Christine Pellech: Die Argonauten (Rezension)

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Dr. Christine Pellech, DIE ARGONAUTEN - Eine Weltkulturgeschichte des Altertums, 2. Auflage, 2011, Greiz (Buchverlag König), 324 S., Paperback, ISBN 978-3-939856-95-5



Eine Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (2011/12)

Abb. 1 Das Front-Cover des 2011 in zweiter Auflage veröffentlichten Werkes Die Argonauten der Wiener Privatforscherin Dr. Christine Pellech

Bei der Verfasserin dieses höchst anregenden Buches handelt es sich um die Herausgeberin des Journals MIGRATION & DIFFUSION (2000 - 2005), das sich heute, weiter publiziert im Internet, unter der Webseite migration-diffusion.info lebhaftesten Zuspruchs von kulturdiffusionistisch interessierten Forschern auf aller Welt erfreut. Sie ist also mit der Kulturdiffusionismus-Isolationismus-Kontroverse bestens vertraut, und sie sieht, wie auch der Rezensent, aufgrund dieses Vertrautseins, die Isolationisten in einer hoffnungslosen Verlierer-Position. In diesem Buch nun (wie auch schon in einigen Vorgänger-Publikationen) greift Pellech erneut ihr Lieblings-Spezialthema auf: ob und inwiefern nämlich sich hinter diversen Reiseberichten des Altertums (Odyssee, Argonauten...) nicht in deren Urform Berichte über alte, weit prähistorische Weltumseglungs-Unternehmen verbergen, die aber von den antiken Hochkulturen falsch gedeutet wurden, weil man inzwischen vom einst gehabten "kopernikanischen" Weltbild wieder zurück auf eine Scheiben-Erde gefallen war.

Das Buch ist außerordentlich anregend zu lesen, man kann es allen an der Menschheitsgeschichte interessierten nur empfehlen. Pellech These ist es insbesondere, daß die Odyssee und das Argonauten-Epos zusammen, gewissermaßen als "Paket" betrachtet werden müssen. Dabei dürfe aber nicht vergessen werden, daß jene von Pellech vermuteten, weit vor-antiken Weltumsegelungen lange vor den Phöniziern, Griechen und Ägypternder (nahen!) Antike stattgefunden hätten. Man müsse also mit starken Adaptionen an den weit späteren altorientalisch-mediterranen Zeitgeist, respektive die Weltanschauung, rechnen. Zweifellos seien das klassische Griechenland und seine Nachbarn weit davon entfernt gewesen, zu durchschauen, was ihnen da eigentlich "aufgetischt" wurde.

Abb. 2 Eine antike Darstellung einiger der Argonauten und ihres Schiffs (Umzeichnung einer Ritzzeichnung auf der Wandung der Cista Ficoroni, um 400 v. Chr., Rom, Villa Giulia). Diese Abbildung der Argo mit dem Heck einer zeitgenössischen Triere illustriert beispielhaft die 'Hellenisierung' der uralten Argonautensage, die Dr. Christine Pellech in ihrem Buch über diese vermutlich uralte Überlieferung konstatiert.

Einen sehr interessanten Aspekt des Buches bilden die Pellech’schen Identifikationen von markanten geographischen, geologischen oder auch meteorologischen Stationen (Scylla und Charybdis etc.) oder Phänomenen auf den vermuteten prä-antiken Weltumseglungen. Dazu gehört auch der verfolgenswerte Gedanke, daß das Totenreich der Antike zwar in der Unterwelt gedacht wurde, damit aber ursprünglich die Länder weit im Westen, aud der "Unterseite" des Erdeplaneten gemeint waren. Man war inzwischen aber wieder auf das Erdscheibe-Weltbild zurückgefallen. Etliche der Pellech’schen Identifikationen finde ich geradezu genial, dann gibt es ein großes Mittelfeld [von Interpretationen], die nicht übel erscheinen, wo aber Zweifel bleiben, und einen Rest (etwa die Identifikation des Phäakenlandes mit Altägypten), bei dem ich persönlich erhebliche Zweifel habe. Ein weites Feld für zukünftige Forscher!

Ein wichtiger Punkt noch! Im Pellech’schen Szenario liegen ja zwischen jener Zeit weit vor der klassischen Antike, als derzeitige Weltumseglungen in westlicher und östlicher Richtung gang und gäbe waren, und der Kultur/Zivilisation des klassischen Griechenland einige Jahrtausende. Dazu tauchen natürlich sofort einige Fragen auf. Ist dieser Hiatus von ein paar Jahrtausenden real? Müssen wir uns dazu auch (wie es ja auch jetzt schon allerhand nonkonformistische Forscher tun) mit Chronologiebezweiflung und eventuell sogar mit Katastrophismus befassen? Mir will scheinen, daß wir dies in der Tat tun sollten. Pellechs prä-antikes Zeitalter der Weltumsegelungen setzt ja eine weltweit verbreitete Hochkultur voraus. Woher dann der tiefe Absturz danach wieder zum Erdscheiben-Weltbild? Aber eben: war denn der Absturz real? Und eben auch: waren die etlichen Jahrtausende Hiatus real, in denen dann etwa nur Altägypten existiert hätte?

Und damit ergibt sich auch die Frage: gab es etwa in der Zeit zwischen jener prä-antiken Hochkultur und der klassischen griechischen Kultur Kataklysmen, verheerende Naturkatastrophen, eine "Sintflut" oder Impakte? Ein mutiger Privatgelehrter hat dies soeben postuliert [1], unter Berufung auf die im klassischen Griechenland umlaufenden Erinnerungen an eine "Große Flut". Er hat das Schema:

  • alte Steinzeit(en)
  • erste Metallzeit
  • Große-Flut-Hiatus
  • erneute Steinzeit
  • Bronze-Zeit (jetzt mit Zinn)
  • Eisenzeit

Es wäre sicherlich kein schlechter Gedanke, dieses Schema einmal versuchsweise in das Pellech’schen Szenario einzubauen.


Siehe zu diesem Thema auch


Anmmerkungen und Quellen

Diese Buchbesprechung von Dr. Horst Friedrich (1931-2015), deren Manuskript Teil seines Nachlasses ist, wurde von ihm 2011 oder 2012 verfasst. [2]. Ob und wo sie veröffentlicht wurde, ist derzeit nicht bekannt (irgendwelche Korrespondenz dazu war bisher nicht auffindbar). Bei Atlantisforschung.de erscheint sie am 29. Dezember 2017 im Dr. Horst Friedrich Archiv.

Fußnoten:

  1. Siehe: Martin Freksa, "Genesis Europas", Berlin (Frank & Timme), 2011, S. 16
  2. Red. Anmerkung (bb): Das Manuskript der Rezension wurde von Horst Friedrich nicht, wie bei ihm ansonsten üblich, auf den Tag genau datiert und handsigniert. Allerdings findet sich in seinem Nachlass auch eine englischsprachige Rezension des oben besprochen Buches mit ähnlichem Text. Diese trägt das Datum: 20. Februar 2012.

Bild-Quellen:

1) Buchverlag König / Bild-Archiv Atlantisforschung.de
2) Seebeer (Uploader) bei Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Datei:Umzeichnung Argonauten.jpg