Das Rätsel der alten Erdwerke Amazoniens

Aus Atlantisforschung.de
Wechseln zu:Navigation, Suche

Neue Studie zeigt: Altertümliche Strukturen existierten bereits, bevor der Regenwald entstand

(red) in Dale Drinnons >Frontiers of Anthropology< [1] wird aktuell ein auf der Berichterstattung des Magazins Live Science sowie auf einer dortigen Fotostrecke [2] basierender Artikel wiedergegeben, der - wie derzeit auch viele andere englischsprachige Publikationen - auf eine kürzlich erschienene Studie von Forschern der britischen University of Reading verweist. Sie liefert neue Einblicke in die Prähistorie Amazoniens.

Abb. 1 Einer der alten, ringförmigen Gräben, die aufgrund der Abholzung der Regenwälder Amazoniens zum Vorschein kamen

Dazu heißt es dort: "Eine Reihe quadratischer, geradliniger und ringförmiger Gräben, die über das gesamte bolivianische und brasilianische Amazonien verstreut sind, waren bereits dort, bevor es den Regenwald gab, stellt eine neue Studie fest. Diese von Menschen geschaffenen Strukturen bleiben ein Geheimnis: Sie könnten zur Verteidigung, Entwässerung, oder vielleicht aus zeremoniellen oder religiösen Gründen verwendet worden sein. Aber die neue Forschung befasst sich auch mit einer anderen brennenden Frage, nämlich ob und wie sehr prähistorische Menschen die Landschaft am Amazonas vor der Ankunft der Europäer veränderten.

>Menschen haben haben das globale Klimasystem durch die Landnutzung nicht nur während der jüngsten 200 bis 300 Jahre beeinflusst, sondern seit Tausenden von Jahren<, sagte Studienautor John Francis Carson, Postdoktorand an der University of Reading in Großbritannien. (Siehe die Bildstrecke zu den alten Erdwerken Amazoniens bei livescience.com)

Archäologen dachten, dass die Ureinwohner, die in Amazonien gelebt haben, bevor Christoph Kolumbus im Jahr 1492 in Amerika ankahm, sich über die Fläche dieses Gebiets bewegt haben, wobei sie kaum einen Kratzer in der Landschaft hinterließen. Seit den 1980er Jahren hat jedoch die Entwaldung massive Erdwerke in Form von Gräben enthüllt, die bis zu 16 Fuß (5 Meter) tief und oft ebenso breit sind.

Diese Entdeckungen haben eine Kontroverse zwischen jenen bewirkt, welche glauben, die Amazonier seinen noch vorwiegend sanft mit der Landschaft umgegangen und hatten sehr wenig Veränderung des Regenwaldes verusacht, und denjenigen, die meinen, dass diese präkolumbischen Menschen große Brandrodungs-Operationen durchführten, [deren Resultate] später vom Wald verschlungen wurden, nachdem die europäische Invasion einen Kollaps der Bevölkerung verursacht hatte.

Abb. 2 Die Regenwälder Amazoniens existierten vor mehr als 3000 Jahren noch nicht - zumindest bei weitem nicht in dem Ausmaß, wie wir sie heute kennen.

Carson und seine Kollegen wollten die Frage untersuchen, ob die frühen Amazonier größeren Einfluss auf den Wald hatten. Sie konzentrierten sich auf den Amazonas im Nordosten von Bolivien, [von] wo sie Sedimentkerne aus zwei Seen in der Nähe großer Erdwerke holten. Diese Sedimentkerne enthalten alte Pollen und Holzkohle aus sehr alten Bränden, und können Hinweise auf das bei der Klima- und Ökosystem liefern, das existierte, als sich das Sediment vor bis zu 6000 Jahren ablagerte.


Altertümliche Landschaft

Eine Untersuchung der beiden Bohrkerne - einer aus dem großen See, der Laguna Oricore, und einer aus einem kleineren See, der Laguna Granja - offenbart eine Überraschung: Die ältesten Sedimente stammten uberhaupt nicht von einem Regenwald-Ökosystem. Tatsächlich sah das bolivianischen Amazonien vor etwa 2.000 bis 3.000 Jahren eher aus wie die Savannen von Afrika aus als wie das heutige Dschungel-Milieu.

Die Frage war nun, ob das frühe Amazonien stark abgeholzt oder kaum angerührt wurde, sagte Carson. >Die überraschende Sache, die wir herausfanden, bestand darin, dass beides nicht der Fall war<, sagte er Live Science. >Es war ein drittes Szenario, in welchem das Klima, als Menschen erstmals in diesem Naturraum ankamen, trockener war.<

Die Pollen aus diesem Zeitraum stammten vor allem von Gräsern und ein paar dürreresistenten Arten von Bäumen. Beginnend vor etwa 2000 Jahren kamen mehr und mehr Baumpollen in den Proben vor, einschließlich weniger dürreresistenten Arten und mehr immergrünem Bäumen, berichten die Forscher heute (7. Juli) im Journal Proceedings of the National Academy of Sciences. Der Holzkohle-Gehalt ging auch zurück, was auf eine weniger brandgefährdeten Landschaft hinweist. Diese Änderungen wurden weitgehend durch eine Erhöhung der Niederschlags vorangetrieben, sagte Carson.

Abb. 3 Die Frage, was die Regenwälder um sich greifen ließ, bis sie die alten Erdwerke schließlich überwucherten, wird von der Studie leider nicht beantwortet.

Die Erdwerke sind älter als diese Verschiebung, was anzeigt, dass die Schöpfer dieser Gräben sie aushoben, bevor der Wald um sie herum entstand. Sie lebten weiter in der Gegend als sie bewaldet wurde, und wahrscheinlich haben sie Bereiche um ihre Strukturen herum freigehalten, sagte Carson. >Das macht irgendwie Sinn<, sagte er. >Es ist einfacher, einen Schössling zu zerstampfen, als mit einer Steinaxt einen großen Amazonas-Baum zu fällen.< (Foto-Galerie: Artenvielfalt des Amazonas bei livescience.com)


Fragen beantwortet

Die Entdeckung, dass die menschliche Aktivität vor der [Entstehung des] Wald[es] stattfand, beantwortet einige Fragen, wie z.B. jene, wie Amazoniens Menschen im Regenwald mit nicht mehr als Steinwerkzeugen etwas bauen konnten (sie mussten es gar nicht nicht), wie viele Menschen notwendig waren, um die Strukturen zu konstruieren (weniger als bei einem Kahlschlag erforderlich gewesen wären) und wie die Bevölkerung sich erhalten konnte (durch den Anbau von Mais).

Die Studie hat auch weitreichende Auswirkungen für die moderne Zeit, sagte Carson. Die Frage, wie man den Amazonas-Regenwald erhalten kann, ist schwer zu beantworten; einige Leute sagen, die Menschen müssen ihn verlassen, und andere glauben, dass Menschen und der Wald koexistieren können. Die Frühgeschichte könnte einen Leitfaden liefern, sowie ein besseres Verständnis dafür, wie sich der Wald von früheren Störeinflüssen erholt hat. (Amazonien beeinflusst das Klima, und reagiert auch darauf, dank seiner Fähigkeit, Kohlenstoff aus der Atmosphäre zu entnehmen.)

Die neue Studie legt nahe, dass der moderne Wald eine Koproduktion zwischen Mensch und Natur ist, sagte Carson. Natürliche Kreisläufe [sic!; d. Red.] brachten den Regenwald dazu zu wachsen, aber die Menschen waren auch noch 1500 Jahren danach vor Ort, sagte er. >Es ist in der Tat sehr wahrscheinlich, dass die Menschen irgendeinen Einfluss auf die Zusammensetzung des Waldes hatten<, sagte Carson. >Die Leute könnten essbare Arten bevorzugt haben, wie sie in Obstgärten und ähnlichen Anlagen wachsen, [oder] die Scholle verändert haben, indem sie Chemie und Zusammensetzung der Böden veränderten, was eine länger anhaltende Nachwirkung haben kann.< Diese langfristigen Veränderungen wollen Carson und seine Kollegen als nächstes untersuchen. >Diese Art von Studie hat in Amazonien gerade erst begonnen<, sagte Carson." [3]


Redaktionelle Anmerkung

Hier zunächst der Link zur Studie:

Die Frage, was eigentlich den - wohl kaum menschlichem Einfluss zuzuschreibenden - massiven Wandel der Pflanzenwelt im Großraum des Amazonas vor mehr als 3000 Jahren ausgelöst und den Lebenraum der dortigen Menschen [4] so stark verändert hat, tritt in der Studie von Carson et al. offenbar ganz in den Hintergrund, aber gerade dies dürfte wohl der zentrale Aspekt des 'Rätsels der alten Erdwerke Amazoniens' und ihrer Schöpfer sein.

Dazu bemerkt Dale Drinnon: "Der Zeitpunkt des Endes des Klimaregimes, bevor der Regenwald vorherrschen wurde, fällt mit weltweiten Klimaveränderungen zusammen, welche Immanuel Velikovsky mit kosmischen Katastrophen [5] in Zusammenhang brachte. Ob Velikovskys Szenario nun richtig war, oder ob nicht, so haben wir doch gute Beweise für die Klimaänderung (Klimastürze) anderswo in der Welt, und es gibt eine sehr gute Chance, dass diese Erdarbeiten mit den ältesten in Tiwanaku (Tiahuanaco) gebauten Strukturen in Verbindung stehen, so dass dies in der Tat eine ganz große Sache sein könnte." [6]


Anmerkungen und Quellen

Fußnoten:

  1. Siehe: Dale Drinnon, "Pre Rainforset Structures of the Amazon", bei: Frontiers of Anthropology, 10. Juli 2014
  2. Siehe: Jeanna Bryner, "In Photos: Earthworks Scattered Throughout the Amazon", bei: Live Science, 07. Juli 2014
  3. Quelle: Stephanie Pappas, "Mysterious Amazon 'Rings' Predate The Rainforest Itself, Study Finds", bei: The Huffington Post; nach: Dale Drinnon, "Pre Rainforset Structures of the Amazon", bei: Frontiers of Anthropology, 10. Juli 2014 (abgerufen: 11. Juli 2018; Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de)
  4. Anmerkung: zu den dortigen aboriginalen Kulturen der Vorzeit und uralten Siedlungsresten siehe auch: Bernhard Beier, "Brasilien - Wiege der amerikanischen Zivilisationen?"
  5. Red. Anmerkung: Zu kataklysmischen Veränderungen im Amazonasgebiet siehe auch: Dr. Horst Friedrich, "Tepumerene und Pedra Pintada" (1996)
  6. Quelle: Dale Drinnon, op. cit. (10. Juli 2014)

Bild-Quellen:

1) University of Reading, nach Live Science, via Frontiers of Anthropology
2) Vzb83 bei Wikimedia Commons, unter: File:River in the Amazon rainforest.jpg
3) University of Reading, nach Live Science, via Frontiers of Anthropology (Bild-Bearbeitung durch Atlantisforschung.de)