Die Steingravierungen von Deux-Sèvres

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von Robert Charroux (1974)

Abb. 1 Die 'Dame von La Vaulx' gehört zu den beeindruckendsten Exemplaren dieser Fundstätte.

[...] Wer hat schon von den Felszeichnungen von La Vaulx im Department Deux-Sèvres gehört? Wer hat die sechs schönsten Exemplare zu Gesicht bekommen, die, seit sie zu Beginn dieses [des 20.; d. Red.] Jahrhunderts dem Museum von Saint-Germain-en-Laye zugingen, in der Versenkung verschwunden sind? Und dabei ist La Vaulx archäologisch ebenso bedeutend wie Carnac oder Filitosa oder der Mont Bego und künstlerisch sogar noch interessanter.

Entdeckt wurden die Gravierungen um 1850 vom Marquis de la Bretesche, der seinen Fund dem Direktor des archäologischen Museums von Nantes anzeigte, jedoch ohne den geringsten Erfolg. Der Wert der Steine wurde erst 1905 vom Pfarrer von Saint-Aubin-de-Baubigné, dem Abbé Théophile Gabard erkannt, der Kopien der Zeichnungen anfertigte und 1908 eine Abhandlung über das Thema veröffentlichte. [1]

Die Felszeichnungen, die um die für unsere Vorfahren wichtigsten Erfahrungen kreisen: die Frau, Geliebte oder Mutter, die Sterne sowie die Symbole ihrer heidnischen [sic!; d. Red.] Religion, gehören demselben Kulturtyp an wie die von Cachão do Algarve (Portugal), Vallecamonica (Italien) und vom Mont Bego (Alpes-Maritimes), sind nur viel ausgefeilter, was jedoch nicht bedeutet, daß sie weniger alt wären.

Abb. 2 Ein prähistorischer Kultaltar mit Sonnensymbol? Möglicherweise war La Vaulx ein bedeutendes religiöses Zentrum.

Im letzten [dem 19.; d. Red] Jahrhundert schrieb man sie einem schwachsinnigen alten Hirten zu, was nicht eben für die Intelligenz der Verfechter dieser These spricht. Alles in allem sind heute rund fünfzig Felsplastiken und zweihundert Ritzzeichnungen bekannt; das aber bedeutet, sofern man den alten Berichten glauben darf, daß im Laufe des vergangenen Jahrhunderts eine ganze Anzahl besonders komplizierter und kunstvoller Felszeichnungen verschwunden sein müssen.

Das Alter dieser Steine wird von Louis Capitan, dem Prähistoriker, der die Funde von Glozel [2] nicht anerkennen wollte, auf vier oder fünf Jahrhunderte vor unserer Ära angesetzt, während wir persönlich 5000 Jahre (also die europäische Megalithkultur = 3200-2500 v. Chr.) oder noch eher 6000 bis 7000 Jahre (das Neolithikum) für wahrscheinlich halten.

Die Gravierungen weisen samt und sonders den einmalig sicheren Strich der prähistorischen Graveure auf. Obwohl alle Zeichnungen von hoher künstlerischer Qualität sind, ragt eine doch durch besondere Schönheit hervor: die Silhouette der >Dame von La Vaulx< (Abb. 1), ein Machwerk von hinreißender Eleganz und großem Charme. "Eine echte Konzertcafé-Sängerin", meinte unser Freund, der Archäologe Jean Pastré aus Niort, "die ihren Körper zwei Riesenhänden darzubieten scheint."

Abb. 3 Die vielfältigen Symbole der Steingravierungen im Department Deux-Sèvres konnten bisher noch nicht eindeutig entschlüsselt werden.

Oft haben sich die Künstler von den Gegebenheiten des Materials inspirieren lassen. Bestimmte Zeichen oder Symbole aber kehren immer wieder: Sterne, Pfeile, abgerundete Rauten (die Augen oder Vulven darstellen können), große und kleine Kreise, Schrägbalken, Winkel, Spiralen, Kreuze, Rechtecke, aber auch menschliche und tierische Umrisse.

Natürlich fragt man sich, was diese Zeichen bedeuten mögen. Die Sterne z.B. könnten Hinweise auf einen Sternenkult sein, aber auch an den Kometenplaneten Venus [3] erinnern (in welchem Fall die Steine mindestens 5000 Jahre alt wären); die großen Kreise symbolisieren wohl die Sonne, so auf dem altarförmigen Stein (Abb. 2), der an einen Sonnenkult denken läßt; die mandelförmigen Gebilde den Mond oder die Vulva versinnbildlichen (wohingegen phallische Symbole allerdings in La Vaulx keine Rolle zu spielen scheinen); die fast durchweg horizontal weisenden Pfeile, die mehrere Deutungen zulassen, mögen für Zahlen, Tage, Jahre, Treppen, Tote etc. stehen, die vertikalen dagegen wohl häufig einen lebenden Menschen darstellen wollen.

Die zwischen 500 kg und mehreren Tonnen schweren Steine finden sich in einem Umkreis von einem Quadratkilometer in der Landschaft verstreut. Einer wurde unter dem Fußboden eines Bauernhofes entdeckt, ein anderer ist in eine Mauer eingelassen, ein dritter steht am Wegrand vor einem Gebäude. Die >Dame von La Vaulx< ruht hinter einem Gehöft auf einer Wiese. [...]


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von Robert Charroux erschien erstmals 1974 unter den Kapitelbezeichnungen "Die Steingravierungen von Deux-Sèvres" und "Die Dame von La Vaulx" in seinem Buch "L'énigme des Andes, Les Pistes de Nazca, La bibliothèque des Atlantes" beim Verlag Robert Laffont, Paris. Entnommen wurde der Text der deutschsprachigen Übersetzung von Siglinde Summerer und Gerda Kurz, die unter dem Titel "Das Rätsel der Anden" 1979 in der Taschenbuch-Reihe 'Grenzwissenschaften' vom Goldmann Verlag veröffentlicht wurde.

Leider war es uns trotz langwieriger und umfassender Recherchen nicht möglich, den derzeitigen Inhaber der Rechte an Robert Charroux´ Werken in deutscher Sprache zu ermitteln. Daher erscheint dieser Beitrag bei Atlantisforschung.de vorläufig, in einer leicht gekürzten und redaktionell bearbeiteten Fassung, als wissenschafts- und atlantologie-geschichtliche Dokumentation zu Lehr- und Studienzwecken.

Fußnoten:

  1. Anmerkung des Autors: In "Histoire de la paroisse de Saint-Aubin-de-Baubigné. A la bonne Presse de l'Ouest (Saint-Maixent)
  2. Vergl. dazu: Frankreich - Atlantis in Frankreich? Eine primhistorische Reise durch die französische Urgeschichte; sowie: Die Schrift-Tafeln von Glozel von R. Cedric Leonard
  3. Red. Anmerkung: Charroux übernimmt hier offenbar die These Immanuel Velikovskys, dass die Venus früher kein 'ordentlicher' Planet unseres Sonnensystems, sondern ein Irrläufer war, dessen Annäherung an die Erde die Ursache für eine globale Katastrophe in frühgeschichtlicher Zeit dargestellt hat.

Bild-Quelle:

1) Robert Charroux, "Das Rätsel der Anden", Goldmann, 1979, Seite 178
2) Robert Charroux, "Das Rätsel der Anden", Goldmann, 1979, Seite 179
3) ebd.