologisch unkorrekte Variation des 'Himmelsträger'-Motivs, die sich vermutlich aufgrund ihrer größeren Symbolhaftigkeit und Anschaulichkeit allgemein durchsetzte. Später wurde die Bezeichnung Atlas auch auf Sammlungen von Seekarten, geschichtliche Tabellen mit erläuternden Kartenwerken sowie auf Kartenwerke angewendet, auf denen sich Abbildungen von Schiffen und Flaggen, Festungen und Straßen befinden.


Quellen

1. Bilder-Conversations-Lexikon für das deutsche Volk - Ein Handbuch zur Verbreitung gemeinnütziger Kenntnisse und Unterhaltung - in vier Bänden. Erster Band. A-E. Leipzig. F.A. Brockhaus, 1837

2. Wikipedia - Die freie Enzyklopädie

3. MythenWiki - DAS MYTHENLEXIKON


Bild Quellen

(1) Die Söhne von Perseus

(2) Wikimedia Commons, online unter: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Atlas_(Gebirge).png

(3) Museum Wiesbaden und Hessische Landesbibliothek Wiesbaden: wissensbild.de, Mit Bildern Wissen schaffen - Kleine Geschichte der Naturillustration