Die Schrift-Tafeln von Glozel

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von R. Cedric Leonard

Abb. 1 Eine der Schrift-Tafeln von Glozel. (Foto: © Robert Liris)

Es ist nun klar, dass die Geschichte der alphabetischen Schrift weit länger zurückreicht, als dies früher angenommen wurde. Während die Schriftgelehrten die Einführung des Alphabets den Phöniziern um 1600 v. Chr. zuschrieben (alte Überlieferungen benannten Kadmos, den König von Tyros, als Erfinder), tauchten immer wieder Fundstücke auf, die viel älter sind. Da viele bis jetzt noch unentziffert sind, kann niemand absolut sicher sein, welche davon (sofern überhaupt) eine Art Schrift repräsentieren. Die Entdeckung der Glozel-Tafeln (Abb. 1) auf einem Bauernhof bei Vichy in Frankreich rief jedenfalls eine Kontroverse hervor, die sich über Jahre hinzog. Da etwa die Hälfte des "phönizischen" Alphabets auf diesen Tafeln abgebildet war, stellen sie vermutlich eine Form von Schrift dar.

Ich werde nun eine Geschichte wiedergeben - deren Details peinlich genau von John Philip Cohane (1977), einem Absolventen der Yale-University, aufgespürt wurden -, die als infamste aller je begangenen Fehlleistungen in die Annalen wissenschaftlicher Geschichtsforschung eingehen könnte.

Die Geschichte spielt im Jahr 1921 in Glozel in Südwest-Frankreich. Eine große Anzahl von beschrifteten Tontafeln war (zusammen mit einigen Lehmziegeln, Töpfergut und Stein-Äxten aus dem Magdalénien) von einem 16 Jahre alten französischen Jungen namens Emile Fradin (Abb. 2) auf einem Feld ausgegraben worden. Die Schrift auf den Tafeln ähnelte dem Phönizischen und in das Töpfergut waren Bilder von Rentieren und Panthern eingeritzt, die beide in dieser Gegend Europas seit 10 000 bis 12 000 Jahren ausgestorben sind.

Eine vehemente Kontroverse ergab sich unter den Autoritäten. Sowohl die Authentizität als auch das Alter der Artefakte wurden energisch debattiert. Endlich wurde 1927 eine Weltweite Körperschaft berufen, um den Disput beizulegen. Dieses 'Spitzen-Gremium' kam zu dem Schluss, dass die Entdeckungen von Glozel ausgemachte Fälschungen seien, hergestellt und platziert von dem jungen französischen Burschen, um dann "zufällig" gefunden zu werden. Diese Entscheidung bedeutete für den jungen Fradin eine bittere Desillusionierung und Seelenqual, die nie wieder gut gemacht werden können.

Abb. 2 Emile Fradin, der Entdecker der Glozel-Artefakte (rechts), wurde von Fachwissenschaftlern lange als Lügner und Betrüger verunglimpft.

Zwei Punkte von äußerster Wichtigkeit sollten hier erwähnt werden: 1) Diese Entscheidung kam zustande, bevor unsere modernen Datierungs-Methoden - wie C-14, Fission Track, Fluor, Thermoluminiszenz und Paläomagnetismus - entwickelt wurden; 2) die schmähliche Piltdown-Kontroverse grassierte noch und die archäologische Gemeinde steckte in der Agonie ihrer extremen Verlegenheit fest. Dem Piltdown-Fiasko wurde erst 1950 ein Ende gemacht, als Fluor-Tests es als einen Fake entlarvten.

Zum akademischen Argument gegen die Echtheit des Fundes [von Glozel] wurde die Abbildung ausgestorbener Tiere neben Schrift im phönizischen Stil. Wie konnte jemand phönizische Buchstaben verwenden, bevor die Phönizier sie einführten? Solch einen Anachronismus zu akzeptieren wäre wahnwitzig und könnte das ganze, nett organisierte, Bild der Geschichte der Schrift umwerfen.

Andererseits stellt sich mir die Frage: Wie konnte jemand das Bild eines Tieres gravieren, das er noch nie gesehen hat? Die Übereinstimmumg zwischen den Magdalenien-Artefakten und der Abbildung eiszeitlicher Tiere legt doch das Alter des Fundes nahe. Ganze fünfundvierzig Jahre dauerte es, bis etwas Konstruktives unternommen wurde, um die Kontroverse aufzulösen.

Während der späten 1960er Jahre hatte Gavn Majdahl, ein Physiker aus dem Stab des Forschungslabors der Atom-Energie-Kommision Dänemarks, an der Weiterentwicklung und den Einsatzmöglichkeiten einer kurz zuvor in Großbritannien entdeckten Datierungs-Methode geforscht. Heute als Thermoluminiszenz-Datierung bekannt, ist sie speziell auf die Altersbestimmung von Artefakten aus Ton zugeschnitten. Finanziert hatten die Entwicklung Dänemarks Governmental Research Council und das Atomic Energy Center.

Nachdem er davon erfahren hatte, kam Sture Eilow, ein schwedischer Amateur-Archäologe, mit der Idee auf Majdahl zu, die neue Methode zu benutzen, um das Alter des Glozel-Materials festzustellen. Majdahl gefiel der Vorschlag und er ging darauf ein. Die Tests wurden an Glozel-Artefakten durchgeführt und - siehe da - all die "Experten" hatten sich geirrt! Die Tests bewiesen schlüssig, dass das Glozel-Material aus der Periode des Magdalenien stammte. Ungläubige Experten brachten das Material nach Schottland, um es einer weiteren Test-Serie zu unterziehen, diesmal in Edinburghs renommierten National Museum of Antiquities. Diese Testserie bestätigte die erste völlig, womit sie das Alter und die Authentizität der Glozel-Artefakte außer Zweifel stellte! Emile Fradin war nach fast fünfzig Jahren der Demütigung rehabilitiert.

Abb. 3 Die Artefakte von Glozel sind oft über und über mit Glyphen bedeckt. Vermutlich ein weiteres Indiz dafür, dass es sich um prähistorische 'Datenträger' handelt, auf denen möglichst viel Information zu einem bestimmten Thema untergebracht werden sollte.

In einer Nachrichtenmeldung der AP (28. August 1975) kommentierte Majdahl: "Natürlich ist es faszinierend, dem nun achtundsechzigjährigen Emile Fradin möglicherweise eine vollständige Rehabilitierung zukommen zu lassen. Aber Glozel kam gerade Recht, um die erste dramatische Demonstration des Potentials der neuen Methode zu bieten." Die Thermoluminiszenz-Technologie wird nun im Bereich der Archäologie seit dreißig Jahren angewendet und hat sich als unschätzbares Instrument für die Datierung von Lehm-Material erwiesen.

Man muss nicht betonen, dass kaum ein Mensch auf der Welt etwas von dem letztendlichen Ausgang der hitzigen Kontroverse weiß (Sie haben´s auch nicht gewusst, oder?), obwohl das Endergebnis und Entschuldigungen gegenüber dem betagten Herrn Fradin in der Presse veröffentlicht wurden. Trotz all dieser Entwicklungen halten sich Schriftgelehrte und andere involvierte Autoritäten auf dem wohl ausgetretenen Pfad, dass die Sumerer die Erfinder der Schrift gewesen seien, und die Phönizier das Alphabet eingeführt hätten. (Warum überrascht mich das nicht?)

Wie man beim Durchsehen der anderen diesbezüglichen Artikel sehen kann, haben die archäologischen Ausgrabungen von Cro-Magnon-Fundstätten aus dem Oberen Paläolithikum zahlreiche Beispiele hochentwickelter Schriftformen erbracht, welche die Kommunikation von Ideen darstellen. Das stützt die Schlussfolgerung, dass die Tafeln von Glozel eine Form von "alphabetischer" Schrift sind, die bis in die Zeit der Atlanter zurückreicht.

Die Möglichkeit, dass die Atlanter eine Form von alphabetischer Schrift besaßen ist erheblich, auch wenn dies ein Syllabarium (Gelb, 1974) darstellt, ganz einfach weil eine Leistung wie diese ein Indiz für ein fortgeschrittenes Zivilisationsstadium darstellt. In anderen Artikeln auf meinen Webseiten [1] habe ich Evidenzen dafür gezeigt, dass die Cro-Magnon-Leute äußerst künstlerisch veranlagt waren, Ackerbau betrieben, Tiere domestizierten und Schiffe verwendeten (was nautische und seglerische Kenntnisse impliziert). Außerdem waren sie auch bewandert in Mathematik, Medizin und Astronomie. Mit anderen Worten waren die Cro-Magnon-Leute schon zivilisiert, bevor sie an den Küsten Europas und Nordafrikas landeten.


Anmerkungen und Quellen

Dieser Beitrag von R. Cedric Leonard © erschien erstmalig online unter dem Titel "THE GLOZEL TABLETS" bei http://www.atlantisquest.com/glozel.html Übersetzung ins Deutsche durch Atlantisforschung.de


Bild-Quellen

(1) Wolfgang Bauer, Sabine Genschow Die frühe Geschichte der Menschheit - eine Zusammenfassung der verschiedenen Theorien und Mythen, online unter: http://www.earlyworld.de/grf_arch/glozel6.jpg

(2) http://marcogee.free.fr/i/heret/fradin.jpg (nicht mehr online)

(3) Wolfgang Bauer, Sabine Genschow Die frühe Geschichte der Menschheit - eine Zusammenfassung der verschiedenen Theorien und Mythen, online unter: http://www.earlyworld.de/grf_arch/glozel3.jpg