Bilau und Hörbiger´s WEL

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Abb. 1 Gehörte der Homo sapiens bereits zu tertiären Fauna? (Bild) Während die Annahme des "Tertiär-Menschen" fester Bestandteil der Hörbiger´schen 'Welteislehre' war, verwarf Kurt Bilau diese Vorstellung unter Verweis auf fehlende archäologische Evidenzen.

(bb) Weitere interessante Details ergeben sich bei der Lektüre von Kurt Bilau´s Atlantis-Buch zu seinem Verhältnis zur Welteislehre von Hanns Hörbiger, die, wie wir bereits wissen, prägend für sein katastrophistisches Welt- und Geschichtsbild war. (Vergl. dazu: Kurt Bilau und Hanns Hörbigers Welteislehre - WEL; d. Red.) Wie schon in unserer einleitenden Betrachtung bemerkt, "war Bilau offenbar ein Anhänger, aber keineswegs ein gläubiger Jünger Hörbiger´s und dessen Lehre, die er recht offensiv als 'Schützenhilfe' für sein eigenes Atlantis-Szenario benutzte und auf deren Basis er auch interdisziplinäre Überlegungen anstellte." [1] Diese Feststellung findet ihre Bestätigung in seinen eigenen Aussagen von Ende 1934 (Publikation 1935).

So formuliert er schon im Vorwort von 'Die Offenbarungen des Johannis - Ein Mondniederbruch vor 11 400 Jahren' diplomatisch: "Die Kenner der Welteislehre werden in meinen Ausführungen einige im Verhältnis zur Größe der Hörbigerschen Gesamtidee unbedeutende Abweichungen finden, die durch Resultate neuerer Forschung geboten waren." [2] Tatsächlich gehen Bilau´s Abweichungen von Hörbigers Lehre deutlich über "unbedeutende Abweichungen" hinaus. Dies gilt nicht nur für Modifikationen bei der vermuteten Entstehung des solaren Planetensystems, sondern vor allem für den Bereich der menschheitsgeschichtlichen Entwicklung.

Bilau schreibt dazu: "Die Anhänger der Welteislehre nehmen an, daß es Tertiär- und womöglich Sekundär-Menschen gab. Wenn das aber der Fall wäre, so hätte man neben den Resten von Tertiärtieren (Abb. 1) fast aller auch heute noch lebenden Arten auch den Menschen angetroffen. Am Ausgang des Tertiärs finden wir aber als Primaten nur eine kleine Affenart vor. Selbst wenn man annimmt, daß die Toten verbrannt wurden, so müssen doch Menschen gelegentlich den wilden Tieren zum Opfer gefallen sein, oder sie werden auf Urwaldwanderungen einsam eines plötzlichen Todes gestorben sein, so daß niemand sie bestatten konnte. Neben den unzähligen Tieren müßte doch wenigstens ein einziger fossiler Tertiärmensch gefunden sein [3], zumal die Tertiärzeit über fünfzig Millionen Jahre dauerte. [...] Der Traum vom Tertiärmenschen ist damit ausgeträumt." [4] (Vergl. dazu: Der steinerne Kalender der Präincas am Titicacasee von K. Bilau)

Ähnlich wie bei seiner persönlichen Einschätzung Hitler´s (vergl: Kurt Bilau´s Beschäftigung mit Atlantis, der Nationalsozialismus und der Ario-Atlantismus), zeigte Bilau auch in Bezug auf Hörbiger eine ungeheure Naivität, indem er seine eigene Kritikfähigkeit auf den Schöpfer der WEL projizierte: "Hörbiger würde es, wenn er noch lebte, als erster verstehen, wenn ich hier und da von seiner Meinung abweichen mußte. Kein Bekämpfer des Schuldogmas wird für sich selbst ewige dogmatische Rechte beanspruchen. In diesem Sinne richte auch ich an alle meine Leser, die wirklich ihre gottgegebene Vernunft walten ließen, die Bitte, mich zu korrigieren, wenn sie glauben, bessere Einsichten gewonnen zu haben. Ich habe die Absicht, das IGNORAMUS ET IGNORABIMUS ["wir wissen´s nicht und werden´s auch nie wissen"; d. Red.] nach besten Kräften beseitigen zu helfen; aber irren ist natürlich menschlich." [5]

Abb. 2 Während die "wissenschaftliche" Mainstream-Astronomie noch Mitte der 1930er Jahre an der Theorie vulkanischer Bildung der lunaren Ring-Gebirge festhielt, hatten Laienforscher aus dem Bereich der "unwissenschaftlichen" WEL sie bereits zutreffend als Zeugen gewaltiger Impakt-Ereignisse identifiziert.

Tatsächlich scheint Hörbiger jedoch ein egomanischer Starrkopf gewesen zu sein, der auf Kritik geradezu allergisch reagierte, durchaus "dogmatische Rechte" für sich in Anspruch nahm ("Entweder Sie glauben an mich oder sie müssen als Feind behandelt werden!"), und Bilau´s höflich formulierten Revisions-Ansatz vermutlich mit einem cholerischen Anfall quittiert hätte (vergl. dazu z.B.: Eine theoretische und historische Betrachtung von Hörbigers Glazialkosmologie von Louis Pauwels und Jaques Bergier). Bilau verstand die WEL jedenfalls nicht als Ideologie oder Heilslehre, sondern als alternatives wissenschaftliches Konzept. Dass die universitäre Astronomie Anfang bis Mitte der 1930er Jahre durchaus reif für Paradigmenwechsel war, macht Bilau´s Erwähnung einiger Details zu den astronomischen Kontroversen seiner Zeit deutlich.

Offenbar erwiesen sich die meisten Berufs-Astronomen damals angesichts der Fülle neuer Erkenntnisse als unfähig, sich von widerlegbaren aber lieb gewonnenen Anschauungen zu trennen. Diese, wissenschafts-psychologisch und -soziologisch erklärbare, Erkenntnis-Resistenz der Himmelskundler, die wir auch aus anderen Fachwissenschaften (etwa der Anthropologie, Ethnologie, Erd- und Geschichtswissenschaft) kennen, führte etwa im Bereich der Mondforschung zu einer Situation, in der die Szene der "Profi-Forscher" fast uni sono antiquierte und gänzlich unhaltbare Positionen zur Bildung der lunaren Ringgebirge (Abb. 2) verteidigte, wogegen nonkonformistische "Laienforscher" - vor allem Anhänger der WEL - mit den Evidenzen auf ihrer Seite 'Sturm liefen'.

Über die Haltung der Profis in dieser Kontroverse schreibt Bilau: "Man hat sich so festgefressen in der Idee, auf dem Monde zahlreiche vulkanische Krater sehen zu sollen, daß man diese jahrhundertealte Vorstellung nicht kampflos aufgeben will. Gewiß ist es für die in den alten Ideen groß gewordenen Wissenschaftler recht schwer, ihre Anschauungen, ihr ganzes Studium, ihr ganzes Leben und Denken erfüllen, so einfach über Bord zu werfen, um ganz von neuem anzufangen." [6]

Und zur Gegen-Position heißt es später bei ihm: "Fauth-München ist der beste Mondkenner. Hat er doch seit Jahren die Mondoberfläche genau studiert und weiß darauf so Bescheid, wie wir etwa eine Straßenkarte unserer Heimatstadt kennen. Kein Winkel, keine Ecke und keine Absonderlichkeit ist Fauth verborgen geblieben. Daß die großen Ringgebirge auf dem Mond vulkanischer Natur sein sollen, behauptet nur noch ebenso hartnäckig wie unbewiesen die zünftige Wissenschaft, und das, obgleich Milankovich, einer aus ihren Reihen, bereits das Gegenteil nachgewiesen hat." [7]

Bilau argumentiert weiter: "Schon der Durchmesser der sogenannten Krater läßt es nicht zu, von Vulkanen zu reden. Die Ringgebirge haben 100 und mehr km Durchmesser, so daß beim Blick von einem zum anderen Rand es Ringes die Mondwölbung teilweise dazwischenlegt. Die Abkühlungsgeschwindigkeit der Lava und ihre Erstarrungstemperatur sind genau bekannt. Es ist einfach ausgeschlossen, daß Lava sich 50 km und mehr mit der Dünnflüssigkeit des Wassers fortbewegt, zumal dann, wenn die Umgebungstemperatur unter -150° liegt." [8] Offenbar haben wir es hier mit einem Einzel-Problem zu tun, auf das bezogen die 'Hörbigeristen', objektiv gesehen, wissenschaftlicher argumentierten als die meisten professionellen Mainstream-Astronomen!

Sobald aber Fachwissenschaftler ihre Arbeit höchstselbst zur 'Pseudo-Wissenschaft' degradieren, indem sie sich sklavisch an überholten Lehrmeinungen festklammern (vergl. dazu auch: Farewell, Clovis! - Vom langsamen Sterben eines Paradigma), kann es kaum verwundern, wenn so genannte "Laien" und "Häretiker" aus den eigenen Reihen dort mehr oder weniger brauchbare Alternativ-Konzepte und Ideengebäude entwickeln, wo die 'Profis' - um es deutlich zu formulieren - kläglich v e r s a g t haben. Selbst, wenn diese alternativen Ideen-Gebäude sich (wie die WEL) später als insgesamt unhaltbar erweisen, so können sie doch in einzelnen Details stimmig und den konventionellen Lehrmeinungen überlegen sein.

Abgesehen davon sind auch einige, vom Bilau angesprochene, astronomische Anomalien noch heute interessant, wenn man sie aus dem Kontext der WEL herausgelöst betrachtet. Auch wenn dies nicht von atlantologischem Interesse ist, seien hierzu kurz die bei ihm erwähnten "2 dunklen Monde" der Erde angesprochen, "die tatsächlich zu existieren scheinen. Der eine dieser Monde oder Mondreste hat schon den Namen >Lilith< bekommen und 3 Astronomen (Leuwenbrook, Pickering und Flagstaff) wollen ihn vor der Erdscheibe gesehen und sogar seine Bahn berechnet haben. Am 24. 5. 1926 wurde er zuletzt von einem Liebhaberastronomen in einem 56fach vergrößernden Fernrohr 36 Sekunden lang gesehen.

Nach seinem Austritt aus dem Monde wurde er plötzlich eisgrau und verlor sich plötzlich im Dunkel des Erdschattens. Immer wieder taucht auch der [...] dritte >schwarze Mond< auf, der seit dem 2. 9. 1618 bereits 23 mal beobachtet wurde, zuletzt am 4. 2. 1898 von 2 deutschen Orten aus und von dem deutschen Astronomen Walthemath sogar berechnet worden sein soll. Der fleißige Datensammler E. Georg berichtet darüber genauer in Heft 11/1934 der Zeitschrift für Welteislehre." [9]


Anmerkungen und Quellen

  1. Quelle: Bernhard Beier, Kurt Bilau: Der 'Flügelmajor' und Atlantis, Teil III,Kurt Bilau und Hanns Hörbigers Welteislehre - WEL, Atlantisforschung.de
  2. Quelle: Kurt Bilau, "Die Offenbarungen Johannis - Ein Mondniederbruch vor 11 400 Jahren", Luken und Luken, Berlin, 1935, S. 6
  3. Red. Anmerkung: Zu mutmaßlichen oder tatsächlichen archäologischen Anomalien und umstrittenen Funden von Human-Relikten in tertiären und sekundären Schichten in Nordamerika siehe z.B.: Krypto-archäologische Funde in Nordamerika sowie Der Hammer von London, Texas, Der kambrische Schuhabdruck von Antelope Spring, Der gravierte Stein aus Lehigh, Iowa und Krypto-archäologische Funde in Heavener, Oklahoma von Bernhard Beier. Zu vergleichbaren Anomalien in Europa: Pliozäne Skulpturen oder ein Gag der Natur? von William R. Corliss, und Atlantis in Frankreich? - Eine primhistorische Reise durch die französische Urgeschichte von Bernhard Beier
  4. Quelle: K. Bilau, op. cit., S. 35
  5. Quelle: ebd., S. 75-76
  6. Quelle: ebd., S. 6
  7. Quelle: ebd., S. 19
  8. Quelle: ebd., S. 21
  9. Quelle: ebd., S. 26

Bild-Quellen:

1) Alfons Baier, "Von Wolkenschichten, Wärmespeichern und Vulkanen (einige Aspekte zur "Klimakatastrophe")", unter: mitteleuropäische Landschaft im Tertiär; umgezeichnet n. British Geological Survey. (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)
2) Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Ringgebirge