Bilau als Atlantida-Exeget

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Abb. 1 Kurt Bilau betrachtete Platons Atlantis-Überlieferung vor allem als geophysikalischen Bericht über kataklysmische Ereignisse, bei denen auch eine atlantische Großinsel auf dem Mittelatlantischen Rücken vernichtet wurde.

(bb) Kommen wir nun kurz zu Kurt Bilau´s Atlantida-Exegese (vergl. dazu: Die Atlantida-Exegese - zentrales Instrument der Atlantisforschung). Der an anderer Stelle [1] vom Verfasser geäußerte Verdacht, Bilau habe sich hier womöglich bei seiner Exegese des Atlantis-Berichts von politisch-ideologischen Motiven leiten lassen ("Die Staatsgeschäfte wurden [auf Atlantis] nach dem Führerprinzip von einem Kanzler, unterstützt von Ministern, und einem Staatsrat geführt."), findet bei der Betrachtung seines Buches von 1935 keine neue Nahrung.

Aus dem Wenigen, was Bilau uns dort zu seiner Analyse und Interpretation des Atlantisberichts verrät, lassen sich darüber hinaus nur begrenzte Schlüsse ziehen. Während er in seinem (nur 76-seitigen) Atlantis-Bändchen der Exegese der Offenbarungen Daniels und Johannis immerhin 16 Seiten einräumt, 'verschwendet' er lediglich gut vier Seiten auf eine höchst fragmentarische Untersuchung der Atlantida, wozu er lakonisch bemerkt: "Ich möchte hier der Kürze halber nicht die ganze Veröffentlichung der Solonischen Aufzeichnungen durch Plato (Abb. 1) bringen, es lohnt aber, diese in den Gesprächen mit Kritias und Timaios erhaltenen Berichte, die in Übersetzungen zu haben sind, selbst nachzulesen." [2]

Bilau bedauert zudem, dass in seinem Buch "leider nicht auf die hochinteressante kulturelle Seite des Atlantisberichts eingegangen werden" kann und wir finden dort auch nur einige gedrängte Hinweise auf die von ihm vermutete rote Urkultur im Spiegel des Atlantisberichts. (Vergl.: Die Kultur des roten Gürtels von Peru bis Babel von Kurt Bilau) Erkennbar wird jedoch: auch im Bereich der Atlantida-Exegese arbeitet Bilau u.a. mit vagen und diffusen Analogien. Dies wird beispielsweise deutlich, wenn er zunächst feststellt, "daß die erste Königin [eigentlich: menschliche Urahnin des Herrschergeschlechts von Atlantis] Leukippe, die Frau auf dem weißen Pferd hieß", um daraus zu folgern: "Wer denkt da nicht an die Walküren und die weiße Frau der Germanen, die hvitta kvinna. Irgendeine Berührung muß da schon stattgefunden haben." [3]

Die astrophysikalischen Aspekte des Atlantis-Berichts (vergl.: Tim. 22c-22e) sowie der biblischen 'Offenbarungen Johannis' betrachtet er ausschließlich aus dem Blickwinkel der 'Welteislehre'. In diesem Sinne deutet er die beschriebenen Himmelserscheinungen und Phänomene im Zusammenhang mit dem von ihm vorausgesetzten Vorgang des "Mondeinfangs" und dem Sturz der Fragmente lunarer Kleinmonde auf die Erde: "Es ist ganz selbstverständlich, daß die Astronomen von Atlantis genau Berichte über das Näherkommen der Luna und dem Niederbruch der kleinen Lunamonde niedergeschrieben haben, bis dann die Riesenkatastrophe eintrat, die zur Überflutung führte. Wie heute wird man die Observatorien hoch in den Bergen angelegt haben, so daß die Beobachter und ihre Berichte gerettet wurden, um noch 9000 Jahre später in heiligen Tempelbüchern weiterzuleben." [4]

Nur undeutlich zeichnet sich ab, dass Bilau die atlantische bzw. atlantidische Geschichte nicht auf die Periode bis zum Untergang der Atlantis-Großinsel verengt, der von ihm auf die Zeit um 9400 v. d. Zeitenwende reduziert wird, sondern dass das Ende der alten Kultur im Mittelmeerraum erst mit dem Einbruch der 'Indogermanen' in Europa ("weißer Keil") besiegelt wird. Auch hier finden sich zumeist nur Andeutungen: "Es kann hier leider nicht auf die hochinteressante kulturelle Seite des Atlantisberichtes eingegangen werden noch auf den Feldzug des Feldherrn Herakles gegen die Atlanter, die er trotz Abfalles seiner Bundesgenossen über Gibraltar wieder auf ihre Insel zurückdrängte, die dann bald danach vom Meere überflutet wurde. An dem O s t i u m, wo Herakles die Atlanter zurückschlug, wurden ihm Altäre gesetzt." [5]

Leider unterscheidet Bilau nicht zwischen dem so genannten "älteren Herakles" (dem nachgesagt wurde, er habe einst mit seiner Keule urzeitliche Monstren ausgerottet) oder den "jüngeren Herakles" der hellenischen Sagenwelt [6]; der Logik seines zivilisations-geschichtlichen Konzepts des "roten Gürtels" und des "weißen Keils" folgend, muss jedoch der späte, protohellenische Heros gemeint sein. Jedenfalls wird erkennbar, dass Bilau 1935 bereits davon ausging, der Atlantisbericht nach Solon und Platon umfasse tatsächlich eine erzählte Zeit von etwa 10 000 Jahren.


Fortsetzung:

Bilau und Hörbiger´s WEL (bb)


Anmerkungen und Quellen

  1. Siehe: Bernhard Beier, Kurt Bilau: Der 'Flügelmajor' und Atlantis, Teil II, Kurt Bilau´s Beschäftigung mit Atlantis, der Nationalsozialismus und der Ario-Atlantismus
  2. Quelle: K. Bilau, "Die Offenbarungen Johannis - Ein Mondniederbruch vor 11 400 Jahren", Luken und Luken, Berlin, 1935, S. 51
  3. Quelle: ebd., S. 50-51 --- Anmerkung: Bilau übersieht die weitaus wesentlichere Implikation der Übersetzung des Namens Leukippe: Die atlantidische Urbevölkerung nutzte, wenn wir der platonischen Überlieferung folgen, offenbar das Pferd als Reittier! Außerdem deutet der Name "Frau auf dem weißen Pferd" an, dass Pferde in der Kultur dieser Urbevölkerung einen besonderen Stellenwert innehatten.
  4. Quelle: ebd., S. 52
  5. Quelle: ebd., S. 53-54
  6. Anmerkung: In jedem Fall ist Bilau´s Annahme, bei "Herakles" habe es sich um EINE historische Persönlichkeit gehandelt, aus moderner euhemeristischer Sicht (vergl.: Stichwort: Euhemerismus) kaum haltbar. Wahrscheinlicher erscheint, dass mehrere prähistorische Heldengestalten (möglicherweise in zwei chronologisch differenzierbaren Gruppen) in dieser Legende miteinander verschmolzen. Darüber hinaus ist nicht einmal sicher, ob es sich bei der Herakles-Legende um eine Erfindung der Proto-Hellenen, oder um eine Adaption aus anderen alt-mediterranen Kulturen handelte. Der eine oder andere "Herakles" könnte also durchaus auch Ägypter oder Libyer gewesen sein!


Bild-Quellen

(1) Rechts: http://www.mat.usach.cl/histmat/html/plat.html