Clube und Napier: Kohärenter Katastrophismus

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von Philip R. "Pib" Burns

Abb. 1 Der britische Astronom Victor Clube war federführend an der Entwicklung der Theorie des 'Kohärenten Katastrophismus' beteiligt.

1982 publizierten zwei britische Astronomen, S. V. M (Victor) Clube (Abb. 1) und William Napier, ein Buch mit dem Titel “The Cosmic Serpent”. Clube und Napier schlugen darin vor, dass die äußeren Planeten gelegentlich gigantische Kometen (von mehr als 50 Kilometern Durchmesser) ins innere Sonnensystem auf kurz-periodische Orbits ablenken. Bei der folgenden Auflösung dieser Riesenkometen entstehende Bruchstücke können die Lebenswelt der Erde nachteilig beeinflussen. Staubentwicklung kann das Sonnenlicht abblocken, was zu einer globalen Abkühlung führt. Impakt-Ereignisse der Super-Tunguska Klasse könnten nicht nur schwere Verwüstungen auf lokaler Ebene hervorrufen, sondern mitunter auch >Impakt-Winter< oder Staubschleier mit globalen klimatischen Effekten. [1]

Clube und Napier identifizieren einen solchen Riesenkometen, dessen Umlenkung auf einen kurzperiodischen Orbit (etwa 3.3 Jahre) sich irgendwann während der jüngsten zwanzigtausend Jahre ereignete, als Vorläufer des Tauriden-Komplexes. Der Tauriden-Komplex besteht derzeit aus dem Tauriden-Meteorstrom, dem Enckeschen Kometen (der einzige bekannte, derzeit aktive Komet im Tauriden-Komplex), "Asteroiden" wie 2101 Adonis und 2201 Oljato, und großen Mengen von Staub. Alle zehn erfassten Asteroiden des Tauriden-Komplexes scheinen zugehörige Meteor-Schwärme zu haben, und daher stellen sie vermutlich verbrauchte Kometen dar, die sich als Asteroiden 'maskieren'.

Die Effekte der Desintegration dieses Vorläufers des Tauriden-Komplexes in einem die Erdbahn kreuzenden Orbit sollten geologisch und klimatologisch erfassbare Spuren hinterlassen haben. Clube und Napier stellten in "The Cosmic Serpent", und auch in ihrem späteren Buch “Cosmic Winter“, das 1990 veröffentlicht wurde, Evidenzen für solche Effekte zusammen. Clube und Napier, die den Fußstapfen früherer Katastrophisten folgen, suchen auch in der alten Mythologie nach Evidenzen für katastrophische Ereignisse. Die beiden Autoren haben auch Papiere für Standard-Journale mit Peer-Review über die Rolle verfasst, die gigantische Kometen bei der Gestaltung einer tragfähigen physikalischen Theorie des Kohärenten Katastrophismus [orig.: “coherent catastrophism “; d.Ü.] spielen.

Die riesenhaften Kometen befinden sich normalerweise weit jenseits der Planeten, in einer sphärischen Wolke, welche die Sonne umgibt, und die Oortsche Wolke genannt wird. Außerdem gibt es Evidenzen für eine flache Scheibe aus Kometen in größerer Nähe zum inneren Sonnensystem, namens Edgeworth/Kuiper-Gürtel. Was bringt Elemente eines dieser Kometen-'Depots' dazu, in den planetaren Raum einzudringen? Clube und Napier verweisen auf einen galaktischen Einfluss. Das Sonnensystem passiert die galaktische Ebene periodisch, während die Sonne (und mit ihr das ganze Sonnensystem) das Zentrum der Galaxis umkreist. Jede Passage kann die Bahn gigantischer Kometen verändern und sie näher an die Sonne heran bringen. Die äußeren Planeten, insbesondere Jupiter, können dann einige dieser gigantischen Kometen in Orbits ablenken, die sie ins innere Sonnensystem führen. Diese Kometen können sich dann, sowohl durch die gravitationelle Einflüsse als auch durch die Sonnenhitze, in eine Wolke aus kleineren Objekten mit in ihrer Dynamik ähnlichen Orbits auflösen. (Abb. 2)

Abb. 2 Der 'Große Komet' von 1882 war vermutlich nur das Bruchstück eines weitaus größeren kometaren Körpers, der ins innere Sonnensystem gelangt war und sich dort langsam auflöste.

Chiron liefert ein gutes Beispiel für einen gigantischen Kometen, wie in Clube und Napiers Rieseskometen-Hypothese vorgesehen ist. Chiron hat einen Durchmesser von etwa zwischen 148 und 208 Kilometern. Chirons instabile Park-Bahn [orig.: "parking orbit"; d.Ü.] liegt derzeit größtenteils zwischen Saturn und Uranus. Chiron könnte innerhalb von hunderttausend Jahren durch eine Bahnänderung ins innere Sonnensystem gelangen, oder innerhalb des selben Zeitraums aus dem Sonnensystem herausgeschleudert werden. Es ist auch möglich, dass Chiron das innere Sonnensystem bereits besucht hat.

Der Tauriden-Komplex und die Kreutz sungrazer Gruppe sind zwei 'Familien' von Objekten, welche höchst wahrscheinlich die in der derzeitigen Ära fragmentierten Überreste zweier gigantischer Kometen repräsentieren. SOHO hat kürzlich viele neue zur Kreutz-Gruppe gehörende Objekte entdeckt, die zuvor noch unbekannt waren.

Der Kreutz-Vorläufer war in einen retrograden Orbit gelangt und bei hoher Inklination zur Ekliptik in seinen “Sonnenkratzer”-Status [orig.: “sungrazing state”; d.Ü.]. Infolgedessen stellen die Trümmer seiner "Kinder" für die Erde keine Bedrohung dar. Andererseits gelangte der Tauriden-Vorläufer in einen kurz-periodischen, progradischen [orig.: “prograde”; d.Ü.] Orbit mit niedriger Inklination. Dies ist der Grund, warum die Erde seinen Überresten begegnen kann - mit potentiell verhängnisvollen Resultaten.

Was würde geschehen, sollte die Erde den Orbit eines sich auflösenden Riesen-Kometen kreuzen, kurz bevor oder nachdem der Komet den selben Punkt pessiert? Da größere Fragmente dazu tendieren, nahe des Kometenkerns Cluster zu bilden, würde die Wahrscheinlichkeit zunehmen, dass die Erde von größeren Fragmenten bombardiert wird. Das Ausmaß solch eines Schauers von Kometen-Fragmenten würde das irgendeines gewöhnlichen Meteoriten-Schauers (Abb. 3) bei weitem übersteigen. Es würden nicht nur durch kleinere Trümmer verurachte "Sternschnuppen" und helle Feuerbälle auftreten, sondern zudem große Detonationen in der Atmosphäre [orig.: “airbursts”; d.Ü.] und möglicherweise auch Boden-Impakte. Diese würden zu signifikanten Zerstörungen führen, sollten sie sich über einem bewohnten Gebiet ereignen. Sollte ein ausreichend großes Fragment – sagen wir, mit ca. 200 Meter Durchmesser – in den Ozean einschlagen, würden sich Tsunamis entwickeln, die auch noch in großer Entfernung Küsten-Siedlungen wegfegen würden.

Abb. 3 Der Meteorstrom der Alpha-Monocerotiden im Jahr 1995

Duncan Steel, ein Kollege von Clube und Napier, bezeichnet diesen Prozess als Kohärenten Katastrophismus [orig.: “coherent catastrophism“; d.Ü.] Weitreichende Zerstörung ergeben sich aus der kohärenten Ankunft vieler Impaktoren innerhalb weniger Tage, ganz anders als bei dem sporadischen Erscheinen von Objekten, die willkürlich im Weltraum verteilt sind. Der Schauer wiederholt sich über einen Zeitraum von Jahren hinweg, bis der Kometen-Orbit präzessiert, sodass die Erde nicht länger dem dichten Teil Trümmerfelds begegnet. (Natürlich können jederzeit auch sporadisch Trümmer [auf der Erde] einschlagen, die nichts mit dem sich auflösenden Kometen zu tun haben.)

Ich meine, dass der Kohärente Katastrophismus, wie er von Clube, Napier, Steel, und ihren Kollegen formuliert wird, das beste physikalische Modell für rezente, astronomisch erklärbare, Katastrophen anbietet, auch wenn ich nicht notwendigerweise mit all ihren historischen Ideen übereinstimme. Zu einer gegenteiligen Ansicht sollten Sie [den Artikel] 'Is The Sky Falling?' von David Morrison lesen, erschienen im Magazin Skeptical Inquirer, welcher vortrefflich die vorherrschende Meinung zur Bedrohung durch Impakte zusammenfasst. Der Artikel enthält auch Besprechungen von Büchern über die Bedrohung durch Impakte, die in the 1990ern veröffentlicht wurden. Die Vorab-Version einer Besprechung von Duncan Steels Buch durch Clark Chapman liefert ebenfalls hilfreiche Kritiken zum Standpunkt des Kohärenten Katastrophismus. Die finale Version erschien in dem Journal 'Meteoritics and Planetary Science', v.31 (1996), pp. 313-314. Morrison und Chapman widersprechen entschieden der Idee des Kohärenten Katastrophismus von Clube, Napier, Asher und Steel.

Eine häufig gegen Clube et al's Riesenkometen-Hypothese vorgebrachte Kritik besagt, dass sie einen "velikovskyanischen" Ansatz bezüglich mythologischer und historischer Evidenzen als primäre Grundlage aufweise. Das ist unzutreffend. Selbst wenn jede einzelne der mythologischen Interpretationen, die von Clube und Napier in 'The Cosmic Serpent' oder 'Cosmic Winter' vorgeschlagen werden, sich als nachweislich unzutreffend herausstellen sollte, so würde dies rein gar nichts über die Korrektheit der Riesenkometen-Hypothese und des Kohärenten Katastrophismus aussagen. Ihrer Richtigkeit hängt einzig und allein von physikalischen Evidenzen ab. Mythologische Evidenzen können bestenfalls Stützungsbeweise [orig.: “supporting evidence”; d.Ü.] darstellen. Dies kann man von vielen anderen Versionen des unorthodoxen Katastrophismus nicht sagen, z.B. von der Velikovskys, welcher Physik und Astronomie auf Grundlage alter Mythen umzuschreiben sucht.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Philip R. "Pib" Burns © wurde erstmals auf seinen Webseiten unter dem Titel Clube and Napier: Coherent Catastrophism veröffentlicht. Übersetzung ins Deutsche und redaktionelle Bearbeitung durch Atlantisforschung.de

  1. Redaktionelle Anmerkung: Zu den verschiedenen kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen eines massiven Impakts auf die Erde siehe bei Atlantisforschung.de auch: "Ablauf und Folgen eines Impaktes" (Christian Rother)


Bild-Quellen

(1) Andrew Collins, andrewcollins.com - The Official Andrew Collins Website, unter: Victor Clube

(2) Wikipedia - Die freie Enzykolpädie, unter: Datei:Grosser Komet von 1882.jpg (Bildbearbeitung durch Atlantisforschung.de)

(3) Wikipedia - Die freie Enzyklopädie, unter: Meteorstrom